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Manniac: Dieser YouTuber steckt hinter dem Video-Hit zum Überwachungsstaat [Interview]

Die Wörter , Tempora und sind derzeit in aller Munde. Doch nicht jeder weiß wirklich etwas damit anzufangen. Seit Sonntag gibt es bei ein Video zu sehen, das auf anschauliche Weise den Begriff Überwachungsstaat erklärt. Gemacht hat es der Berliner Filmemacher Manniac. Jörgen Camrath hat sich mit ihm über die Entstehung des Clips unterhalten.

Manniac: Dieser YouTuber steckt hinter dem Video-Hit zum Überwachungsstaat [Interview]

80.000 Klicks für das Überwachungsstaat-Video

Der YouTuber Manniac klärt in seinem neuesten Webvideo über die Gefahren des Überwachungsstaates auf. (Screenshot: YouTube)
Der YouTuber Manniac klärt in seinem neuesten Webvideo über die Gefahren des Überwachungsstaates auf. (Screenshot: YouTube)

Was bedeuten eigentlich PRISM und Tempora? Welche Rolle spielen die USA? Wer ist Edward Snowden? Seit Sonntag gibt es bei YouTube ein Video zu sehen, das auf anschauliche Weise den Begriff Überwachungsstaat erklärt und diese Fragen beantwortet. Innerhalb kürzester Zeit hat der Film im Internet die Runde gemacht – bei Twitter, Facebook und Co verbreitete er sich auch am Montag noch rasend schnell. Gemacht hat das gezeichnete Erklärvideo der Berliner Filmemacher und ehemalige Kunststudent Manniac. Über 80.000 Menschen haben sich den elfminütigen Clip bereits angesehen – in nicht einmal 24 Stunden. Wir haben uns mit dem Macher des YouTube-Hits über die Entstehung des Clips unterhalten.

Jörgen Camrath: 106 Videos haben Sie bereits auf YouTube veröffentlicht. Wie lange dauert es im Schnitt, bis ein Film fertig ist?

Manniac: Das ist unterschiedlich. Je nachdem, ob ich eine Animation oder ein Real-Life-Video mache, kann es zwischen drei Tagen und drei Wochen dauern.

Jörgen Camrath: Wie lange haben Sie am Überwachungsstaat-Video gesessen?

Manniac: Da waren es zwei Wochen. Eine Woche scripten und eine Woche zeichnen.

Jörgen Camrath: Also erst der Text, dann die Zeichnungen?

Manniac: Genau. Allerdings kann es vorkommen, dass ich beim Zeichnen dann noch etwas umstelle.

Jörgen Camrath: Fast elf Minuten ist Ihr Video lang. Für Ihre Verhältnisse überdurchschnittlich. Ist Überwachungsstaat einfach ein überdurchschnittlich kompliziertes Thema?

Manniac: Es ist ein extrem komplexes Thema. Mir sind so viele Sachen eingefallen, die ich am Ende rausschmeißen musste, obwohl ich sie gerne drin behalten hätte. Aber eigentlich sind mir die elf Minuten auch schon zu viel. Ursprünglich sollte es drei bis vier Minuten lang sein. Aber mir ist immer noch etwas Neues eingefallen. Und dann war es halt so.

„Ich mache die Videos für ein sehr junges Publikum“

Jörgen Camrath: Es gab Kritik, weil Sie im Video zu schnell sprechen …

Manniac: Ja. Die gab es. Mir ist bewusst, dass ich sehr schnell spreche und wenig Pausen mache. Ich mache die Videos für ein sehr junges Publikum. Die schalten ab, wenn es zu langsam ist. Wenn man zu viele Pausen macht oder langsam spricht, dann haben sie kein Interesse mehr. Diese Erfahrung hab ich gemacht. Wenn man hingegen sehr schnell spricht, dann haben sie gar keine Zeit, abzuschalten und bleiben dran.

Jörgen Camrath: Wird es noch eine langsamere Version geben?

Manniac: Das haben mir zwar einige Menschen bereits vorgeschlagen. Dafür fehlt mir aber die Zeit.

Jörgen Camrath: Sie können doch bei YouTube sehen, wann die Menschen bei den Filmen aussteigen. Wie lange bleiben sie beim Überwachungsvideo?

Manniac: Das lässt sich jetzt noch nicht sagen. Bis die Statistik da ist, dauert es noch ein paar Tage. Aber aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Leute erst aussteigen, wenn das Video schon fast vorbei ist. Also dann, wenn ich sage: Hier könnt ihr jetzt kommentieren, hier könnt ihr jetzt Daumen hoch machen.

Jörgen Camrath: Wie ist das Video entstanden?

Manniac: Auf YouTube gibt es etwas, das Draw my Life heißt. Viele YouTube-Mitglieder haben auf Whiteboards ihr Leben aufgezeichnet und weggewischt. Das habe ich auch gemacht und festgestellt, dass dieser Stil sehr gut ankommt. Darum habe ich versucht, bei diesem Thema genauso vorzugehen.

Jörgen Camrath: Wie funktioniert das genau?

Manniac: Man hat ein Whiteboard, stellt die Kamera darauf ein, zeichnet und beschleunigt später alles um drei- bis fünftausend Prozent. Das ist dann die finale Geschwindigkeit.

Jörgen Camrath: Hin und wieder bewegt sich ja auch etwas auf den Bildern. Wie machen Sie das?

Manniac: Ganz klassisch. Ich zeichne ein Bild, dann wische ich Teile davon weg und zeichne sie neu. Da ist nichts manipuliert.

Jörgen Camrath: Wie viele Stifte sind beim letzten Film draufgegangen?

Manniac: Keiner. Das liegt aber daran, dass ich mittlerweile mit Tintenfässchen arbeite. Ich fülle dann immer nach. Der schwarze Stift musste beim letzten Film zweimal nachgefüllt werden, rot einmal.

Jörgen Camrath: Womit filmen Sie?

Manniac: Mit einer Spiegelreflexkamera von Canon. Da ist ein Programm drauf, mit dem ich die Kamera speziell einstellen kann. Die Frame-Rate habe ich von 25 Bildern pro Sekunde auf 2,5 Bilder pro Sekunde reduziert.

„Es war an der Zeit, dass ich mal ein Video darüber mache“

Jörgen Camrath: Wie verdienen Sie Ihr Geld?

Manniac: Ich arbeite bei der Filmcommunity Moviepilot. Da stehe ich hinter der Kamera, mache mit Stars und neuerdings verdiene ich auch ein bisschen was über YouTube.

Jörgen Camrath: Wie sind Sie auf die Idee zu dem Überwachungsstaat-Video gekommen?

Manniac: Das Thema interessiert mich schon seit ein paar Jahren. Überwachung und wie sich der Staat gegenüber seinen Bürgern verhält – da gehen mir eine Menge Gedanken zu durch den Kopf. Es war an der Zeit, dass ich mal ein Video darüber mache. Außerdem ist es momentan ein guter Aufhänger.

Jörgen Camrath: Hatten Sie Hilfe?

Manniac: Ich habe mir von Netzpolitik.org Informationen geholt. Aber auch mein bester Freund hat geholfen.

Jörgen Camrath: Das Video hat in den ersten Stunden für große Aufmerksamkeit gesorgt…

Manniac: Das Video hat bisher den steilsten Start hingelegt. Normalerweise komme ich bei meinen Videos am ersten Tag auf 10.000 bis 20.000 Abrufe. Diesmal liege ich nach noch nicht einmal 24 Stunden bei 80.000 Abrufen. Das ist außergewöhnlich. Ein Großteil kommt dabei von außerhalb. Meine Abonnenten bei YouTube brauchen in der Regel ein bisschen länger, bis sie sich ein neues Video angesehen haben.

Jörgen Camrath: Womit beschäftigen Sie sich normalerweise in Ihren Videos? Wie würden Sie jemandem Ihren Kanal beschreiben?

Manniac: In letzter Zeit konzentriere ich mich vor allem auf Comedy- und Cartoon-Videos. Gelegentlich sind auch Reportagen dabei. Es ist ein großes Mischmasch. Früher habe ich auch Video-Tagebuch geführt.

Jörgen Camrath: Ihren richtigen Namen verraten Sie nicht. Aber wie ist es zu Manniac gekommen?

Manniac: Den Namen habe ich mir in der Schule selbst verpasst. Es ist eine Mischung aus dem englischen Wort Maniac und meinem richtigen Namen.

Weiterführende Links zum Thema „Überwachungsstaat“

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Von Jörgen Camrath

Ursprünglich publiziert bei wsj.de.

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Eine Antwort
  1. von Andy am 30.07.2013 (13:44 Uhr)

    Super Video! Danke dass du dich so stark für eine gute Sache machst. Habe es auf diversen Social Networks geteilt.

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