t3n News E-Commerce

Live-Tracking deiner Pakete: 6 Fragen an Marc Schmitt von Evertracker

Live-Tracking deiner Pakete: 6 Fragen an Marc Schmitt von Evertracker

Was passiert eigentlich, wenn ein Paket nach der Bestellung den Online-Shop verlässt? Mit Sendungsverfolgung und Live-Tracking versuchen Logistik-Dienstleister sowohl Sender als auch Empfänger einigermaßen auf dem Laufenden zu halten. 

Live-Tracking deiner Pakete: 6 Fragen an Marc Schmitt von Evertracker

Evertracker, Marc Schmitt. (Foto: Evertracker)

Doch trotzdem gehen immer wieder Pakete auf dem Weg zur Zustellung verloren – ob im Depot, beim Nachbarn oder irgendwo in der Firma. Das Hamburger Startup Evertracker möchte genau das verhindern. Wir haben Mitgründer Marc Schmitt für euch interviewt und er erzählt uns nicht nur, wie das funktioniert, sondern auch, was Evertracker mit seiner Technologie über den aktuellen Poststreik herausgefunden hat.

Redaktion: Wie seid Ihr auf die Idee zu Evertracker gekommen?

Schmitt: Ursprünglich bin ich Designer und ich habe lange für große Konzerne gearbeitet. Dabei habe ich oft Berichte erstellt, die knappe Deadlines hatten, weil wir die Daten vom Kunden erst auf den letzten Drücker erhalten haben. Dadurch war die Auslieferung sehr zeitkritisch. Und häufig kam die Lieferung dann zwar noch rechtzeitig an, aber nicht genau dort, wo sie eigentlich landen sollte. Das ist uns auch bei Sendungen mit Paketdienstleistern und zahlreichen Kurierdiensten passiert. Für meine kleine Agentur war das sehr ärgerlich.

Lange habe ich nach einer bestehenden Lösung gesucht, einer Kommunikationsplattform, die es mir ermöglicht, über den aktuellen Stand der Lieferung auch nach der Abgabe informiert zu sein. Das gab es einfach nicht.

2013 habe ich dann einen Masterstudiengang angefangen und dort Peter Lindqvist kennengelernt. Mit ihm zusammen habe ich Evertracker gegründet und entwickelt. Wir haben das gesamte Projekt alleine gestemmt, ohne Investor.

Redaktion: Evertracker ermöglicht eine lückenlose Dokumentation über den Verbleib von Versandstücken. Wie funktioniert das?

Seine Batterielaufzeit erlaubt dem Evertracker, eure Pakete – je nach Aktivität – zwischen sechs Tagen und sechs Monaten im Blick zu behalten. (Foto: Evertracker)
Seine Batterielaufzeit erlaubt dem Evertracker, eure Pakete – je nach Aktivität – zwischen sechs Tagen und sechs Monaten im Blick zu behalten. (Foto: Evertracker)

Schmitt: Für den Kunden ist das Ganze denkbar einfach: Er bekommt von uns Zugangsdaten zur von uns entwickelten Software und einen GPS-Sender. Der ist etwa so groß wie ein Smartphone und wiegt 144 g – wir nennen ihn Evertracker. Den Sender muss er dann nur ins Paket legen und in unserem Portal die Sendungsverfolgung aktivieren. Das ist alles.

Ab sofort übermittelt der Evertracker dann seine aktuellen GPS-Koordinaten über das Mobilfunknetz in Echtzeit an unsere Server. Die dort verarbeiteten Daten kann der Kunde jederzeit über jeden PC oder auch über mobile Endgeräte abrufen, so dass er immer in Echtzeit weiß, wo das Paket sich befindet. Und auch rückwirkend lässt sich nachverfolgen, welchen Weg die Sendung gegangen ist. Alternativ zum aktiven Abruf können die Daten auch automatisiert an die IT-Infrastruktur des Kunden übertragen werden. Darüber hinaus bieten wir für unsere Kunden verschiedene Module an, die Prozesse automatisieren.

Redaktion: DPD zum Beispiel bietet ja auch schon ein Live-Tracking von Paketen an. Was bietet Evertracker da für einen Zusatznutzen?

Schmitt: Bisherige Lösungen geben über RFID, Barcodes oder die GPS-Position des Transportmittels Auskunft darüber, wo das Paket zu einem bestimmten Zeitpunkt war. Nach diesem punktuellen Scan kann aber viel passieren – es kann sein, dass das Paket beim Einladen ins Zustellfahrzeug gescannt wurde und fünf Minuten später trotzdem nicht an Bord ist. Bei Evertracker spielt das alles keine Rolle. Ob das Paket im Auto transportiert wird, ob es sich bewegt oder nicht bewegt – wir verfolgen es durchgehend. Falls es verloren geht, wissen wir genau, wo es von der geplanten Route abgewichen ist und welchen Weg es danach genommen hat.

Ein großer Unterschied ist aber auch, dass das Tracking eines Logistikdienstleisters mit der Übergabe endet. Was mit dem Paket danach geschieht, weiß kein Mensch, deshalb gehen Lieferungen gerade in großen Unternehmen häufig verloren. Oder auch auf Messen, wo sie am Eingang B abgegeben werden und nie ihren Weg in Halle C finden. Dort ist das häufig besonders ärgerlich, weil Lieferungen an Messen fast immer sehr zeitkritisch sind.

Redaktion: Was für Kunden nutzen Evertracker denn bislang?

Schmitt: Ganz unterschiedliche. Es gibt zahlreiche Anfragen aus dem B2B-, aber auch aus dem B2C-Bereich. Natürlich ist unsere Lösung vor allem im E-Commerce sehr interessant. Eine Modedesignerin beispielsweise, die ihre Kleidung fast ausschließlich per Post zu ihren Kundinnen schickt, wollte ihre Versandprozesse optimieren. Sie will dabei den Weg der von ihr versandten Kleidung verfolgen, ihre Kunden rechtzeitig informieren, aber auch wissen, wann Retouren wieder auf dem Weg zu ihr sind. Dank unserer Software weiß sie jetzt jederzeit, wo sich die gelieferte Ware befindet und ihre Kunden werden automatisch informiert, wann nicht benötigte Kleidung in den Rückversand muss. Auf diese Weise ist sie nicht nur immer darüber informiert, wo die Sendungsstücke sind, sie kann sie auch schneller wieder in Umlauf bringen und nutzt damit ihre Kapazitäten viel besser aus.

Der große Vorteil von Evertracker ist: Wir machen alles transparent. So haben wir zum Beispiel ein besonderes Tool entwickelt, mit dem Laufzeiten innerhalb von Briefketten aufgezeichnet und analysiert werden. Einer unserer Kunden, der tonnenschwere Stahlblöcke bearbeitet, möchte die Lieferung seiner Produkte und die Rechnungslegung miteinander verknüpfen und automatisieren. Dazu binden wir unsere Tracking-Software an sein Warenwirtschaftssystem an.

Wir lieben es, auf Basis unserer Technologie individuelle Lösungen für spezielle Kundenbedürfnisse zu entwickeln. Damit wollen wir den Logistikmarkt revolutionieren.

Redaktion: Für eine Revolution braucht es aber ein bisschen mehr als nur ein paar Tracking-Prozesse, oder?

Schmitt: Unser Ansatz geht über das reine Tracking hinaus – wir verstehen uns als Prozessoptimierer.

Wir finden, jeder hat ein Recht zu wissen, wo genau seine Gegenstände sind. Wir vertrauen unsere Gegenstände Personen oder Unternehmen an, wissen aber nie lückenlos, wo sie sich befinden. Ist mal was verschwunden oder kommt nicht rechtzeitig an, dann geht der Ärger erst richtig los. Dabei geht es meist gar nicht so sehr um finanzielle Verluste – die bezahlt am Ende im Zweifel irgendeine Versicherung –, sondern mehr um immaterielle Werte. Geplatzte Projekte oder Reputationsschäden aufgrund eines nicht rechtzeitig angekommenen Pakets zum Beispiel lassen sich nicht so ohne weiteres bezahlen oder wieder wettmachen.

Mit Evertracker können wir nicht nur im Nachhinein Verlust oder Diebstahl aufdecken, sondern wir zeigen auch, wo die Schwächen im System sind. Dadurch können wir dazu beitragen, Prozesse zu optimieren und zu vereinfachen und Fehlerquellen auszuschließen – bevor etwas verloren geht.

Mit der Evertracker-Software kannst du deine Waren oder Dokumentensendungen verfolgen, siehst den Aufenthaltsort deines Containers oder den deiner Güter. (Screenshot: evertracker.com)
Mit der Evertracker-Software kannst du deine Waren oder Dokumentensendungen verfolgen, siehst den Aufenthaltsort deines Containers oder den deiner Güter. (Screenshot: evertracker.com)

Redaktion: Anlässlich des aktuellen Poststreiks habt ihr vergangene Woche Evertracker zum Einsatz gebracht. Was habt Ihr dabei herausgefunden?

Schmitt: Wir haben handbeschriebene Großbriefe in verschiedenen deutschen Städten kurz vor Streikbeginn bei der Post aufgegeben. Das ist natürlich nicht repräsentativ, aber wir können aus dieser Aktion viel erkennen und ableiten. Wir sehen, dass es große Unterschiede macht, wo gestreikt wird. Es gibt einige Briefe, die mittlerweile seit einer Woche in Hamburg-Altona im Verteilzentrum liegen, andere hatten nur kurze Verzögerungen, aber betroffen waren alle Sendungen. Auch in München und Freiburg liegen die Pakete besonders lange in den Verteilzentren. In Berlin gingen die Briefe bis zum Zustellposten, dort scheint es aber keinen Zusteller zu geben. In Leipzig gab es dagegen keine Schwierigkeiten, einen Brief auszuliefern, der verspätet aus Hamburg kam. Es war auch spannend zu sehen, dass das Verteilzentrum in Altona wohl überfüllt war und unsere fünf Briefe ein paar Tage innerhalb Hamburgs hin- und hertransportiert wurden. Wir konnten also sehr genau beobachten, wo es hakt und welche Städte besonders betroffen sind.

Die Hauptprobleme scheinen in den Verteilzentren aufzutreten, dann kommen die Briefträger, die in manchen Gebieten auch streiken, aber anscheinend nicht flächendeckend. Nur beim Transport selbst haben wir keine Verzögerungen festgestellt. Aber von wie gewohnt fahrenden LKWs hat der Kunde nichts, wenn seine Sendung dann irgendwo herumliegt und nicht an ihn ausgeliefert wird.

Redaktion: Danke für das Interview, Marc!

Mehr E-Commerce-News auf netzaktiv.de

Von Dr. Katja Flinzner

Ursprünglich publiziert bei netzaktiv.de.

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema
Dieses Startup verwandelt euren Instagram-Account in einen Online-Shop
Dieses Startup verwandelt euren Instagram-Account in einen Online-Shop

Mit HeroZebra könnt ihr aus einem Instagram-Account ganz einfach einen Online-Shop machen. Wir verraten euch, wie das funktioniert. » weiterlesen

Bestellverbot im Online-Shop? Geht nicht, urteilt ein Gericht
Bestellverbot im Online-Shop? Geht nicht, urteilt ein Gericht

Ein Online-Händler darf unliebsamen Kunden das Bestellen in seinem Online-Shop nicht verbieten, ein virtuelles Hausrecht existiere nicht. Allerdings kann der Online-Händler Bestellungen ablehnen. » weiterlesen

Von Upselling bis Versandkostengrenze: 5 Tipps für vollere Warenkörbe im Online-Shop
Von Upselling bis Versandkostengrenze: 5 Tipps für vollere Warenkörbe im Online-Shop

Wenn der Kunde nicht nur ein Produkt, sondern gleich mehrere auf einmal kauft, hast du als Shop-Betreiber natürlich mehr davon. Aber wie lassen sich vollere Warenkörbe in der Praxis erreichen?  » weiterlesen

Alle Hefte Jetzt abonnieren – für nur 35 €

Kennst Du schon unser t3n Magazin?