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Leistungsschutzrecht: Wikipedia bald ohne Links?

Der Gesetzentwurf des Bundesjustizministeriums zum für Presseverlage schlägt wie erwartet hohe Wellen. Als eine Konsequenz der Umsetzung könnte die Wikipedia bald ohne Links auskommen müssen, teilt Wikimedia Deutschland in einer Pressemitteilung mit.

Leistungsschutzrecht: Wikipedia bald ohne Links?

Wikipedia durch Leistungsschutzrecht bald ohne Links?

Mit dem Entwurf zum Leistungsschutzrecht für Presseverlage könnte sich die Internetlandschaft gravierend verändern. (Foto: barockschloss / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Wikimedia Deutschland sieht durch den gestern veröffentlichten Gesetzentwurf zum Leistungsschutzrecht (PDF) für Presseverlage eine Gefahr für die Erzeuger freier Inhalte im Allgemeinen und für die Anbieter von Open Content-Plattformen im Speziellen. Dazu zählt auch die freie Enzyklopädie Wikipedia, die von Wikimedia betrieben wird.

Jeder, der im Internet freie Inhalte zur Verfügung stellt, wird damit potenziell dem Risiko von Abmahnungen ausgesetzt. Unsere seit langem gehegte Befürchtung, dass durch das neue Leistungsschutzrecht Kollateralschäden auch für Bildungsprojekte entstehen, scheint sich hier zu bewahrheiten. Dieses Vorhaben steht im Gegensatz zu den jüngsten Absichtserklärungen der Regierungskoalition, durch Rechtssicherheit die Akzeptanz des Urheberrechts im Internet zu erhöhen,

erklärt Jan Engelmann, Leiter des Bereichs Politik & Gesellschaft bei Wikimedia Deutschland in der Pressemitteilung zum Leistungsschutzrecht.

Daher könnte es durchaus sein, dass es in deutschsprachigen Wikipedia-Artikeln künftig keine Weblinks mehr gibt. Bislang gibt es in den Wikipedia-Artikeln weiterführende Links zu erklärenden Informationen. Hier sei es nun fraglich, ob diese nun auch unter das Leistungsschutzrecht fallen, denn sie bestehen oft aus den Überschriften von Presseartikeln und nach dem Gesetzentwurf ist die Länge der Zitate nicht ausschlaggebend. Das Verlinken an sich bleibt zwar erlaubt, aber möglicherweise nicht mit der Überschrift als Linktext.

Leistungsschutzrecht: Fehlende Klarheit für die Gültigkeit

Zudem kritisiert Wikimedia Deutschland die ungenügende Trennschärfe zwischen privater und kommerzieller Nutzung:

Wikipedia ist ein ehrenamtliches Gemeinschaftsprojekt, das auf freiwillige Zusammenarbeit von Menschen auf der gesamten Welt beruht. Die dort angewandten Creative Commons-Lizenzen erlauben eine freie Bearbeitung und Weiterverwendung der Wikipedia-Inhalte für alle Nutzer, selbst wenn diese damit eine wirtschaftliche Gewinnerzielungsabsicht verbinden. Somit besteht die Gefahr, dass auch die kostenfreie Wikipedia als Wissensaggregator künftig Unterlassungsansprüchen ausgesetzt wird, die aus dem neuen Leistungsschutzrecht abgeleitet werden können.

Eine Wikipedia ohne Weblinks wäre sicher ein qualitativer Rückschritt mit enormen Ausmaß. Dieser komplette Bereich könnte damit dem Leistungsschutzrecht zum Opfer fallen:

Im Wikipedia-Artikel zum Leistungsschutzrecht sind einige Links zu Presseartikeln enthalten, bei denen es fraglich ist, ob sie laut Gesetzentwurf unter das angedachte Leistungsschutzrecht fallen (Screenshot: Wikipedia)..

Weiterführende Links zum Thema Leistungsschutzrecht:

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14 Antworten
  1. von gustl am 15.06.2012 (15:19Uhr)

    hm, war es nicht so, dass eine Verlinkung keine Kosten verursacht? Wikipedia macht doch nichts anderes als eine Quellenangabe zu machen und das sollte ja auch nach dem Leistungsschutzrecht gehen, so habe ich das zu mindestens verstanden. Lieg ich da falsch? :)

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  2. von Johannes am 15.06.2012 (15:22Uhr)

    Das ganze ist doch noch gar kein Gesetzesentwurf sondern ein Referentenentwurf!

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  3. von Wolfgang Messer am 15.06.2012 (15:51Uhr)

    @Johannes: Ja, aber bei sowas sollte man früh genug Einwände erheben. Sonst wird der Referenten- dann doch ganz schnell zum Gesetzentwurf.

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  4. von Riesling am 15.06.2012 (15:52Uhr)

    @gustl:
    Du darfst dann schreiben:
    "Für weitere Informationen klicken sie hier"
    und das "hier" dann verlinken.
    du darfst aber nicht schreiben:
    weitere Informationen erhalten sie im Artikel "Leistungsschutzrecht: Wikipedia bald ohne Links?"
    weil die Kopie des Titels selbst schon ein Zitat darstellt. Das bedeutet dann wahrscheinlich auch "Adios" SEO-freundliche Links...

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  5. von Johannes am 15.06.2012 (15:56Uhr)

    @Wolfgang Klar, das ist auch gut so.
    Nur ist es halt erst Mal so, dass da steht ein Gesetzesentwurf. Es ist aber noch ein Referentenentwurf. Wäre es schon ein finaler Gesetzesentwurf müsste der Aufschrei noch viel lauter sein. Bis der Referentenentwurf ein Gesetzesentwurf ist geht er ja noch durch Ministerien, Kabinett, juristische Prüfungen etc.
    Das heisst auch, dass der jetzige Entwurf noch bei weitem nicht an einer finalen Fassung ist.

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  6. von Dennis Farin am 15.06.2012 (15:59Uhr)

    Ich denke mal ebenso gefährlich wird Twittern.. wie oft kommt es denn vor das der "Tweet Button" die Überschrift als Text vorgibt. In dem Moment wo ich tweete steht ein Snippet mit Link in meinem Mikroblog und bums kann eine Abmahnung folgen...

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  7. von Norman am 15.06.2012 (16:01Uhr)

    Hat eigentlich jemand mal den Entwurf gelesen?

    "Mit dem Leistungsschutzrecht für Presseverlage wird den Presseverlagen das ausschließliche
    Recht eingeräumt, Presseerzeugnisse zu gewerblichen Zwecken im Internet öffentlich
    zugänglich zu machen. Presseverlage können somit auch die Unterlassung unerlaubter
    Nutzungen verlangen und gewerbliche Nutzer müssen für die Nutzung Lizenzen erwerben.
    Dies gilt nicht für die reine Verlinkung und Nutzungen im Rahmen der Zitierfreiheit."

    Wo ist also das Problem? Wikipedia verdient kein Geld also liegt mMn. keine gewerbliche Nutzung vor.

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  8. von Wolfgang Messer am 15.06.2012 (16:08Uhr)

    @Norman: Wikipedia schließt bei seinen Lizenzbedingungen gewerbliche Nutzung ausdrücklich nicht aus - das könnte durchaus ein Ansatzpunkt sein. Im Übrigen kommt es bei der Formulierung der "Gewerblichkeit" nicht auf eine Gewinnerzielungsabsicht an - Wikipedia nimmt Millionen durch Spenden ein - auch das könnte schon darunter fallen.

    @Johannes: Wenn ein Referent einen Entwurf zu einem Gesetz schreibt, darf man das meiner Ansicht auch "Gesetzentwurf" nennen.

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  9. von Falk Hedemann am 15.06.2012 (16:17Uhr)

    @Norman: Jegliche Form der Refinanzierung auch durch Spenden ist nach dem Entwurf schon eine kommerzielle Nutzung ;-)

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  10. von Norman am 15.06.2012 (17:03Uhr)

    Selbst wenn, siehe letzter Satz: "reine Verlinkung und Nutzungen im Rahmen der Zitierfreiheit"

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  11. von Tim Krischak am 15.06.2012 (23:39Uhr)

    Das dürfte aus SEO-Sicht schlecht für die verlinkten Seiten, also die Verlage, sein. Wenn die Überschrift nicht mehr der Link-Text sein darf, dann dürfte ordentlich Google-Juice verloren gehen, oder?

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  12. von Nico am 17.06.2012 (14:33Uhr)

    ála Guttenberg?

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  13. von LinkLevel am 18.06.2012 (10:35Uhr)

    "Leistungsschutzrecht" ist dafür die falsche Bezeichnung. Es hebelt die grundgesetzlich verankerte Gleichbehandlung aller Bürger aus. Wenn ein Verlag auf mich verlinkt und das in seine "Pressearbeit" aufnimmt erhalte ich kein Geld.

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  14. von LinkLevel am 18.06.2012 (10:41Uhr)

    Ergänzung: Selbstverständlich ist ein reiner Link nach diesem Entwurf weiterhin "frei", es geht allerdings um die sinnvolle Einbeziehung der Überschrit und des Teasers.

    Sehr gerne zimmern Zeitungen und Fernsehanstalten heutzutage ihre aktuellen Beiträge aus Twitter, Blogs und Youtube zusammen... und dafür müssten sie dann nicht zahlen. Das ist eine asymmetrische Rechtsauffassung die nicht in eine aufgeklärte Gesellschaft gehört.

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