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Der Mega-Deal erklärt: Warum Microsoft Minecraft wirklich kauft [Kolumne]

Der Mega-Deal erklärt: Warum Microsoft Minecraft wirklich kauft [Kolumne]

hat mit der spektakulären Übernahme der Minecraft-Erfinder für Aufsehen gesorgt. Doch warum blättert der Konzern für eine Spieleschmiede so viel Geld hin und wie passt das in die Strategie des Unternehmens? Die von Luca Caracciolo.

Der Mega-Deal erklärt: Warum Microsoft Minecraft wirklich kauft [Kolumne]

Warum Microsoft die Minecraft-Macher wirklich kauft (Bild: 4J Studio)

Zugestanden: Als ich von der Übernahme von Mojang durch Microsoft gehört habe, musste ich mit dem Kopf schütteln. Mehrmals. Ich konnte einfach nicht begreifen, inwiefern Minecraft dem Redmonder Unternehmen in irgendeiner Art und Weise helfen könnte. Minecraft ist mit über 54 Millionen verkauften Exemplaren ein sehr erfolgreiches Spiel. Aber blättert Microsoft wirklich 2,5 Milliarden US-Dollar hin, um den Titel auch auf die Windows-Phone-Plattform zu bringen? Wohl kaum.

Das Minecraft-Phänomen verstehen

Um also zu begreifen, warum ein Unternehmen wie Microsoft so viel Geld für ein Spiel bzw. eine Spieleschmiede bezahlt, muss man das Minecraft-Phänomen verstehen. Minecraft ist kein klassisches Videospiel, es ist eine Art Baukasten. Oftmals fällt der Vergleich mit Lego, um die Tätigkeiten der Minecraft-Spieler zu beschreiben. Um ein Gespür für das Spiel zu bekommen, mag der Vergleich in Ordnung sein. Aber der Lego-Vergleich hinkt natürlich.

„Mojang hat den ureigenen menschlichen Spieltrieb in Perfektion ins Digitale übertragen.“

Zwar bauen in Minecraft die Spieler ähnlich wie bei Lego mit Bausteinen Gebäude und Gebilde, doch liegen diese nicht einfach gesammelt auf einem Haufen, sondern müssen abgebaut und zum Teil verarbeitet werden. Es gibt verschiedene Rohstoffe und Materialien. Und von Anfang an ist der Zugriff auf diese Rohstoffe nicht wie bei Lego begrenzt. Spieler in Minecraft bauen sich eine ganze Welt, die einzige Restriktion ist die Zeit.

Diesen jedem Menschen ureigensten Spieltrieb des Bauens und Erschaffens hat Mojang nahezu in Perfektion ins Digitale übertragen. Das ist auch der Grund für den unglaublichen Erfolg des Titels, der bessere Verkaufszahlen aufweist als die meisten Videospiel-Blockbuster der vergangenen Jahre. Ein Geniestreich sozusagen. Selbst auf mobilen Plattformen ist Minecraft extrem erfolgreich, obwohl man doch meinen möchte, dass auf einem kleinen Bildschirm das Spielerlebnis des Bauens und Erschaffens eher leidet. Und nicht zuletzt die extrem engagierte Minecraft-Community, mit über 100 Millionen registrierten Nutzern, spricht für sich.

Microsoft kauft den Geist von Minecraft

Microsoft: Satya Nadella wird neuer CEO. (Foto: Heisenberg Media / Flickr Lizenz: CC BY 2.0)
Satya Nadella setzt voll auf eine Cross-Platform-Strategie. Der Minecraft-Deal bestätigt dies.  (Foto: Heisenberg Media via flickr, Lizenz CC BY 2.0)

Microsoft kauft also nicht etwa irgendein Spiel oder ein Entwickler-Studio, sondern eine Marke, ein nahezu universelles Spielerlebnis, eine Bewegung, hinter der eine Lebenseinstellung und ein Pioniergeist stehen. Menschen, die höchst kreativ digitale Welten von einzigartiger Schönheit bauen, bringen einen durch und durch positiven Geist auf Microsofts Plattformen bzw. in das Unternehmen ein. Das kann dem Konzern nur gut tun.

Insofern passt der Kauf der Minecraft-Macher perfekt zur Unternehmensstrategie, die CEO Satya Nadella erst kürzlich nochmals auf den Punkt gebracht hat:

(…) We are very grounded on this cross-platform world. One of the things that you’re find is Microsoft icons on any phone — irrespective of whether it’s a Windows Phone or not. That’s our core goal: Things like Office, things like Skype are broadly available. And Minecraft! On every 8-year-old’s phone, for sure.

Ein extrem positiv besetztes Cross-Platform-Erlebnis

Es geht also weder darum, Minecraft unbedingt auf Windows Phone zu bringen, noch um die 100 Millionen Minecraft-Community-Nutzer, die in Zukunft vielleicht einen Microsoft-Account benötigen. Das mögen nette Nebeneffekte sein. Im Mittelpunkt der Akquisition steht Minecraft als extrem positiv besetztes Cross-Platform-Erlebnis, das nicht nur Gamer, Geeks und Nerds über den ganzen Planeten vereint. Guter Deal, Microsoft.

Bleibt am Ende die Frage, wie sich diese Cross-Platform-Strategie mit dem schlecht laufenden Hardware-Geschäft des Unternehmens verträgt – vor allem in Bezug auf den Surface- und den Windows-Phone-Absatz. Beginnt Nadella – ganz in Minecraft-Manier – jetzt etwa mit dem Konzernumbau?

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4 Antworten
  1. von Saenic am 16.09.2014 (12:15 Uhr)

    "Microsoft kauft den Geist von Minecraft"
    Das Problem dabei ist, dass mit so einem Kauf viel von dem Indie Spirit vergehen wird. Ob die Fans trotzdem dabei bleiben, darf bezweifelt werden. Vielleicht wird es auch der Stein des Anstoßes, der dazu beiträgt, dass die Leute genug vom Bauen haben und sich anderen Sachen zuwenden.

    Den Geist eines Spiels kann man nur erschaffen, man kann ihn nicht kaufen! ;)

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  2. von t-berium am 16.09.2014 (15:30 Uhr)

    Ob ein Gedanke so viel Geld wert ist, weiß ich nicht.

    Notch hatte sich, obwohl zunächst Interesse bestand, gegen eine Zusammenarbeit mit Oculus Rift entschieden, als sie von Facebook gekauft wurden. Jetzt steht dem nichts mehr im Wege, zumal Microsoft (Achtung Orakel!) unter Garantie sicher gestellt hat, dass sie auch in diese Richtung arbeiten können.

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  3. von Hardgaming am 16.09.2014 (15:38 Uhr)

    Nichtsdestoweniger finde ich, dass 2 Milliarden Euro für eine Spieleschmiede und eine IP wie Minecraft viel zu viel Geld sind und dass Microsoft sich eher um seine Hardware Abteilung und um Windows/Windows Phone bemühen sollte... der Cross-Platform Ansatz ist der letzte Sargnagel und wenn die Minecraft Gründer Mojang verlassen, wird der Erfolg in Zukunft ohnehin bröckeln (siehe Apple-->Steve Jobs-->Jüngste Entwicklungen wie iPhone 6 Plus oder Smartwatch).

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  4. von BS am 16.09.2014 (17:27 Uhr)

    Warum sieht das keiner aus Kapitalsicht? Microsoft hat ähnlich wie Apple und Konsorten Milliarden im Ausland bzw. hier in Europa liegen die sie nicht in USA versteuern wollen. Diese Milliarden bringen auf der hohen Kante bei 1% Verzinsung dem Unternehmen 25 Millionen im Jahr. Sie gehen einfach davon aus, das Produkt so gut vermarkten zu können, das Sie ein höheres Ergebnis erzielen und gleichzeitig den Wert der Marke erhöhen. 2013 lag der Gewinn übrigens bei 138 Millionen. Zusätzlich lässt sich vielleicht auch durch Integrieren der Microsoft Infrastruktur Werbung für Azure und ähnliche Produkte machen. Blöd ist das Ganze nicht.

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