Lehrkraft verklagt Schule, die ihren Facebook-Login fordert

Lehrkraft verklagt Schule, die ihren Facebook-Login fordert
Die Forderung nach dem Facebook-Login des privaten Profils scheint bei Arbeitgebern in den USA derzeit ebenso wichtig wie ein aussagekräftiger Lebenslauf zu sein. Eine Lehrkraft wehrt sich nun rechtlich gegen eine Schule, die ihren Facebook-Login gefordert hatte.

Facebook-Login als Einstellungsvoraussetzung

In den USA häufen sich die Beschwerden von Stellenbewerbern, die ihren künftigen Arbeitgebern ihren persönlichen Facebook-Login aushändigen sollen. selbst sah sich durch die Häufung entsprechender Meldungen schon dazu genötigt, eine deutliche Empfehlung auszusprechen, der Forderung nach dem privaten Facebook-Login nicht nachzukommen.

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Forderung nach dem Facebook-Login: In den USA versuchen Arbeitgeber immer öfter die Zugangsdaten zu den persönlichen Profilen ihrer Mitarbeiter zu bekommen. (Foto: Kevin Saff / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Betroffen sind von solchen Forderungen auch nicht nur Bewerber für ausgeschriebene Stellen, sondern auch Mitarbeiter, die schon angestellt sind. Ein solches Beispiel ist Kimberly Hester, die als Lehrkraft an der Frank Squires Elementary School in Cassopolis im US-Bundesstaat Michigan arbeitet. Sie hatte im April 2011 in ihrer Freizeit ein Foto von einer Kollegin bei Facebook gepostet, die auf dem Bild die Hosen heruntergelassen hatte, wie es bei VentureBeat heißt. Das Problem dabei: Eltern, die mit der Lehrkraft bei Facebook befreundet waren, meldeten das der Schule.

Die Verantwortlichen der Grundschule baten Hester zum Gespräch und forderten von ihr die Preisgabe ihrer Facebook-Login-Daten. Als sie sich weigerte wurde sie von der Arbeit suspendiert. Im Mai wird der Fall nun gerichtlich verhandelt und man darf auf den Ausgang sehr gespannt sein. Immerhin handelt es sich bei der Schule um eine staatliche Organisation, was dem Ausgang der Verhandlung eine gewisse Brisanz verleiht.

Preisgabe von Facebook-Login-Daten auch in Deutschland denkbar?

Aus Deutschland sind solche Fälle bislang nicht bekannt - zumindest konnte ich bei meiner Recherche keine öffentlich gemachten Fällen finden. Sollte es da welche geben, wäre ich für einen Tipp dankbar.

Ganz grundsätzlich muss man sich dabei natürlich auch fragen, ob ein solches Szenario in Deutschland überhaupt denkbar wäre.

Auch in Deutschland herrscht in vielen Unternehmen noch eine große Skepsis gegenüber den sozialen Netzwerken vor. Während offene Firmen die gewünschten Verhaltensweisen in Social-Media-Guidelines festgehalten haben, gibt es auch Unternehmen, die ihren Mitarbeitern den Zugang zu Facebook vom Arbeitsplatz aus komplett gesperrt haben. Das löst natürlich nicht das Problem, dass sich die Mitarbeiter in ihrer Freizeit frei im Social Web bewegen können. Allerdings scheinen einige Arbeitgeber davon überzeugt zu sein, dass ihre Mitarbeiter mit einer Social-Network-Sperre zumindest keine Arbeitszeit verschwenden. In der Praxis können die Arbeitnehmer immerhin noch auf ihr privates Smartphone und/oder Tablet zurückgreifen.

Dennoch, das Problem mit unliebsamen Inhalten von Mitarbeitern auf deren sozialen Profilen wird uns noch die nächsten Jahre über beschäftigen. Das Problem ist auch nicht ganz neu, wird durch die verschiedenen sozialen Netzwerke nur öffentlicher und präsenter. Oft geht es dabei ja weniger um veröffentlichte Bilder, wie in dem Beispiel aus den USA, sondern um Meinungsäußerungen, die nicht mit den Interessen der Arbeitgeber zu vereinbaren sind. Die gab es aber auch vorher schon, nämlich im Real-Life, abends am Stammtisch, bei der Zigarette vor der Tür oder morgens beim Bäcker.

Hier wird es auch die Aufgabe der Unternehmen, Organisationen und Institutionen sein, für klare Regeln zu sorgen - Stichwort: Social Media Guidelines. Dazu gehört dann wohl auch ein Stück weit Aufklärung über die möglichen Auswirkungen und Folgen unbedachter Äußerungen und Veröffentlichungen an den digitalen Schwarzen Brettern unserer Jetztzeit.

Weiterführende Links zum Thema Facebook-Login:

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21 Antworten
  1. von Christian Vogt via facebook 04.04.2012 (11:50Uhr) 1.

    Öhm? Srsly? Warum fragen sie nicht gleich nach den sexuellen Fantasien? Privatsphäre scheint in Amerika schon seit geraumer Zeit nichts mehr zu zählen wie mir scheint...

  2. von Ralf Picka via facebook 04.04.2012 (11:52Uhr) 2.

    WTF ... Gut die Amys ticken ja eh nicht sauber ... Aber das ist ja wohl das letzte !!!

  3. von Sascha Blank via facebook 04.04.2012 (11:59Uhr) 3.

    Das ja der Oberknaller... unfassbar. Wie wäre es noch mit dem Schlüssel zur Wohnung, zum Haus, Wegbeschreibung zur Briefkiste, Kontozugriff, Autoschlüssel usw usw... die ham se doch echt mit mehr alle...

  4. von Max Kolb via facebook 04.04.2012 (12:00Uhr) 4.

    Richtig so! Aber ich finds kritisch, dass diese Sache in Deutschland auch teilweise schon anfängt.

  5. von Andreas Tischler via facebook 04.04.2012 (12:09Uhr) 5.

    Ich frage mich, was die Arbeitgeber davon erwarten, wenn sie ihre Mitarbeiter damit quasi unter Generalverdacht stellen? Förderlich fürs Betriebsklima ist etwas anderes.

  6. von Philipp Offenbach via facebook 04.04.2012 (12:17Uhr) 6.

    Meinem Arbeitgeber würde ich sowas geben...am Arsch der Räuber. Wie handhabt das die t3n Redaktion denn?

  7. von Falk Hedemann via facebook 04.04.2012 (12:30Uhr) 7.

    Philipp Offenbach Bei uns ist das andersherum: Als Stammautor bekommt man Zugriff auf die offiziellen Kanäle von t3n ;-)

  8. von Thomas Pundrich via facebook 04.04.2012 (12:31Uhr) 8.

    die amis haben sich schon so in den sicherheitsfaschismus ergeben, da ist schon das normalste beharren auf die simpelsten persönlichkeitsrechte ein quasi revolutionärer act...geht aber auch schon in D los, wenn man mal hört bzw. mitbekommt, wie sich mitarbeiter -vornehmlich amerikanischer sicherheitsunternehmen- an der flughafenkontrolle benehmen...

  9. von Timeeeeeee 04.04.2012 (13:07Uhr) 9.

    Naja, die Lehrkraft ist ja auch nicht unschuldig, weil sie ein schlimmes Photo eines Kollegen gepostet hat, wo er/sie die Hosen heruntergelassen hat.

    Fraglich ist, warum es deswegen kein Gerichtsverfahren gibt. Dann kann das Gericht problemlos von Facebook verlangen die Inhalte vom Facebook-Profil für das Gericht zu öffnen. Oder hat das Gericht nicht etwa das Recht dazu???????

  10. von Christian Türk via facebook 04.04.2012 (13:08Uhr) 10.

    Ich würde für die Unternehmen empfindliche Strafen verhängen. So bis 500.000 Euro :)

  11. von Robert Ostermeyer via facebook 04.04.2012 (13:10Uhr) 11.

    Bravo - Sicherheitsfaschismus!

  12. von Daniela Sonders via facebook 04.04.2012 (13:25Uhr) 12.

    Was soll man erwarten von einem Land, in dem große Arbeitgeber Bluttests verlangen bzw. auch das Rauchen in der Freizeit verbieten?

  13. von Falk Hedemann 04.04.2012 (13:42Uhr) 13.

    @Timeeeeeee: Nach meinem Wissenstand hat sich nicht die auf dem Foto abgebildete Person bei der Schule beschwert, sondern mit der Lehrkraft „befreundete“ Eltern ;-)

  14. von Reinhardt Graetz via facebook 04.04.2012 (13:46Uhr) 14.

    Recht so! Langsam werden die UNVERSCHÄMT!!
    Dafür darf aber jeder eine private Waffensammlung haben...
    Vorsicht, dass die in D nicht auf die gleiche Idee kommen!

  15. von Andrej von Prilipponen via facebook 04.04.2012 (14:53Uhr) 15.

    april april? kann doch nicht wahr sein.

  16. von Christian Aigner via facebook 04.04.2012 (15:23Uhr) 16.

    Da hilft wirklich nur noch ein Fake Account!
    Denen würd ich ordentlich was Husten ! Aber man könnte ja fragen welche Logins ich dann als Gegenleistung haben kann!

  17. von Christian Aigner via facebook 04.04.2012 (15:23Uhr) 17.

    Hoffe das war ein verspäteter Aprilscherz !?

  18. von Philipp Offenbach via facebook 04.04.2012 (16:29Uhr) 18.

    Rauchen in der Freizeit verbieten Daniela Sonders? Wo gibts denn sowas?

  19. von Phicsa 04.04.2012 (17:36Uhr) 19.

    "Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren. - Benjamin Franklin"

    ...mehr gibt es dazu wohl nicht zu sagen...

  20. von Faceblödverweigerer 28.05.2012 (20:25Uhr) 20.

    ist ein jeder selber Schuld wer einer Globale Datenkrake sein gesamtes Leben offenbart , in Zukunft wird es völlig normal sein das Behörden und Konzerne darauf zugreifen können. (z.B Krankenkassen die dann auf Photos der letzten Party sehen das man getrunken und geraucht hat und Peng gehen die Beiträge Rauf )
    Die Stasi würde jahrelang feucht rumlaufen wenn die damals solche Instrumente hätte die heutzutage völlig geläufig sind und von der jüngsten Generation gerne bedient werden.

  21. von Timeeeeeee 28.05.2012 (20:43Uhr) 21.

    offtopic an Facebookverweigerer:
    Kommas können Leben retten wie bei "Wir essen Opa!". ;)

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