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Digitales Leben

Links zur Konkurrenz blockieren: Wie Facebook, WhatsApp, Twitter und Co. das freie Netz zerstören

    Links zur Konkurrenz blockieren: Wie Facebook, WhatsApp, Twitter und Co. das freie Netz zerstören

(Foto: Shutterstock)

Dass Unternehmen Links zur Konkurrenz blockieren, klingt unglaublich, ist aber Realität. WhatsApp lässt keine Telegram-Links zu, Facebook keine Links zu anderen Netzwerken – im Internet greifen immer mehr Abschottungstendenzen um sich. Gefährlich für ein Medium, das von der Vernetzung lebt. Die Doppelklick-Kolumne von Florian Blaschke.

Links blockieren: Ein Spiel mit bösen Folgen

Nein, das Ganze ist kein Versehen. WhatsApp blockiert Telegram-Links – und das mit voller Absicht. Ein Stückchen Code aus der WhatsApp-Version 2.12.370 belegt das:

static {
BAD_HOSTS = new Pattern[]{Pattern.compile("(\\W|\\b)telegram(\\.\\w+){1,2}\\z", 2)};
}

Und WhatsApp ist mit diesem Vorgehen nicht alleine, vor allem im Hause Facebook scheint das Blockieren unliebsamer Konkurrenten mehr und mehr um sich zu greifen. Auch das soziale Netzwerk selbst beispielsweise lässt Links zu manchen anderen Netzwerken nicht mehr zu. Eine ähnliche Strategie scheint auch Microsoft schon verfolgt zu haben, das in bestimmten Versionen des Internet-Explorers den Download alternativer Browser zumindest erschwert hat. Und Links zum Torrent-Netzwerk Pirate Bay sind sowohl im Messenger von Microsoft als auch auf Facebook schon gesperrt worden.

„Links treiben jede Seite an, die du besuchst“

„Wenn es keine Links gäbe, um alles im Netz zu verbinden, wären all die wunderbaren Dinge nicht mehr erreichbar.“

Nun können Facebook, Microsoft und andere Unternehmen ihre Dienste so gestalten, wie sie es für richtig halten. Am Ende entscheiden die Nutzer darüber, was akzeptiert wird und was nicht. Doch gerade die großen Netzwerke versuchen seit einiger Zeit, sich so unentbehrlich zu machen wie möglich. Doch diese Abschottungstendenzen sind gefährlich. Wie auch die Idee einiger EU-Politiker, bestimmte Links genehmigungspflichtig zu machen, ist eine Zensur nach außen eine Absage an die Grundstrukturen des Webs. Denn das lebt von der Vernetzung.

Auch die Initiative Safe the Link wehrt sich dagegen, dass Unternehmen oder Politik Links blockieren oder zensieren. (Screenshot: savethelink.org)
Auch die Initiative Safe the Link wehrt sich dagegen, dass Unternehmen oder Politik Links blockieren oder zensieren. (Screenshot: safethelink.org)

„Wenn es keine Links gäbe, um alles im Netz zu verbinden, wären all die wunderbaren Dinge nicht mehr erreichbar“, heißt es auf der Aktivisten-Seite safethelink.org. „Links treiben Twitter an, sie treiben SoundCloud ab, sie treiben deinen Lieblingsblog an: Sie treiben jede Seite an, die du besuchst.“

Links blockieren: „Eine Zensur der Links ruiniert das Internet“

Das Problem aber ist, dass Unternehmen wie Facebook oder Netzwerken wie WhatsApp nichts an diesem freien, vernetzten Internet liegt. Ihr Ziel ist es, Nutzer so lange wie möglich auf der eigenen Plattform zu halten. In Zeiten, in denen beispielsweise das seitenübergreifende Tracking auch von Nicht-Facebook-Nutzern ins Wanken gerät, eine wichtige Strategie, um weiterhin genügend Daten sammeln und über Werbung ausreichend Einnahmen generieren zu können. Und auch der Vorwurf, dass Facebook eigene Videos bevorzugt behandelt und beispielsweise Videos von YouTube eine durchschnittlich geringere Reichweite haben, passt in dieses Muster.

Links auf das Netzwerk tsu.co sind bei Facebook nicht mehr erlaubt. (Screenshot: t3n)
Links auf das Netzwerk tsu.co sind bei Facebook nicht mehr erlaubt. (Screenshot: t3n)

Dieses Vorgehen ist nicht neu, schon seit Jahren versucht das Netzwerk durch die Abschaltung von Features wie dem RSS-Import oder der Chat-API möglichst viele Schnittstellen nach außen zu kappen. Und auch Twitter lässt zwar Links noch grundsätzlich zu, hat aber in den letzten Jahren ebenfalls begonnen, „die Offenheit der Plattform ihrer Vermarktung zu opfern“ ähnlich wie Instagram, das beispielsweise die Integration von Twitter-Cards nicht mehr zulässt. Wenn diese Strategie Schule macht, und danach sieht es derzeit aus, wird aus dem vernetzten Netz ein Sammelsurium an Einzelnetzwerken, die alle nichts miteinander zu tun haben wollen, die ihre Türen zu machen und ihre Nutzer am liebsten nicht mehr rauslassen wollen. Ein Vorgehen, das man sich erst mal gefallen lassen muss.

Weitere Doppelklick-Kolumnen findet ihr hier, dem Autor auf Twitter folgen könnt ihr hier.

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9 Reaktionen
Guido
Guido

Man sollte sich (zu recht) darüber ärgern.

Man kann sich auch entscheiden, diese Dienste nicht mehr zu benutzen.
Das klingt vielleicht erstmal ziemlich pauschal. Wenn man aber einmal damit angefangen hat, ist es gar nicht mehr so schwer ;-) Für vieles gibt es Ersatzangebote, die man zwar nicht mit "unkundigen" Freunden, Kollegen und Verwandten teilen kann, aber wohl mit informierten Kollegen und Freunden.

Mein Tipp: es macht auch sogar Spaß, eine exklusive Gruppe zu werden...

Und: wer heutzutage Veganer geworden ist, kennt das Prinzip ja schon... spezielle Gruppe/Szene greift langsam um sich und plötzlich findet die Gesellschaft es cool...

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lrrm
lrrm

Das ist eine wunderbare Entwicklung für das freie Web. Ich hab FB bereits per Hosts Datei auf allen Arbeitscomputern gesperrt. Wenn die den UX der Nutzer flächendeckend einschränken, dann werden die kreativ und fangen wieder an über das Netz nachzudenken.

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Florian Blaschke

Auf allen Arbeitscomputern heißt auf all deinen (eigenen) Arbeitsrechnern? Oder auf allen Rechnern in deinem Unternehmen?

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ThomsonIT
ThomsonIT

An dieser Taktik ist einiges verwerflich. Eine Auswirkung auf das Internet sehe ich da aber nicht. Das Internet ist mehr als WhatsApp, Facebook, Twitter und Co...

Solange sämtliche Internetseiten einen Button in jedes Netzwerk einbinden findet die Suppe der Nutzer trotzdem seinen Weg zu diesen Müllhalden.

Eine angemessene Reaktion auf solches Verhalten wäre, dass die Masse der Internetseiten, denen Facebook unter anderem den Traffic verdankt, keine Buttons zu den Netzwerken mehr einbaut. Das Resultat wäre für uns alle ein Vorteil. Facebook bekommt eventuell ein paar Benutzer weniger und wichtiger noch: Die Datensammelwut wird Seite für Seite unterbunden. Aber das bleibt eh nur Wunschdenken. Denn das Mittagsfernsehen mit drittklassigen Talkshows wurde für die meisten Leute längst von Facebook abgelöst.
Und wie soll man sonst sein eigenes Leben attraktiv finden, wenn man nicht sehen kann, dass es andere noch viel schlechter haben?

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AOL-CDs
AOL-CDs

Bei AOL haben viele den Pool der (oft nützlichen und gepflegten) AOL-Dienste nicht verlassen und sind wohl nie ins "echte" Internet "http://..." gegangen.

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Peter T.
Peter T.

AOL? Scheint sich nicht durchgesetzt zu haben ;)

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Roman Hoffmann
Roman Hoffmann

Moin,
das ist einfach eine gnadenlose Frechheit! Wie sollen die Prognosen für das www. Aussehen? Das Netz entwickelt sich in etwas, dass den meisten Surfer nicht gefallen wird. Keiner fährt gerne in eine Sackgasse, doch Facebook baut sich gleich einen ganzen Wendehammer.

Facebook ist für mich nicht das, was es einmal war. Ich bekomme immer weniger Kontrolle. Die Beiträge gehen dank Werbung unter. Mein Stream besteht zu 95% aus Müll. Die restlichen 5% sind Urlaubsfotos. Die Plattform wird wie die Titanic im Gesang unter gehen.

Dazu kommt noch das die Telekom uns in eine Datenpresse steckt!

Wir sollen mit der Umwelt bewusst umgehen, damit unser Kinder in eine grüne Welt geboren werden, doch das Internet wird mit Werbung und dreckigen Sackgassen verschmutz.

Gruß

Roman

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Jürgen
Jürgen

Natürlich wollen die Einzelnetzwerke nichts miteinander zu tun haben – wie dieses nachvollziehbare Wirtschaftsdenken aber das freie Netz gefährdet, erschließt sich mir auch nach vollständiger Lektüre dieser "Kolumne" nicht ganz.

Und übrigens: Im Englischen gibt es einen Unterschied zwischen "safe" und "save" – ebenso wie es im Deutschen einen zwischen "das" und "dass" gibt.

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Florian Blaschke

Danke für den lieb gemeinten Hinweis. Die kleinen Schnitzer hab ich dann mal korrigiert.

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