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Warum die Medien Portale wie Snapchat und Facebook retten – und nicht umgekehrt [Kommentar]

Warum die Medien Portale wie Snapchat und Facebook retten – und nicht umgekehrt [Kommentar]

Das Ende naht: Journalisten lassen sich von und Tech-Konzernen abwerben, Verlage verkaufen ihre Seele an Facebook und das Publikum gibt sich in Zukunft mit Nachrichten in der Länge eines Satzes auf der zufrieden. Wer das Sterben der Medien schon in den 90er-Jahren prognostiziert hat, kriegt jetzt endlich die Bestätigung. Oder doch nicht?

Warum die Medien Portale wie Snapchat und Facebook retten – und nicht umgekehrt [Kommentar]

(Bild: Shutterstock)

Was die Medien verschlafen haben

Die Massenmedien haben seit dem Einzug der Digitalisierung vor zwei Jahrzehnten tatsächlich viel verschlafen: Vom Anzeigenmarkt, den in den USA früh das beinahe antikapitalistische Portal Craigslist abgegriffen hat, über das Streaming von Bewegtbild, das wegen vieler Beschränkungen oft illegal passiert, bis zum Schaffen von Communities, was zuerst MySpace und dann gemeistert haben. Deshalb zieht heute die Technologiebranche wie keine andere die Fäden der traditionellen Publishing-Industrie. Doch die Retter der Medienwelt sind die Startups und Software-Konzerne noch lange nicht, auch wenn sie das Auffangbecken vieler Talente und Inhalte der alten Welt sind. Ohne die Medien wären weder reichweitenstarke Social Media-Plattformen, noch gehypte Startups da, wo sie heute sind.

Product Hunt etwa war bis vor kurzem das Portal, wo Startups sich für ihre Produkte auf die Schulter klopften, der neue Liebling des Silicon Valley – und dem Massenmarkt unbekannt. Diese Woche schaffte es erstmals ein nicht-technisches Produkt auf die Website: Snoop Dogg promotete über Product Hunt sein neues Album und stellte sich bei einer Ask-Me-Anything-Session den Fragen der Nutzer. „Tech ist nicht der einzige Platz, an dem täglich neue Dinge kreiert werden“, gibt sich Gründer Ryan Hoover selbstreflexiv. Für das Startup ist es der erste Schritt in die Welt jenseits des Silicon Valley.

Snoop Dogg verfolgt die gleiche Mission wie Verleger: Tech-Startups in den Massenmarkt einzuführen. (Bild: Columbia Records)
Snoop Dogg verfolgt die gleiche Mission wie Verleger: Tech-Startups in den Massenmarkt einzuführen. (Foto: Columbia Records)

Medienmenschen für Snapchat und Meerkat

Ein bisschen geschluckt hat die internationale Journalistenelite, als CNN-Reporter Peter Hamby im April zu gewechselt ist. Was macht ein Journalist bei einer Messaging-App für Jugendliche? Er baut dort die Nachrichtenredaktion auf. Seit Anfang des Jahres testet das Startup aus Los Angeles mit ausgewählten Medien neue Formate zur Aufbereitung journalistischer Inhalte. Auch das Teilen von News wollen die Entwickler ermöglichen. Jetzt holt sich Snapchat sogar TV-Star Sofia Vergara, um mit ihr eine Reality-Show für die App zu produzieren.

„So gesehen ist die Tech-Industrie nicht der Retter der Medienwelt – sondern eher umgekehrt.“

Die Livestreaming-App Meerkat, derzeit von Twitter unter Druck gesetzt, kämpft um ihre Daseinsberechtigung und hat sich diese Woche zwei Medien-Managerinnen an Bord geholt: Sima Sistani hat bei Tumblr die Medienpartnerschaften aufgebaut, Chloe Sladden bei Twitter. Die beiden wollen Meerkat von Konkurrent Periscope abheben und in den Mainstream bringen. Und das Diskussionsforum Reddit engagiert Videoproduzenten von Vox Media, um seine eigene Videoredaktion aufzubauen.

Die ehemalige Wall-Street-Journal-Redakteurin Liz Heron verantwortet bei Facebook die Beziehungen zu Nachrichtenproduzenten, mit den Instant Articles ist am Mittwoch die Integration der journalistischen Beiträge auf der Plattform gestartet. Doch auch bei Instagram experimentiert man nebenbei mit einer Zukunft abseits der Bilder und Videos: Mit @music baut die App ein Vertical für Musikempfehlungen auf.

Social Media ohne News? Langweilig!

Es ist wahr: Wir verschwenden alle viel zu viel Zeit auf Social-Media-Portalen und in Apps, anstatt uns über die Welt zu informieren. Würden Medienhäuser allerdings nicht qualitative oder zumindest unterhaltsame Inhalte darauf liefern, uns würde wahrscheinlich irgendwann langweilig werden. Und dann wären Apps wie Snapchat und Meerkat und Tech-Portale wie Product Hunt für immer Nischenprodukte. So gesehen ist die Tech-Industrie nicht der Retter der Medienwelt – sondern eher umgekehrt.

Die Köpfe hinter den Startups und Technologieanbietern haben oft zu wenig Ahnung vom Massenmarkt und den Konsumenten. Diese Lücke können die traditionellen Nachrichtenproduzenten füllen und gemeinsam neue Formate schaffen. Panikmache, wenn Verlagshäuser ihre Inhalte für Facebook und Apps hergeben, ist unangebracht. Genau so wie Tech-Unternehmen sich davon verabschieden müssen, dass sie für immer Tech-Unternehmen bleiben, nehmen auch die Medien neue Rollen an. Was zählt ist, dass die Inhalte beim Publikum ankommen. Wie, das werden die Marktteilnehmer ständig weiterentwickeln.

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2 Antworten
  1. von Bernd Pörner am 17.05.2015 (19:29 Uhr)

    Wenn "die Medien" (und von denen ganz besonders die europäischen und deutschen) über ihre Bedeutung bzw. ihren Stellenwert im Internet reden, dann klingt das für mich meist nach einem Partygast, den eigentlich niemand offiziell eingeladen hat, dem die Party plötzlich stinkt und meint, allen anderen Teilnehmern seine Regeln aufzwingen und lauthals kundtun zu müssen, wie wichtig er für die Party sei.

    Liebe "Medien", bitte macht Euch doch nicht wichtiger als Ihr in Wirklichkeit seid.

    Niemand hat Euch dazu gezwungen, Eure Produkte kostenlos im Internet zu verteilen. Niemand hat Euch dazu gezwungen, Google Eure Website durchindexieren zu lassen. Zu beidem habt Ihr Euch selbst entschieden, was viel über Eure eigene Wertschätzung Eurer Produkte aussagt.

    Niemand hat Euch zur Party Internet eingeladen, niemand hat Euch gezwungen, daran teilzunehmen. Eure Bedeutung hat durch das Internet schlicht und einfach abgenommen. Lernt damit zu leben. Passt Euch ans Internet an, ersinnt Geschäftsmodelle und Produkte, die zu dieser Party passen oder macht Eure Läden dicht. Bekanntlicherweise ergibt sich der Wert eines Produktes aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage.

    Und dass soziale Netzwerke ohne Euch langweilig wären, mögt Ihr so sehen, viele hundert Millionen Menschen sehen das anders. Vielleicht wird es da auf Eurer Seite mal Zeit für einen Realitätscheck.

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  2. von Neue Bevölkerung am 18.05.2015 (20:29 Uhr)

    AOL hatte schon von Freiwilligen moderierte Foren usw. Das war lange vor MySpace.

    Jeder neue Jahrgang ist mit Internet aufgewachsen.
    Bei 80 Jahren Durchschnittsalter sind das 1,25 % pro Jahr. Wegen der Alterspyramide sind es eher nur 1%. Rot-Grün und der neue Mart und die UMTS-Auktionen waren etwa 2000. Das macht also mindestens 15% neue Bevölkerung, neue Arbeiter, neue Steuerzahler, neue Wähler usw. und sowas merkt man in der Werbe-Industrie schon.
    Das schlimme ist, das keine Insider reden. Oft sind es ja keine Geheimnisse sondern Dinge die man den Agentur-Journalisten nur erzählen oder erklären muss.
    Jeder schreibt gerne von Mobil. Aber welche Site gibt zu viel viel Mobile (Android, iOS, WinPhone) und wirklich Mobile (3GUMTS, 2GEDGE, LTE,...) Zugriffe sie haben. Da ist vielleicht sogar IVW informativer wo man die Klicks der und Verkaufszahlen Teilnehmer m.W. kostenlos ablesen kann.
    Die GEZ-Zahlen sind wohl leider geheim oder zumindest kostenpflichtig.

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