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Kolumne

„Learn, teach, repeat“: Lernen im Netz war noch nie einfacher – Warum wir unser Wissen aber auch weitergeben müssen

    „Learn, teach, repeat“: Lernen im Netz war noch nie einfacher – Warum wir unser Wissen aber auch weitergeben müssen

Lernen im Netz war nie einfacher (Grafik: Jan Heidemann)

In seiner neuen Kolumne für Irrelevanz stellt Felix Schwenzel fest: So viel wie in den vergangenen 20 Jahren im Netz hat er zuvor noch nie gelernt. Dabei hält er es für wichtig, dass wir uns im Netz nicht nur weiterbilden, sondern unser eigenes Wissen auch weitergeben.

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Die t3n Magazin Ausgabe 44 ist ab heute im Handel. Der Schwerpunkt beschäftigt mit der Bildung der Zukunft und welche Rolle das Netz dabei spielt.

Für mich sind Bildung, Wissen und Lernen wie Bergbau. Man kann tief oder oberflächlich graben, man kann immer weiter graben, es gibt härtere Schichten und Schichten durch die man leicht kommt — aber es gibt kaum Grenzen. Von der Oberfläche erschliesst sich der Sinn des Bergbaus nicht ohne Weiteres. Sich zu überwinden, überhaupt mit dem Bergbau zu beginnen, ist bereits eine der grossen Hürden. Man muss jahrelang den Umgang mit Bergbaumaschinen lernen und scheinbar unsinnige Sachen einüben, um die oberen Schichten des Bergbaus betreten zu können.

So sehr dieser Vergleich auch hinkt, er beschreibt relativ gut mein Verhältnis zur Bildung. Ich begriff die Schule in meiner Jugend nicht als Grundausbildung, die mir Kompetenz und Handwerkszeug für die Navigation der Welt beibringen sollte, sondern als unsinnige Pflicht. Bis ich verstand, dass Lernen, Lesen und Schreiben nicht nur mühsam sind, sondern mir nie gesehene Welten und Galaxien erschliessen können, musste ich dreimal sitzenbleiben und von unzähligen Leuten an die Hand genommen werden und zur Schule und zum Lernen gezerrt werden.

Das Problem mit Bildung ist gar nicht mal so sehr die Bildung an sich, sondern überhaupt Interesse an ihr zu entwickeln. Was mir half Bildungshunger zu entwickeln, waren Vorbilder, Menschen die mir zeigten, was man mit Bildung anfangen konnte. Leute wie Hoimar von Ditfurth, den ich zuerst im Fernsehen und dann in seinen Büchern kennen lernte, und der in mir eine flammende Neugier auf die Welt weckte. So absurd es klingen mag, aber das verpönte Fernsehen weckte in mir intellektuelle und wissenschaftliche Neugier und später Neugier auf Bücher, immer mehr Bücher.

So wie das Fernsehen, dient auch das Internet zum großen Teil der Zerstreuung und hat unter vielen Intellektuellen, wie das Fernsehen, den Ruf Menschen zu verblöden. Aber es hat auch das Potenzial Neugier zu wecken. Die Möglichkeiten auch völlig unwahrscheinliche Interessen und Leidenschaften zu entwickeln, Wissen zu erwerben oder zu vertiefen, sind dank des Netzes um ein vielfaches gewachsen — und vor allem: um ein Vielfaches einfacher zugänglich als je zuvor.

Lernen im Netz: Von glänzenden Lehmkugeln und wirklich weichem Rührei

Allein dafür, dass mir das Netz erlaubt, etwas über die Herstellung glänzender Lehmkugeln oder weichem Rührei zu erfahren, dass ich sehen kann wie man effektiv Zwiebeln schneidet oder wie man einen funktionierenden Sechzylindermotor herstellt, bin ich dem Netz unendlich dankbar. Noch dankbarer sollte man Menschen sein, die sich die Mühe machen komplizierte Dinge einfach zu erklären, detailliert aus ihrem Berufsleben berichten, egal ob auf Facebook, in Blogs oder auf Youtube. Gerade im Softwarebereich erlebe ich immer wieder unglaublich hilfreiche Menschen, die nicht nur quelloffene Software schreiben, sondern auch bis zur Belastungsgrenze willens sind, ihr Wissen zu teilen und zu erklären und zu dokumentieren.

Dank des Internets sind die oberen Schichten des Bergbaus schon ganz gut beleuchtet, der Weg in die Tiefe ist zwar immer noch mühsam — aber ich glaube, es war nie einfacher zu lernen und sich von der Lust am Lernen, am Wissen anstecken zu lassen. Ich bedaure es nur wenig, dass diese großartige Reizüberflutung nicht schon zu meiner Jugendzeit auf mich einprasselte, denn sie prasselt jetzt ja auf mich ein. Nie in meinem Leben habe ich so viel gelernt, wie in den letzten 20 jahren im Netz; mir haben die modernen, vernetzen Medien nicht nur 15 Minuten Ruhm gebracht, sondern auch 20 Jahre leidenschaftliches, stetiges (dazu-)lernen.

Um diese Reiz- und Wissensvielfalt am Leben zu erhalten, sollten wir uns nicht nur auf kommerzielle Anbieter verlassen, sondern, pflichtbewusst und stetig, unser Wissen teilen, dokumentieren, aufschreiben, verfilmen, vortragen. Und, mindestens genauso wichtig: die vorhanden Perlen sortieren, aufbereiten, zugänglich machen und andere mit Wissensdurst anstecken.

Deshalb: Frage nicht, was das Netz für dich tun kann, frage was du für das Netz tun kannst.

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6 Reaktionen
Michael
Michael

Sicher war Bildung technisch nie einfacher als heute. Aber auch früher längst nicht unmöglich. Insofern würde ich den Einfluss der Technik nicht überschätzen. Wer früher den Willen hatte, sich zu bilden, hat die vielfältigen Möglichkeiten und Medien dafür auch damals schon genutzt.

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Felix Schwenzel
Felix Schwenzel

ja. aber man sollte den einfluss der technik nicht nur nicht überschätzen, sondern auch nicht unterschätzen. und zugänglichkeit ist ein faktor, den man erst recht nicht unterschätzen sollte.

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Martin S.
Martin S.

Interessant dass da wer noch zur gleichen Erkenntnis gekommen ist. Wobei mich interessieren würde wieso der Autor es nur wenig bedauert in der Jugend solche Reize nicht erfahren zu haben. Wäre doch viel praktischer gewesen, zumal nicht sitzen bleiben und hirnbildung (Synapsen etc) heute mehr von Vorteil wären. Oder?

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Felix Schwenzel
Felix Schwenzel

ih glaube bei der synapsenbildung hab ich keine defizite erfahren. und wenns damals schon internet gegeben hätte, wäre ich womöglich fünfmal sitzengeblieben.

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Martin S.
Martin S.

Sorry Felix, aber das sollte absolut keine Beleidigung sein. Es ist aber nachgewiesen dass durch Schule unser Gehirn sich anders ausbildet als wenn wir keine besuchen würden. Schade dass du meine ernsthaft gemeinte Frage nicht beantwortet hast.

Felix Schwenzel
Felix Schwenzel

die frage ist eigentlich schon im text beantwortet: es gab auch damals schon ausreichend reize (fernsehen, bücher, zeitschriften, kino) für die „synapsenbildung“. heute ist das lediglich alles leichter zugänglich, was grossartig ist, aber kein allheilmittel. und die antwort oben war nicht beleidigt gemeint, sondern witzig. vor allem wollte ich damit sagen, dass ich nicht glaube, dass das internet mich in meiner jugend tatsächlich vor schlechten noten bewahrt hätte. vor allem aber bedaure ich keine dinge in meiner vergangenheit, die ich ohnehin nicht ändern kann.

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