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Digitale Gesellschaft

Wie Terasem Movement verstorbene Geliebte „unsterblich“ macht

    Wie Terasem Movement verstorbene Geliebte „unsterblich“ macht

(Bild: Lifenaut.com)

In „Transcendence“ lädt Schauspieler Johnny Depp sein Bewusstsein nach dem Tod in ein Computer-Netzwerk – und wird unsterblich. Eine Science-Fiction an der das private Forschungslabor „Terasem Movement“ tatsächlich arbeitet.

Abschied nehmen von Verstorbenen – jeder geht anders mit dem Tod um

Ob das Foto in der Vitrine oder der Urnen-Schrein auf dem Kaminsims, wir wollen die Erinnerung aufrecht erhalten. (Bild: Shutterstock-Lolostock)
Ob das Foto in der Vitrine oder der Urnen-Schrein auf dem Kaminsims, wir wollen die Erinnerung aufrecht erhalten. (Bild: Shutterstock-Lolostock)

Abschied von einem geliebten Menschen zu nehmen, ist etwas, das wir früher oder später alle einmal tun müssen. Doch nicht jeder verarbeitet den Verlust auf gleiche Weise: Während manche Personen den Lieben begraben, ein paar Fotos in der Vitrine aufstellen und ihr Leben gewohnt weiterführen, bauen andere zur Erinnerung kleine Schreine auf. In den USA ist es beispielsweise nicht unüblich, die Urne des Verstorbenen auf den Kaminsims zu stellen. Eine ganz besonders traurige Geschichte findet sich in Vietnam, wo der 55-jährige Le Van sein Bett jeden Abend neben dem Grab seiner Ehefrau aufstellt, um sie bei sich zu wissen. Herzzerreißend, nicht wahr?

Ob nun das Foto in der Vitrine, der Urnen-Schrein auf dem Kaminsims oder die ergreifende Geschichte von Le Van – sie alle haben eins gemeinsam: Sie zeigen, wie sehr wir Menschen darauf bedacht sind, die Erinnerungen an unsere Liebsten aufrecht zu erhalten. Mit dem Aufkommen neuer Technologien, werden die Möglichkeiten diesem Bedürfnis nachzukommen, derzeit auf eine völlig neue Ebene gehoben. Mit künstlicher Intelligenz und Robotik wollen Startups die Grenzen des Möglichen neu definieren. Und somit Szenarien realisieren, die wir bislang nur aus Science-Fiction-Filmen kennen.

Weiterleben nach dem Tod in einem Computer-Programm – pure Science-Fiction?

In „Transcendence“ transferiert Johnny Depp alias Dr. Will Caster sein Bewusstsein nach dem Tod in ein Computer-System. (Bild: Filmszene Transcendence)
In „Transcendence“ transferiert Johnny Depp alias Dr. Will Caster sein Bewusstsein nach dem Tod in ein Computer-System. (Bild: Filmszene Transcendence)

In dem US-amerikanischen Kinofilm „Transcendence“ zum Beispiel, wird Johnny Depp in der Rolle des Dr. Will Caster von einem Attentäter angeschossen. Die Kugel, die eine radioaktive Beschichtung trägt, lässt die Hauptfigur innerhalb von vier Wochen sterben. Dessen Ehefrau Dr. Evelyn Caster, die von Rebecca Hall gespielt wird, kann sich dem Schicksal nicht fügen und so wagen die beiden Wissenschaftler, die seit langem an künstlicher Intelligenz forschen, noch zu Lebzeiten den Upload einer digitalisierten Kopie des Gehirns des Sterbenden. Mit Erfolg, wie der Film zeigt. So etwas könnte es in Zukunft tatsächlich geben.

Mit künstlicher Intelligenz und Robotik wollen Startups die Grenzen des Möglichen neu definieren.

„Das ist wie das Ausstopfen von Tieren. Nur, dass wir nicht die menschlichen Körper ausstopfen, sondern ihre persönlichen Informationen aus der sterblichen Hülle extrahieren und woanders einfügen“, sagt beispielsweise Bruce Duncan von Terasem Movement. Das private Forschungslabor arbeitet daran, das menschliche Bewusstsein in Computer und Roboter zu transferieren – ähnlich wie im Film „Transcendence“. Das Unternehmen hat bereits zahlreiche „Mind Clones“ entwickelt, wie die Datensätze genannt werden. Einer davon trägt den Namen „Bina48“ und besteht zum Großteil aus der Gedankenwelt von Bina Aspen, der kürzlich verstorbenen Ehefrau des Gründers Martine Rothblatt.

Der Roboter kommt in Form einer Büste daher, ist umhüllt von einem hautähnlichen Gummi-Überzug und greift im Inneren auf mehr als 100 Stunden an Audiodaten zu, die Bina Aspen selbst eingesprochen hat. Darunter sind auch zahlreiche Erinnerungen – Bina48 liebt beispielsweise Blumen und würde am liebsten in New York wohnen. Und sie hat einen selbstironischen Humor. Auch ihre Gesichtszüge sollen denen der Verstorbenen gleichen und werden durch Stimmerkennungssoftware und Motion-Tracking-Technologie ausgelöst. Ein im vergangenen Jahr veröffentlichtes Video des US-Tech-Magazins Ars Technica zeigt, wie Aspens „Mind Clone“ sich beispielsweise mit Siri unterhält.

Noch ist Bina48 meilenweit von der Figur des Dr. Casters aus „Transcendence“ entfernt. Die Stimme ist metallisch und monoton, die Sprachfähigkeiten unausgereift und die Mimik kaum menschlich. Trotzdem gilt der Roboter als Aushängeschild für die „Techno-Immortality“-Bewegung, in der Visionäre seit Jahrzehnten an derartiger Forschung arbeiten. Was es heißt „am Leben zu sein“, könnten die Wissenschaftler somit bald völlig neu definieren. Vielleicht heißt es bald, dass solange das digitalisierte Bewusstsein fortgeführt wird, ein Mensch nicht gänzlich tot ist, sondern nur sein Körper. Die Frage danach wird polarisieren, wenn sie es nicht jetzt schon tut.

Terasem Movement: Das Bewusstsein in „Mind Files“ laden – nach dem Vorbild von Bina48

Laut Terasem Movement könnte eine stark ausgereifte Version von Bina48 in zehn bis 20 Jahren auf den Markt kommen. Denkbar ist auch, dass „Mind Clones“ in Hologramme oder als KI-Assistenten in das persönliche OS geladen werden können. Über 56.000 Menschen haben laut dem Unternehmen bereits ihre persönlichen Informationen in ein „Mind File“ geladen, um der eigenen Sterblichkeit früher oder später ein Schnippchen zu schlagen. Das Unternehmen trifft ganz offensichtlich einen Nerv. Kein Wunder, ist der Wunsch nach Unsterblichkeit doch so alt wie der moderne Mensch selbst.

Bina48 greift auf 100 Stunden an Audiodateien zu, die von Bina Aspen eingesprochen wurden. (Screenshot: NYT-YouTube)
Bina48 von Terasem Movement greift auf 100 Stunden an Audiodateien zu, die von Bina Aspen eingesprochen wurden. (Screenshot: NYT-YouTube)

Wie ehrgeizig die Pläne eines intelligenten humanoiden Roboters nach den Vorstellungen von Rothblatt und Aspen sind, lässt sich nicht zuletzt auch an der notwendigen Rechenleistung erkennen, die benötigt wird, um mit der Geschwindigkeit eines Gehirns mitzuhalten. Das hat in etwa 85 Milliarden Neuronen, die allesamt durch 10.000 Synapsen verbunden sind. Um eine Sekunde der menschlichen Hirnaktivität zu simulieren, so zeigte es ein Experiment erst kürzlich, braucht es derzeit den schnellsten Super-Computer der Welt, der in etwa ein Petabyte Speicher und ungefähr 83.000 Prozessoren in sich trägt.

Eine derartige Rechenleistung kann bislang kaum in Masse bereitgestellt werden. Bina48 wird somit noch eine ganze Weile lang bloß ein unvollständiges Abbild der echten Bina Aspen bleiben. Und auch dann lässt sich die Frage, ob ein „Mind Clone“ das unsterbliche Bewusstsein eines Menschen ist oder ob er bloß den Stellenwert eines ausgestopften Hundes bekommt, nicht ohne Konflikte geklärt werden.

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