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Meerkat und Periscope: Taugen die Live-Streaming-Apps auch für den Business-Einsatz?

    Meerkat und Periscope: Taugen die Live-Streaming-Apps auch für den Business-Einsatz?

Vielleicht hast du bisher noch nie etwas von Live-Streaming-Apps Meerkat und Periscope gehört – oder aber schon viel zu viel. Doch was taugen die beiden als Werkzeuge für Unternehmen oder Publisher? Ryan Holmes geht der Sache auf den Grund.

In einem Zeitraum von wenigen Wochen haben es diese zwei Apps – mit denen Nutzer per Smartphone einen Live-Broadcast senden und ihre Follower das Geschehen live kommentieren können – von Obskuritäten auf die Liste der meistdiskutierten Dinge der Techbranche geschafft. Meerkat hatte seine große Coming-Out-Party Mitte März bei der South-by-Southwest-Interactive-Conference, dem Super-Bowl der Tech-Branche. Twitter hat seinen Rivalen Periscope dann eine Woche später gelauncht.

In der Frage, welches Produkt überlegen ist, möchte ich mich nicht in die leidenschaftlich geführte Debatte einmischen. Aber ich glaube, ich kann ein wenig Klarheit in eine dringendere Frage bringen: Sind diese Apps wirklich von Bedeutung und wenn ja, warum?

Die Live-Streaming-Apps Periscope (links) und Meerkat. (Screenshots: itunes.apple.com)
Die Live-Streaming-Apps Periscope (links) und Meerkat. (Screenshots: itunes.apple.com)

Die ersten Anzeichen ergeben ein gemischtes Bild. Im letzten Monat schafften es die Hashtags #fridgeview und #showusyourfridge unter die Trends, denn die ersten Periscope-Nutzer waren schnell dabei, der Welt per Broadcast den Inhalt ihrer Kühlschränke zu zeigen – nicht unbedingt ein Must-See-TV-Programm. Zuschauer, die heute die App öffnen, werden sehr wahrscheinlich eine Menge Leute in Bars, Cafés und ihren Wohnzimmern herumsitzen sehen – und viele Leute, die laut darüber nachdenken, was sie mit dieser App anstellen sollen.

Aber Periscope hat sich auch schon als ein wertvolleres Kommunikationswerkzeug erwiesen. Am Tag der Veröffentlichung haben tatsächlich hunderte von Nutzern einen Live-Stream über die Folgen der Explosion eines Gebäudes in New York angesehen – sie erhielten damit Zugang zu einem Echtzeitvideo vom Ort des Geschehens, noch während die Nachrichtenteams dort eintrudelten.

Natürlich ist es noch zu früh, aber eins ist mir jetzt schon klar: Live-Streaming-Technologie wird keine vorübergehende Modeerscheinung sein, und – aus der Business-Perspektive – steckt darin sicherlich Potential. In meiner Firma haben wir bereits ausprobiert, wie wir es dazu verwenden können, mit Nutzern und Kunden in Verbindung zu treten. Hier kommen ein paar frühe Beobachtungen von der Front.

Live-Streaming als Werkzeug für Transparenz und Community-Aufbau

In den letzten paar Wochen, habe ich einmal pro Woche die Welt zu einem Live-Periscope-Broadcast in mein Büro eingeladen. Wenn ich die App öffne und „Start Broadcast“ antippe, geht automatisch ein Invite an all meine Twitter-Follower (Ich werde auch einen Link an meine LinkedIn- und Facebook-Kontakte senden). Von nun an wird der Invite über soziale Netzwerke geteilt und weiter geteilt, was immer mehr Zuschauer anzieht. Bisher haben hunderte von Leuten eingeschaltet und mir Fragen zu Hootsuite und der momentanen Situation von Social Media gestellt. Bisweilen strömen die Kommentare und Fragen so schnell herein, dass ich fast nicht mehr mitkomme.

Nah an den Usern: Beim Live-Broadcasting zeigt man seinen Zuschauern ein authentisches und persönliches Gesicht hinter einer Firma – und erhält gleichzeitig wertvolles Feedback und die dringendsten Fragen der Nutzer. (Foto: Ryan Holmes)
Nah an den Usern: Beim Live-Broadcasting zeigt man seinen Zuschauern ein authentisches und persönliches Gesicht hinter einer Firma – und erhält gleichzeitig wertvolles Feedback und die dringendsten Fragen der Nutzer. (Screenshot: Ryan Holmes)

Für mich ist Live-Streaming in erster Linie wegen seiner Direktheit nützlich. Ich erhalte unverfälschten Echtzeit-Input von Kunden, Teilhabern und Leuten, die sich für Social Media interessieren. Ich habe Vorschläge für zukünftige Updates meines eigenen Produkts erhalten (inklusive Periscope-Integration), aber auch Feedback dazu, was wir besser machen könnten sowie Fragen zu neu geplanten Features. Ja, es stimmt, manche Kommentare sind Off-Topic. Die meisten sind allerdings relevant, ja sogar augenöffnend.

Währenddessen lernen die Zuschauer mich kennen und erhalten ein Gesicht zu unserem Unternehmen. Ein Periscope-Broadcast schafft ein erstaunlich hohes Maß an Verbindung und Vertrauen. Weil das Video live und ungeschnitten ist, ohne Zweit-Takes, kann man sich nirgends verstecken. Zugegeben, diese Art von Angreifbarkeit ist nicht für jeden das Richtige. Für die richtige Person ist es allerdings eine ausgezeichnete Methode, um in Verbindung mit den Kunden zu treten, die Firma menschlich zu machen und einer Marke eine persönliche Note zu verleihen.

Die selbe Direktheit und Authentizität könnte sich auch in einem Krisen-Kommunikations-Szenario als nützlich erweisen. Nichts verschlimmert eine Krise so sehr wie Verwirrung, Verzögerung und Mehrdeutigkeit und nichts entschärft eine Krise so gut wie Transparenz. Im Angesicht eines Produktrückrufs, eines Service-Ausfalls oder anderer Pannen könnte ein live gestreamter Broadcast von einem leitenden Angestellten – mit laufenden Fragen und Kommentaren anderer Nutzer – viel dazu beitragen, die Kunden davon zu überzeugen, dass ihre Angelegenheiten wertgeschätzt werden und die Firma nichts zu verbergen hat.

Live-Streaming als Werkzeug für Marketing und Promotion

In diesem März haben Millionen von Zuschauern eingeschaltet, als Apple bei einem Live-Event namens Spring Forward seine lang erwartete Smartwatch enthüllte. Wie Steve Jobs und der Rest der Apple-Experten vor langer Zeit erkannten, trägt ein Live-Product-Launch, mit all den Unberechenbarkeiten und Dramen, die damit einhergehen, zu einem guten Marketing bei.

Mit Live-Streaming-Apps können Startups etwas von der gleichen Energie und Aufregung anzapfen, wenn sie ihre neuen Produkte enthüllen oder auch nur Firmen-Neuigkeiten verkünden. Bei Hootsuite hat unser Social-Media-Manager Jaime Stein (immer schon ein Early Adopter neuer Technologie) damit angefangen, einen wöchentlichen Blick in unsere Firma via Meerkat anzubieten. Er zieht mit, wenn an jedem Montag unsere neuen Mitarbeiter eine Führung durch unser Headquarter erhalten, vom Gym zum Yogaraum und durch die verschiedenen Firmenabteilungen.

Um Aufmerksamkeit zu erzeugen, kündigt Jaime den Live-Stream ein paar Tage vorher auf dem Twitter- und Facebook-Kanal unserer Firma an. Wenn er Meerkat öffnet, werden seine Follower automatisch benachrichtigt und wir verbreiten die Neuigkeit in den Sozialen Medien weiter. Zuschauer schalten sich zu und kommentieren, wenn er wichtige Mitarbeiter vorstellt (die normalerweise von ihm überrascht werden), mit ein paar Annehmlichkeiten unserer Arbeitsstelle angibt oder einen lebendigen Live-Kommentar über das Leben bei Hootsuite bietet.

Ein ungeschnittener Blick hinter die Kulissen vermittelt ein echtes Bild auf das Betriebsklima und die Arbeitsatmosphäre. (Foto: Jaime Stein)
Ein ungeschnittener Blick hinter die Kulissen vermittelt ein echtes Bild auf das Betriebsklima und die Arbeitsatmosphäre. (Screenshot: Jaime Stein)

Unser Publikum bei diesen Touren geht bisher in die Hunderte, nicht in die Millionen. Allerdings hat Live-Streaming einen neuen Kanal eröffnet, um unser Betriebsklima zu zeigen und uns dabei zu helfen, erstklassiges Personal anzuwerben. Weil es spontan und direkt ist, zieht es eine Bevölkerungsgruppe an, die wir normalerweise nicht erreichen würden.

Es ist erwähnenswert, dass auch Twitter vor noch nicht allzu langer Zeit als Nachrichten-App für Updates über Essen verspottet wurde. Heute ist es ein äußerst wichtiges Tool für Netzwerke, Promotion und Werbung und wird auf mehr als 30 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der Business-Use-Case für Periscope ist noch in der Entstehung und es ist sehr wahrscheinlich, dass sein wahrer Wert erst in den kommenden Monaten und Jahren deutlich wird. Es lässt sich aber mit Sicherheit sagen, dass Live-Streaming sich nicht mehr lange auf kurze Blicke in anderer Leute Kühlschränke beschränken wird.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf medium.com. Übersetzung: Anja Braun.

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1 Reaktionen
Gute Idee
Gute Idee

Der Milliardär Charles Branson telefoniert bei CNBC aus dem Flugzeug mit Skype mit den Redakteuren und beantwortet Fragen.

Hunderte Reporter sitzen in irgendwelchen Sälen wegen EZB-Zahlen oder wenn der Papst eine neue Veröffentlichung vorstellt. Oder Bundespressekonferenz.
Statt also teuer Hotel-Hallen anzumieten könnten A,B,C,D,...-Promis oder auch Sportvereine! Pressekonferenzen mit solchen Systemen erledigen und Feedback-Fragen vor/nach dem Spiel beantworten. Handball, Ringtennis, Pingpong, Fußball-6te-Liga, Kreisliga,... Kostet ja nix !!! im Gegensatz zu Hotelräumen.
Bürger und Reporter und Anonyme müssten in getrennten Gruppen auf Fragen voten können (jeder 1-3 Stimmen) so das man als Trainer oder Top-Boni-Manager oder Bürgermeister einer vom Tornado zerstörten Stadt sieht welche Fragen die wichtigsten sind. Technisch trivial. Rechtlich vielleicht zu teuer :-((( Sonst gäbe es das längst von mir.

Die technologischen Möglichkeiten existieren längst. Aber ausser Großkonzernen u.ä. bei den Aktionärs-Hauptversammlungen scheint es sich kaum zu verbreiten.

Wichtig wären Archive und natürlich Transkripte.

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