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Interview

Markus Beckedahl: Privatsphäre droht zum Luxusprodukt zu werden

    Markus Beckedahl: Privatsphäre droht zum Luxusprodukt zu werden
Markus Beckedahl. Foto: (Republica/Gregor Fischer, Lizenz: CC BY 2.0)

Schwache Unternehmen knicken vor den Regierungen ein, kritisiert Markus Beckedahl, Chef und Gründer von Netzpolitik.org. Für t3n hat er in die Glaskugel geschaut.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie, in der Experten bei t3n in die Zukunft blicken. Sascha Pallenberg dachte über die Blogs der Zukunft nach, SZ-Innovationschef Dirk von Gehlen über Social Media, Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt über die Kommunikation von Nachrichtenmeldungen, Martin Heller über Virtual Reality, der Anthropologe Joshua Bell über Mobile Devices. Bis zum Ende des Jahres geht es hier um Technik, Wissenschaft und Fiktion. Motto: Weiterdenken, was ist.

t3n.de: Wahlkampf 2017 – Welche Rolle spielt der Datenschutz?

Markus Beckedahl: Datenschutz hat zwei Seiten: Es gibt die staatliche Überwachung; hier sehen wir seit dem 11. September 2001 eine ständige Aushöhlung von Grundrechten und einen ständigen Verlust von Freiheit, um ein subjektives Sicherheitsgefühl zu gewährleisten. Wie gehen wir damit um, dass Sicherheitsdienste mit zu wenig demokratischer Kontrolle zu viele Befugnisse bekommen? Auf der anderen Seite geht es um Datenschutz und Privatsphäre gegenüber Unternehmen, die möglichst viele Daten von uns verwenden wollen. Und das, ohne dass wir als freie Bürger eine freie Entscheidung getroffen haben, weil wir teilweise gar nicht verstehen, was wir „unterschreiben“, wenn wir in einer neuen App auf "Weiter" klicken und nicht 50 Seiten AGB lesen.

Von der letzten Bundestagswahl wissen wir, dass Datenschutz und Privatsphäre nicht zu den Themen gehören, die die Menschen bewegen. Damit müssen wir umgehen. Die CDU wird Datenreichtum versprechen und sieht Datenschutz eher als hinderlich an, weil Unternehmen unsere Daten – ohne Einwilligung – nutzen wollen, um damit Geld zu verdienen. Die anderen Parteien haben da eine datenschutzfreundlichere Haltung; die werden sie aber nicht wirklich kommunizieren. Es ist derzeit für viele nur ein nebensächliches Thema. In ökonomisch schwierigen Zeiten interessiert die Menschen mehr, wie sie einen Job und eine bezahlbare Wohnung finden.

t3n.de: 2018 wird Verschlüsselung von Emails massentauglich. Wie geht das?

Beckedahl: Wir müssen abwägen zwischen Sicherheit und Bequemlichkeit. Es wird noch zu wenig Geld investiert, um Verfahren wie GnuPG nutzerfreundlich und massentauglich zu machen. Ich würde gern meiner Mutter PGP installieren, damit wir uns verschlüsselte Mails schicken können – und nicht alle unsere Emails da draußen gelesen und gerastert werden. Ich trau mich nur nicht, weil ich das Gefühl habe, dass es derzeit noch zu kompliziert ist. 2015, 2016 hat eine Technologie dafür gesorgt, dass ein Kommunikationsmittel verschlüsselt wird, bei dem wir gar nicht mehr damit gerechnet haben: Messenger. Da gehört es bereits zum guten Ton, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anzubieten. Es gibt auch immer mehr Anbieter, die Email-Verschlüsselung ermöglichen. Aber das ist eine Unternehmensfrage. Schauen wir uns Gmail an: Der Dienst refinanziert sich durch das Lesen von Mails, dann wird kontextsensitive Werbung eingeblendet. Wenn Google Emails verschlüsseln würde – was wirklich kein großes Problem darstellt – würden sie sich ins eigene Bein schießen. Aber 2018 schaffen das andere Anbieter: In Deutschland sehen wir gerade ein rasantes Wachstum von Diensten wie Posteo oder Mailbox.org, die explizit datenschutzfreundliche Emailadressen anbieten.

t3n.de: 2019, Unternehmen stecken fest zwischen Staatsmacht und dem Druck durch die Nutzer. Wer setzt sich durch?

Beckedahl: Unternehmen haben unterschiedliche Möglichkeiten, auf staatliche Ansprüche zu reagieren. Einige lassen vieles mit sich machen. Das sind vor allem Unternehmen, die nicht mehr so selbstbewusst sind, wie sie es früher einmal waren. Yahoo ist das beste Beispiel. Man weiß nicht so genau, was hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. Die Kommunikation zwischen so einem Unternehmen und einer Regierung ist vollkommen intransparent. Die Regierung kommt an und sagt: Wir hätten gern, dass ihr diese Filter installiert. Und das Unternehmen sagt: Ja, aber wir haben da gerade ein Problem mit der Datenschutzreform in Europa – oder Handelsembargos – könnt ihr da was tun? Dann werden Deals beschlossen.

Es gibt aber auch Anzeichen, dass Unternehmen sich vor Gericht wehren. Selbst bei Fisa-Courts, den amerikanischen Geheimgerichten, können die Unternehmen ihre Anwälte schicken, um die Entscheidung im Einzelfall zu prüfen. Das hängt auch davon ab, wie stark ein Unternehmen gerade ist und um was es geht. Auch die Unternehmen wissen: Wenn die Datenweitergabe auffliegt, führt das zu einem massiven Vertrauensverlust.

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