t3n News Software

Lavabit-Gründer Levison: „Wir müssen wirklich sehr vorsichtig sein“

Lavabit-Gründer Levison: „Wir müssen wirklich sehr vorsichtig sein“

Nach fast zehn Jahren schließt , Edwards Snowdens E-Mail-Anbieter, seine Tore. Eine Stellungnahme des Geschäftsführers deutet auf Druck von Seiten der US-Regierung hin.

Lavabit-Gründer Levison: „Wir müssen wirklich sehr vorsichtig sein“

Der E-Mail-Anbieter Lavabit bekam erst kürzlich einen gehörigen Aufmerksamkeitsschub, als bekannt wurde, dass Whistleblower Edward Snowden den Dienst verwendete. So hat er den Service laut Medienangaben unter anderem genutzt, um ein Treffen mit Menschenrechtsaktivisten am Moskauer Scheremetjewo-Flughafen zu organisieren.

Lavabit-Gründer: „Ich würde eindringlich davon abraten, einer Firma mit Sitz in den USA private Daten anzuvertrauen“

Mit Lavabit und Silent Circle gibt es zwei Anbieter verschlüsselter E-Mails weniger. (Screenshot: Silent Circle / YouTube)
Mit Lavabit und Silent Circle gibt es zwei Anbieter verschlüsselter E-Mails weniger. (Screenshot: Silent Circle / YouTube)

Jetzt hat Lavabit den Betrieb eingestellt. Firmenbesitzer Ladar Levison deutet in einer Stellungnahme an, dass die US-Regierung Druck auf ihn ausgeübt habe. Genauer heißt es, er wünsche sich, er könne die Gründe für seine Entscheidung nennen, aus rechtlichen Gründen sei ihm das aber unmöglich. Auch Firmen wie Yahoo oder Google hatten im Rahmen der PRISM-Affäre darüber geklagt, dass sie aus juristischen Gründen nichts zu etwaigen Datenabfragen der NSA sagen dürften. Darin sieht Levison eine Verletzung der in Amerika verfassungsrechtlich geschützten freien Meinungsäußerung. Er überlege, gerichtlich dagegen vorzugehen.

Lavabit wurde 2004 von mehreren texanischen Entwicklern gestartet. Laut einer mitlerweile nicht mehr verfügbaren Selbstbeschreibung auf der Firmenwebseite, wollten die Programmierer einen sicheren Gegenentwurf zu Google-Mail schaffen, da Google laut den Lavabit-Machern zwar einen tollen Service bietet, aber alleine durch die automatische Auswertung der E-Mails zum Zwecke der zielgerichteten Werbung die Privatsphäre der Nutzer verletzt.

Lavabit ist nicht der einzige Dienst der seine Pforten schließt

Mit Silent Circle schließt noch ein weiterer Anbieter verschlüsselter E-Mails. Laut Firmenangaben habe man nie Anfragen von Geheimdiensten erhalten, könne aber im Fall der Fälle die Sicherheit der Daten nicht garantieren und verzichte daher lieber auf die Fortführung des E-Mail-Dienstes. Andere Verschlüsselungsangebote will man bei Silent Circle aber weiterhin anbieten.

Für Nutzer verschwinden nicht nur zwei Anbieter vom Markt, die unsere Kommunikation sicherer gemacht haben, es steigt auch das ungute Gefühl, dass alle, die noch existieren, einen Grad an Sicherheit versprechen, den sie vielleicht schon lange nicht mehr garantieren können. Levinsons Ratschlag, bei sensiblen Daten auf US-Angebote zu verzichten, sollte man sicherlich ernst nehmen.

Update vom 15. August 2013: Lavabit-Gründer Ladar Levison hat jetzt erstmals ein Interview gegeben. An der Seite seines Anwalts sprach er mit Democracy Now, einem nichtkommerziellen Nachrichtendienst, über seine Situation. Zumindest hätte er es augenscheinlich gerne getan. Aufgrund der schwierigen amerikanischen Rechtslage droht ihm aber schon bei der Erklärung seiner derzeitigen Probleme mit den US-amerikanischen Behörden schlimmstenfalls eine Gefängnisstrafe.Gegenüber den Reportern von Democracy Now erklärte Levison, die Einstellung seines E-Mail-Dienstes sei das kleinere von zwei Übeln gewesen. Was das größere gewesen wäre, müssen sich die Zuschauer selbst zusammenreimen. Selbst mit seinem Anwalt dürfe er nicht alle Informationen teilen. Im Video merkt man dem Texaner deutlich an, dass es ihm schwerfällt, nicht das Falsche zu sagen. Sein Anwalt merkt an, dass die amerikanische Verfassung mit ihrem Bekenntnis zur freien Meinungsäußerung genau deswegen geschaffen wurde, damit kein US-Bürger in genau diese Situation kommt. Das Video könnt ihr euch hier anschauen:

Weiterführende Links zum Thema "Datenschutz"

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
3 Antworten
  1. von GreasanDev am 09.08.2013 (11:19 Uhr)

    Privatpersonen ausspionieren ist die eine Sache. Aber was ganz anderes ist es, wenn dem noch Unternehmen zum Opfer fallen. Da leidet nicht nur der Markt drunter, sondern auch die Arbeitnehmer, die nun ihren Job los sind.

    Das ist Wahnsinn!

    Antworten Teilen
  2. von gast am 09.08.2013 (20:30 Uhr)

    man hätte mit dem dienst einfach umziehne können auf andere server.

    Antworten Teilen
  3. von Rico Weigand am 15.08.2013 (20:16 Uhr)

    @gast Kann man nicht. Das unternehmen hat seinen Sitz im den USA und ist somit dort auch haftbar. Auch web die Server woanders stehen.

    Das ist dort etwas anders in der Gesetzgebung. Mit Umzug nach Europa wäre aber eine Fortsetzung wieder denkbar.

    Ich frage mich aber doch gerade, was das für eine Gesetzeslage da drüben ist.

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema PRISM
So schreibst du die perfekte E-Mail an einen Investor
So schreibst du die perfekte E-Mail an einen Investor

Wie begeistert man einen Geldgeber per E-Mail für seine Idee? Ein begehrter Frühphasen-Investor hat dies jetzt verraten. Vorweg: Bitte nicht nach einem Telefonat fragen.  » weiterlesen

Drei Jahre nach Snowden: E-Mails an @spd.de nicht abgesichert
Drei Jahre nach Snowden: E-Mails an @spd.de nicht abgesichert

Der Berliner E-Mail-Anbieter Posteo warnt: Unverschlüsselte E-Mails an die Domain @spd.de können nicht sicher übertragen werden. Auch andere bekannte Domains sind betroffen. » weiterlesen

Wikileaks veröffentlicht E-Mails der Erdoğan-Partei AKP und wird in der Türkei gesperrt
Wikileaks veröffentlicht E-Mails der Erdoğan-Partei AKP und wird in der Türkei gesperrt

Wikileaks veröffentlicht E-Mails der türkischen Erdoğan-Partei. Zuvor legte eine DDoS-Attacke die Seite lahm. Inzwischen ist Wikileaks in der Türkei gesperrt. » weiterlesen

Alle Hefte Jetzt abonnieren – für nur 35 €

Kennst Du schon unser t3n Magazin?