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Die künstliche Aufregung ums Urheberrecht [Kommentar]

Das , das im übrigen bis auf einen kleinen Gallier namens MSPro keiner mehr abschaffen will, muss anscheinend ganz dringend verteidigt werden. Dazu haben sich jetzt sagenhaft viele Künstler durch, mit und für Matthias Landwehr (Nomen est Omen) schön in Reih' und Glied aufgestellt, um noch mal kategorisch "Nein" zu sagen. Das ist, wie Augustinus sagt, in einer Weise richtig, weil es in einer Weise falsch ist. Leider in einer weltfremden und dadurch peinlichen Weise, wie ich finde.

Die künstliche Aufregung ums Urheberrecht [Kommentar]

 

Dabei bin ich kein Buchverächter! Mein ganzes Leben, inklusive Wohnzimmer, Schlafzimmer, Keller und auch schon das Kinderzimmer sind voll davon. Manche Leute haben einen Soundtrack, ich habe auch einen Booktrack. Auch habe ich keine Vorbehalte gegenüber den Unterzeichnern, soweit ich sie kenne. Kehlmann ist göttlich, Willemsen verdanke ich die entlarvendsten Momente die Madonna je veröffentlicht ließ, er brachte Petrucciani regelmäßig im TV, Aufmerksamkeit für Carolyn Breuer etc pp. Charlotte Roche habe ich nie gelesen, aber trotzdem großen Respekt, und wenn es nur die Vita ist, die das erzwingt. Da kann der Rest nicht sooo schlecht sein.

Aber trotzdem, so nett, klug und Gutes wollend Initiator und die Unterzeichner auch sein mögen, am Ende kann ich immer noch nicht fassen, wie es zu diesem Protest gegen den bösen Stickstoff im nahezu vollkommenen Vakuum kommen konnte. Als ob sich die Dauerkartenbesitzer von heute gegen die youtube-Fremdverwertung von Klaus Fischers' Fallrückzieher von Anno Dunnemals 1982 erheben wollten. Denn tatsächlich haben die vorgenannten Herrschaften doch rein gar nichts zu befürchten.

Sollte ich den groß angelegten Bücherklau und dessen digitale Verbreitung verpasst haben, mit oder ohne Frankenheimer-Verfolgungsjagd, dann bitte ich um Entschuldigung. Auch wenn irgendein Maler im großen Stil ausgenutzt, vertausendfacht ausgedruckt und allgemein verhonepipelt werden sollte: ich entschuldige mich, obwohl ich nie ein Bild aufgehängt habe, dass nicht vom Künstler höchst selbst getintenstrahlt, ganz altmodisch gemalt oder gar collagiert wurde. Und: Ja, liebe Nerd-Gemeinde, gemalt wird immer noch, auch Fotografen gibt es noch, in echt und mit Instragram-Resistenz.

Die einzigen Künstler deren Werk wirklich kopierbar und dabei schlecht aufspürbar ist, sind die Ton- und Bewegtbildschaffenden. Speziell für diese beiden habe ich große Sympathien, aber jetzt mal im Ernst: glaubt hier noch irgendwer, dass deren Auskommen in Wohnen-Essen-und-Trinken-Einheiten durch Gesetze zu sichern ist?

GESETZE? Seit es diese gute alte MC gab (Hach!) war das Geschäftsmodell bedroht und davor war sogar die Bandmaschine schon ein Problem. Jede Art des Nicht-Live-Erlebnisses war Sergiu-Celibidache-Gotthabihnselig ein Dorn im Auge - mit gutem, aber sicher nicht urheberrechtlich-motiviertem Grund. Sondern weil Musik von Musikern die es ernst meinen immer schon mehr war als nur vermp3barer Ton.

Ganz einfach abzulesen ist das an meinem Einkaufverhalten: eine neue Bass Clef-Platte: iTunes Store, ein Set von Paul Lyman: youtube, eine Gavin Harrison Platte: CD, eine epochale Peter-Grimes-Auffführung: Audio-DVD, FLAC und anderes High-End Gedöns und eine Amanda Palmer Platte: Vinyl, Art-Book mit Grußkarte und Swag das die Schwarte kracht. Dieses Verhalten wurde ja nun schon von jedem behauptet, außer von mir, aber damit sollte auch diese letzte Lücke geschlossen sein und wir uns nun in einem hermetischen Raum befinden in dem die allgegenwärtige Entrichtungsabsicht geradezu klaustrophobisch zu werden sich anschickt. Ahem.

Unterdes verkaufen die Buchautoren weiter Bücher, die Journalisten lassen sich weiter von den Verlagen fertig machen und der Rest (Juhuu! Wir hier draußen! Das bunte Blog-Kanu! Sinken wegen Loch und so!) kann schauen wie er seine Zukunft erfindet, weil ihm das Urheberrecht heute auch schon nichts mehr nützt. WEIL DA NICHT DAS PROBLEM LIEGT. Dem Urheberrecht geht es schon viel besser! Es war nie tot und es möchte gern spazieren gehen!

Merkt ihr Leitkulturler was? Ihr denkt vielleicht an verdorbene DDR-Himbeermarmelade wenn ich "Solidarität" hinschreibe und denkt an Plebejer wenn ich Pluralismus nicht ausschließe. Und wie pfui ist erst Freiheit! Das klingt nach FDP à la prä-unentfaltetem Möllemann, Kohl an blanchierter Welt am Sonntag und der Absolution für den Raubtierkapitalismus in toto inklusive dem ganzen schwer im Szenecafé verdienten Hass auf die sogenannten original Banker (TM).

Statt dessen würde ich gern über eine Zukunft reden in der die Durchsetzbarkeit von Gesetzen ein wesentlicher Gradmesser für ihre Verabschiedungs- und Erhaltungswürdigkeit ist. Ich ginge so weit zu wünschen, dass ich gern Teil nehmen würde an einer Debatte die wertvolles Erbe von gemütlicher Inneneinrichtung eines Staates zu unterscheiden sucht. Und ich hätte gern, dass ich jeden Tag lesen kann, dass es eine Allianz der Klugen gibt, die in jedem kommunikativem Akt anstrebt Haltung vor Effekt zu setzen. Ihr schafft das!

Dabei wird es auch notwendig sein trennscharfe Definitionen der unterschiedlichen Arten von "Verwertern" in justiziable Form zu gießen, im digitalen Raum nicht sinnvoll anwendbares aus dem Urheberrecht zu streichen und Urheber auch noch gegen Ausbeutung zu schützen. Es lohnt sich dazu vergangene Reformbemühungen nochmals zu durchforsten um dann auf einen Diskussionsstand zu kommen, der den Namen verdient, anstatt weiter "Du bist doof" zu rufen, wenn sich der vermeintliche Gegner längst vom Sandkasten verabschiedet hat. Das nützt weder dem Urheberrecht, weil es die Gespräche über eine Reform überlagert, noch nützt es den Urhebern, die sich so dumm halten lassen und weiter aufregenern, wo es konstruktiv so viel zu tun gäbe. Solidarität mit einem Literaturagent ist sicher angebracht und lobenswert, aber verhindert auch eine dringend notwendige Auseinandersetzung damit, welche Art von "Verwertung" denn erwünscht ist und welchen Wert diese im Einzelnen für die Gesellschaft darstellt.

Einstweilen sind wir übrigens hier drüben und heben auch ur!

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8 Antworten
  1. von skp am 11.05.2012 (09:15 Uhr)

    was für ein unsinn

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  2. von Daniel Hinderink am 11.05.2012 (09:21 Uhr)

    @skp: sag ich doch!

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  3. von Philip Ehl am 11.05.2012 (09:51 Uhr)

    Es ist sicherlich sinnvoll, wenn Sie mal die Meinung eines "nicht Nerds" dazu durchlesen.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/volker-kauder-verteidigt-das-urheberrecht-a-832262.html

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  4. von Daniel Hinderink am 11.05.2012 (10:02 Uhr)

    @Philip Ehl: Danke für den Hinweis, den Standpunkt von Herrn Kauder kannte ich natürlich schon. Ich nehme übrigens oben gar nicht einen Standpunkt ein, der sich gegen das Urheberrecht richtet. Ich richte mich gegen die Protestmode die vom Handelsblatt bis zur oben besprochenen Aktion dafür sorgt, dass viele urhebende Menschen glauben es ginge darum die Abschaffung des Urheberrechts abzuwenden. Darum geht es aber mitnichten (bis auf mspro, vielleicht). Das Urheberrecht muss überarbeitet werden, weil es in vielen Fällen nicht durchsetzbar ist und für andere, dringend zu regelnde Fälle einfach keine Regelungen enthält. Ich empfehle dazu das oben auch schon verlinkte Interview mit Karl-Nikolaus Pfeifer, Juraprofessor in Köln und Richter und ebenfalls ganz sicher kein Nerd: http://www.brandeins.de/magazin/warenwelt/das-digitale-urheberrecht-steht-am-abgrund.html

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  5. von Nico am 11.05.2012 (20:40 Uhr)

    Am Rande bemerkt: Ich habe mein Foto, das in der Übersichtsseite für diesen Artikel verwendet wird, jetzt mal unter CC lizensiert ;-)

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  6. von huettenzauber am 12.05.2012 (11:29 Uhr)

    Einmal Arbeiten = Einmal Geld

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  7. von oppi am 15.05.2012 (08:30 Uhr)

    @huettenzauber
    Back to Mittelalter, oder?

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  8. von Manne am 15.05.2012 (10:33 Uhr)

    @huettenzauber
    meinst Du
    Einmal Pizza ausfahren
    oder
    Einmal eine Sinfonie schreiben
    ???

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