WSJ Tech News

wsj.de/technologie
Drücke die Tasten ◄ ► für weitere Artikel  

Mailstrom und Swizzle im Test – So setzt du dein E-Mail-Postfach auf Diät

Nicht wenige Nutzer haben heutzutage das Gefühl, in E-Mails zu versinken. Überfüllte E-Mail-Postfächer machen es schwer, wichtige E-Mails in einem Meer aus nervenden Werbe-Nachrichten und unerwünschten Newslettern zu erkennen.

Mailstrom und Swizzle im Test – So setzt du dein E-Mail-Postfach auf Diät
E-Mail Zeichen steckt in einem grünen Briefumschlag.

Einige große E-Mail-Unternehmen haben sich des Problems schon angenommen. Googles Gmail bietet seit einiger Zeit beispielsweise die Funktion "Priority Inbox" (Sortierter Eingang). Dabei wird ein Algorithmus genutzt, um wichtige Nachrichten hervorzuheben. Bei Apples Mail-Programm lassen sich bestimmte Absender als „VIPs" kennzeichnen, die ihrem eigenen Ordner bekommen. Und Microsofts Web-E-Mail-Dienst Outlook.com (ehemals Hotmail) hat eine Aufräum-Funktion eingeführt, um ungewünschte E-Mails leichter löschen zu können.

Einige neue Programme nutzen brachialere Ansätze. Sie analysieren die Postfächer vieler E-Mail-Dienste und lassen den Nutzer große Mengen unerwünschter Nachrichten mit einem Klick löschen. Auch erleichtern sie das Abbestellen von Mailinglisten. In dieser Woche habe ich zwei dieser Anwendungen getestet – beide sind kostenlos und werden von Start-ups angeboten: Mailstrom und Swizzle. Die beiden Tools sind derzeit nur in Englisch verfügbar.

Mailstrom und Swizzle sind keine E-Mail-Programme wie Outlook oder Apple Mail, die in erster Linie dafür gemacht sind, E-Mails zu empfangen und zu senden. Sie sind ergänzende Werkzeuge, um von Zeit zu Zeit die Größe des Postfachs zusammenzudampfen. Beide Programme sind Web-basiert, eine mobile Version von Swizzle ist in Planung.

Mit Mailstrom soll das Projekt „Inbox Zero” schnell erreicht werden. (Screenshot: mailstrom.co)
Mit Mailstrom soll das Projekt „Inbox Zero” schnell erreicht werden. (Screenshot: mailstrom.co)

Auch wenn beide Lösungen Massenlöschungen und das Abbestellen von Newslettern und Mailinglisten einfach machen, erfordern sie einigen Aufwand und Zeit, bis man sie nutzen kann. Ihr müsst euch die Analyse des Inhalts eures Postfachs anschauen und dann auswählen, welche Absender und Themen für die Massenlöschung oder das Abbestellen geeignet sind. Meiner Meinung nach hat sich der Aufwand gelohnt. Zum Start habe ich Mailstrom genutzt, um mich rund 22.000 E-Mails in einer halben Stunde zu entledigen – die Erleichterung war groß.

Unterschiedliche Ansätze

Die beiden Programme sind recht unterschiedlich. Mailstrom nimmt sich alle E-Mails vor – egal ob von einer Einzelperson, einem Unternehmen oder einer Liste. Swizzle hat es dagegen nur auf Werbe-E-Mails abgesehen. Außerdem empfiehlt Swizzle neue Werbe-E-Mails, die ihr möglicherweise bekommen möchtet. Das Tool bietet dem Nutzer an, die Werbe-Mails in einer weniger nervenden Form zu senden – als tägliche Zusammenfassung in einer einzigen .

Laut Mailstrom werden nur die Betreff-Zeile und die anderen Metadaten der E-Mails geladen und analysiert – nicht ihr eigentlicher Inhalt. Swizzle analysiert dagegen nur der Inhalt der E-Mails und untersucht sie auf Marketing-Aussagen.

Ich bevorzugte Mailstrom, weil es mir eine umfassendere, detailliertere Analyse meines Postfachs bot und weil ich das E-Mail-Gestrüpp insgesamt lichten wollte. Das Swizzle-Angebot, mir neue E-Mails zu schicken – selbst als komprimierte Tageszusammenfassung – ist da kontraproduktiv.

Beide Programme haben einige enttäuschende Nachteile. Keines der beiden Werkzeuge funktioniert mit E-Mails auf Unternehmens-Servern, die typischerweise Microsoft Exchange nutzen. Und keines der beiden Tools funktioniert mit Microsofts Online-E-Mail-Dienst Outlook.com, das viele noch unter dem Namen Hotmail kennen. Ebenfalls funktioniert das Aussortieren von E-Mails nicht bei Diensten, die E-Mails per POP3-Protokoll vom Server abrufen.

Zusammenarbeit nur mit IMAP

Beide Tools funktionierten nur mit Diensten, die Protokoll IMAP verwenden – ein System, bei dem E-Mails auf Server und lokal im E-Mail-Programm synchronisiert werden. Das bedeutet: Eine E-Mail, die beispielsweise auf dem PC gelöscht wird, wird auch auf dem Server gelöscht – und umgekehrt. Viele große E-Mail-Dienste unterstützen IMAP – darunter Gmail, AOL.com und Apples iCloud. Beide Programme sollten im Prinzip auch mit Yahoo Mail zusammenarbeiten– in meinem stieß ich jedoch auf Probleme und beide Unternehmen berichteten, dass die Zusammenarbeit mit Yahoo nicht funktioniere. Ich testete beide Anwendungen mit Googles Onlinedienst Gmail.

Mailstrom, dessen Software online unter mailstrom.co (nicht .com) heruntergeladen werden kann, analysiert im ersten Schritt das Postfach. Das sollte in der Regel eine Stunde dauern – es sei denn, es handelt sich um ein Postfach wie das von mir. Dann kann es einen Tag oder länger in Anspruch nehmen. Danach präsentiert sich das Tool als schicke und detaillierte Übersicht über die eigenen Mails. Ihr könnt euer Postfach nun nach einer Reihe von Eigenschaften wie Absender, Betreff und Datum auf der linken Seite sortieren – wodurch Nachrichten in Gruppen sortiert werden können. Die E-Mails können dabei auch nach Eigenschaften wie Listen oder Themen wie Shopping oder Arten wie solchen von sozialen Netzwerken sortiert werden. Wenn ihr eine Gruppe auswählt, werden auf der rechten Seite alle Mails aufgelistet, die zu der Gruppe gehören.

Ihr könnt einige oder alle E-Mails einer Gruppe auswählen und dann durch den schlichten Klick auf einen farbigen Button alle ausgewählten Mails löschen oder archivieren. In Gmail wandern gelöschte E-Mails in den Papierkorb-Ordner. Ihr könnt den Papierkorb in Gmail selbst leeren oder es sein lassen, da Gmails Speicherkapazität praktisch unbegrenzt ist. Wenn ein Marketing-Sender das Abbestellen der Mails erlaubt, gibt euch Mailstrom die Möglichkeit, E-Mails mit einem Klick zu löschen und gleichzeitig abzubestellen.

In den meisten Fällen ließ ich einfach sämtliche Mails einer Gruppe ausgewählt und löschte sie alle. Ihr könnt auch alle Nachrichten in einen anderen Ordner verschieben und einstellen, dass bestimmte Aktionen in der Zukunft automatisch durchgeführt werden. So können beispielsweise alle E-Mails eines bestimmten Typs automatisch in den Papierkorb verschoben werden. Außerdem könnt ihr auf einzelne E-Mails antworten und mit einem Klick darauf gleichzeitig antworten und sie archivieren.

Mailstrom zeigt außerdem Statistiken über die täglich eingegangenen E-Mails an, wie viele davon gelöscht wurden und wie nahe ihr an einem Ziel mit dem Namen „Zero Inbox" seid – ein komplett leeres Postfach.

Swizzle ist beschränkter

Swizzle lässt den Nutzer nach Werbe-Mails suchen und ermöglicht das Kündigen dieser. (Screenshot: theswizzle.com)
Swizzle lässt den Nutzer nach Werbe-Mails suchen und ermöglicht das Kündigen dieser. (Screenshot: theswizzle.com)

Swizzle, das sich von theswizzle.com herunterladen lässt, ist viel einfacher aber auch deutlich beschränkter. Es arbeitet schneller, da es nur nach Werbe-Mails sucht. Auch die Optik der Software ist deutlich simpler – es gibt keine Kategorien, nur Gruppen. Das Tool lässt sie keine einzelnen E-Mails untersuchen oder nur ausgewählte Mails zur Löschung markieren.

Swizzle dreht sich komplett um die Frage, welche Werbe-Newsletter abgestellt werden sollten. Der auffälligste Button heißt „Unsubscribe Me". Wenn ihr einen Pfeil neben dem Button aktiviert, könnt ihr ganze Gruppen löschen. Außerdem besteht die Möglichkeit, eine bereits existierende Gruppe von Werbe-Mails in die tägliche Zusammenfassung aufzunehmen.

Sobald ihr mit dem Ausmisten des eigenen E-Mail-Postfachs fertig seid, zeigt Swizzle eine bunte Auswahl an Werbe-Mails an, die ihr bestellt habt und mittels täglicher Zusammenfassung erhalten könnt.

Swizzle zeigt neue Werbe-Mails von Partnern, die dem Unternehmen eine Provision zahlen, wenn ein Nutzer etwas kauft – ihr müsst aber keine neuen Newsletter abonnieren. Mailstrom bekommt nach eigenen Angaben kein Geld von Versendern von E-Mails und plant stattdessen irgendwann eine jährliche Gebühr für Intensivnutzer.

Mein Fazit: Mailstrom ist eine sehr gute Möglichkeit, das eigene Postfach schnell zu auszumisten – egal, um welche Mails es sich handelt. Swizzle ist limitierter und konzentriert sich nur auf Werbe-Mails. Beide allerdings helfen beim Lichten des E-Mail-Dschungels.

Weiterführende Links zum Thema „E-Mail“

Mehr Technologie-News auf wsj.de

Von Walter S. Mossberg

Ursprünglich publiziert bei wsj.de.

39 Shares bis jetzt – Dankeschön!

Bewerten
VN:F [1.9.22_1171]
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema E-Mail
BSI-Sicherheitstest: Schon 331.000 E-Mail-Adressen identifiziert – innerhalb von 3 Tagen
BSI-Sicherheitstest: Schon 331.000 E-Mail-Adressen identifiziert – innerhalb von 3 Tagen

Der BSI-Sicherheitstest wurde in den ersten drei Tagen über 10 Millionen Mal aufgerufen. Hinter dem Test vom Januar liegt er allerdings weit zurück. » weiterlesen

Richtig schöne E-Mails: Diese Website zeigt inspirierende Beispiele
Richtig schöne E-Mails: Diese Website zeigt inspirierende Beispiele

„Really Good Emails“ sammelt Beispiele für großartige E-Mails aus verschiedenen Bereichen. Neben einem Screenshot der eigentlichen Nachricht gehen die Macher auch auf die jeweiligen Stärken... » weiterlesen

Dstrux: File-Sharing-Dienst mit Selbstzerstörungsfunktion
Dstrux: File-Sharing-Dienst mit Selbstzerstörungsfunktion

Bei dem File-Sharing-Dienst Dstrux werden Bilder und andere Dateien mit einem Verfallsdatum ausgestattet. Durch diese und andere Funktionen sollen Nutzer die Kontrolle über ihre Daten behalten. » weiterlesen

Kennst Du schon unser t3n Magazin?

t3n-Newsletter
Top-Themen der Woche für Web-Pioniere
Jetzt kostenlos
anmelden
Diesen Hinweis verbergen