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Magento nach dem eBay-Deal: Rätselraten um die Zukunft

Magento nach dem eBay-Deal: Rätselraten um die Zukunft

Innerhalb der Magento-Community hat sich in den letzten Tagen eine kontroverse Diskussion rund um die Zukunft des Open-Source-Shopsystems aus Kalifornien entsponnen. Da in der letzten Woche bekannt wurde, dass einen 49-prozentigen Anteil an Inc. erworben hat, rätselt derzeit die E-Commerce-Welt, welchen Weg die Kalifornier in der nächsten Zeit gehen werden.

Magento nach dem eBay-Deal: Rätselraten um die Zukunft

Aber der Reihe nach: Am 15. März 2010 verkündete CEO Roy Rubin im offiziellen Magento-Blog, dass ein ungenannter Investor in Magento investiert habe. Das bekannte internationale Tech-Blog TechCrunch lieferte kurz danach die Zahl 22,5 Millionen US-Dollar nach, konnte jedoch auch nur mutmaßen, wer verantwortlich für diesen Geldsegen und wie hoch der erworbene Geschäftsanteil war. Die Identität des unbekannten Investors beflügelte die Phantasie, man kam schnell zu dem Schluss, dass es sich um PayPal handeln müsse. Warum sonst, fragten sich viele, wären die Dienste dieses 2002 von eBay gekauften Zahlungsanbieters sonst so kurz nach der Investment-Bekanntgabe so prominent im Magento-Backend hervorgehoben worden?

Die Gerüchte bestätigen sich

In der letzten Woche fand in Los Angeles die von Magento organisierte „Imagine“-Konferenz statt, in deren Rahmen neue Magento-Versionen vorgestellt wurden, dem Launch der On-Demand-Plattform Magento Go aber eine besondere Bedeutung zukam. Dabei handelt es sich um eine SaaS-Lösung, bei der sich Kunden eine in der gehostete Magento-Installation mieten und die Software nicht mehr selbst betreiben müssen. Der Vorteil: Magentos Flexibilität kann genutzt werden ohne sich über Software-Updates oder Hosting selbst Gedanken machen zu müssen.

Letzten Donnerstag – fast ein Jahr nach dem ursprünglichen Deal – wurden die Gerüchte dann Realität: Im Rahmen des eBay Analyst Day wurde offiziell bestätigt, dass sich eBay einen 49-prozentigen Anteil an Magento gesichert hat, was kurz darauf auch vonseiten Magentos bestätigt wurde. Ob eBay sich den 49-Prozent-Anteil mit den im März 2010 investierten 22,5 Millionen US-Dollar gesichert hat oder noch finanziell nachgelegt hat, ist bislang nicht bekannt.

Magento CEO Roy Rubin ließ die Community lange im Dunkeln darüber, wer im März 2010 22,5 Millionen US-Dollar in das Unternehmen investiert hat. (Bild: Meet Magento)

Diskussion um Magentos Zukunft

Seit der Bekanntgabe des eBay-Deals hat sich auf jeden Fall eine muntere Diskussion dazu entwickelt, wie sich der Einfluss von eBay auf die weitere Zukunft Magentos auswirken könnte und welche Rolle die internationale Community dabei spielt.

In einem mittlerweile viel zitierten Beitrag auf Exciting Commerce erläutert Jochen Krisch seine Einschätzung zur Zukunft von Magento. Er hatte auch als Sprecher an der bereits erwähnten „Imagine“-Konferenz teilgenommen und sich vor Ort ein genaues Bild der Situation gemacht. Da eBay fast die Hälfte an Magento hält, sei eine Einflussnahme des E-Commerce-Dinosauriers schon programmiert. Auch vonseiten der „handzahmen“ Magento-Community sei kein ernstzunehmender Widerstand in puncto Produktentwicklung und Geschäftsentwicklung zu erwarten.

Auch ich konnte mir nicht verkneifen, mich in die Diskussion einzuschalten und bin im Blogpost „Magentos Wohlfühl-Community?“ der Frage nachgegangen, welche Impulse es diesbezüglich bisher aus der Community gegeben hat. Meiner Meinung nach ist trotz vieler Ungereimtheiten in der Kommunikation mit dem Hersteller und teilweise schlecht gelöster Programmierung die Beschäftigung mit Magento ein zu lohnenswertes Geschäft, als dass jemand ernsthaft mit Gedanken an Boykotten oder einen Fork spielen würde.

Inzwischen hat sich auch Rico Neitzel, offizieller Magento-Community-Manager Deutschland, in einem längeren Beitrag zu Wort gemeldet und stellt seine Sicht der Dinge dar.

Ausblick

Magento hat allen Unkenrufen zum Trotz neue Maßstäbe für Shopsoftware gesetzt und ist in vielen Bereichen konkurrenzlos. Sollte aber in Zukunft eBays Handschrift deutlicher durchscheinen, da es beispielsweise mit Magento Go ein Alternativangebot für seine Powerseller aufbauen will, ist fraglich, wie lange Magento noch aktiv Innovationen vorantreiben kann und ob sich der Shooting-Star der internationalen E-Commerce-Szene nicht doch eher dem einträglichen Mainstream-Geschäft widmen wird.

Wie seht ihr die Zukunft von Magento? Wir freuen uns über eure Sicht der Dinge in den Kommentaren.

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10 Antworten
  1. von friendworx am 18.02.2011 (13:43 Uhr)

    Wir werden sehen was der Deal bringt. Denke das es vielleicht gar nicht so schlecht ist etwas Fremdknowhow und frisches Kapital für Neuerungen einzubringen.

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  2. von Oliver am 18.02.2011 (16:27 Uhr)

    Ich seh das noch eher ein wenig mit gemischten Gefühlen. Ebay hat aus meiner Sicht in der Vergangenheit ein nicht gerade glückliches Händchen gehabt und zu viel kommerzielle Interessen haben einem Open Source Projekt meiner Meinung nach noch nie gut getan...

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  3. von Lucian am 19.02.2011 (00:56 Uhr)

    Also ich hoffe mal, Magento wird den Teil im Open-Source Bereich nicht "sterben" lassen und eBay sich nicht in Allen die Fingern steckt, denn dann haben wir ein richtiges Problem wenn man von Monopol spricht. Ich habe kein gutes Gefühl was kommen wird.

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  4. von herber-herber am 19.02.2011 (10:58 Uhr)

    Wir verwenden seit knapp zwei Jahren auschließlich MAGENTO für eComerceanwendungen.
    Vor wenigen Wochen haben wir den ersten Shop http://www.Designer4Kids.eu mit der tollen Plag & Play MageBid (Magento >< eBay) Schnittstelle am laufen und uns gefragt warum so eine tolle Lösung als OS auf den Markt kommt.

    Wissen wir es jetzt?

    Wir würden es Positiv sehen, falls eBay MAGENTO als Lösung für seine Powerseller in Betracht ziehen würde. Es kann dem gesamten Projekt MAGENTO eigentlich nur gut tun, solange die Offenheitheit = der OS-Gedanke hierunter nicht - zu stark- leidet und das ganze nur zu einem schnellen Return of investment (Heuschreckenmethode) Missbraucht wird.

    PS:MAGENTO & T3- User aus dem Region Trier-Saarbrücken-Luxemburg auch gerne darüber. Wir planen für im Spätsommer ein erstes Treffen/Workshop inkl. Grillen, Pizza und Getränke. Genauen Ablauf und Themen werden den Wünschen der Teilnehmer angepasst. Bei Interesse bitte eine Mail ggf. mit Tehmenwunsch an Info@herber-herber.de so das wir vorplanen können.

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  5. von nicolette am 19.02.2011 (15:59 Uhr)

    Von Anfang an eine undurchsichtige Geschäftsstrategie, die nun das "echte" Gesicht von magento zeigt. Mit dieser Beteiligung wird für Entscheider in Großprojekten in Industrie und Handel das Produkt uninteressant.

    Die Menschen, die sich in Deutschland in der Community so engagiert haben, tun mir richtig leid....

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  6. von Dennis am 22.02.2011 (10:17 Uhr)

    schon damals bei der "einführung" der kostenpflichtigen version hatte magento sein wahres gesicht gezeigt. sehr hinterhältig haben sie die community als tester missbraucht um dann die premium version zu launchen. dies sind sehr clevere strategen aber leider auch gewissenlose kapitalisten.
    nach aussen so tun als wäre alles os um dann profit herauszuschlagen. pfui

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  7. von BastianBBux am 03.03.2011 (18:05 Uhr)

    Bin ich froh, dass ich es nach einem kurzen Test wieder von der Platte verbannt hab.
    Ich liebe einfach TYPO3. Insbesondere die erstaunlich stabile API. (bin seit 3.5 dabei)

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  8. von eCommerce Innovations am 22.03.2011 (12:36 Uhr)

    Der finale Grund, nach der Abzockerei der Entwickler und Agenturen mit der Enterprise Version das Thema Magento zu den Akten zu legen und sich um ein für den europäischen Wirtschaftsraum optimiertes Shopsystem auf der Basis eines ausgereiften Frameworks wie ZF zu kümmern. Dann kann man auch gleich die Verkrüppelungen von ZF durch Magento beseitigen...

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  9. von eCommerce Innovations am 22.03.2011 (12:41 Uhr)

    @Dennis:
    Das fand ich auch beachtlich. Bei xt:Commerce hat man auch gedacht, man könnte mit einem rein kommerziellen System Land gutmachen, aber mittlerweile ist wieder eine freie Version angekündigt, u.a. durch den Druck, der von der Existenz des Systems xtcModified ausgeht. Bei Magento gibt es derzeit ja noch eine freie und eine kommerzielle Version, aber als Entwickler aus der Community hätte ich keine Lust, meine Arbeitszeit und -kraft dafür zu verbraten, dass ein zukünftiges Tochterunternehmen von eBay damit den Reibach macht. Hätte man sich bei Magento nicht einen Investor mit einem besseren Ruf und einer besseren Strategie aussuchen können?

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  10. von neoshops am 16.06.2011 (16:40 Uhr)

    Wird nun Magento ein 100%iges kostenpflichtiges Lizenzprodukt? Das hängt wohl in erster Linie davon ab, welche Verkaufsstrategien eBay verfolgt. Sind Gewinne über Lizenzen das Ziel oder strebt man an, sich als Zahlungsanbieter durchzusetzen und an den Bezahlvorgängen zu verdienen? Im letzteren Fall hätten sie wohl wenig Interesse daran, den Quellcode mit Schloss zu versehen, auf dem ein Preis steht. Dann würde man das Kleinvieh vergraulen. Aber Marketing ist ja nicht immer durchdacht und logisch.

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