Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Digitale Gesellschaft

„Lügenpresse“ und Shitstorms: Das Internet als „Lügenmedium“ [#rp15]

    „Lügenpresse“ und Shitstorms: Das Internet als „Lügenmedium“ [#rp15]

Foto: re:publica/Gregor Fischer

Geheimdienste, Regierungen, Verschwörungstheoretiker und Nutzer, die auf ihrem Facebook-Profil „bigger than life“ sind – das Internet ist ein „Lügenmedium“. Auf der re:publica 2015 geht es auch um Moral.

Das Internet als Lügenmedium zu beschreiben, greift freilich zu kurz. Zwar eignet sich das Netz als vorzügliches Verbreitungsmedium einer nur allzu menschlichen Eigenschaft, aber es ist nicht der Grund dafür, dass Menschen lügen. Diesem Thema widmete sich Friedemann Karig in seinem Vortrag „Die Abschaffung der Wahrheit“.

Friedemann Karig sprach auf der re:publica 2015 über die Abschaffung der Wahrheit. (Foto: t3n)
Friedemann Karig sprach auf der re:publica 2015 über die Abschaffung der Wahrheit. (Foto: t3n)

Verschwörungstheorien bringen Ordnung ins Chaos

Statistisch gesehen lügt jeder von uns rund 20 Mal pro Tag. Doch nicht nur das: Wir glauben Lügen auch bereitwillig. Das allein ist kein Problem. Gefährlich wird es hingegen, wenn Menschen ihre Meinung ausschließlich auf Verschwörungstheorien und Lügen basieren – und das ist in Zeiten des Internets so einfach und bequem wie noch nie. Schnell lassen sich so auch etablierte Medien als „Lügenpresse“ beschimpfen. Darüber hinaus verbreiten sich Verschwörungstheorien rund um 9/11, „Chemtrails“ oder die vorgetäuschte Mondlandung wie ein Lauffeuer.

Die Holländerin Zilla van den Born führte Freund und Familie fünf Wochen lang an der Nase herum. Statt auf Asien-Rundreise Spaß zu haben, fälschte sie für ihre Bachelor-Arbeit digitale Dokumente in Amsterdam. (Foto: Zilla van den Born)
Die Holländerin Zilla van den Born führte Freund und Familie fünf Wochen lang an der Nase herum. Statt auf Asien-Rundreise Spaß zu haben, fälschte sie für ihre Bachelor-Arbeit digitale Dokumente in Amsterdam. (Foto: Zilla van den Born)

Karig erklärt die Faszination, die Verschwörungstheorien bei Menschen auslösen, mit dem simplen Weltbild, das diese Theorien unterfüttert: Sie bringen Ordnung ins Chaos und blenden alle Grautöne zwischen Schwarz und Weiß aus. Laut Karig sind auch moderne Menschen „im Kern immer noch erzählende Affen“, die versuchen, sich eine komplizierte Welt mit Geschichten leichter verständlich zu machen. Verschwörungstheorien und Lügen machen das Leben einfach angenehmer. Das Internet fungiert dabei lediglich als ausgefeiltes Werkzeug, das die Verbreitung von Lügen vereinfacht.

Erstunken und erlogen: Asien-Reise holländischer Studentin

Es müssen allerdings nicht immer gleich Regierungen, Geheimdienste oder die „Lügenpresse“ sein, die Unwahrheiten in die Welt setzen. Mit Zilla van den Born lieferte Karig ein eindrucksvolles Beispiel einer privaten Lüge aus dem vergangenen Jahr. Die Studentin hatte für ihre Bachelor-Arbeit in Grafik-Design ein Konstrukt aus Lügen, Fälschungen und Flunkereien aufgebaut: Sie täuschte eine Reise durch Asien vor.

Schreibtischstuhl statt Angkor Wat – mit Photoshop kein Problem. (Foto: Zilla van den Born)
Schreibtischstuhl statt Angkor Wat – mit Photoshop kein Problem. (Foto: Zilla van den Born)

Van den Born wollte zeigen, wie leicht es ist, mit modernen Mitteln die Realität zu fälschen, und machte damit Schlagzeilen. Die 25-Jährige verschanzte sich fünf Wochen lang, photoshoppte nicht erlebte Abenteuer, führte nachts Skype-Videotelefonate mit ihrer Familie und besuchte regelmäßig ein Solarium, um den passenden Teint zu kultivieren. Das Lügenkonstrukt konnte die Holländerin tatsächlich für die vollen fünf Wochen aufrecht erhalten, ohne dass Freunde oder Familie misstrauisch wurden.

re:publica 2015: Zwischen ‚Finding Europe‘ und Feierabendbier

1 von 45

Zur Galerie

Das Internet ist kein Lügenmedium

So beeindruckend das Selbstexperiment der Holländerin anmutet, stellt sich die Frage, ob die Wahrheit dank des Internets nun endgültig kapitulieren muss. Nach Ansicht von Karig lässt sich dieses düstere Szenario nur mit wissenschaftlichen Fakten und einer „Ethik des Teilens und Mitteilens“ abwenden. Solange die Netzgemeinde das Internet nicht den Verschwörungstheoretikern und Propagandisten überlässt, ist noch nichts verloren.

Finde einen Job, den du liebst zum Thema Social Media, Online Marketing

3 Reaktionen
Jürgen Schulze

Alles, was im Internet steht, ist im Zweifelsfall erlogen, bestenfalls subjektiv verzerrt.
Wer Artikeln von Amateur-Schreibern zu viel Glauben schenkt, der ist sowieso Sozial-Legastheniker. Früher hat es nur keinen gejuckt, da die Idioten sich nicht finden konnten, jetzt gibt es ja Facebook.

Antworten
Thomas
Thomas

Der Begriff "Verschwörungstheorie" (oder eben Verschwörungstheoretiker) wird mittlerweile inflationär gebraucht, um unliebsame Gegner mundtot oder lächerlich zu machen, ähnlich wie Nazi-Vergleiche in Deutschland, wenn es um restriktivere Zuwanderungspolitik geht.

Nicht, dass ich für oder gegen das Eine oder das Andere wäre, es stößt mir nur sauer auf, wenn konträre Meinungen (speziell durch die Presse) ausschließlich durch einseitige und manipulierende Berichterstattung denunziert wird. Das ist dann kein Journalismus mehr, sondern pure Meinungsmache.

Der Begriff "Lügenpresse" ist halt griffiger als "Denunzierungspresse".

Antworten
Oculus kommt Anfang 2016
Oculus kommt Anfang 2016

Lügenpresse betrifft wohl eher andere Medien die das Volk nicht besser stellen.
Jeder Fußball-Verein und jedes Formel-1-Team wird möglicherweise besser kontrolliert und angeführt.

Klassischerweise kauft man Zeitungen wegen der Lokal-Meldungen. Bundes-Meldungen sind oft in der politischen Farbe der/des Verleger(Familie) eingefärbt. Man kauft also absichtlich eine linke oder rechte Zeitung und kriegt (Smoothie statt Gazpacho) geschrieben was man hören will. Schade das google-News keine politischen Richtungen anbietet damit man die Welt mit der rechten oder linken Brille sieht.

Bezahlposter in Diskussionen und natürlich bei Amazon usw. sind ein andere Problem. Aber z.B. die taz und viele andere belegen immer wieder wie einfach es ist, pseudoredaktionellen Werbecontent als seriösen Artikel unterzubringen.

--
Oculus-Rift kann Ende des Jahres vorbestellt werden. Lieferung in Q1-2016 geplant. Weitere Specs des Kauf-Modells in den nächsten Wochen:
https://www.oculus.com/blog/first-look-at-the-rift-shipping-q1-2016/
(Hier gibts ja leider kein Melde-Formular für Meldungen)

Antworten

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen