Lumma-Kolumne: Frictionless Sharing ist die Zukunft

Ab sofort werden wir auf Facebook über viele Apps Aktionen unserer Freunde sehen, aber auch selbst „automagisch“ Inhalte übermitteln, die dann in der Tickerbox rechts oben auf der Facebook Seite landen und auch in der Timeline entsprechend auftauchen. Dieses „Frictionless Sharing“ wird viel kritisiert, aber es ist unausweichlich.

markzuckerbergf8 79731
Auf der f8-Konferenz hatte Mark Zuckerberg unter anderem auch Facebooks automatisches Sharing vorgestellt. (Foto: jolieodell / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Auf der f8 Developer Conference hatte voriges Jahr das Konzept von Timeline und Open Graph vorgestellt, zu dem Zeitpunkt durften allerdings nur eine Handvoll ausgewählter das neue Feature nutzen, darunter Spotify, die Washington Post und der Guardian. Nun hat Facebook angekündigt, auch andere Apps mit der Timeline und dem Open Graph zu verknüpfen. Dieser Schritt ist konsequent und richtig, da Nutzer und Developer davon proftieren.

Das Spannende hieran ist, dass sich Facebook dabei auch vom einfachen „Like“ bzw. „Gefällt mir“ wegbewegt und auch andere Aktionen zulässt, wie z.B. „laufen“, „hören“, „sehen“ und so weiter.

Die Idee des Frictionless Sharing wurde gerne kritisiert in den letzten Wochen und Monaten, aber es ist ein unausweichliches Feature für Facebook. Durch Frictionless Sharing wird die Plattform lebendiger und davon profitieren Nutzer und Developer, aber natürlich auch Facebook.

Developer profitieren, Nutzer werden Apps öfter nutzen

open graph facebook apps
Viele Apps könne nun per Open Graph „automagisch“ Inhalte bei Facebook verteilen. Das Social Network nennt das „Frictionless Sharing“.

Die Verlagerung der Aktionen der Nutzer in die Tickerbox bedeutet für den einzelnen Nutzer zwar mehr Rauschen in der oberen rechten Ecke von Facebook, aber es sorgt für weniger Status Updates von Freunden, auf die man eher verzichtet hätte. Dadurch werden Apps wieder interessanter für Nutzer, da sie als weniger nervig empfunden werden und die Nutzungsdauer der einzelnen Apps wird zunehmen.

Nutzer bekommen nun über die Tickerbox eine neue Art der App Discovery, die ihnen ermöglicht, sehr leicht die aktuellen Apps zu finden. Developer werden so mit ihren Apps wieder präsenter werden und davon profitieren. Die Verknüpfung der Apps mit Timeline und Open Graph ist der Versuch, die viralisierenden Elemente wieder stärker zu betonen, ohne den Nutzern durch zu viele Status Updates auf die Nerven zu gehen.

Das „automagische“ Sharen werden etliche Nutzer erst einmal befremdlich finden, aber sie dürften sich schnell darüber freuen, dass sie über ihre Freunde auf Inhalte gestoßen werden, die sie sonst niemals mitbekommen haben. Natürlich ist Frictionless Sharing insbesondere für das Thema Shopping relevant, denn nun wird es leichter werden, die Freunde an Shopping-Touren teilhaben zu lassen.

Facebook stärkt sein Ökosystem

Mark Zuckerberg weiß, dass die Apps dafür sorgen, dass das Ökosystem Facebook lebendig bleibt. Mit der Aufnahme der Apps in Timeline und Open Graph wird vor allem über die mobile Nutzung mehr Leben in die Bude gebracht und dadurch das gesamte Ökosystem attraktiver. Die Developer sind für Facebook essentiell und werden durch diese Neuerung noch stärker an Facebook gebunden.

Mit Frictionless Sharing setzt Facebook auf das „automagische“ Teilen von Inhalten und sorgt dafür, dass Nutzer viel unbewusster ihre Freunde an ihrem Leben teilhaben lassen. Dadurch werden die Beziehungen innerhalb von Facebook gestärkt und das Ökosystem gefestigt. Frictionless Sharing ist die Zukunft, viele weitere App-Developer und Plattformen werden nachziehen.

Über den Autor

nico lumma 75pxNico Lumma ist Chief Operating Officer (COO) der Digital Pioneers N.V. in Hamburg, stolzer Vater zweier Kinder, glücklich verheiratet, bloggt seit etlichen Jahren auf lumma.de und hat den Verein D64 - Zentrum für digitalen Fortschritt mitgegründet. Er ist Ständiger Sachverständiger der Enquete Kommission „Verantwortung in der medialen Welt“ am Landtag Rheinland-Pfalz und wurde 2007 von der Zeitschrift Tomorrow zu den Top 20 Web 2.0 Pionieren in Deutschland gewählt.

Weiterführende Links zum Thema:

Weitere Artikel zu Facebook und Apps

Das interessiert dich bestimmt auch

19 Answers

  1. von Dirk Spannaus via facebook 20.01.2012 (11:10Uhr) 1.

    "Automagisches" Teilen finde ich bedenklich. Heute profitiere ich von dem gezielten Sharen - Leute geben Sachen weiter, die sie gut finden.
    Mit dem "frictionless sharing" teile ich z.B. einen Artikel doch m.E. schon wenn ich beginne den zu lesen - und den am Ende eventuell voll daneben finde... Dann muss ich aktiv das Teilen zurücknehmen? Wobei sich Freunde dann schon wundern, was für einen Schrott liest der denn?

  2. von Andreas Weck via facebook 20.01.2012 (11:19Uhr) 2.

    Habe das auch mal was vor längerer Zeit auf Netzpiloten verfasst. http://www.netzpiloten.de/2011/11/28/frictionless-sharing-eine-neue-form-des-teilens/

  3. von Nemo 20.01.2012 (11:32Uhr) 3.

    Nico Lumma schreibt: "Weniger Status Updates von Freunden, auf die man eher verzichtet hätte" - Im Gegenteil. Frictionless Sharing spielt sich auch im Newsfeed ab (bspw. xy hat gerade Artikel z bei Washington Post gelesen) und diese Nachricht interessiert mich nun leider überhaupt nicht. Die Nutzerin hat diesen Beitrag auch nicht bewusst geteilt, dann nämlich hätte er mehr Relevantz für mich besessen.

    Der, trotz seiner Kürze redundante, Artikel, ist meiner Meinung nach nicht korrekt und auch die Aussicht ist zu kurz gegriffen. Mit dem Frictionless Sharing uns auch mit der Einführung der Timeline nähert sich Facebook weiter den Werbepartnern und entfernt sich von den Nutzern. Wenn sie nicht aufpassen, dann hat Google+ wirklich eine gute Chance.

  4. von Nico Lumma 20.01.2012 (11:35Uhr) 4.

    @Nemo - das Gros der Aktionen wird nur in der Tickerbox auftauchen.

    Ich verstehe nicht, wieso Du meinst, dass dies den Werbepartnern zu Gute kommt, kannst Du das etwas ausführen?

  5. von Nico Lumma via facebook 20.01.2012 (11:46Uhr) 5.

    ach, was ist denn daran bedenklich? deine freunde werden sich mal wundern, wenn du dsds news liest, aber ansonsten? man muß sich viel mehr fragen, ob es so sinnvoll ist, sich mit jedem zu befreunden, oder?

  6. von Nico Lumma via facebook 20.01.2012 (11:57Uhr) 6.

    @Dirk: ach, was ist denn daran bedenklich? deine freunde werden sich mal wundern, wenn du dsds news liest, aber ansonsten? man muß sich viel mehr fragen, ob es so sinnvoll ist, sich mit jedem zu befreunden, oder?

  7. von Nemo 20.01.2012 (11:58Uhr) 7.

    Also erstens habe in meinem Newsstream sehr oft "Frictionless-Sharing-Posts". Zweitens kommen diese Einträge natürlich den privilegierten Partnern von Facebook zugute, da diese die Funktion als erste nutzen konnten. Sie können mit weniger Aufwand als bisher große Marketingwirkung erzielen. Anfänglich nur "The Guardian" und so weiter. Später weitet sich das ganze natürlich auf weitere Player aus. Generell kann man davon ausgehen, dass das nötige Know-How um diese sozialen Funktionen in die Apps zu programmieren eher bei finanziell starken Akteuren liegt. Des Weiteren ging ich in meinem Kommentar auf die Timeline ein. Neue Eye-Tracking-Studien beweisen eine höhere Aufmerksamkeit für Werbeanzeigen bei der Timeline: http://allfacebook.de/zahlen_fakten/eyetracking-studie-vergleicht-die-facebook-timeline-mit-den-alten-profilen

  8. von Dirk Spannaus via facebook 20.01.2012 (12:09Uhr) 8.

    @Nico Lumma ... darum geht es mir nicht. Aber ich will meinen Freunden keine Zeit stehlen. Ich share nur Dinge, die ich echt für sharenswert halte. Das ist das tolle am "kuratieren". Hast Du früher mal Google Reader genutzt? Ich wusste immer, bei wem ich mich zu welchem Thema schnell auf den neuesten Stand bringen konnte. Wusste welcher meiner Freunde sich mit welchem Thema gut auskennt. Nie im Leben wöllte ich wissen, was der oder diejenige alles lesen musste, damit eine feine Liste an empfohlenen Artikeln entstand.Leider hat Google Reader diese sinnvollste und unique Funktion in Google Reader abgestellt. Wahrscheinlich weil derjenige, der das entschieden hat, den Reader selbst nicht nutzt. Oder weil jemand meint - wir müssen jetzt auf Teufel komm raus alles in Google+ sharen.

  9. von Oliver Mentzel via facebook 20.01.2012 (12:09Uhr) 9.

    Der zustand an sich finde ich überhaupt nicht bedenklich: Frictionless Sharing kann man auch unterbinden.
    Doch die Masse an Möglichkeiten und an Einstellmöglichkeiten ist beinahe unüberschaubar geworden - da kann man ganz schnell überfordert werden. Ständig muss man schauen, was man erlaubt hat und was nicht. Das finde ich bedenklich! Da müsste einfach mal ein neues Konzept her.

  10. von Oliver Mentzel via facebook 20.01.2012 (12:10Uhr) 10.

    Den Zustand an sich finde ich überhaupt nicht bedenklich: Frictionless Sharing kann man auch unterbinden.
    Doch die Masse an Möglichkeiten und an Einstellmöglichkeiten ist beinahe unüberschaubar geworden - da kann man ganz schnell überfordert werden. Ständig muss man schauen, was man erlaubt hat und was nicht. Das finde ich bedenklich! Da müsste einfach mal ein neues Konzept her.

  11. von Eric Sturm 20.01.2012 (14:33Uhr) 11.

    Hmm, ganz interessant, aber warum nennt Ihr solche Beiträge eigentlich "Kolumne"?

  12. von friction less 20.01.2012 (15:58Uhr) 12.

    "Hans Mustermann hat den Artikel angefangen zu lesen aber nach 20 Sekunden aufgehört und den Artikel als DISlike bewertet" wäre eine Killer-App.
    Es müsste Artikel-Bewertungs-Plattformen geben und diese hätten eine App und dann würde man sehen das Hans Mustermann den Artikel als Zeitverschwendung einstuft.

    In Abmahnistan und Diktaturen kann man sowas triviales leider nicht programmieren :-( Also in USA :-(

  13. von Ray 20.01.2012 (20:28Uhr) 13.

    Erich Mielke wäre stolz auf Zuckerberg gewesen.

  14. von Riemann Elk Khmer 21.01.2012 (00:45Uhr) 14.

    Es mag eine konsequente Entwicklung sein, aber ein Feature einer Software als unausweichlich zu bezeichnen halte ich für übertrieben und faktisch falsch.

  15. von Phicsa 22.01.2012 (05:26Uhr) 15.

    "Das „automagische“ Sharen werden etliche Nutzer erst einmal befremdlich finden, aber sie dürften sich schnell darüber freuen, dass sie über ihre Freunde auf Inhalte gestoßen werden, die sie sonst niemals mitbekommen haben."

    Klar, ich hab ja nichts besseres zu tun als über der "Timeline" zu hocken und zu überwachen was für mich von interesse sein könnte...wer will schon von Freunden und Bekannten auf, für sie interessante, Themen hingewiesen werden wenn er diese auch ganz einfach STASI-like überwachen kann!

    Facebook Hoooo!! *rolleyes*

  16. von Futurebiz – Week in Review 1 | 201… 22.01.2012 (09:31Uhr) 16.

    [...] Allfacebook Google veröffentlicht Quartalszahlen: 250 Mio Android-Devices weltweit netbooknews.de Lumma-Kolumne: Frictionless Sharing ist die Zukunft t3n Für 1.000.000 Fans: Der Like-Button als Schokotraum All Facebook “Xing ist kein [...]

  17. von unausweichlicher 23.01.2012 (17:28Uhr) 17.

    Was soll das heißen, "unausweichlich"? Von wem wird dieser Mensch bezahlt? Wenn er ohne Schließmuskel leben will, viel Spaß. Allerdings fällt das dann auch auf Unschuldige.

  18. von Pinterest regt mich auf! 03.02.2012 (11:50Uhr) 18.

    [...] viel besser und durchdachter und eben auch 5 Jahre später, mit Sharing-Gedöns, Facebooks frictionless Sharing und so weiter, aber es ärgert mich maßlos, daß ich vor 5 Jahren schon sehr dicht dran war mit [...]

  19. von e-book-news.de » Geteilte News ist… 20.02.2012 (14:56Uhr) 19.

    [...] profitiert der Guardian von den allerneuesten viralen Effekten innerhalb der Plattform. Denn dank „frictionless sharing“ (auch „automagisches Teilen“ genannt) weiß der eigene Freundeskreis sofort, welche Artikel man [...]

Deine Meinung


(wird nicht veröffentlicht)