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Urheberrecht: Was das Urteil des Kölner Landgerichts bedeutet

Urheberrecht: Was das Urteil des Kölner Landgerichts bedeutet

Da Bilder im Netz über den auch direkt aufgerufen werden können, fordert das Köln, den Urheberrechtshinweis direkt im Bild unterzubringen. Wie mit dem Urteil umzugehen ist, sehen Juristen derzeit recht unterschiedlich.

Urheberrecht: Was das Urteil des Kölner Landgerichts bedeutet

(Foto: Tim Evanson / Flickr Lizenz: CC BY-SA 2.0, bearbeitet von t3n)

LG Köln: Entscheidung zur Urhebernennung sorgt für Irritation. (Screenshot: t3n)
Urheberrecht: Entscheidung des LG Köln zur Urhebernennung sorgt für Irritation. (Screenshot: t3n)

LG Köln: Urhebernennung direkt im Bild gefordert

Das Landgericht Köln hat wieder zugeschlagen: Nachdem das Gericht erst im Dezember 2013 aufgrund seiner Rolle bei den umstrittenen Streaming-Abmahnungen für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, beschäftigt jetzt ein Urheberrechtsurteil viele deutsche Juristen. Konkret geht es um die einstweilige Verfügung eines Fotografen gegen einen Seitenbetreiber. Letzterer hatte ein Bild des Fotografen über die Stockfoto-Webseite Pixelio für seine Webpräsenz lizenziert und die von Pixelio geforderte Urhebernennung und Quellenangabe auf der entsprechenden Seite angebracht.

Dem Kläger missfiel jedoch der Umstand, dass der Beklagte das Bild auch auf der Artikelübersichtsseite verwendet hatte. Bemerkenswerter ist an dem Fall allerdings, dass auch der fehlende Urheberrechtshinweis bei dem Bild selbst als Problem erachtet wird. Öffnet ein Nutzer beispielsweise das Bild per Rechtsklick in einem neuen Browser-Tab, kann nach Ansicht des LG Köln ebenfalls nicht auf die Nennung des Urhebers verzichtet werden. Diese Entscheidung ist kurios und wirft einige juristische wie auch technische Fragen auf.

Urheberrecht: Juristen bewerten Entscheidung unterschiedlich

Darüber wie das Urteil zu bewerten ist, scheiden sich derzeit die Geister. Während vielerorts schon von einer neuen Abmahnfalle die Rede ist, sehen andere die Sache vorläufig gelassener. Bei der Entscheidung des LG Köln handelt es sich zunächst um eine Einzelfallentscheidung, die sich auf die unklaren AGB bei Pixelio bezieht. Die Juristin Nina Diercks weist in einem Blogbeitrag darauf hin, dass sich diese Rechtssprechung keineswegs durchsetzen muss und mahnt zur Ruhe. Der Rechtsanwalt Thomas Schwenke wiederum ruft zum sofortigen Handeln auf. Er rät zur vorsorglichen Entfernung von Stockfotos beziehungsweise dazu, den Direktzugriff vorsichtshalber zu sperren, eine verbindliche Klärung vom Bildlieferanten zu verlangen sowie den Urheberrechtshinweis per Wasserzeichen auf den Bildern anzubringen.

Technisch gesehen gäbe es verschiedene Möglichkeiten, den direkten Zugriff auf einzelne Bilder zu verhindern. Per JavaScript könnten Seitenbetreiber beispielsweise den Aufruf des Bildes per Rechtsklick unterbinden. Das wäre von einem versierten Nutzer jedoch sehr einfach zu umgehen. Alternativ können Seitenbetreiber auch den direkten Aufruf der Bilder per .htaccess verhindern, wie es Viktor Dite auf seiner Seite erklärt. Der Weg dürfte immerhin einfacher für größere Seiten sein, als alle Bilder direkt mit den Urheberhinweisen zu versehen.

Wir halten euch in jedem Fall auf dem Laufenden, sowohl darüber, wie die Sache juristisch weitergeht als auch darüber, wie weitere Experten das Urteil einordnen.

via www.ra-plutte.de

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18 Antworten
  1. von Goran am 04.02.2014 (15:18 Uhr)

    Aber die Sache ist doch ganz einfach. Die Stockagenturen müssen eindeutige Bedingungen für beide Seiten formulieren. Dann nimmt man als Künde halt die Agentur mit den richtigen Bedingungen.

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  2. von Michael Rutsch am 04.02.2014 (15:28 Uhr)

    DAS ist doch mal wieder 'typisch' deutsch. Okay - dann legen wir nun mal ein Wasserzeichen auf jede 1-Pixel-Grafik, auf jeden Button, auf jeden Header und auf jede noch so missratene Grafik - denn sie genießt ja Urheberrecht....

    Meine Fresse, kann diesen total überbezahlten Richtern mal jemand das Internet erklären? Urheberrecht ist eine gute Sache - aber Deutschland's (Un)recht ist einfach nur ein Witz. Total an der Realität vorbei gezogen.

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  3. von wowawebdesign am 04.02.2014 (15:52 Uhr)

    Wie soll denn das bitte technisch gesperrt werden können?

    1. Liegen die Bilder auch im Browser-Cache auf dem Rechner.
    2. Wenn alles versagt, kann man sich auch per Screenshot eine "Kopie" des Bildes selber machen.

    Beweist nur mal wieder, wie technisch ahnungslos viele Juristen sind.

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  4. von Andreas am 04.02.2014 (16:49 Uhr)

    Da die Empfehlung aktuell lautet, unter alle betreffenden Bilder den Copyright-Hinweis in die Bilddatei zu schreiben, habe ich mal ein kleines Script gebaut, das sämtliche Bilder mit solch einem Hinweis versieht: http://www.datenservice-hannover.de/automatischer-copyright-hinweis-bilder/

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  5. von Enis am 04.02.2014 (18:01 Uhr)

    Oh man! Bevor man Jura studiert, sollte man mal das Internet entdecken und lernen, wie es funktioniert!

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  6. von Olaf am 04.02.2014 (18:03 Uhr)

    (function(d, s, id) { var js, fjs = d.getElementsByTagName(s)[0]; if (d.getElementById(id)) return; js = d.createElement(s); js.id = id; js.src = "//connect.facebook.net/de_DE/all.js#xfbml=1"; fjs.parentNode.insertBefore(js, fjs); }(document, 'script', 'facebook-jssdk'));
    Beitrag von Björn Tantau.

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  7. von Ari am 04.02.2014 (18:05 Uhr)

    Klagen, aber selbst verwenden ... Wer klagt bitte das Landesgericht an?

    http://www.lg-koeln.nrw.de/aufgaben/Referendarabteilung/

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  8. von Georg am 04.02.2014 (21:42 Uhr)

    Da bin ich mal gespannt, wie da die Google Bilder Suche bewertet wird...

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  9. von SteveK984 am 04.02.2014 (22:04 Uhr)

    Ob sich die feinen Juristen am LG Köln auch darüber bewusst sind, welches Chaos und welche Verunsicherung damit losgelöst haben? Gerade für kleinere Unternehmen, die sich mit der Zeit bewegen und eine eigene Internetseite mit diversen Stockmaterial betreiben könnte das sehr sehr teuer werden.

    Man sollte den Richtern am LG Köln mal ein Praktikum in Agenturen durchlaufen lassen damit sie begreifen was sie mit solch vollkommen absurden Beschlüssen anrichten.

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  10. von Micha am 05.02.2014 (00:45 Uhr)

    Nun gibt es eine Erklärung von Seiten des Portals pixelio.de: http://www.pixelio.de/static/stellungnahme

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  11. von Nils am 05.02.2014 (10:14 Uhr)

    Die Abmahnpraktiken wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen im Internet werden immer kurioser. Schade, dass es offenbar Richter gibt, die die Abzocke unterstützen.
    Gearde bei denjenigen, die Ihre Bilder erst zur kostenlosen Nutzung via Pixelio freigeben und dann Hunderte wegen nicht korrekten Copyrighthinweis abmahnen, handeln in meinen Augen betrügerisch.

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  12. von Wegus am 05.02.2014 (10:25 Uhr)

    Eigentlich müßte man den Kläger wegen groben Unfugs anzeigen ;-)

    Geklagt hat ein Fotograf. Der hat sein Bild via Pixelio angeboten. Bei denen ist es klar geregelt, dass der Text "(c) Fotograf / Pixelio" auf der Seite zu stehen hat ( nicht mal beim Bild). Das Bild taucht nun auch auf einer Übersichtsseite auf, laut Pixelio hätte auch dort ein Copyright stehen müssen. Wer das nicht mag muß den Dienst ja nun nicht verwenden. Damit wäre eigentlich alles gut gewesen.

    Der Fotograf nun hat sein eigenes Bild per Rechtsclick aufgerufen und sich gewundert das da keine Lizenz ist/ kein Urheber steht. Muß auch nicht, denn er hat sein Bild ja zu den Bedingungen von Pixelio angeboten - also den eigenen Vertrag nicht gelesen/verstanden.

    Desweiteren: Wenn der Urheber im Bild stehen soll laut seiner Meinung, dann hätte er selbst sich dort eintragen können und müssen ( in die IPTC Daten des Bildes). Denn der Lizenznehmer Pixelio darf das Werk ebensowenig verändern wie der Käufer und schon das Eintragen des Urhebers durch Pixelio oder den Käufer wäre eine Urheberrechtsverletzung gewesen.

    Letztlich also hat ein Fotograf gegen sein eigenes Versäumnis geklagt. Er selbst und das Gericht haben das Problem zwar nicht verstanden, das hält beim LG aber wohl niemanden davon ab trotzdem mal ein Urteil zu fällen!

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  13. von Jet am 05.02.2014 (13:49 Uhr)

    > Copyright Inhaber in die dafür vorgsehenen Meta-Tags des Bildes schreiben
    > Browser zukünftig die Copyright Info anzeigen lassen, öffnet man direkt das Bild
    > ???
    > Profit!

    Ohne Mist. Jeder, der schonmal was von Semantik gehört hat, weiß, dass Informationen an die dafür vorgesehenen Stellen gehören. Die Copyright-Infos sind zwar auf der Präsentationsebene des Bildes sichtbar, aber gehören dort weder hin, noch sind sie da zugänglich. Der Text steht da in einer Rastergrafik. Der erste sehgeschädigte Fotograf (Sinn dahingestellt) verklagt den Seitenbetreiber dann, dass die Watermarks nicht genügend Kontrast zum restlichen Bild haben? Oder zu klein sind? Na danke.

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  14. von pixagentur am 05.02.2014 (22:51 Uhr)

    Also jetzt reicht es wirklich. Das ist absolut nicht praktikabel . Ich werde doch nicht das Design einer Webseite mit Hinweisen zupflastern und damit zerstören. Manchmal muss man eben auf Stockfotos als Element zurück greifen. Dafür gibt es schließlich diese Dienste. Bevor ich es mit Hinweisen so zukleister, riskier ich lieber eine Abmahnung.
    Der Richter sollte seinen Posten räumen. Ahnungslosigkeit kann doch nicht zur Grundlage eines Urteils herangezogen werden. Meiner Meinung nach! Oder hab ich da etwas falsch verstanden?
    Dem Fotografen hätte die Klage abgewiesen werden sollen. Wenn er nicht will, dass seine Bilder verwendet werden, dann soll er es sich die Bedingungen durchlesen und gegebenenfalls auf die Plattformen verzichten. Wahrscheinlich bei Fotolia abgelehnt worden?

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  15. von Niclas am 06.02.2014 (14:13 Uhr)

    Beim LG Köln scheint auch noch so einiges Neuland zu sein.

    Interessantes Beispiel auf den Seiten des LG Köln selbst:

    http://www.lg-koeln.nrw.de/justiz_nrw/index.php

    Zwar scheinen die meisten Bilder angepasst worden zu sein, das auf dieser Seite verwendete Bild wurde allerdings nicht dem eigenem Urteilstenor entsprechend gekennzeichnet. Zu finden auf Shutterstock und hier http://cn.depositphotos.com/3838567/stock-photo-Young-caucassian-secretary-assisting-businessman.html

    Kann das LG Köln bzw. der Seitenbetreiber nun dafür abgemahnt werden?!

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  16. von Shaun am 07.02.2014 (09:43 Uhr)

    Das ist ja unglaublich. Die Richter wollen uns Webworker Sachen aufzwingen was für mich auf eine Sache hinweist » Geldmachen mit Abmahnungen, und mehr Geld in die Kasse zu bekommen. Ja, Deutschland ist verrückt. Die Abmahnwellen deuten auf eine ende der Freiheit hin!

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  17. von Juraserv am 10.02.2014 (10:38 Uhr)

    Einfach ein Wasserzeichen auf das Bild zu legen kann wegen des ausschließlichen Bearbeitungsrechts des Urhebers auch problematisch sein. Es gibt dort zwar Einschränkungen, ob die aber in jedem Fall greifen, ist fraglich.

    Vielleicht gibt es ja für ein technisches Problem auch mal eine digitale Lösung...?
    Ich halte das Urteil für nicht haltbar. Warum? Das habe ich hier nochmal näher ausgeführt:
    http://www.juraserv.de/internetrecht/urheberkennzeichnung-im-bild-selbst-notwendig-kritik-am-urteil-des-lg-koeln-01019

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  18. von IDRA am 28.02.2014 (19:17 Uhr)

    Update der Pixelio Stellungnahme
    http://www.pixelio.de/static/stellungnahme

    Abmahnender Fotograf “PiJay” verbietet Veränderung seiner Bilder, besteht aber auf Urhebernennung im/am Bild.

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