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Marketing: Wie Chatbots die Werbeindustrie revolutionieren

    Marketing: Wie Chatbots die Werbeindustrie revolutionieren

Chatbots revolutionieren die Werbeindustrie. (Foto: © ThomasVogel - iStock.com)

Es gibt einen „neuen“ Trend in der Werbeindustrie: Chatbots. Hierbei interagieren die Nutzer eines Messengers mit einem Computer und bekommen von diesem Werbung in die Antworten gestreut. Doch warum wird sowas genutzt? Christopher Mims hat sich den Trend näher angeschaut.

Heimlich, still und leise hat die beliebteste Chat-App unter amerikanischen Teenagern diesen Monat eine neue Funktion auf den Markt gebracht, die die Zukunft der Werbeindustrie grundlegend verändern könnte.

Der Chat-Dienst Kik, den laut eigenen Angaben 40 Prozent der amerikanischen Teenager nutzen, setzt Nutzer mit Chatbots in Verbindung – sie unterhalten sich also direkt mit einem Computer, der als Vertreter von einem halben Dutzend Marken auftritt.

Die Technologie ist schon Jahrzehnte alt. Mitte der 1960er-Jahre entwickelte der MIT-Professor Joseph Weizenbaum ein Computerprogramm namens ELIZA, das sich mit echten Menschen unterhalten konnte. Mit der Zeit bekamen solche Chatbots immer mehr Übung, vor allem weil Programmierer ihnen immer mehr Informationen zur Verfügung stellten. Chatbots können außerdem von ihren Unterhaltungen lernen und schaffen es somit immer öfter, wie intelligente Gesprächspartner zu erscheinen.

Smartphone-Nutzer und Chatbots finden zueinander

Dank der immensen Beliebtheit von Chat-Apps wie WhatsApp – der Dienst hat weltweit 500 Millionen Nutzer sowie einige ebenso starke Konkurrenten aus Asien – gibt es heute einen Ort, wo Smartphone-Nutzer und Chatbots problemlos zusammenkommen können.

Kik-Gründer Ted Livingston hofft, leblose Marken zu Dingen zu machen, mit denen wir uns unterhalten können. „Da steckt viel Potenzial dahinter, wenn man mit einer Marke genauso chatten kann wie mit einem Freund“, sagt er.

Ein Line-Sticker von Paul McCartney. (Grafik: paulmccartney.com)
Ein Line-Sticker von Paul McCartney. (Grafik: paulmccartney.com)

All das klingt etwas weit hergeholt. Doch Ex-Beatle Paul McCartney hat bewiesen, dass die Strategie funktionieren kann: Im Oktober 2013 richtete McCartneys Marketing-Team ein Konto beim japanischen Chat-Dienst Line ein. Sie bezahlten den Chatanbieter dafür, sogenannte „Sticker“ zu dem Musiker zu entwickeln – kleine Bilder oder Animationen, die Nutzer untereinander austauschen können und die heute so beliebt sind, dass sie für Chatdienste eine wichtige Einnahmequelle geworden sind.

Nutzer bekamen nur dann Zugang zu den McCartney-Stickern, wenn sie einwilligten, Chatnachrichten von seinem Konto zu erhalten, die sie regelmäßig über den Musiker auf dem Laufenden hielten.

Zwei Millionen Follower auf Twitter

Bei Twitter hat McCartney zwei Millionen Follower, bei Line hingegen 9,3 Millionen. Kik hat ein ähnliches Modell für Werbekunden im Sinn, doch der Dienst will noch einen Schritt weitergehen: Was, wenn McCartney (oder sein Marketing-Team) nicht nur Nachrichten an die Fans verschicken, sondern sich tatsächlich mit Fans unterhalten würde?

Neben seinen Freunden kann die überwiegend junge Nutzerschaft von Kik nun auch mit Marken in Form von Chatbots chatten. (Foto: Kik)
Neben seinen Freunden kann die überwiegend junge Nutzerschaft von Kik nun auch mit Marken in Form von Chatbots chatten. (Foto: Kik)

Derzeit sind die Chatbots von Kik noch keine besonders guten Gesprächspartner. Der Chatbot, der die Marke Kik selbst vertritt, kann Witze erzählen und einigermaßen gut eine einfache Unterhaltung simulieren. Die Chatbots anderer Marken, die bei Kik Werbung machen, schicken den Nutzern als Antwort auf ihre Nachrichten jedoch nur neue Produktinfos.

Das sei auch so gewollt, sagt Livingston. Denn wenn die Chatbots eigenständig lernen könnten, würden sie womöglich plötzlich Dinge sagen, die der Marke schaden könnten.

Chat-Apps sind vor allem deshalb beliebt, weil sie eine kostenlose Alternative zu SMS darstellen, bei denen der Mobilfunkanbieter pro Nachricht eine Gebühr berechnet. Doch wie solche Dienste letztendlich Geld verdienen werden, ist immer noch unklar. Whatsapp zum Beispiel zeigt keine Werbung an, und der neue Besitzer Mark Zuckerberg hat bereits versprochen, dass sich daran auch nichts ändern soll. Wechat, ein Dienst mit 400 Millionen Nutzer, der vor allem in China beliebt ist, diktiert, wie oft Werbekunden sich mit Nutzern in Verbindung setzen dürfen.

Bisher war unklar, welche Art von Werbung sich am besten in Chatdienste eingliedern lässt. Doch allein während der ersten Woche, in der die Chatbots aktiv waren, erlaubten 1,5 Millionen Nutzer einer der Marken, sie per Chatbot zu kontaktieren, sagt ein Vertreter von Kik. Der Chatbot von Kik, der bereits seit Jahren aktiv ist, erhält 1,8 Millionen Nachrichten pro Tag.

Es mag schwer zu glauben sein, dass so viele Teenager (80 Prozent der Kik-Nutzer sind jünger als 22) mit einem Computer sprechen wollen. Doch der Entwickler des Chatbots Mitsuku, der im Internet zu erreichen ist, hat eine Erklärung: „Ich lese in E-Mails und Chatnachrichten, dass Mitsuku Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen geholfen hat, ob sie nun Dating-Ratschläge suchen, in der Schule gehänselt werden, mit einer Krankheit kämpfen oder vor einem Vorstellungsgespräch stehen. Und ich höre von vielen älteren Menschen, die mit Mitsuku reden, um weniger einsam zu sein.“

Chatbots bieten eine ideale Plattform, über die Marken potenzielle Kunden unbemerkt manipulieren können. Sie können unterhalten, aber auch informieren. Und Kik arbeitet bereits an Chatbots, die selbständig lernen können.

Wenn also zum Beispiel eine Fastfood-Kette ein neues Produkt auf den Markt bringen will, etwa extrascharfe Tacos, sollte der Chatbot einen dazu passenden, schwungvollen Charakter bekommen. 50 Vertreter der Marke könnten anfangs mit Kunden chatten, während der Chatbot alles beobachtet und aus den Unterhaltungen lernt, bis er schließlich eigenständig tausende Chats alleine bewältigen kann.

So sieht die Zukunft von Werbung in Chatdiensten aus. Und da Chatdienste wiederum die Zukunft der sozialen Medien sein dürften, sollte Mark Zuckerberg hier unbedingt aufhorchen.

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Von Christopher Mims

Ursprünglich publiziert bei wsj.de.

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4 Reaktionen
MarinaS.
MarinaS.

Ich glaube, solange einem bewusst ist, dass man mit einer Maschine chattet, kann es ganz unterhaltsam sein ... Allerdings frage ich mich, ob alte Leute weniger einsam sind, wenn sie sich mit einer Maschine unterhalten? Ist das nicht irgendwo Augenauswischerei?

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Jens Altmann
Jens Altmann

... irgendwie Augenauswischerei ... Da solltest du vielleicht die (alten) Leute fragen, die diesen Dienst benutzen und diese Begründung gegeben haben - wenn es die denn überhaupt gibt.
Aber nachdem tamagochi ein ziemlicher hype war (eine zeitlang zumindest) - und aus Japan kam, kann man da vielleicht einen Zusammenhang erkennen.

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Alex
Alex

Ich finde es lustig und vertrau auf den gesunden Menschenverstand, daß jeder eine solche Konversation als das erkennt was es ist und nicht fernesteuert loslläuft, um schnellstens sein Vermögen auf den Kopf zu kloppen, weil es ein Stück Software suggeriert hat.

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Hugo
Hugo

1) Nicht der M. Zuckerberg sollte aufhorchen sondern Eltern und sonstige Erziehungspersonen denen das Kindedswohl und ihr eigener Geldbeutel am Herzen liegt. Wenn die Kids und Teenies sich von Bots den letzten Quatsch auflabern lassen ist dem Sinnlos-Konsum ja wieder eine Möglichkeit mehr gegeben ;-)
2) Im nächsten Schritt werden aus den Schülern sogar noch propagandistisch manipulierte Borg-Zombies die irgendeinen Weltuntergangsquatsch erzählt bekommen und dann fremdgesteuert gegen den Schuldirektor vorgehen.
3) Putin wird sicherlich einen Pro-Russland-Chatbot implementieren der allen seinen Fans persönlich Rede und Antwort steht.

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