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Digitale Gesellschaft

Was uns Snapchat, Slingshot und Yo über das nächste große Ding im Netz verraten

    Was uns Snapchat, Slingshot und Yo über das nächste große Ding im Netz verraten

Yo – Die App, die uns so viel mehr verrät als sie kann. (Bild: iTunes/Shapeit)

Yo – eine App, die nichts anderes macht, als ein Wort zu verschicken – und es ist immer das gleiche: „Yo“. So what? Übertriebener Hype? Mag sein, aber viel spannender ist, was uns Yo über die Zukunft des Social Web verrät. Die Luca-Analytics-Kolumne von Luca Caracciolo.

Andreessen: „Haltet die Augen offen!“

Dass eine App, die nur ein Wort verschickt, für so viel Wirbel in der Tech-Branche sorgt, ist schon erstaunlich – meist jedoch verrissen und als völlig überhyped verschmäht, als Anzeichen für die nächste Blase gedeutet und insofern nicht ernst genommen. Es gibt aber auch andere Stimmen, die Yo nicht einfach abtun als selbstständig gewordenen, digitalen Nonsens.

Netscape-Erfinder und Investor Marc Andreessen etwa hat eine Reihe von Tweets abgesetzt, in der er dafür plädiert, Phänomene wie Yo, auch wenn sie noch so unwichtig und geradezu lächerlich erscheinen, ernst zu nehmen.

Andreessen trifft den Nagel auf den Kopf: Es geht nicht darum, in Yo das nächste große Ding im Social Web zu vermuten. In der Tat mag das naiv sein. Nein. Es geht darum zu erkennen, warum eine solche App, die fast keine Funktionen hat, für so viel Aufmerksamkeit im Netz sorgt.

Am Anfang war Facebook …

Um das einschätzen zu können, ist ein Blick in die Vergangenheit hilfreich. Am Anfang des Social Web war Facebook. Vor den soziale Medien bestand das Netz im Grunde aus der kalten, von Algorithmen geordneten Google-Welt. Natürlich gab es schon unzählige Foren, Kommentarfunktionen und weitere Beteiligungsmöglichkeiten vor Facebook – aber erst Mark Zuckerberg hat mit seinem Sozialen Netzwerk die Kommunikation im Web salonfähig gemacht – auch für Mutti.

Eine App, die eigentlich nichts kann: Yo. (Bild: iTunes/Shapeit)
Eine App, die eigentlich nichts kann: Yo. (Bild: iTunes/Shapeit)

Was jetzt Snapchat, Slingshot oder eben auch Yo zeigen: Nachdem es erstmal nötig war, „Mehrfach-Kommunikation“ im plattesten Sinne ins Web zu tragen, beginnt langsam aber sicher die Ausdifferenzierung der sozialen Medien. Und diese Ausdifferenzierung orientiert sich stark an der physischen Welt. Jordan Crook schreibt dazu auf TechChrunch:

„The brief popularity of Yo is a signal of a larger trend. Software developers are today tasked with a bigger problem than convenience or accessibility or distribution. The line between our physical lives and the lives we lead in our minds, with our thumbs, on a touchscreen, is rapidly fading. Yo may be just a touch too basic (bitch) to last for the long haul, or perhaps Yo is the beginning of a new era in push notifications. But apps that integrate pieces of our real-world lives are just settling in for a long stay.“

Was das bedeutet? Kommunikation, wie sie auf Facebook abläuft, ist nur eine Form des Austauschs – und eine sehr künstliche noch dazu. Die Kommunikation auf Facebook würde in der physischen Welt bedeuten: Ich pinne etwas an ein schwarzes Brett und Leute aus der ganzen Welt, die ich irgendwann mal gesehen habe oder mit denen ich mal in der Schule war, reisen von weit her an und kommentieren die angepinnten Fotos oder Statusmeldungen. Klar, das ist übertrieben. Aber um zu verstehen, was Yo so bemerkenswert macht, ein nötiges Gedankenexperiment.

Die nächste Evolution im Social Web

Was Snapchat, Slingshot oder auch Yo auszeichnet, ist ihr Versuch, bestehende und fest etablierte Kommunikationsformen in die digitale Welt zu übersetzen. Und der enorme Erfolg von WhatsApp bestätigt genau diesen Trend: Der Gruppenchat und noch viel mehr der „private“ Chat zwischen zwei Leuten kommt dem physischen Alltag der meisten Menschen so viel näher als Facebook-Kommunikation. Das direkte Gespräch, das einzig und allein zwischen den Gesprächsteilnehmern stattfindet, übersetzt ins mobile Zeitalter: Das ist der klassische Messenger. Die WhatsApp-Macher haben das verstanden und durch die Verfügbarkeit der App für fast jede Plattform dem universellen Face-to-Face-Kommunikationsbedürfnis der Nutzer Rechnung getragen – es macht nämlich wenig Sinn, mit Leuten nicht chatten zu können, nur weil sie nicht die gleiche mobile Plattform nutzen.

Bei Slingshot von Facebook können Nutzer erst dann eine eintreffende Nachricht sehen, wenn sie selbst eine Nachricht zurückgesendet haben.
Bei Slingshot von Facebook können Nutzer erst dann eine eintreffende Nachricht sehen, wenn sie selbst eine Nachricht zurückgesendet haben (Bild: Facebook).

Snapchat geht noch weiter und überträgt die Flüchtigkeit menschlicher Verbal-Kommunikation ins Digitale: Gesagtes, Bilder und Situationen sind für den Augenblick da und leben dann in den Erinnerungen der Menschen weiter – und nicht auf irgendwelchen Servern in den USA. Mark Zuckerberg ist dieser Trend absolut bewusst, nicht umsonst will er ihn jetzt mit Slingshot aufgreifen: Auch bei Slingshot rückt ein zentraler Bestandteil von Kommunikation in den Vordergrund: die Gegenseitigkeit. Bei diesem Messenger kann der Nutzer nämlich nur dann eine eintreffende Nachricht (Bild oder Kurzvideo) sehen, wenn er selbst eine Nachricht zurückschickt. Und Yo treibt diesen Trend der Übersetzung natürlicher Kommunikationsnuancen ins Digitale auf die Spitze.

Das einfache „Yo“, das „Ich bin jetzt da“, „Ja“, „Jetzt“, „Ich komme“ wird in einigen Teilen der Welt schon jahrelang über das einmalige Klingeln des Telefons und die entsprechende Anzeige „des verpassten Anrufs“ auf dem Telefon kommuniziert. Marc Andreessen verweist etwa auf das Phänomen in Bangladesch, in der sogennante „Missing Calls“ rund 70 Prozent des gesamten mobilen Datenverkehrs ausmachen. Kommunikation kann eben auch so einfach, ja fast trivial sein. Und es ist zu viel Anstrengung, für diese simple Form der Kommunikation den Messenger der Wahl zu bemühen, um dort etwas einzutippen. Einfach nur Yo – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Verschmelzung der physischen und digitalen Welt

Denken wir weiter, an weitere vorhandene Kommunikationsformen – seien sie noch so simpel und trivial – und mögliche digitale Übersetzungsformen: der Kuss, das Händeschütteln, das Klopfen auf die Schulter, die gemeinsame zeitgleiche Berührung des Touchscreens, die Vernetzung auf Events mittels App, das positive Feedback per simpler Nachricht. Digitale Pendants, die solche Kommunikationsbedürfnisse bestmöglich abbilden, sind die Dinge, die uns in Zukunft im Social Web umtreiben werden. Es muss eben kein neueS Facebook sein – das beispielsweise hat Google nie verstanden.

Auf der Suche nach dem nächsten großen Ding im Web zeigt sich nämlich vor allem, dass Menschen meist die Technologien und Dienste adaptieren und ihnen zum Durchbruch verhelfen, die Bestehendes früh und bestmöglich ins Digitale übertragen. Wenn Technologien und Dienste einfach nur innovativ sind, vielleicht Dinge vereinfachen und sogar besser machen, sie aber nicht typischen Gewohnheiten der Menschen in den entsprechenden Märkten entsprechen, dürften sie sich kaum durchsetzen.

Mag Yo vielleicht nur ein Strohfeuer sein – es ist die Verdichtung dessen, was uns in den nächsten Jahren im Netz erwarten dürfte: die Verschmelzung der physischen und digitalen Welt bis auf eine mikroskopisch kleine Ebene. Und Facebook wird in einer solchen Zeit so behäbig wirken wie ein Tanker im Nildelta.

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3 Reaktionen
Björn Dorra

@Luca - Sehr guter Artikel.

Und das Lustige ist, daß der Tanker durch jeden Zukauf eines Schnellbootes noch etwas behäbiger wird. Es sei denn, ganz andere Konzepte werden geboren...

- Björn Dorra, Founder http://netzaktiv.de

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hyperSven
hyperSven

Na immer schön auf das dumme Fäyzebook dreinschlagen, ok. Dann aber auch wenigstens dort Konto löschen, mal ehrlich. Die Prognose gilt: "Und Facebook wird in einer solchen Zeit so behäbig wirken wie ein Tanker im Nildelta." Alle Mann von Bord...

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Gabriel Rath

Lesenswerte Kolumne, der ich fast ausnahmslos zustimme. Allerdings gab es vor Facebook noch ein anderes, sehr großes Netzwerk, bei dem man sich fragte, wie wohl das nächste große Ding werden würde. Es geht um Myspace, mittlerweile ein Sparten-Network für Bands - so wie es ursprünglich auch mal konzipiert war. Zwischendurch war es dann aber das Mainstream-Social Network überhaupt. Damals wollten wir mehr kommunizieren, was uns Facebook erlaubte. Mittlerweile sind viele genervt und bevorzuge "einfachere" Kommunkationswege. "YO" erinnert mich an den Beeper (oder auch Pager), der in den 90ern auch nur ein Signal übertrug. Am Ende wiederholt sich dann doch vieles.

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