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Lumma-Kolumne: Wie böse darf ein Startup sein?

Kürzlich ist bekannt geworden, daß Path unbemerkt vom Nutzer das gesamte Adressbuch des auf die Server von Path überträgt und ist in die Schlagzeilen geraten, weil aus Links zu Shops ohne Kenntnis der Nutzer Affiliate-Links gemacht wurden. Ist das eigentlich ein normales Vorgehen?

Lumma-Kolumne: Wie böse darf ein Startup sein?

Don't be evil.

(Foto: miz_ginevra / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Von Google ist bekannt, dass der Leitsatz "don't be evil" sein soll. Aber was man früher dem kleinen, aufstrebenden Suchmaschinen-Startup geglaubt hat, das nimmt man dem globalen Konzern mittlerweile nicht mehr so leicht ab. Denn auch bei Google gibt es mittlerweile genügend Vorkommnisse, bei denen das Unternehmen sich massiver Kritik ausgesetzt sieht, zuletzt bei der Veränderung der Privacy Policy. Von anderen Unternehmen ist allerdings bekannt, dass gerade zum Start nahezu alle Mittel genutzt wurden, um möglichst schnell genügend Nutzer einzusammeln. MySpace ist dabei quasi legendär geworden, indem ein vorhandener Email-Verteiler mit Millionen von Adressen genutzt wurde, um MySpace zu bewerben. Die Herkunft der Email-Adressen ist als eher zweifelhaft anzusehen. Auch wer sich noch an die frühen Zeiten von Plaxo erinnert und die unzähligen Emails, daß irgendwer künftig bei Plaxo sein Adressbuch pflegen würde und ob man dies nicht auch tun wolle, weiß, wie pushy Dienste werden können, wenn es um die Nutzer-Akquise geht. Die zeitgemäße Varianten basieren allerdings weniger auf Email-Listen, sondern auf Facebook-Verknüpfungen. Die Glücknüsse, Geburtstagskalender und natürlich die Spiele von Zynga zeigen ganz deutlich, wie penetrant auf einer Plattform wie Facebook der neue Nutzer geködert wird.

Ein bisschen evil gehört dazu, oder?

Ein Startup versucht naturgemäß, so viele Nutzer wie möglich über kostengünstige Methoden einzusammeln, damit frühzeitig Netzwerk-Effekte eintreten können und man ohne teure Marketing-Aktionen bekannt werden kann. Wie weit man dabei geht, also wie böse man werden will, das muß jedes Startup für sich entscheiden. Einige nehmen einen möglichen Shitstorm billigend in Kauf, anderen ist es völlig egal, wie eine Gesetzeslage aussieht oder wie Anstand und Moral definiert werden.

Die Aussage "We don't spam. Ever." kann man daher bei vielen auf der Anmeldeseite sehen – denn man will gerade dem Early Adopter ein gutes Gefühl geben. Wer dann doch das Vertrauen missbraucht, darf sich öffentlich entschuldigen, wie es aktuell bei Hipster der Fall ist. Auch Path rudert gerade kräftig zurück. Man nimmt dem Team um Dave Morin durchaus ab, daß die Adressdaten nicht missbräuchlich verwendet wurden, sondern eigentlich nur Usability-Vorteile für die Nutzer geschaffen werden sollten. Dennoch bleibt ein ziemlicher Nachgeschmack vorhanden, weil man sich schon fragt, welche anderen Apps fröhlich die Adressdaten der Nutzer auslesen, um darüber neue Nutzer zu akquirieren.

Vetrauen ist alles

Craig Newmark, der Gründer von Craigslist, sagte vor einigen Jahren mal "Trust is the new black". Damit hat er recht: die Nutzer sind bereit, Firmen ihre Daten anzuvertrauen, aber sie erwarten dann auch einen anständigen Umgang mit diesen Daten. Wenn es ein Startup am Anfang übertreibt, dann ist das Vertrauen schneller dahin, als die Entschuldigung gebloggt werden kann.

Über den Autor

nico lumma 75pxNico Lumma ist Chief Operating Officer (COO) der Digital Pioneers N.V. in Hamburg, stolzer Vater zweier Kinder, glücklich verheiratet, bloggt seit etlichen Jahren auf lumma.de und hat den Verein D64 - Zentrum für digitalen Fortschritt mitgegründet. Er ist Ständiger Sachverständiger der Enquete Kommission „Verantwortung in der medialen Welt“ am Landtag Rheinland-Pfalz und wurde 2007 von der Zeitschrift Tomorrow zu den Top 20 Web 2.0 Pionieren in Deutschland gewählt.

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5 Antworten
  1. von Sebastian am 09.02.2012 (19:28 Uhr)

    Einen langweiligen Artikel mit einer Kartze zu pimpen, ist aber irgendwie auch ein bisschen "Evil" ;-)

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  2. von Nico Lumma am 09.02.2012 (21:17 Uhr)

    @Sebastian wenn Du schon rumnölst, dann solltest Du peinlichst genau auf Tippfehler achten, das wirkt sonst irgendwie blöde. :)

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  3. von Sebastian am 09.02.2012 (22:35 Uhr)

    In MEINEM Text ist kein Tippfehler!

    Außerdem wäre mir das weder peinlich, noch peinlicher und schon gar nicht am peinlichsten ;-)

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  4. von Nico Lumma am 09.02.2012 (22:36 Uhr)

    gut, wir nähern uns einer inhaltlichen diskussion des textes. :)

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  5. von Sebastian am 09.02.2012 (23:05 Uhr)

    Ach, Nico. Ich mag Dich. Aber nicht so sehr wie das letzte Wort ;-)

    Okay, inhaltlich. Gutmenschentum macht auf mich immer den Eindruck der Scheinheiligkeit. Will heißen, ich kaufe es niemandem ab. Wirtschaft ist Krieg. Und zwar einer, in dem keine Gefangenen gemacht werden.

    Ich bin für absolute Loyalität und Ehrlichkeit gegenüber Kunden, Geschäftspartnern, Angestellten und Investoren. Das gilt aber nicht gegenüber der Konkurrenz. Insbesondere deshalb, weil mich die Erfahrung gelehrt hat, dass der Versuch des "Fair Plays" einer Schlacht gleicht, in der man mit Fäusten gegen Giftgas zu kämpfen versucht.

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