Von der Idee bis zum Produkt
In den vergangenen Jahren wurde viel über den Dell Ideastorm, über My Starbucks Idea und auch über Tchibo Ideas geschrieben. Hier haben sich erstmals Unternehmen auf breit angelegten Plattformen mit interessierten Nutzern auseinandergesetzt und versucht, von den Ideen und Meinungen der Nutzer zu profitieren, um dieses in die eigene Produktentwicklung einfließen zu lassen. Dabei kann man sich immer auch die Frage stellen, warum ein Kunde so sehr an einem Unternehmen interessiert sein sollte, dass er zu besseren Produkten beitragen will. Auf der anderen Seite gibt es im Unternehmen Verantwortliche, die durch das Involvieren der Nutzer auf einmal Konkurrenz bekommen, da sie nicht mehr alleine für die Produktentwicklung zuständig sind. Diese Spannungen sind gewollt. Sie sollen dafür sorgen, dass die Produkte besser und auch schneller entwickelt werden können, natürlich auch mit weniger Kosten. Für das Generieren von Ideen ist mittlerweile gesorgt, aber die Umsetzung liegt nach wie vor bei den Unternehmen.
Die Nutzer bestimmen selber
Kickstarter geht den Weg von der Idee bis zum fertigen Produkt konsequent weiter, indem jetzt nicht mehr die Idee von der Masse entwickelt wird, sondern durch die Finanzierung erst ermöglicht wird. Vorbei sind also die Zeiten, in denen ein Produktverantwortlicher sagen konnte: "das gefällt mir nicht, und die Marktforschung sagt das auch" – denn jetzt kann um finanzielle Unterstützung für die Entwicklung von Produkten geworben werden. Eine der letzten Barrieren bei der Entwicklung neuer, innovativer Produkte wird durch eine Plattform wie Kickstarter genommen – alles nur, weil Nutzer ein neues Produkt wollen. Unternehmen haben immer noch ihre etablierten Marken und Marketingkanäle, was neuen, innovativen Produkten einen leichten Markteintritt ermöglicht. Die einmal erfolgte finanzielle Unterstützung der Crowd dürfte aber zu wirklichen Word-of-Mouth-Effekten führen – denn wer redet nicht gerne über ein Produkt, zu dessen Marktreife er selber beigetragen hat?
Produktentwicklung wird beschleunigt
Noch sind die Produkte, die über Kickstarter finanziert werden, überschaubar, aber es wurden bereits über 100 Millionen Dollar für Produkte von Nutzern bereitgestellt. Daher dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch komplexere Produkte ihre Finanzierung und ihren Markteintritt über Kickstarter und andere finanziert bekommen. Dadurch dürfte die Produktentwicklung künftig deutlich agiler werden.
Über den Autor
Nico Lumma ist Chief Operating Officer (COO) der Digital Pioneers N.V. in Hamburg, stolzer Vater von drei Kindern, glücklich verheiratet, bloggt seit etlichen Jahren auf lumma.de und hat den Verein D64 - Zentrum für digitalen Fortschritt mitgegründet. Er ist Ständiger Sachverständiger der Enquete Kommission „Verantwortung in der medialen Welt“ am Landtag Rheinland-Pfalz und wurde 2007 von der Zeitschrift Tomorrow zu den Top 20 Web 2.0 Pionieren in Deutschland gewählt.





9 Answers
von Karsten Wenzlaff 17.02.2012 (00:02Uhr) 1.
Vielen Dank, dass Du das Thema aufgegriffen hast.
Prototypen-Finanzierung auf den diversen Crowdfunding-Plattform ist auch in Deutschland kein neues Thema mehr, da braucht man gar nicht über den großen Teich zu schauen. Natürlich sind da die Finanzierungssummen andere, weil aufgrund der Dominanz der VC-Industrie viele Investitionsbedürfnisse von kleineren Anlegen auf die Crowdfunding-Plattformen ausgelagert werden.
Spannend ist, dass die Prototypen-Finanzierung auf Kickstarter auch dem Marketing dient. Teilweise ist es sogar so, dass die Start-Ups hinter den Kickstarter-Projekten ein Vielfaches in die Öffentlichkeitsarbeit investieren, als am Ende durch die Crowd herauskommt, einfach weil Kickstarter, Indiegogo und Co so gute Plattformen für neue Ideen sind.
Was im nächsten Jahr interessant sein wird, ist wie Crowdsourcing und Social Games zusammenwachsen. Da gibt es in Deutschland einige Start-Ups, die gegenüber dem, was in den USA passiert schon weiter sind.
Weitere Infos bald dazu bei uns im Blog ;-)
von Nico Lumma 17.02.2012 (11:46Uhr) 2.
hast Du ein paar Links für deutsche Crowdfunding-Projekte, die funktionieren?
von Karsten Wenzlaff 17.02.2012 (11:52Uhr) 3.
Lieber Nico
jede Menge. Wir publizieren diese regelmäßig in unseren Studien und Berichten auf ikosom.de/publikationen oder in unseren Artikeln hier bei t3n. Alles weitere gerne per Email oder Telefon ;-)
Viele Grüße
Karsten
von Ibrahim Evsan 17.02.2012 (15:49Uhr) 4.
Nico, ich habe NICHTS dazu gelernt.
Was ist denn los? :)
Du hast noch nicht einmal Bezug genommen zu Webseiten die das Thema in Perfektion aufgreifen wie z.B. das http://www.crowdsourcingblog.de
von Nico Lumma 17.02.2012 (16:05Uhr) 5.
Ibo,
1. habe ich nicht den Anspruch, eine allumfassende Linksammlung zu einem Thema zu bloggen
und
2. solltest Du kenntlich machen, daß es wenigstens eine räumliche Nähe von Dir zu der Webseite gibt, die "das Thema in Perfektion" aufgreift, sonst wirkt das irgendwie nicht so chic.
3. tut es mir leid, daß Du nichts dazu gelernt hast.
von Ibrahim Evsan 17.02.2012 (22:40Uhr) 6.
Ich hab nichts falsches gesagt! Ich finde Punkt 2 kannst Du streichen. Weil ich es persönlich "perfekt" finde.
von Nico Lumma 17.02.2012 (22:44Uhr) 7.
na, dann bin ich ja beruhigt. :)
von Karsten Wenzlaff 18.02.2012 (00:08Uhr) 8.
Das ist doch schön ;-)
@Ibo - Nico ist ja erst am Einlesen in das Thema, da hilft jeder ernstgemeinte Link - er wird jetzt bestimmt das Crowdsourcing-Blog in seinen Feed-Reader nehmen ;-)
@Nico - Transparenz, gute Idee. Aktiv selber machen!
von Claudia Pelzer 26.02.2012 (15:40Uhr) 9.
Karsten, Du alter Diplomat ;) Also ich finde den Artikel für den Einstieg auch vollkommen ok, natürlich ist das Thema bei genauerer Betrachtung noch sehr viel größer...
Ich persönlich finde es z.B. schade, dass in Deutschland gerade Produktideen (i.S.v. Gadgets & Co.) immer noch ungern transparent gemacht werden - die Angst vor Ideenklau ist nunmal leider so viel ausgeprägter als beispielsweise in den USA.
Und wenn man den Ansatz 'Crowdsourcing & Produktentwicklung' einmal weiter denkt, finde ich gehören auch die Umsetzung digitaler Produktkomponenten (=Crowdsourcing bei Softwareentwicklung & Design) mit ins Portfolio. Wieso nicht gleich Produkt-Namen, Logo (funktioniert beides auch für nicht-digitale Produkte) oder die Programmierung einzelner Elemente an die Crowd geben? In Kombination mit Ideenfindung & Funding finde ich das äußerst spannend (wenn auch komplex).
Grüße!
Claudia