Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook, ist ein widersprüchlicher Protagonist des Web 2.0. Zugleich ist die Geschichte des 24-Jährigen der Traum vieler Startup-Gründer. Gerade viereinhalb Jahre gibt es das Social Network, heute wird sein Wert auf fünf Milliarden US-Dollar geschätzt. Hatte Mark Zuckerberg Glück oder ist er ein Genie? T3N hat ihn bei einem Vortrag in Berlin erlebt.
Im Hörsaal C130 des Gebäudes C der Technischen Universität Berlin sitzen am frühen Nachmittag des 6. Oktober einige hundert Studenten, ein paar Journalisten und ein Milliardär. Ein Milliardär? Man muss seinen Kopf recken, um ihn zu sehen. Ganz hinten rechts, unter dem Fenster und neben einem eingepackten Overhead-Projektor sitzt einer der reichsten Männer der Welt auf einer Holzbank. Einige der Organisatoren des Events sprechen mit ihm, er lächelt freundlich, nickt, antwortet.Milliardär ist dabei eine relative Sache. Wie viel Geld Mark Zuckerberg tatsächlich zur Verfügung hat, ist nicht bekannt. Dass er der jüngste Milliardär der Welt sein soll, beruht vor allem auf Schätzungen zum Wert von Facebook. Seine Anteile daran sind demnach rund 1,5 Milliarden US-Dollar wert. Aber dieses Geld hat er nicht auf einem Konto liegen. Sähe man Mark Zuckerberg zufällig so auf der Straße, wäre man sich nicht einmal sicher, ob er überhaupt etwas auf dem Konto hat.
Im Hörsaal in Berlin könnte er problemlos zwischen all den Studenten Platz nehmen und mit ihnen auf diesen superreichen Community-Gründer aus den USA warten, der hier heute sprechen soll. Niemand würde sich über ihn wundern. Er trägt an diesem Tag eine Jeans, ein graues T-Shirt und eine dunkle "The North Face"-Jacke. Um noch unauffälliger zu sein, müsste er sich schon unsichtbar machen.
Dann steht er auf, bekommt das Mikrofon gereicht und ist der Chef eines weltweit agierenden Unternehmens, der einen Vortrag hält. Es ist wie bei einem dieser Hologramme: Das Bild wechselt plötzlich und manchmal bleibt es auch mittendrin stehen und beide Motive überschneiden sich. Student. Firmenchef. Junge. Milliardär.
Facebook drängt auf den deutschen Markt
Mit dem Besuch von Mark Zuckerberg läutet Facebook so etwas wie eine Offensive in Deutschland ein. Weltweit gehört es zu den größten Netzwerken überhaupt, streitet sich mit MySpace um die globale Krone. Seit geraumer Zeit ist Facebook auf Deutsch übersetzt - von den Nutzern übrigens. Geholfen hat das nur zum Teil. Zwar betont Mark Zuckerberg, Facebook sei mit seinen 1,2 Millionen deutschen Mitgliedern hier sehr viel größer, als mancher denke. Gegen lokale Größen wie StudiVZ (rund 10 Millionen Mitglieder) aber hat es das amerikanische Vorbild schwer.
Eine groß angelegte Werbekampagne ist derzeit nicht in Sicht. Und im Web 2.0 brächte das auch nicht automatisch den gewünschten Erfolg. Die Nutzer gehen dahin, wo die anderen sind - das Dilemma vieler Networks und Communitys. So nimmt sich der Event mit Zuckerberg in Berlin sehr bescheiden aus: Kein Pomp, kein Trara, kein amerikanisches Wunderland erwartet die Besucher. Es ist einfach jemand da, der einen Vortrag hält. Und das ist zufällig der Gründer von Facebook. Ort des Geschehens ist ein kleines, graues Uni-Gebäude, zurückgesetzt von der breiten Prachtallee "Straße des 17. Juni". Ein Gerüst steht am Eingang. Drinnen: eine typische deutsche Uni. Kurz gesagt: alles sehr normal, sehr "authentisch". So mag man es schließlich im Web 2.0.
Vielleicht gehört dieses Auftreten zur Strategie. Immerhin will Facebook den deutschen Markt nicht mit Plakaten und Fernsehspots, sondern mit "Botschaftern" erobern. Studenten sollen in München und Berlin andere Studenten von Facebook überzeugen. "Deutschland macht blau" heißt die Aktion in Anlehnung an Facebooks Hausfarbe. Ob das eine Schnapsidee ist, wird sich noch zeigen.

Ex-Student und CEO
Mark Zuckerberg absolviert seinen Vortrag im Hörsaal routiniert. Nur selten blitzt sein typisches Lächeln auf. Vielleicht steckt ihm noch der Jetlag in den Knochen. Ein, zwei Male kommt aber doch der 24-jährige Ex-Student durch, der mit ein paar Freunden Facebook gestartet hat. Zum Beispiel wenn er vorrechnet: 1,2 Millionen Mitglieder in Deutschland - das sei 16-Mal mehr als Liter Bier auf dem Oktoberfest 2007 getrunken wurden. Über diesen Vergleich kann er sich bestens amüsieren. Oder wenn er erzählt, wie Facebook zum Selbstläufer wurde. Es begann an der Harvard University, setzte sich an weiteren Unis fort und wuchs immer schneller. "Als wir 5 Millionen Nutzer hatten, haben wir beschlossen: Wir gehen nicht wieder zurück an die Uni", sagt Mark Zuckerberg und lacht.
Alles reine Glückssache? Auch, aber sicher nicht nur. Facebook traf schwierige und umstrittene Entscheidungen. Große Aufruhr brachte der "Mini-Feed", der jedem anzeigte, was man zuletzt auf Facebook getan hatte. Dieser Eingriff in die Privatsphäre empörte zunächst, wurde dann aber zum zentralen Feature von Facebook. Andere Networks wie Xing haben es inzwischen kopiert. Facebook wächst weiter.
Neben den Erfolgen gibt es auch bittere Momente im Zuckerberg-Land. Der Gründer musste sich gegen Behauptungen zur Wehr setzen, er habe Ideen oder gar Source Code von anderen gestohlen. Ganz aufgeklärt wurde der Vorwurf nicht. Im Juni 2008 legte man den Streit außgerichtlich bei, gegen Zahlung einer unbekannten Summe. Nicht jeder sieht im Facebook-Macher deshalb den strahlenden Star des Web 2.0. Auch hier wechselt das Bild stetig, während man es betrachtet. Glückspilz? Genie? Täter? Opfer?
Für viel Aufsehen sorgte Zuckerberg einst, als er Facebook nicht für eine Milliarde US-Dollar an Yahoo verkaufen wollte. Man hielt ihn für größenwahnsinnig. Später zahlte Microsoft 240 Millionen US-Dollar - um gerade einmal 1,6 Prozent von Facebook zu bekommen. Plötzlich stand Zuckerberg als genialer Taktiker da.

What's next?
Diese Spürnase wird in den nächsten Jahren dringend gebraucht. Das Umfeld der Social Networks wird schwieriger und für Mark Zuckerberg, seine Berater und Mitarbeiter stehen noch viele Entscheidungen an. Nicht umsonst fällt das Wort "Privatsphäre" so oft wie kein anderes in seinem Vortrag in Berlin. Immer wieder betont Zuckerberg, wie wichtig das sei und wie sehr Facebook sich gerade in dieser Hinsicht von anderen unterscheide.
Alles dreht sich bei ihm außerdem ums "Sharing" - das Veröffentlichen und Verbreiten von Inhalten. Facebook sei die größte Foto-Sharing-Website der Welt mit großem Abstand vor Flickr, erklärt er. Seine Website sieht er zugleich als gesellschaftliches Phänomen. Ob es um politische Themen geht oder um einen nicht mehr erhältlichen Schokoriegel: Auf Facebook hat sich der Protest schon erfolgreich formiert. Facebook ist auch mobil, es ist international, es ist groß… Und dann sind der Vortrag und die kurze Frage-Runde auch schon vorbei.
Hinterher stehen die Besucher vor dem Hörsaal zusammen und diskutieren. In einer Ecke, fast unsichtbar: Mark Zuckerberg. Nach einer Weile bricht er auf, schlendert die Treppe herunter und aus der Tür. Steigt er draußen nun auf sein Fahrrad? Man könnte es beinahe denken. Tatsächlich aber wartet eine Mercedes S-Klasse mit Fahrer auf ihn. Er steigt hinten ein.
Da ist es wieder, dieses widersprüchliche Bild.

















Geht es um den zukünftigen Standort von FB in Deutschland?
Läuft hier das Rennen zwischen München und Berlin?
Auch mich hat dieser Widerspruch in der Person Zuckerberg während des Vortrags beschäftigt.
Das Facebook Event in München gestern war ebenfall mit 500 Leuten ein Erfolg. Jetzt konzentrieren und freuen wir uns auf die "Deutschland macht blau" Kampagne
Vielleicht dämmert es auch dem letzten, dass ein Mensch mit viel Geld immer noch ein Mensch ist; deutscher Neidkomplex hin oder her.
Mark Z. ist mir auf jeden Fall lieber als Milliardär, als ein russischer "Unternehmer" oder "Investor" aus dem Nichts.
Im Gegensatz zu diesen hat der Ex-Student wenigstens etwas aufgebaut und wirklich etwas in der Welt bewegt.
Wirklich super geschrieben!
Naja, wer Idioten findet die seine Arbeit für ihn kostenlos übernehmen: Respekt!
[...] Übrigens: Anlässlich eines Deutschland-Besuchs schrieb t3n-Redakteur Jan Tißler im Oktober ausfü... [...]