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Leo Feyer, Contao: „Kleine Projekte haben es schwer, wahrgenommen zu werden“

Mit Contao ist seit geraumer Zeit ein vielversprechendes Open-Source-CMS dabei, sich am umkämpften CMS-Markt zu etablieren. Wir sprachen deshalb mit Leo Feyer, Entwickler und Autor des Contao-Projekts und CEO von iNet Robots, um Information aus erster Hand zu bekommen. Dabei wurde nach der Entstehung von Contao gefragt, der im letzten Jahr erfolgten Umbenennung des Projekts, den Anwendungsbereichen und Fähigkeiten des CMS und über die aktuelle Entwicklung von Content-Management-Systemen im allgemeinen.

Wie ist das Projekt TYPOlight, bzw. Contao, entstanden?

 

Leo Feyer

 

Das Projekt ist eigentlich aus einer gewissen Unzufriedenheit mit den damals am Markt verfügbaren Open-Source-CMS heraus entstanden. Die Auswahl war insgesamt geringer, weil viele der inzwischen frei verfügbaren Systeme noch ausschließlich kommerziell vertrieben wurden. Und die wenigen frei verfügbaren CMS waren entweder noch zu unausgereift, zu unflexibel oder hatten eine viel zu steile Lernkurve, als dass man sie Mitarbeitern oder gar Endkunden hätte zumuten können. Es war relativ schnell klar, dass kein CMS die meiner Meinung nach optimale Mischung aus Flexibilität und Benutzerfreundlichkeit bot, die Anwendern ein intuitives und selbständiges Arbeiten an ihrer Webseite ermöglichte. Die Entwicklung eines eigenen Systems erschien daher die beste Lösung.

Genauer zur Motivation: Welche Rolle spielte das TYPO3-Projekt in der Entwicklung?

Selbstverständlich habe ich – wie wir alle damals – die Entwicklung des „Branchenriesen“ TYPO3 mit großem Interesse verfolgt und mich ausführlich mit dem System und seinen Lösungsansätzen beschäftigt. Trotzdem ist TYPOlight weder ein Fork von TYPO3 noch dessen „kleiner Bruder“, wie in der Presse öfters zu lesen war. TYPOlight bzw. Contao ist eine komplett eigenständige Entwicklung auf Basis von PHP 5, in der kein Code von TYPO3 enthalten ist. Konzeptionell gibt es natürlich Parallelen, weil sowohl TYPO3 als auch Contao z.B. seitenbasierte Systeme sind, einen modularen Aufbau haben und mithilfe von Third-Party-Extensions um zusätzliche Funktionalität erweitert werden können.

Warum wurde TYPOlight in Contao umbenannt?

Es hat sich gezeigt, dass das „light“ in TYPOlight von vielen Leuten missverstanden und als „abgespecktes System“, „eingeschränkt leistungsfähiges Programm“ oder „CMS für Einsteiger“ interpretiert wurde. In einem Artikel war sogar von „bis maximal 20 Seiten“ die Rede, was natürlich vollkommen aus der Luft gegriffen ist und in der Praxis längst widerlegt wurde. Contao ist ein modernes, umfangreiches und leistungsfähiges CMS, das sich sowohl für kleine als auch für große Webseiten eignet. Es spricht absolut nichts dagegen, das System auch im Enterprise-Bereich einzusetzen, was mehrere Unternehmen bereits erfolgreich getan haben. Allerdings schien es nicht möglich, den Leistungsumfang und die zunehmende Professionalisierung des Projekts mit dem Attribut „light“ im Namen zu vermitteln, daher haben wir uns für einen Namenswechsel entschieden.

Für welche Projekte ist Contao besonders geeignet? Welche Module oder Extensions kannst du besonders empfehlen?

Prinzipiell ist Contao für alle Projekte geeignet. Seine Stärken liegen unter anderem in der sehr umfangreichen Rechteverwaltung, der großen Flexibilität beim Seitenaufbau und der Barrierefreiheit im Backend und Frontend. Wer solche Funktionen benötigt, findet in Contao ein ideales System, das zudem einfach zu erlernen ist und validen (X)HTML- und CSS-Code generiert. Im Bereich E-Commerce kann Contao mit zwei Online-Shop-Lösungen aufwarten, die für den produktiven Einsatz freigegeben sind: Isotope eCommerce und der Contao webShop. Großer Beliebtheit erfreut sich auch die Katalog Erweiterung, mit der beliebige Datenbestände verwaltet, katalogisiert und im Frontend ausgegeben werden können. Inzwischen gibt es eigentlich für fast jeden Anwendungsfall eine passende Erweiterung, egal ob man mehrseitige Formulare erstellen, Google-Sitemaps einbinden, Bildergalerien und Slideshows anzeigen oder YAML-Layouts integrieren möchte.

 

Das Contao-Backend in Aktion.

 

Wo finden Interessierte einen guten und nachvollziehbaren Einstieg in Contao?

Neben der Online-Dokumentation auf contao.org gibt es inzwischen mehrere Bücher sowie zwei Video-Trainings zu Contao. Eine Übersicht findet sich dort bei den Videos & Büchern. Empfehlenswert ist auch das Community-Wiki, das von engagierten Contao-Anwendern und Entwicklern in Eigenregie gepflegt wird und neben dem Core auch etliche Erweiterungen dokumentiert. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, das System im Rahmen eines praxisnahen Seminars im Contao-Schulungszentrum in Aachen zu erlernen. Eine Übersicht über das Angebot findet sich hier.

Wie siehst du die momentane Situation auf dem CMS-Markt?

Die Nachfrage nach Open-Source-Systemen hat in den letzten Jahren stark zugenommen, weil sich Open Source in den Köpfen der Entscheider mehr und mehr als Alternative zu kommerziellen Lösungen etabliert. Viele kommerzielle CMS, die vorher nur als proprietäre Systeme vertrieben wurden, drängen als Folge dieses Trends mit kostenlosen Community-Editionen in den Markt oder stellen gleich das ganze Projekt auf Open Source um, um ihre Kunden nicht zu verlieren. Diese Entwicklung ist auf der einen Seite sehr begrüßenswert, weil es die Open-Source-Bewegung fördert und das Vertrauen in Open-Source-Software stärkt. Auf der anderen Seite wird der ohnehin schon unübersichtliche CMS-Markt dadurch mit weiteren Alternativen überschwemmt, die eine fundierte Analyse der verschiedenen Systeme schon aufgrund der immensen Anzahl unmöglich machen. Gerade kleine Projekte haben es deswegen schwer, überhaupt am Markt wahrgenommen zu werden.

Um sich dauerhaft behaupten zu können, wird daher zukünftig mehr als nur eine solide Code-Basis notwendig sein. Das System muss aktiv weiterentwickelt werden, um stets am Puls der Zeit zu sein. Es muss für Agenturen und Endkunden leicht erlernbar sein und deren Arbeitsabläufe sinnvoll unterstützen, um nicht gegen die nächstbeste Alternative ausgetauscht zu werden. Und es muss modular aufgebaut und leicht zu erweitern sein, um die ständig wachsenden Anforderungen abdecken zu können.

Weiterführende Links:

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9 Reaktionen
Andreas
Andreas

Falls es manche nicht mitbekommen haben - wir haben den März 2011! Ich kann mich an über eine kritische Sicherheitslücke in anderen CMS'en in der Zeit bis Dezember 2009 erinnern! Manche hatten jedes Release eine ;)

sec0nd
sec0nd

Jup, das wäre interessant gewesen. Enterprise-Anspruch und One-Man-Show passen nicht zusammen. Zumal dadurch u. U. solche Lücken wie die vom Dezember 2009 gar nicht erst entstehen.

Michael
Michael

Mich hätte interessiert, wie es mit Contao weitergehen wird und wie Leo Feyer seine Rolle als einziger Core-Entwickler sieht.

hansimglueck
hansimglueck

Hoffen wir mal, dass das System nicht so schlecht programmiert ist, wie das allgegenwärtige Foto von Leo Feyer retuschiert ist ;-)

Chris

Ich verwende aktuell Contao und Typo3 parallel, wobei inzwischen fast nur noch Contao zum Einsatz kommt. Man ist in vielen Fällen einfach schneller und oft auch eleganter am Ziel!

Einzig ein immer Seitenbaum fehlt mir in Contao. Bei umfangreichen Seiten weiss man manchmal nicht mehr so genau, wo man grad Inhalte bearbeitet.
Ein dreispaltiger Aufbau, ähnlich wie in Typo3 wäre genial :-)

Frank

Inzwischen setzen wir bei uns fast ausschließlich Contao für die Umsetzung von Kundenprojekten ein. Etwas anderes ist eigentlich gar nicht mehr nötig. Ich freue mich in Zukunft Projekte mit Contao umzusetzen.

Andreas
Andreas

Auch ich arbeite in meiner Agentur täglich mit Contao und liebe es jeden Tag mehr. Wir haben in den letzten Jahren einige Websites veröffentlicht (so manche mit über 30 Sprachen und ca. 4000 Seiten) - bisher keine Spur von fehlender Performance oder Unklarheiten beim Redakteur.

Es ist und bleibt hoffentlich noch lange ein CMS für den Entwickler und den Redakteur. Beide werden hervorragend bedient!

Daniel
Daniel

Servus,

gutes "Interview". Wurde alles gesagt, und nach 9 Monaten Typo3 Horror habe ich vor 1 jahr Contao entdeckt, und ich liebe es. Jetzt ging grade ein Projekt online, mit mehr als 100 Seiten, 2 sprachig, alles kein problem mit Contao.

Nur als Beispiel, musste ich eine Typo3 Seite umziehen, da schon ein Bildslider (t3s Slider) zu integrieren war schon 3h Arbeit, und am Ende lief er immer noch nicht. Bei Contao brauch ich dafür 2min (Slideshow2). Es funktioniert einfach alles mit Contao :)

dani

Philipp
Philipp

Sehr schönes Interview. Da hat jetzt hoffentlich auch der Letze noch mitbekommen dass es kein Typo3 Light ist ;-)
Der Umstieg auf den Namen Contao war bei mir Anfangs sehr gewöhnungsbedüftig, aber nach knapp 9 Monaten kann ich für mich persönlich sagen, war es goldrichtig!

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