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Meerkat: Die App, die Twitter für immer verändern könnte [Kolumne]

Meerkat: Die App, die Twitter für immer verändern könnte [Kolumne]

Seit einigen Tagen sorgt die Live-Streaming-App Meerkat für Aufsehen. Die enge Verzahnung mit zeigt: Der Microblogging-Dienst sollte dem Trend nachspüren und die Funktion nativ einbinden. Sie könnte die Killer-App für das werden. Die von Luca Caracciolo.

Meerkat: Die App, die Twitter für immer verändern könnte [Kolumne]

Meerkat bietet Live-Streaming für Jedermann. (Bild: Meerkat)

Twitter – Wohin geht die Reise?

Twitter ist ja so ein wenig gebeutelt. Der Microblogging-Dienst wächst zwar nach wie vor, aber nicht in dem Maße, wie sich Investoren und Börsianer das wünschen mögen. Noch immer ist vielen Menschen zu kompliziert, zu stressig, einfach zu viel. Zudem hat das Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren einen Kurs eingeschlagen, der bei Power-Nutzern nicht nur positiv ankommt. Die API-Beschränkungen, der damit zusammenhängende Rückgang von Drittanbieter-Apps und -Diensten, die zunehmende Einblendung von unpassenden Sponsored Tweets: alles Dinge, für die wohl kein Nutzer Twitter dankt. Und ein langfristiges und wirklich nachhaltiges Geschäftsmodell ist noch immer nicht in Sicht. Alles doof irgendwie.

Live-Streaming für Jedermann auf Knopfdruck: Das ist Meerkat. (Foto: Meerkat)
Live-Streaming für Jedermann auf Knopfdruck: Das ist Meerkat. (Foto: Meerkat)

Live-Streaming mit Meerkat – Die Killer-App für Twitter?

Da kommt doch der kleine Hype um Meerkat gerade recht. Meerkat ist eine simple Live-Streaming-App für iOS, die eng mit Twitter verknüpft ist. Per Knopfdruck können Meerkat-Nutzer mit ihrem iPhone einen Video-Live-Stream starten, der Link wird dann an alle Twitter-Follower des Streamers verteilt. Im Grunde reicht auch der Link, um sich den Stream anzuschauen. Das Faszinierende an der Verknüpfung von Meerkat und Twitter ist aber, dass die Live-Streaming-App perfekt zur Echtzeit-Mechanik von Twitter passt. Oder wie es Casey Newton von The Verge ganz richtig auf den Punkt bringt:

Meerkat, in other words, is Twitter’s obsession of the moment.

Das Echtzeit-Web, seit Jahren gefeiert und von Twitter quasi miterfunden, findet in Meerkat und Co. seinen in bewegtes Live-Bild gegossenen Höhepunkt. Das Echtzeit-Web ist hier und jetzt, weil ich quasi auf Knopfdruck live von jedem Ort der Welt zu jeder Zeit meine Follower und im Grunde jeden Netznutzer erreichen kann. Das Prinzip mag nicht sonderlich neu sein, aber die Einfachheit, mit der das mittlerweile geht, ist es.

Live-Video-Streaming für Jedermann: „Wer braucht das denn?“

Wer jetzt an die Banalität eines YouNow denkt, an die Vielzahl amateurhafter, verwackelter Live-Videos, die keiner sehen will: Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als YouTube 2005 an den Start ging und 2006 von Google für 1,3 Milliarden US-Dollar gekauft wurde. Es wurde viel darüber diskutiert, wie unsinnig und banal doch so eine Plattform sei, die wirklich jedem Internet-Dödel erlaubt, Videos hochzuladen. Zehn Jahre später spricht keiner mehr über die Banalität von YouTube.

Live-Streaming auf Twitch: Top-Streamer sind mittlerweile hauptberuflich auf der Plattform unterwegs. (Foto: Twitch)
Live-Streaming auf Twitch: Top-Streamer sind mittlerweile hauptberuflich auf der Plattform unterwegs. (Foto: Twitch)

Oder Twitch: „Wer will denn anderen Leuten beim Spielen von Videospielen zuschauen? Ist doch voll öde und banal!“. Twitch ist mittlerweile ein Millionengeschäft, Sponsoren streiten sich um die coolsten Streamer, von denen nicht wenige mittlerweile ihren „normalen“ Job aufgegeben haben und jetzt hauptberuflich zocken und sich dabei von Tausenden über die Schulter schauen lassen.

Technologien und Dienste, die banal wirkende, alltägliche Dinge auf einfachste Art und Weise ermöglichen, sollten im Netz niemals unterschätzt werden – auch wenn man zum Zeitpunkt ihrer Entstehung noch mit dem Kopf schütteln mag.

Twitter jedenfalls hat verstanden und vor ein paar Tagen die Akquisition von Periscope bekannt gegeben: Eine Live-Video-App, die ganz ähnlich funktioniert wie Meerkat. Jetzt sollte der Microblogging-Dienst die Funktion schnellstmöglich nativ in die offizielle Twitter-App einbinden. Dann dürfte alles möglich sein: das Scheitern der Funktion, aber auch die Killer-App für Twitter.

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5 Antworten
  1. von Tom am 13.03.2015 (10:06 Uhr)

    Gibt es doch schon ewig, ustream und bambuser. Bambuser hat sogar Kooperationen mit Medienunternehmen, d.h. die Streams können auch direkt ins Fernsehen übertragen werden bei Relevanz. Selbst bei YouTube kann man schon mehrere Jahre live streamen, allerdings braucht man dazu zumindest ein Netbook wenn man das von unterwegs machen möchte. Das Verlinken in Twitter geht z.T. völlig automatisch.
    Der Durchbruch fehlt, weils einfach nicht relevant ist. Schnelles Netz haben wir hier in Deutschland ja mittlerweile.
    Und falls dann doch mal was gestreamt wird ist die Qualität i.d.R. nicht vergleichbar mit halbwegs professionellen Aufnahmen, die z.B. mit Vorbereitung und Stativ gemacht wurden oder nachbearbeitet wurden.
    Last but not least: Gerade bei Nachrichten oder Politik wird man in Deutschland sehr schnell überwacht. Findet man hier die Livestreams von Unruhen aus Ägypten oder der Ukraine gut und wichtig, wird das in Stuttgart von der Polizei rund um die Uhr überwacht obwohl es nur um einen Bahnhof geht.
    Und beim Schreiben oder Fotos hat man die Kontrolle WAS zu sehen ist, schließlich kann man es davor anschauen. Beim Video nicht. Wenn da ein nacktes Kind durchs Bild rennt, dann hat man das veröffentlicht und wenn man sich gleichzeitig politisch einsetzt, kann einen das in Teufels Küche bringen - alles schon erlebt.

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    • von Luca Caracciolo am 13.03.2015 (10:15 Uhr)

      Hi Tom, Danke für deinen Kommentar.

      Ich finde vor allem die Verzahnung mit Twitter spannend, die in meinen Augen aktuell dazu beiträgt, dass Meerkat ein gewisses Momentum hat. Klar, der Link zum Stream funktioniert auch außerhalb von Twitter und ist dann nichts anderes als ein Live-Stream von ustream. Aber die Anlehnung an Twitter ist der geschickte Schachzug von Meerkat.

      Die rechtliche Lage ist in der Tat ein wichtiger Aspekt, den es zu bedenken gilt. Aber ich glaube nicht, das er ein Hinderungsgrund für den Erfolg der Funktion wäre. Das Problem ist ja bei jeder Videoaufnahme gegeben.

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  2. von Peter P am 13.03.2015 (10:22 Uhr)

    Interessanter Aspekt: wenn ich einen Live-Stream anbiete, und ein Passant ruft volksverhetzende Parolen - habe ich dann volksverhetzende Parolen veröffentlicht?

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    • von Luca Caracciolo am 16.03.2015 (08:43 Uhr)

      Ja, Twitter weiß, wie groß das Potenzial von Live-Video auf der Plattform ist. Insofern würde ich mich nicht wundern, wenn in der offiziellen Twitter-App in Kürze ein Live-Video-Button zu finden sein wird. Ob Meerkat, Periscope oder nativ in der Twitter-App: Live-Video und Twitter – das passt einfach extrem gut zusammen.

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