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Interview

Tech-Legende Marco Börries: „Wir dürfen nicht stehenbleiben!“

Tech-Unternehmer Marco Boerries. (Foto: Andreas Borowski)

Er galt schon in den 1980ern als „deutscher Bill Gates“: Tech-Urgestein Marco Börries warnt die Deutschen im t3n-Interview davor, die Digitalisierung auf die leichte Schulter zu nehmen.

Marco Börries ist der Tech-Branche schon seit den späten 1980er Jahren bekannt: Damals gründete er Star Division, den Vorläufer der heutigen Open-Office-Software. Gerade einmal 16 Jahre alt war er, als er beschloss, das Konkurrenzprodukt zu Microsoft Office auf den Markt zu bringen. Seither hat der Unternehmer immer wieder ein Gespür für kommende Trends bewiesen: In den 1990er Jahren arbeitete er zusammen mit der Deutschen Sparkassen Organisation an Homebanking-Software, Anfang des neuen Jahrtausends entwickelte er eine Technologie für den mobilen Zugriff auf E-Mails, Fotos und Nachrichten – lange, bevor mit dem iPhone das Mobile Computing wirklich massentauglich wurde.

200 Millionen Betriebe weltweit digitalisieren

Tech-Unternehmer Marco Börries will mit Enfore Kleinunternehmer weltweit digitalisieren. (Foto: Andreas Borowski)

Aktuell arbeitet Börries in Hamburg an seinem vierten Startup: Mit Enfore will er kleinen Unternehmern dabei helfen, ihr Geschäft mit minimalen finan­ziellen Risiken zu digitalisieren. Über die B2B-Plattform erhalten etwa Handwerker, Gaststätten oder Frisöre Zugriff auf sämtliche Software-Dienste, die sie für ihre Geschäftsprozesse benötigen – von Kundenkontakt und Marketing über ihr Supply-Chain-Management bis hin zur Buchhaltung. Die am Point of Sale benötigte Hardware, ein Kassen- und ein Payment-Terminal, liefert Enfore gleich mit. Insgesamt 200 Millionen Betriebe weltweit, schätzt Börries, könnten von Enfore profitieren. Mindestens 60 Prozent will er zu Kunden konvertieren.

Für Börries ist klar: Auch solche Klein- und Kleinstbetriebe kommen um die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse auf Dauer nicht herum. „Wir leben in einer vernetzten Welt“, sagt er im t3n-Interview, „dieser Zug lässt sich nicht mehr aufhalten.“ Wer davor die Augen verschließe, werde langfristig nicht überleben können. Die meisten Unternehmer wüssten allerdings, dass sie etwas tun müssen, und seien auch bereit dazu. Nur fehle es bei den Kleinen an Know-how und auch an Budget, um entsprechende IT-Infrastrukturen zu schaffen.

An sie richtet sich Enfore mit seiner Plattform: Nach einer Art Plug-and-Play-System können alle benötigten Software-Dienste zugeschaltet werden – was nicht gebraucht wird, belastet das System nicht unnötig. Bei den externen Anbietern dieser Dienste hat Enfore eigene Rabatte für seine Nutzer ausgehandelt, sodass etwa für die Abwicklung von Kreditkartenzahlungen geringere Gebühren anfallen als im Markt üblich. Zudem sei Usability ein wichtiger Punkt gewesen: Was die Kleinunternehmer sich wünschten, sei schnell klar gewesen: „eine funktionierende POS-Lösung mit der Usability vom iPad.“ Trotzdem hat Enfore insgesamt acht Jahre gebraucht, bis die Lösung im September reif für den Marktstart war. Rückblickend sagt Börries: „Eigentlich hätten wir gleich drauf kommen können, dass das, was Apple im Konsumentenbereich macht, auch hier am besten ist: eine integrierte Lösung, die zwar offen ist, aber trotzdem so aus einem Guss, dass sie sinnvoll am Markt platziert werden kann.“

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Auch die großen Unternehmen stehen unter Zugzwang

„In einer vernetzten Welt werden die Regeln von den starken globalen Playern gemacht, ob uns das gefällt oder nicht.“

Enfore hier in Deutschland zu gründen, nachdem er lange Zeit als Manager bei Yahoo im Silicon Valley gelebt und gearbeitet hat, ist für Börries die richtige Entscheidung gewesen: „Im Silicon Valley hätte ich mindestens das Doppelte an Investment gebraucht.“ Mieten, Gehälter und die höhere Personalfluktuation hätten ihm in den USA deutlich mehr zu schaffen gemacht, vermutet er. Deutschland als Gründungsstandort hingegen sei besser als sein Ruf. Und doch gebe es hier noch nicht genügend Menschen mit dem „Startup-Gen“: „Wir sind nicht risikofreudig. Und wir glauben, die Regeln bestimmen zu können. Aber in einer vernetzten Welt werden die Regeln, ob uns das gefällt oder nicht, von den starken globalen Playern gemacht und nicht von regionalen Befindlichkeiten aufgehalten. Das haben viele Leute hier noch nicht verstanden.“

Börries warnt davor, die Entwicklung hin zur vernetzten Welt auf die leichte Schulter zu nehmen. Auch die etablierten Unternehmen stünden heute vor der Herausforderung, sich neue Strategien für die Zukunft zu überlegen – und zwar nicht nur neue Produkte oder Services, sondern ganz neue Geschäftsmodelle. Zum Beispiel im Mobility-Bereich, wo es nicht nur um modernere Autos, sondern um eine Welt gehe, in der Autos insgesamt kaum noch eine Rolle spielen. „Nur: Jetzt gerade geht es vielen Firmen so gut wie nie, die Zahlen sind super. Wenn dann jemand kommt und sagt ‚Winter is coming‘, ist der natürlich der Spielverderber.“

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Marco Börries: „China drängt ­massiv nach Europa“

Dabei stehe die Konkurrenz aus den USA und Asien schon längst in den Startlöchern: „Die investieren mit einem gigantischen Kapital in die neue, vernetzte Welt.“ So wie der japanische Investor Softbank, dessen Vision Fund fast 100 Milliarden US-Dollar für die Technologie-Firmen der Zukunft bereitstellt. „Auch China drängt ­massiv nach Europa. Die bauen die Seidenstraße wieder auf, nur mit neuen Vorzeichen. Das alles passiert schon jetzt.“ Um zu verhindern, dass Deutschland ins Hintertreffen gerate, müssten die hiesigen Unternehmen die Digitalisierung nicht bloß als Mittel zur Effizienzsteigerung, sondern als fundamentale Veränderung der Geschäftsgrundlagen begreifen. Erst dann öffne sich der Blick für neue Geschäftsmodelle.

Warum sich der Untergang von Yahoo nicht aufhalten ließ, wann Augmented Reality endlich den Massenmarkt erreichen wird und welchen Rat Börries jungen Unternehmern geben würde: Das alles hat er uns im Interview in der neuen Ausgabe, der t3n 50, erzählt. Um das ganze Interview zu lesen, bitte hier klicken.

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Eine Reaktion
jdoe
jdoe

Mr. Börries hat 8 Jahre gebraucht um das Konzept von Open ERP zu kopieren und ein POS mit Hardware zusammenzustellen das es dort verdächtig identisch seit ca. 5 Jahren zu bestellen gibt (übrigens zum selben Preis ). Wenn das die innovative Vorzeigefirma in Deutschland sein soll, dann gute Nacht für die Digitalisierung in good old Germany Wer sich interessiert wie weit die Digitalisierung wirklich ist, der soll einfach hier reinschauen -- alles Open Source : http://www.odoo.expert

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