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Leg endlich los! Mit diesen Strategien sagst du der Prokrastination den Kampf an

    Leg endlich los! Mit diesen Strategien sagst du der Prokrastination den Kampf an

Mit Belohnungen gegen die Prokrastination. (Foto: Austin Kirk via flickr, Lizenz CC BY 2.0)

Ein typisches Szenario: Erst wenn die Deadline gefährlich nahe gerückt ist, fangen wir an zu arbeiten. Und selbst wenn wir die Aufgabe noch rechtzeitig erledigen, geht das nicht ohne gehörigen Stress einher. Zum Glück gibt es effektive Strategien, die dabei helfen, aus dem Teufelskreis der Prokrastination zu entkommen.

Prokrastination: Nicht nur in der Kreativbranche verbreitet

Das Problem mit der Prokrastination. (Grafik: toothpastefordinner.com)
Das Problem mit der Prokrastination. (Grafik: toothpastefordinner.com)

Prokrastination, das Aufschieben oder Vertagen unliebsamer Aufgaben, ist ein weit verbreitetes Phänomen. Eigentlich gilt es sogar fast als hip, Dinge kurz vor knapp zu erledigen und „nur unter Stress richtig gut arbeiten“ zu können. Und auch t3n hat euch schon das eine oder andere Mal zur Prokrastination verführt. Doch nicht allen „Aufschiebern“ geht es gut dabei. Denn drohende Deadlines sorgen für Stress; Überstunden und Nachtschichten fordern auch körperlichen Tribut. Wer den Eindruck hat, dass die Verzögerungstaktik sich negativ auf Produktivität und Wohlbefinden auswirkt, sollte früher oder später gegensteuern.

Diese zehn Strategien helfen, der Prokrastination den Kampf anzusagen und haben sich bereits für andere Webworker bewährt:

1. Zerlege die Aufgabe in kleinere Arbeitsschritte

Fast immer sind Bauchschmerzen mit einer größeren, als langwierig oder schwierig empfundenen Aufgabe die Ursache für Prokrastination – wer schiebt schon schnelle, einfache ToDos auf die lange Bank?

Genau hier lässt sich effektiv ansetzen. Wenn man das Großvorhaben auf kleinere Teilaufgaben herunter bricht, ist der Berg, vor dem man steht, sofort weniger hoch. So kannst du dir etwa jeden Tag kleinere ToDos vornehmen, die dich dem Gesamtziel näher bringen. Der anvisierte Arbeitsaufwand reduziert sich Stück für Stück und die kleinen Erfolgserlebnisse motivieren dazu, am Ball zu bleiben.

2. Bitte andere, dich zu disziplinieren

Im Team lässt sich der eigene Schweinehund oft besser überlisten – ein Phänomen, das viele vom Sport her kennen. Doch auch in Studium und Job funktioniert dieses Prinzip: Warum nicht einen Kollegen, Freund oder den Partner bitten, abends zu fragen, wie weit man mit Aufgabe X gekommen und was der aktuelle Stand ist?

Peter Grosskopf, Chief Development Officer bei HitFox.
Peter Grosskopf, Chief Development Officer bei HitFox.

Und einen weitere Vorteil hat es, andere mit ins Boot zu holen, wie Peter Grosskopf, Chief Development Officer bei der Berliner Hitfox Group, aus eigener Erfahrung weiß:

„Für unangenehme Tätigkeiten – wie Reisekostenabrechnungen – mache ich manchmal einen Termin mit anderen Leidensgenossen aus. So erledigen wir die Aufgabe jeweils einzeln, aber im Beisammensein. Geteiltes Leid ist halbes Leid.“

3. Stelle einen Timer

Für Hardcore-Prokrastinierer gilt: Nur die finale Deadline veranlasst zur Aktivität. Doch möglicherweise lässt sich dieser psychologische Effekt auch durch eigene Maßnahen herbeiführen. Einen Versuch ist es in jedem Fall wert: Stell dir eine Eieruhr – oder ein digitales Pendant wie den Eggtimer oder die Online-Stopwatch – und akzeptiere die vor deinen Augen ablaufende Zeit als eine ebenso unausweichliche, externe Deadline wie die deines Chefs.

4. Priorisiere, bevor es losgeht – und halte dich daran!

Wer sich einmal ein Zeitfenster gesetzt hat, um die verhasste Aufgabe anzugehen, sollte dafür Sorge tragen, dass er es auch optimal ausnutzt. Das bedeutet: Kein Kaffee-Kochen, Bleistift-Spitzen oder „kurz noch eben Mails checken“ im gewählten Zeitraum. Wenn du dir von zehn bis elf Uhr Zeit eingeräumt hast, zählt jede Minute – und Vorbereitung ist die halbe Miete.

Jan Christe, t3n-Chefredakteur.
Jan Christe, t3n-Chefredakteur.

Auch t3n-Chefredakteur Jan Christe startet vorbereitet: „Ich versuche jeden Morgen, meine ToDo-Liste für den Tag nach dem Schema 1–3–5 zu organisieren: Eine große Aufgabe, die ich auf jeden Fall schaffen will oder muss, drei mittelgroße und fünf ganz einfache oder schnelle Tasks. Zum einen habe ich so einen klaren Plan für den Tag, zum anderen kann ich mir etwas von der Fünfer-Liste schnappen, wenn es bei dem großen Task mal nicht weiter geht.“

5. Lege eine Belohnung fest

Einer der ältesten und bekanntesten Ansätze im Kampf gegen die Prokrastination ist die Möhre an der Angel, mit der wir den sprichwörtlichen Esel antreiben. Anders gesagt: Das Belohnungsprinzip.

Es greift bei dir nicht? Dann hast du es unter Umständen noch nicht auf die Spitze getrieben. Denke dir eine konkrete Aktivität aus, mit der du dich belohnen wirst, und stelle sie dir ganz genau vor. Wie süß und erfrischend wird das Zitroneneis, das schon im Gefrierfach für mich bereit liegt, gleich schmecken! Dann wird der Rand abgeknabbert, und zum Schluss kommt unten, ganz in der Spitze, dieser fantastische kleine Klumpen Zartbitterschokola… – oh mein Gott, ich fange sofort an.

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So ein Eis kann einen auf ungeahnte Weise motivieren. (Foto: © Lisovskaya - iStock.com)

6. Schotte dich ab

Wibke Ladwig ist Kommunikations- und Kreativitätscoach und begleitet in ihrem Arbeitsalltag Unternehmen in den sozialen Medien. Vor allem bei „bürokratischen“ ToDos ertappt sie sich immer wieder beim Ausweichen und Abschweifen. Ihr Tipp:

„Social Media aus, Zeiteinheit ansetzen, aufrecht hinsetzen – und hindurch! Strenge mit sich selbst. Eine fremdbestimmte Deadline. Und die Erkenntnis: ‚Es hilft ja alles nichts‘.“

Tatsächlich sind Ablenkungen der größte Freund des Prokrastinierers – und damit eigentlich sein größter Feind. Der Blick auf Facebook und Twitter ist eine idiotensichere Methode, um spannendere und vermeintlich dringendere Themen zu entdecken als die eigene Aufgabe.

Claudia Taubenrauch, Community Managerin bei Weber Shandwick.
Claudia Taubenrauch, Community Managerin bei Weber Shandwick.

Wer richtig im Tunnel abtauchen und eine ernsthafte Chance haben möchte, mit der Arbeit voranzukommen, sollte zumindest für einen gewissen Zeitraum seine Verbindung zum Social Web – und damit das größte Einfallstor für Ablenkungen überhaupt – schließen. Auch Claudia Taubenrauch, Community Managerin bei der Agentur Weber Shandwick in Köln, greift auf diese Strategie zurück, um ihre ToDos fokussiert abzuarbeiten.

„Ich bin große Freundin äußerst strukturierter To-do-Listen, mit denen ich alle Aufgaben erst einmal in verschiedene Pakete vorsortiere und priorisiere. Um mich bei der Umsetzung nicht ablenken zu lassen, nutze ich am MacBook SelfControl – eine Anwendung, mit der man sich selbst den Zugriff auf bestimmte Webseiten über eine bestimmte Zeit hinweg sperren kann.“

7. Schraube die Erwartungen an das Ergebnis herunter

Übertriebener Perfektionismus verschlimmert die Prokrastination. (Foto: Thomas Hawk, via flickr/a>,  Lizenz   CC BY-NC 2.0)
Perfektionismus führt zu nichts. (Foto: Thomas Hawk, via flickr, Lizenz CC BY-NC 2.0

Keine Sorge: An dieser Stelle ist keinesfalls gemeint, von nun an niedrigere Standards als bisher für die eigene Arbeit anzusetzen. Es geht vielmehr um den überzogenen Perfektionismus, der einen schon im Vorhinein davon abhält, überhaupt anzufangen.

Das Feedback eines Kollegen steht noch aus? Die Recherche ist nicht zu hundert Prozent abgeschlossen? Es fehlt das perfekte Einstiegszitat für den ausstehenden Text? Egal! Wichtig ist es, loszulegen, denn sonst erhältst du nie ein Ergebnis, geschweige denn ein perfektes. Iteratives Vorgehen lautet die Devise. Und wenn der anfängliche Knoten geplatzt ist, kommen die fehlenden Ideen sowieso meistens von allein.

8. Schaffe einen neuen Kontext

Oft kann es helfen, aus dem gewohnten Umfeld auszubrechen und sich auf neue Wege zu begeben, um auch im Gehirn eine Art Reset herbeizuführen. In vertrauter Umgebung sind schließlich leider auch die Ablenkungsmechanismen gut geübt: Schwatz mit dem Kollegen, Schreibtisch aufräumen, Blumen gießen – die Liste ließe sich beliebig erweitern.

Auch Peter Grosskopf nutzt diese Strategie:

„Ich verlege gerne meinen Arbeitsplatz zeitweise in ein Cafe. Die konstante leichte Ablenkung (Leute kommen und gehen) aktiviert mein Gehirn und lässt mich kreative Aufgaben schneller erledigen. Oder ich plane mir bestimmte Tätigkeiten für eine längere Zugfahrt ein. Dort kann ich besonders gut Texte schreiben oder mich mit administrativen Dingen, zum Beispiel Verträgen, beschäftigen.“

9. Stell dir vor, es wäre bereits geschafft

Prokrastinieren tritt immer dann als verlockende Alternative in Erscheinung, wenn eine Aufgabe negative Emotionen in uns hervorruft. „Eigentlich überfordert mich die Aufgabe“; „als ich mich das letzte Mal damit beschäftigt habe, bin ich überhaupt nicht weitergekommen“, „wie soll ich das bloß bis Freitag schaffen?“ – Allein bei diesen Gedanken stellt sich ein unangenehmes Gefühl in der Magengrube ein – und es zu überwinden wird mit jedem Aufschub schwieriger.

An dieser Stelle hilft es, sich statt auf die zu erwartenden Probleme auf die Erleichterung zu fokussieren, die am Ende wartet. Wie schön wird dein Leben wieder sein, wenn du diese lästige Sache endlich abhaken kannst! Den so entstehenden positiven Schwung solltest du aber unmittelbar nutzen, um loszulegen – bevor der Tagtraum wieder verpufft.

10. Erkenne den Nutzen der Prokrastination

Webworkerin Wibke Ladwig.
Webworkerin Wibke Ladwig.

Prokrastination kann zum absoluten Teufelskreis werden – „indem man immer wieder den Vorsatz fasst, die unangenehmen Aufgaben zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erledigen – diesen jedoch durch Ignorieren des Druckgefühls, der Angst und schließlich der Scham wieder und wieder verstreichen lässt. Das In-Aktion-Treten wird mit jedem Durchlauf schwieriger“ (Definition der Prokrastination bei Wikipedia).

Zwischendurch sollten wir uns aber auch mal fragen, ob es nicht völlig in Ordnung – oder sogar förderlich – war, eine bestimmte Sache aufgeschoben zu haben. Wibke Ladwig beschreibt das so:

„Im Grunde ist Prokrastinieren eine feine Sache. Zum einen macht es mich unglaublich produktiv: ich blogge und kritzele selten so viel wie an Tagen, an denen ich eigentlich etwas anderes machen müsste, und habe oftmals eine funkelnde Idee nach der anderen. Zum anderen weiß ich inzwischen, dass diese eingebaute Verzögerungstaktik letztlich keine ist: im Hinterkopf formen sich während des Prokrastinierens Gedanken und Sätze für die ausstehende Aufgabe. Die ich dann flotter erledigen kann als befürchtet.“

Diese Beobachtung ist doch ein passender Schlussgedanke: Genauso wenig, wie wir ausstehende Aufgaben gedanklich überhöhen und schlimmer machen sollten als sie eigentlich sind, sollten wir Prokrastination per se verteufeln. So entsteht nur größerer Druck und wir befinden uns mitten im Teufelskreis.

Insofern könnte eine elfte Strategie lauten: Gehe nicht zu hart mit dir selbst ins Gericht, wenn du etwas aufgeschoben hast, denn vielleicht war es sogar zu etwas gut. Besser: Abhaken – und endlich loslegen.

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1 Reaktionen
gery
gery

Für mich waren da schon ein paar sehr hilfreiche Tipps dabei.

Überhaupt Punkt 7, besser erledigt als perfekt. Genau dieser selbst auferlegte Perfektionismus hat mich schon viel zu oft von der Umsetzung sehr toller Ideen abgehalten. Das ging soweit dass mir das vor anderen Leuten schon peinlich wurde, wenn man gefragt wird wie weit man denn sei und man immer wieder zugeben muss dass immer noch nichts passiert ist.

Das betrifft nämlich bei weitem nicht nur den beruflichen Bereich, viel stärker habe ich dieses Problem eigentlich sogar im privaten Bereich, weil man eben zu nichts gezwungen ist und beliebig verschieben kann.

Danke für diese Tipps, können wirklich wertvoll sein da dieses verdammte Aufschieben sehr negative Konsequenzen für das eigene Leben haben kann!

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