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„Legal, illegal, scheißegal?“ Aufklärungsspiel erklärt Datenschutz

„Legal, illegal, scheißegal?“ Aufklärungsspiel erklärt Datenschutz

Persönliche Daten sammeln, und das möglichst hemmungslos und in ganz großem Stil – dafür muss man kein multinationaler Großkonzern sein, sondern das ist jetzt auch mittels eines neuen Spiels im Stil von Facebook-Games wie Mafia Wars und Farmville möglich. „Data Dealer“ klärt über und Profilbildung auf und macht dabei eine Menge Spaß. Die Demo ist bereits spielbar.

„Legal, illegal, scheißegal?“ Aufklärungsspiel erklärt Datenschutz

Das ungewöhnliche Online-Game „Data Dealer“ wurde von einem kleinen Team aus Wien entwickelt und soll Spielern mit Ironie und Witz Aspekte rund um persönliche Daten im digitalen Zeitalter näher bringen. Die Spielmechanik erinnert dabei an bekannte Facebook-Spiele wie Farmville, und Mafia Wars. Aufgabe des Spielers ist es, persönliche Daten zu sammeln – und zwar möglichst viele und auf so schamlose Weise wie möglich.

In Data Dealer müssen Spieler ein Imperium als Daten-Mogul aufbauen und sollen dabei spielend Aspekte des Datenschutz und der Privatsphäre im Internet lernen.

Demo und Video-Trailer bereits erhältlich

Die Wiener haben bisher grob ein Jahr an „Data Dealer“ gearbeitet und nun einen Video-Trailer und eine spielbare Demo veröffentlicht. Pläne für eine internationale Version haben die Österreicher auch schon. In der jetzt verfügbaren Demo von „Data Dealer“ fehlt noch eine Intro-Story, der Multiplayer-Modus, ein Login, die Möglichkeit zu speichern und auch der Sound soll erst in der finalen Version integriert werden.

Data Dealer will Antworten liefern

„Data Dealer“ soll Antworten auf folgende Fragen bieten: Welche personenbezogenen Daten gibt es überhaupt? Wer sammelt diese Daten und aus welchem Interesse? Wofür lassen sich diese Daten nutzen? Und welche Auswirkungen kann das auf einzelne Individuen haben? Durch den Wechsel in die Perspektive eines Daten-Händlers sollen die Motivationen und Interessen der Datensammler einmal von der anderen Seite erlebt werden. Das Spiel will dabei Basiswissen über die Ökonomie der Daten vermitteln.

Das Team von Data Dealer aus Wien.

Wie man zum mächtigen Daten-Mogul wird

In „Data Dealer“ schlüpfen Spieler in die Rolle von Daten-Händlern und müssen durch Handel mit persönlichen Informationen ihr Vermögen aufbauen. Um sich zum mächtigen Daten-Mogul zu mausern, gilt es, sich legaler wie dubioser Quellen zu bedienen, sich pikante Informationen vom Daten-Schwarzmarkt zu organisieren, Gewinnspiele und Telefonumfragen durchzuführen, Internet-Partnerbörsen sowie Online-Psychotests zu nutzen und schließlich das eigene Social Web aufzubauen. Lästigen Bürgerinitiativen, kritischen Medien und störenden Datenschutz-Beauftragten müssen die Spieler auf ihrem Weg zum zweifelhaften Ruhm ebenfalls stellen. Je dreckiger man seine Kritiker mundtot macht, desto besser. Zu den verfügbaren Gegenmaßnahmen zählen unter anderem Mobbing und Image-Kampagnen.

Zu den Verbündeten des Spielers, beziehungsweise gern gesehenen Kunden, zählen Banken, die Werbe-Industrie, Versicherungen, Personalabteilungen und Online-Händler. An diese kann man seine gesammelten Daten verkaufen. Das führt zu aufschlussreichen Erkenntnissen: Denn wenn große Mengen an Daten vorhanden sind, können durch die automatisierte Verknüpfung vieler scheinbar unwichtiger Details umfassende Persönlichkeitsprofile erstellt werden. Die Menschen, über die der Spieler so fleißig seine Daten sammelt, landen im Extremfall ohne deren Wissen auf schwarzen Listen. Das kann bedeuten: Kein Konto, kein Job, keine Versicherung, keine Wohnung.

Data Dealer: HTML5 statt Flash

Im Gegensatz zum Gros der Facebook-Games kommt „Data Dealer“ ohne Flash aus und setzt statt dessen auf HTML5/SVG. Das Team aus Wien betreibt das nichtkommerzielle Spiel unter der Creative-Commons-Lizenz. Aus diesem Grund hoffen die Entwickler auch auf die Unterstützung interessierter Spieler.

Data Dealer bringt eine Menge Ironie und parodischen Ansätze mit. So wird Sascha Lobo beispielsweise einfach mal zum Werbe-Fuzzi.

Fazit

„Data Dealer“ macht schon als Demo einen gelungenen Eindruck. Die Entwickler haben mit der Anlehnung an beliebte Facebook-Spiele eine kluge Strategie gewählt, denn in Kombination mit der ansprechenden und witzigen Grafik werden sich auch Spieler angesprochen fühlen, die sich sonst vielleicht nicht so sehr für den ernsten Hintergrund des Games interessieren. „Data Dealer“ enthält auch einen ganze Reihe an wichtigen Informationen zum Thema Datenschutz und Privatsphäre im Internet. So kann man beispielsweise jeden Bestandteil der gesammelten Profile anklicken und Informationen dazu erhalten, was derartige Daten in Wirklichkeit bedeuten und wie diese verwendet werden. In der Demo wirkt der Schwierigkeitsgrad noch nicht ausreichend ausbalanciert, aber ein Zeitfresser ist diese Version dank der Spielmechanik dennoch schon jetzt.

Weiterführende Links:

Demo Data Dealer

Data Dealer

 

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4 Antworten
  1. von Nico am 28.03.2012 (13:25 Uhr)

    Puhh, kein Flash. Mir ist das Spiel aber zu doof.

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  2. von Enno Peter am 28.03.2012 (15:21 Uhr)

    Gute Idee, um ein jüngeres Publikum (Generation Facebook) zu sensibilisieren. Ich hoffe bloss, dass nicht die gesamte Marketingbranche an den Pranger gestellt wird.

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  3. von Oliver am 29.03.2012 (08:01 Uhr)

    Kein Flash -> schön
    Verharmlosung -> nicht schön

    Durch die "Verniedlichung" des Datenmißbrauchs wird die Schwere der Vergehen und die Problematik als solche zu sehr verharmlost.

    Ich glaube nicht, daß die Menschen so für Datenschutz sensibilisiert werden, sondern eher im Gegenteil: ihnen wird alles als Spiel erklärt und damit ist es schon wieder lustig und garnicht so schlimm, also eher ein Datenkraken-Lobby-Spiel.
    Und das nicht so schlimm glauben viele auch - insbesondere die der Generation Facebook.... leider...

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  4. von name* am 20.04.2012 (23:20 Uhr)

    @oliver_vll sind die user nichts o doof wie sie denken.. vielleicht doch. aber so wies jetzt läuft gehts halt garnicht. dann lieber auf diese art probieren als moralinsauer fingern-schon alleine weil das kaum wen interessiert, dann kommt ja nur ein "ja aber alternativlos"
    das ist halt das problem.

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