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Matternet will Transporte mit Drohnen revolutionieren

Das US-Startup Matternet plant einen Paradigmenwechsel des Transportwesens. Ein Quadrocopter-Netzwerk soll Medizin und Nahrung in abgeschnittene Landstriche transportieren, vor allem in der dritten Welt. Erste Testläufe verliefen erfolgreich, jetzt plant das vierköpfige Gründerteam den großen Wurf.

Matternet will Transporte mit Drohnen revolutionieren

Matternet heißt das Konzept und , das im Sommer 2011 aus einem Projekt der Singular University hervorging. Das große Ziel der Gründer: ein flächendeckendes Drohnen-Netzwerk, das kleinere Güter – etwa Medizin und Nahrung – in schwer zugängliche Gegenden transportiert. Weltweit haben rund eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu Straßen, die das gesamte Jahr hinweg benutzbar sind. Vor allem in Afrika leiden viele Menschen unter der schlechten Infrastruktur, betonen die Macher. Es werde noch etwa 50 Jahre dauern, bis die dortige Infrastruktur den aktuellen Stand der westlichen Welt erreicht. Für Andreas Raptopoulos, Paola Santana, Dimitar Pachov und Darlene Damm ist das keine Option.

Matternet: Quadrocopter lösen das Problem

Ihre Idee beinhaltet drei Kernkomponenten: selbstentwickelte Quadrocopter, die zwei Kilogramm Gepäck über eine Distanz von zehn Kilometern transportieren können, ein Netz aus solargetriebenen Landestationen zum automatischen Batteriewechsel und ein Betriebssystem, das die interne und externe Kommunikation sowie die Steuerung der Drohnen übernimmt. Muss eine längere Distanzen überwinden, plant das System automatisch die passenden Zwischenstopps. Bei jedem dieser „Boxenstopps“ wird die entladene Batterie ausgetauscht. Rein theoretisch kann ein Quadrocopter auf diese Weise schier endlose Distanzen überwinden – ein ebenso großes Netzwerk an Landestationen vorausgesetzt.

Matternet: Die Kosten eines Fluges halten sich stark in Grenzen. (Screenshot: youtube.com)
Matternet: Die Kosten eines Fluges halten sich stark in Grenzen. (Screenshot: youtube.com)

Jeder Flug der Quadrocopter kostet 24 US-Cent, erklären die Macher. Der weitaus größte Teil entfällt hierbei auf die Anschaffungs- und Wartungskosten der Fluggeräte, Batterien und Landestationen. In Anbetracht des technischen Fortschritts dürften die Flüge in Zukunft aber noch deutlich günstiger werden, erklärt Raptopoulos. Größer als die technischen sind deshalb die gesellschaftlichen und politischen Hürden des Drohnen-Netzwerks. Symbolisch stehen Drohnen für unbemannte, militärische Angriffe und Überwachung – vor allem hierzulande. In anderen Ländern stehe man dem Thema deutlich offener gegenüber, betonen die Gründer.

Matternet im Praxiseinsatz: Erste Testflüge in der Dominikanischen Republik

„Die Menschen, die unsere Technologie am besten verstehen, sind diejenigen, die sie am meisten brauchen.“

In diesem Sinne erfolgten erste Testflüge zur Hurrikan-Katastrophe auf Haiti. Auch die Dominikanische Republik war mehrfach Ort von Matternet-Testflügen. Mittlerweile ist jedoch ein größeres Projekt in Planung – im Königreich Lesotho im Süden von Afrika. Etwa 24 Prozent der Bevölkerung sind dort mit dem HIV-Virus infiziert, etwa 70 Prozent der Betroffenen leben in ländlichen Gegenden und werden zweimal jährlich auf ihre Krankheit getestet. Für die Regierung von Lesotho ein logistisches Problem.

Die Pläne von Matternet in Maseru. (Screenshot: youtube.com)
Die Pläne von Matternet in Maseru. (Screenshot: youtube.com)

In einer Region wie Maseru, die sich über eine Fläche von 138 Quadratkilometern erstreckt und 53 Kliniken sowie Krankenhäuser beinhaltet, könnte Matternet dieses Problem lösen – bei einer Investitionssumme von lediglich 900.000 US-Dollar. Das ist laut Zahlen der Weltbank weniger als die Kosten einer zwei Kilometer langen einspurigen Straße. Matternet bietet demnach eine echte Alternative, die zugleich günstiger und effizienter arbeitet.

Matternet in Deutschland?

Neben dem Ausbau fliegender Drohnen-Netzwerke im Süden von Afrika, planen die Gründer ähnliche Projekte in hochentwickelten Millionenstädten der westlichen Welt. Nicht die Unerreichbarkeit steht hier im Mittelpunkt, sondern vielmehr das enorme Verkehrsaufkommen. Matternet hofft, kleine Transporte innerhalb dieser Städten mittels weit verzweigter Landestationen über den Luftweg möglich zu machen. Dem fliegenden „FedEx der Zukunft“ stünde damit nichts mehr im Weg.

Eine Vision für die Zukunft? Wie steht ihr zu dem Projekt?

Weiterführende Links zum Thema „Matternet“

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4 Antworten
  1. von Mario am 09.07.2013 (16:39Uhr)

    Vielleicht wäre es besser, hier über CSS/JavaScript zu berichten, anstatt immer wieder irgend welchen Hochglanzspinnereien aufzusitzen, weil man nicht in der Lage ist, den technischen Hintergrund zu beurteilen.

    Hatten wir das gleiche Spiel nicht neulich schon mit dem Dönercopter?

    Einfach nur peinlich, diese "Berichterstattung".

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  2. von RalfLippold am 09.07.2013 (17:08Uhr)

    Congratulations Matternet!!

    Seems like #Abundance is finally hitting the public discussion :-)

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  3. von blubba am 09.07.2013 (19:40Uhr)

    @Jan Niklas Steinke
    Das Internet ist auch bei der ARPA/DARPA entstanden, und war für militärische Zwecke gedacht. Auch die Forschung im Bereich der militärischen Drohnen hilft der zivilen Nutzung dieser Technologie. So einfach ist das also nicht ;)

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  4. von Copter-Bringdienste für alle am 10.07.2013 (02:20Uhr)

    t3n.de/news/lieferservice-zukunft-unbemannte-424120/
    wird die Idee in den Kommentaren schon beschrieben.
    Auch das mit den Zwischenstationen wenn auch anders gelöst.

    Bei den Taco-Coptern war die Idee der Stadt-Verteilung oder Amazon-Endauslieferung auf QR-Code-Platten auf dem Boden und Austausch der vorgeladenen Akkus als Kommentar:
    t3n.de/news/tacocopter-fliegt-dir-tacos-377347/

    Dann bestellt man die Pizza per Ipad und sie wird an die Tür geflogen und der Pizza-Bus fährt durch die Berliner Stadtviertel und backt die bestellten Pizzen beim Fahren und Endauslieferung per Drohne. Döner gehen natürlich viel besser weil die nicht so viel Fläche brauchen. Hier geht das mit Vorkasse wegen Banklizenzen vielleicht nicht und vielleicht zu viele Leute würden sich kostenlos beliefern lassen so das man ohne Vorkasse nicht weit kommt.

    Copter-Bringdienste für Ersatzteile damit der Handwerker nicht ständig zum Großhändler fahren muss, würde in Deutschland viele Handwerker-Kosten halbieren. Dumm nur wenn man in einem fortschrittsfeindlichen Land wohnt und nicht in der bürgerrechtsfreundlichen wahren Demokratie Deutschland...
    Im Prinzip gabs bei t3n diese Ideen inclusive vieler Realisierungs- und Nutzungs-Ideen also schon. Da seht ihr mal wie viel Innovation verloren geht.

    In manchen (ich glaube brasilianischen) Großstädten entstehen Helicopter-Landeplätze weil die Straßen völlig überfüllt sind.

    Damit es auch hier mit als erstes vorgeschlagen wurde: Wie Marty-MacFly sich hinten an den PickUp hängt würden die Copter mit BlutProben oder Waren auf LKWs oder Eisenbahnen in Australien mitfliegen und ausruhen oder per Solarzelle aufladen. Geflogen wird nur die letzte Meile.

    Verteilen kann man Copter per Fliegern welche die Dörfer überfliegen aber dort nicht mehr landen müssen weil sie nur noch Copter abwerfen. Radio-Schulen gibts in Australien ja auch schon lange weil die Entfernungen so groß sind. Manche afrikanische Länder haben angeblich gute Langstreckenläufer-Kultur weil man kilometerweit zur Schule laufen muss. Sowas wären also Zielgruppen.
    Wenn man Copter an einem Seil hochfliegen lässt und passend fliegt, könnte man sogar Blutproben die unten dran hängen per Flieger aufsammeln und der Copter kehrt auf den Boden zurück. Man spart gigantische Kosten fürs Landen. Steuerbare Fallschirme für große schwere Ersatzteile, Schlafsack-Kisten oder Lebensmittel gibts ja schon. Jetzt sind die kleinen Teile dran.

    Das Copter am (Elektro)Seil hängen und UMTS, Richtfunk oder WiFi auf dem Campingplatz realisieren oder Grenzen überwachen, ist auch keine bisher viel genutzte Technik. Copter sind doch billiger als Stahlgerüste und Verankerung für Antennen und weil man keine Akkus braucht sondern den Strom direkt bekommt, kann man auch mehr hochziehen als nur ein paar Gramm. Speziell Überwachung oder Verkehrszählung wäre mit sowas z.B. an einem Kreisverkehr kein Aufwand.

    Man kann auch unbemannte Flugzeuge ("Drohnen") befüllen und von dort die Copter abwerfen und die segeln 99% der letzten Meile und brauchen den Akku nur zur Rückkehr an die Ladestation oder örtliche Copter-Sammelstelle.
    Sobald der Flug bezahlt ist (sprich: genug Bestellungen vorliegen), kann "Amazon-Immediate" die BluRays gleich in die Copter-Verteil-Drohnen reinpacken und losfliegen lassen. Piraten haben angeblich Mutterschiffe, Drohnen könnten Mutter-Flugzeuge haben die ständig von der Westküste und Ostküste (oder halt Australien) pendeln und Drohnen abwerfen wo dann die Copter drin sind wo dann die Amazon-BluRays oder iPhone-Ladekabel drin sind. Speziell für Ersatzteile bietet sich das an. Und UPS, DHL, TNT haben vielleicht auch keine Lust, kleine Farmen in der Wallachei wegen einem iphone-Ladekabel anzufahren sondern mögen lieber Städte mit höherer Kunden-Dichte.
    Neben Eisenbahnen oder Autobahnen oder Fahrrad-Wegen könnte man Elektroschienen mit 12 Volt verlegen wo Drohnen andocken und fliegen oder in spezielle Eisenbahnwagen reinfallen bzw. von dort abfliegen. Da sind ja überall Stromleitungen an Eisenbahnen und Landstraßen. Bill Gates kann es ja Warren Buffets Eisenbahnlinie vorschlagen.

    Copters muss man wieder einsammeln können. Das ist sehr viel interessanter als das (inzwischen recht banal realisierbare) Verteilen über die letzte Meile. Für Euro-Paletten gibts z.b. wohl Pfandsysteme. Copters könnten an Ladestationen (oder GSM/UMTS/LTE/...-Antennen) nach Hause telephonieren und wer welche braucht holt sie dort ab. In Tibet läuft der Postman von Dorf zu Dorf. Das bringt folgende Idee auf: In Entwicklungs-Ländern würden Copter-basierte Bringdienste aufgebaut werden und ggf. LKW oder Omnibusse als Träger nutzen. Man holt den Copter, tut die Waren hinein und der Copter fliegt zur Oma oder sonstwem oder bringt die Hausaufgaben in die Dorfschule. Also nicht nur für Medikamente an die Krankenschwester die per Mofa die Dörfer abfährt und die Sachen ordert oder Blutproben absendet. Durch die Pleite dieses Elektro-Auto-Startups sollten doch viele Akkus für die Ladestationen verfügbar sein. Copters ist die Tageszeit ja egal. Der Zeitungs-Junge wird durch Copter ersetzt.

    Das hätten vielleicht alles deutsche Startups sein können... Hier braucht man vielleicht eine Lizenz um Ackerflächen zu überfliegen um zu verhindern das Reh-Babies sich dort verstecken bevor man mit dem Riesen-Mäh-Gerät drübermäht.

    Dank Coptern, bezahlbaren Videobrillen (Glass Up für $300 statt Google für $1500) und 3D-Druckern (Pearl-Versand hat jetzt auch welche) wird die Zukunft hoffentlich bequemer... Der Segway hat sich ja leider nicht durchgesetzt um mal ein Gegenbeispiel zu nennen.

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