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Mega-Trends 2015 – 18 Experten und ihre Prognosen fürs neue Jahr

Mega-Trends 2015 – 18 Experten und ihre Prognosen fürs neue Jahr

Ganz frisch im neuen Jahr werfen wir einen Blick auf die größten Trends der kommenden zwölf Monate. 18 Experten präsentieren bei uns ihre Prognose für 2015. Das Ergebnis: die Mega-Trends 2015.

Mega-Trends 2015 – 18 Experten und ihre Prognosen fürs neue Jahr

(Grafik: Shutterstock)

Gunter Dueck

(Foto: Axel Schmidt)
(Foto: Axel Schmidt)

Gunter Dueck ist Mathematiker, Philosoph und Schriftsteller. 24 Jahre lang arbeitete er bei IBM, die meiste Zeit davon als CTO, verantwortlich für „Cultural Change“. Heute beschäftigt er sich in seinen Publikationen mit der digitalen Revolution und damit, was die Technik mit den Menschen macht. Er bloggt auf Omnisophie.com.

Mentale Akzeptanz, dass das Internet tatsächlich Umwälzungen erzeugt

Unternehmensführungen erkennen nun klarer, dass evolutionärer Schritt-für-Schritt-Wandel nicht hilft, auch keine weiteren Überstunden und grundlose Begeisterung. Alte Businessmodelle werden obsolet, ja – und das wird nicht mehr schwarmdumm verleugnet. Frust setzt ein. Was tun? Erste Handlungsenergien sammeln sich schon. Bald geht es los, auch in Deutschland. Wer es akademisch erklärt haben mag, google unter Elisabeth Kübler-Ross' „Grieving Process = Denial-Anger-Bargaining-Depression-Acceptance“ (Ein Schwerkranker akzeptiert nach langem Ignorieren und Zetern seine Diagnose und auch, dass er jetzt etwas tun muss).

Stefan Ploechinger

Stefan-Ploechinger
(Foto: Stefan Plöchinger)

Als Chefredakteur von Süddeutsche.de steht Stefan Ploechinger für modernen Online-Journalismus. Er lehrt an der Henri-Nannen-Schule und der Deutschen Journalistenschule in München. Zuvor war er unter anderem für „Spiegel Online“, „Financial Times Deutschland“ und „Abendzeitung“ tätig.

„Scrum als Businessprinzip“

Als ich vor vier Jahren als Chefredakteur von SZ.de anfing, funktionierte der digitale Markt vergleichsweise eindimensional: Mach ein gutes Angebot für Desktop-Rechner, ein recht ähnliches für Mobile, und fertig.

Wie anders stellt sich die Welt 2015 dar!

Nutzer erwarten im Zweifelsfall eine digitale Produktlinie von der Uhr bis zum Fernseher, und zwar nicht „One Size Fits All“, sondern angepasst auf die Möglichkeiten jedes Geräts. Eine Nachrichten-App, die bloß „Klick“ durch „Touch“ ersetzt und sich ansonsten vom Angebot auf dem Bürocomputer kaum unterscheidet, hat keine große Zukunft mehr. Mit jeder neuen Device-Größe und -Funktion wächst angesichts der umfassenden Digitalisierung unseres Alltags zum einen die Erwartung der Nutzer, dass jede Chance ausgenutzt wird, die praktisch sein könnte, zum anderen die Komplexität der Programmierung und der Produktkonzepte. Beispiel: Was erwarten Leser auf einer Smartwatch von Journalisten wie uns? Wirklich ganz viele Eilmeldungen? Komplette Texte im Wort-Stakkato? Oder am Ende doch gar nichts Großes, weil sie fürs Informiertwerden lieber das Smartphone nutzen? 2015 wird wichtiger denn je: sich auf die neue Plattformvielfalt einlassen, damit experimentieren, die eigenen Angebote raffinieren, recht agil neue Produkt- und Geschäftsmodelle ausprobieren. Programmierer würden wohl sagen: Scrum als Businessprinzip. Das wird so anstrengend wie spannend.

Frank Thelen

frank-thelen
(Foto: Frank Thelen)

Frank Thelen hat sich als Gründer und Investor einen Namen gemacht, zuletzt in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“. In seiner Rolle als CEO von e42 fördert er junge Unternehmen in ihrer Frühphase. Aktuell ist er darüber hinaus als Gründer von Scanbot aktiv, einer App zum Scannen von Dokumenten und QR-Codes.

Startups werden an den Marmorgebäuden der Finanzindustrie rütteln

In 2015 werden erste Startups die Finanzindustrie spürbar verändern. Die alten Strukturen mit abgekapselten Vorständen und teuren Mamorgebäuden in London und Frankfurt werden zum ersten Mal wirklich herausgefordert. Wir werden alle von niedrigeren Kosten, einfacheren Produkten, die Spaß machen, und neuen Ansätzen bei Kontoführung und Geldanlage profitieren.

Darüber hinaus wird Apple die „Smart Watch” zum ersten Mal erfolgreich im Markt platzieren. Es wird wenige Apps geben, die im Vergleich zum Smartphone auf der Armbanduhr wirklich besser sind. Dennoch werden wir aus meiner Sicht drei bis vier Beispiele sehen, ohne die wir Ende 2015 nicht mehr leben wollen.

Im B2B-Bereich werden die Unternehmen endlich begreifen, dass die Cloud und SaaS-Modelle Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Kosteneinsparung ermöglichen. Es ist verrückt, wie viele Unternehmen noch in der alten Client-Server-Welt leben.

Und dann hoffe ich natürlich auf einen „Black-Swan” – also ein Produkt, an das keiner gedacht hat und das unser Leben verändern wird.

Sina Gritzuhn

(Foto: Sina Gritzuhn)
(Foto: Sina Gritzuhn)

Die Mitgründerin und Geschäftsführerin von Hamburg Startups leitet das „Hamburg Startup Monitor“-Projekt federführend. Bis Ende des Jahres 2013 war Sina Gritzuhn als freie Social-Media-Redakteurin für die beebop media AG und als rasende Reporterin für die Initiative Hamburg@work unterwegs. Sie bloggt seit drei Jahren auf sinaswelt.com über Themen rund um Hamburg, Social Media und Startups. Als bekennender Social-Media-Addict und Startup-Evangelist ist sie ein aktiver Bestandteil der Hamburger Startup-Szene und das Netz ist ihr zu Hause.

2015 wird das Jahr der Startups

Mein Mega-Trend 2015? Startups und deren Wahrnehmung und Akzeptanz in einer breiteren Öffentlichkeit. 2014 hat den Weg bereits vorgezeichnet: Das Thema Entrepreneurship und seine Hauptakteure, die Gründer, haben über TV-Formate wie die „Die Höhle der Löwen“ oder das Gründerspecial „Kampf der Startups“ im ZDF, aber auch durch intensive Coverage der schreibenden Zunft, mehr Öffentlichkeit erhalten. Endlich mal Einblicke in die Startup-Welt ohne entrückt nerdigen Beigeschmack.

Junge Unternehmer und Unternehmerinnen werden nicht länger als Spinner belächelt, sondern als mutige Visionäre und Arbeitgeber von zahlreichen Mitarbeitern portraitiert. Das ist unter anderem nötig, um den speziellen Bedürfnissen der Jungunternehmer gerecht zu werden. Nur wer gesehen und gehört wird, kann von seinen Problemen, wie zum Beispiel Venture Capital, Fachkräftemangel und Steuerhindernissen, berichten und genügend politisches und gesellschaftsrelevantes Gewicht ausüben, um die Situation für alle zu verbessern.

2015 wird das Jahr der Startups und ich bin stolz, mit Hamburg Startups die Sichtbarkeit zumindest in Hamburg weiter zu steigern.

Miriam Rupp

(Foto: Miriam Rupp)
(Foto: Miriam Rupp)

Miriam Rupp ist Gründerin und Geschäftsführerin von Mashup Communications, der Berliner Agentur für PR und digitales Storytelling. Mit der Philosophie „Wir lieben es, neue Geschichten zu erzählen“ fokussiert sich die Agentur vor allem auf Zukunftsthemen aus der digitalen Welt.

Weg vom Produkt hin zur Sehnsucht: „Stories“

Wer seine Botschaften mit Bildern oder Videos untermauern will, muss sich trauen, vom Produkt weg zu kommen. Wie Andres Davis, Autor von Brandscaping, sagt: „Think less like a beat reporter and more like a television network executive“. Es geht nicht nur darum, das Produkt zu bewerben und einfach nur die nächste spannende Story zu finden oder zu schreiben.

Man muss sich überlegen, nach was sich die Zielgruppe sehnt, langfristig das Verlangen dieser Zielgruppe mit den richtigen Inhalten füttern und jede Story in einen größeren Kontext packen. Ein „to be continued“ sollte immer machbar sein. Dabei sollte man sich fragen: Welchen visuellen Content erstellen meine Nutzer selbst gerne? Lieben die User Sonnenuntergänge, kann auch ein IT-Unternehmen ein Foto von seinem Hauptsitz mit Sonnenuntergang im Hintergrund zeigen. Ist das Verlangen der Zielgruppe nach Zahlen und Fakten groß, lassen sich diese wunderbar in visuelle Stories verpacken. Shutterstock hat mit seinem Projekt „Stories“ zum Beispiel sehr gut verstanden und umgesetzt, womit sich deren Nutzer am meisten identifizieren und auseinandersetzen. Mit eigenen Inhalten über die Macher der tausenden Stock-Fotos und -Videos erzählt das Video genau von der Leidenschaft, die die Community ausmacht.

Lukas Kahwe Smith

lukas-kahwe-smithLukas Kahwe Smith entwickelt seit Jahren mit PHP, war Co-Release-Manager von PHP 5.3 und Symfony-Evangelist 2013. Er ist Partner der Liip AG, ein Spezialist für agile Webprojekte, und arbeitet unter anderem als Co-Lead an PHPCR und dem Symfony CMF.

Angular.js gewinnt die Javascript-Framework-Wars

Der Kampf  der Javascript-Frameworks wird weitergehen, aber insbesondere Angular.js wird sich zunehmend als „Enterprise“-Standard etablieren. Weniger weil es der Weisheit letzter Schluss ist, sondern weil der Markt nach einem verlässlichen Standard dürstet und es Angular.js geschafft hat, sich bei Entscheidern auf den Radar zu bringen.

Kixka Nebraska

(Foto: Rieka Anscheit)
(Foto: Rieka Anscheit)

Kixka Nebraska ist seit Ende 2010 als Profilagentin im Netz aktiv und hilft, die digitale Sichtbarkeit ihrer Auftraggeber zu erhöhen. Nicht nur bei der individuellen digitalen Markenbildung sondern auch bei Fragen zu Tools und Networks im Internet wird sie von Freiberuflern, Journalistenschulen, Firmen, Stiftungen und Agenturen für Vorträge, Einzel-Coachings und Workshops gebucht. Kixka Nebraska ist Mitgründerin der Digital Media Women und ist mehrfach auf der re:publica als Referentin aufgetreten.

Digitale Szenografie

Das Digitale hat sich als Aufenthaltsort etabliert, sowohl für den Einzelnen als auch für Institutionen. 2015 wird es darum gehen, diesen Raum zu gestalten: Szenografie wird nach Storytelling das nächste Themenfeld sein, auf dem sich Social-Media-Manager, aber auch digital aktive Freiberufler, bewähren müssen. Die Kunst der Inszenierung auf der digitalen Bühne, gerahmt vom Bildschirm, findet nicht nur auf den Profilen sondern in der Gesamtpräsenz der Aktivitäten statt: Die 2014 noch viel beschworene Content-Strategie ist nicht mehr ausreichend. Es geht um kreative, die Sinne ansprechende Umsetzungen – der visuelle Auftritt vom Profilbild über die Header-Grafik bis zur Background-Gestaltung, die bewegten Bilder eines Video-Clips sind wie das Klangerlebnis im Podcast szenografisch einsetzbare Mittel. Dank Virtual-Reality-Brillen wie Oculus Rift stehen demnächst auch weitere sensorische Gestaltungsmöglichkeiten offen. Gewinnen wird, wer dabei visuell und emotional überzeugt, punktuell verstört und je nach Zielgruppe gehobene Unterhaltung bietet. Die Szenografie des digitalen Auftritts ist dann gelungen, wenn sie Neugier weckt und dazu verlockt, in einem bisher unbekannten Umfeld auf Entdeckungsreise zu gehen: Wibke Ladwig und Marcus John Henry Brown sind gelungene Beispiele dafür.

Joachim Diercks

(Foto: Joachim Dierks)
(Foto: Joachim Diercks)

Joachim Diercks ist Geschäftsführer der CYQUEST GmbH mit Sitz in Hamburg. CYQUEST ist unter dem Oberbegriff Recrutainment für die Erstellung von Lösungen aus den Bereichen Eignungsdiagnostik (Online-Assessment) sowie Berufs- und Studienorientierung für Unternehmen und Hochschulen bekannt. Diercks ist Herausgeber des Buchs „Recrutainment“, Autor einer Reihe von Fachartikeln zu verschiedenen E-Recruiting- und Employer-Branding-Themen sowie regelmäßiger Referent bei HR-Fachkongressen. Mit dem Recrutainment-Blog zeichnet er für einen der meistgelesenen deutschsprachigen HR-Blogs verantwortlich.

„Matching“ wird das zentrale Thema der HR-Branche

In der Personalgewinnung ist das zentrale Thema für 2015: „Matching“. Wie kommen die richtigen Personen in die richtigen Jobs bei den passenden Firmen?

Klar, diese Frage hat uns schon immer beschäftigt, aber es kommen zwei Dinge zusammen, die diesem Thema eine größere Bedeutung verleihen: Erstens wird es schlicht schwieriger, passendes Personal zu finden, was mit der Demografie, aber auch den immer stärker ausdifferenzierten Anforderungen zu tun hat. Zweitens stehen wir am Beginn eines Zeitalters, in dem Technologie unheimlich wertvolle Dienste beim Matching leisten kann.

Algorithmen werden sukzessive einen großen Teil der gegenseitigen Suche unterstützen, vielleicht irgendwann ganz übernehmen. Nicht, dass ich missverstanden werde; ich meine auf beiden Seiten – sowohl beim rekrutierenden Unternehmen als auch beim Kandidaten. Unternehmen werden selbstverständlich Online-Assessments, Big Data und Matching-Technologien einsetzen, um Kandidaten zu finden und vorzuselektieren. Aber auch Bewerber werden Plattformen und Tools nutzen, auf denen sie ihre Daten gezielt für sich arbeiten lassen.

Wir werden in gar nicht allzu ferner Zukunft (wenngleich noch nicht 2015) eine Welt erleben, in der Bots einen beträchtlichen Teil des „Zueinanderfindens“ von Unternehmen und Mitarbeiter autonom untereinander aushandeln. Das Lesen hunderter Stellenanzeigen und Schreiben dutzender Bewerbungen wird dann genauso der Vergangenheit angehören wie das Sichten tausender Bewerbungen oder das Führen hunderter Job-Interviews.

Benjamin Uebel

(Foto: Benjamin Uebel)
(Foto: Benjamin Uebel)

Benjamin Uebel ist UX-Experte und Psychologe. Als Gründer und Geschäftsführer von RapidUsertests.com gehört er zu den Pionieren des Crowd-Testings in Deutschland. Seine Erfahrungen als Geschäftsführer der Usability-Agentur Userlutions teilt er als Fachautor und Speaker.

Smartwatch, Smartphone, smarte Experience – Nahtlose Customer-Experience über alle Kanäle hinweg

Smartwatches, Smartphones, Tablets, Desktop-Rechner – 2015 stehen Unternehmen vor der Herausforderung, ihren Kunden eine einheitliche und nahtlose Customer-Experience über alle Geräteklassen hinweg zu bieten. Ich erhalte eine Produktempfehlung auf meiner Smartwatch, recherchiere ein paar Details unterwegs in der U-Bahn mit dem Smartphone und kaufe das Produkt schließlich abends im Bett am Tablet.

Der Medienbruch geht aber nicht nur über die Devices – auch Online- und Offline-Erfahrungen verschränken sich zunehmend. Ich kann meine online gekauften Brillen beim Optiker um die Ecke anpassen lassen, meine neue Kommode zuerst im Showroom begutachten oder mir mein im Netz gekauftes Paket im Baumarkt abholen. Volvo experimentiert in Schweden mit einem Service, Online-Lieferungen per GPS ins Auto zu liefern – ein Bote deponiert die Lieferung einfach im Kofferraum. Apple war mit seiner einheitlichen Customer-Experience von der Produktverpackung über die verschiedenen Devices bis zu den Apple-Stores früh Vorreiter dieser Bewegung.

Die Kunden denken dabei nicht in Kanälen, so wie es das Marketing tut. Sie wollen einfach nur eine einheitliche und gute Erfahrung machen. Digitale Unternehmen stehen vor der zunehmenden Herausforderung, diese einheitliche „Cross-Channel-Experience“ zu designen, zu tracken, zu testen und zu optimieren. User-Experience- und Service-Designer werden weiteren Aufwind bekommen und Multi-Channel-Testing- und Analyse-Tools, wie Crowdtests, werden intensiver genutzt werden.

Kerstin Hoffmann

(Foto: Susanne Fern)
(Foto: Susanne Fern)

Dr. Kerstin Hoffmann berät Unternehmen in Public Relations und Digitalstrategien. Sie hält Vorträge, schreibt Bücher und bloggt als „PR-Doktor“. Außerdem ist sie in den gängigen Netzwerken präsent, unter anderem auf Facebook und Twitter.

Weniger Werbemüll, sondern hochwertige Inhalte

Hochwertige Inhalte werden zum (fast) alles entscheidenden Faktor. Vorausgesetzt natürlich, die Strategie und der ganze Rest stimmen. Google und Facebook sind mit ihren geänderten Algorithmen nur die (Mit-)Wegbereiter einer Entwicklung, die immer mehr dahin geht, dass Werbemüll und vermeintlich Suchmaschinen-Optimiertes bei den Empfängern nicht mehr ankommen. „Hochwertig“ heißt dabei nicht zwangsläufig anspruchsvoll oder komplex. Entscheidend ist der Wert des Contents für den spezifischen Empfänger – vom Informationsvorsprung über reine Unterhaltung bis zum Einkaufsvorteil. Dabei müssen Unternehmen zukünftig viel mehr noch als bisher multimedial denken. Investitionen in eigene Plattformen („owned media“) sind dafür unabdingbar!

Marcus Tandler

In der weiteren Verbreitung mobiler Endgeräte und der darauf abzielenden Optimierung sieht Marcus Tandler „eine große Chance für ambitionierte Marketer“.
(Foto: Marcus Tandler)

Marcus Tandler, auch bekannt als „Mediadonis“, ist Partner bei Tandler.Doerje.Partner und Mitgründer von OnPage.org. Er gilt als einer der großen deutschen Experten zum Thema Suchmaschinenoptimierung. Als Redner sprach er auf zahlreichen Events, unter anderem der TEDx und LeWeb.

„Eine große Chance für Mobile-Marketer“

Der größte Online-Marketing-Trend im nächsten Jahr wird meiner Meinung nach Mobile Optimization. Google ist 2014 zu einem waschechten „Mobile First“-Unternehmen geworden, so besuchen mittlerweile mehr Leute Google mit mobilen Endgeräten als mittels stationärer Desktop-PCs. Die „Mobile-Friendliness“ von Webseiten wird daher immer wichtiger für Seitenbetreiber.

Google hat unlängst die Google-Webmaster-Zentrale mit einem neuen Report in diese Richtung aufgebohrt („Nutzerfreundlichkeit auf Mobilgeräten“/ „Mobile Usability“). Auch wird neuerdings ein „mobile friendly“-Label direkt in den Suchergebnissen angezeigt, wenn eine Seite auch auf mobilen Endgeräten gut les- und nutzbar ist. Mit Hilfe dieser Maßnahmen versucht Google Webmaster dafür zu sensibilisieren, ihre Websites auch für mobile Endgeräte zu optimieren. Über die Hälfte aller Tablet- und Smartphone-Nutzer haben bereits mindestens einmal mobil in einem Online-Shop eingekauft – es ist davon auszugehen, dass diese Zahl 2015 noch weiter steigen wird. Hier besteht eine große Chance für ambitionierte Mobile-Marketer, denn „mobile friendliness“ wird sicherlich, neben einer besseren Konversionsrate, auch ein bedeutsamer Rankingfaktor innerhalb der Suchergebnisseiten werden, der es gut optimierten Websites ermöglicht, an weniger gut optimierten Mitbewerbern vorbeizuschießen.

Heike Scholz

(Foto: Heike Scholz)
(Foto: Heike Scholz)

Heike Scholz beschäftigt sich mit Innovationen und Entwicklungen rund um tragbare Endgeräte und Wearables und bezeichnet sich selbst als „bekennende Überzeugungstäterin in Sachen Mobile“. Sie startete mit mobile zeitgeist schon 2006 einen Weblog über Mobile Marketing, ist darüber hinaus als Speakerin auf Bühnen, als Trainerin in Workshops und als Consultant in Unternehmen aktiv.

Innovationsdruck im stationären Einzelhandel

Mobile verändert alle Branchen und Lebensbereiche und so werden wir 2015 an vielen verschiedenen Stellen „Mega-Trends“ beobachten können. Von der zunehmenden Verbreitung von Wearables, die weitere Funktionen übernehmen und Prozesse vereinfachen werden, über bemerkenswerte Veränderungen im Gesundheitswesen (mHealth), der Finanzbranche (Fintech) und den vielen Prozessen in und zwischen Unternehmen (B2B) bis hin zu den großen Themen wie zum Beispiel dem „Internet of Things“.

In Deutschland werden wir viel über eine Branche reden: den stationären Einzelhandel. Hier wuchs der Leidensdruck in den vergangenen Monaten nicht zuletzt durch den zunehmenden Online-Handel so stark, dass nun massiv neue Konzepte und Ideen ausprobiert werden.

Veränderte Ladenkonzepte – inspiriert von Events – bei denen das Einkaufserlebnis wieder an erster Stelle stehen soll, werden auch mobile Endgeräte in den Kaufprozess einbinden. Schlagworte wie „Omnichannel”, „Proximity oder Location Based Marketing”, „Inhouse Navigation” und natürlich „Mobile Payment” werden uns durch das Jahr begleiten.

Durch neue Player, die die Logistik-Märkte betreten, kann der Einzelhandel seine Services intelligent erweitern und Kunden an sich binden, sodass wir hier Angebote wie „Same Day Delivery” erwarten können. Am Ende des Jahres werden wir an so mancher Stelle vor veränderten Einkaufswelten stehen, die weitaus digitaler sein werden, als sie sich heute so mancher vorstellen kann.

Alexander Graf

(Foto: Alexander Graf)
(Foto: Alexander Graf)

Der E-Commerce-Experte Alexander Graf ist Herausgeber des Blogs Kassenzone und Gründer des Beratungsunternehmens eTribes sowie Gründer und Geschäftsführer von Spryker Systems.

Härterer Wettbewerb durch zunehmende Konsolidierung

Der Konsolidierungstrend wird 2015 den Wettbewerb weiter verschärfen und verändern. Eine deutlich gewachsene Zahl von Akteuren im Markt trifft auf die weniger stark gewachsene Aufmerksamkeit von Endkunden. Durchschnittliche Geschäftsmodelle und Apps hatten es schon 2014 schwer, Neukunden zu gewinnen. Der Wettbewerb entscheidet sich im kommenden Jahr noch weniger über bestehende Features als über die Fähigkeit, aus dem eigenen Geschäftsmodell heraus schnell neue Ideen an den Markt zu bringen. Das wird auch das Thema Mobile bestimmen. Keine noch so gute mobile Seite kann ein erstarrtes Geschäftsmodell dynamischer machen.

Constanze Buchheim

(Foto: Constanze Buchheim)
(Foto: Constanze Buchheim)

Constanze Buchheim ist Expertin für Recruiting und Führung im digitalen Zeitalter. Sie ist Autorin des Buches „HR Basics für Start-ups“. 2009 gründete sie die i-potentials GmbH, die sich zur führenden Personalberatung für Wachstumsunternehmen mit digitalem Fokus in Deutschland entwickelt hat. Das Unternehmen bietet in zwei voneinander getrennten Unternehmensbereichen Recruiting-Lösungen für die Besetzung von Fach- und Führungspositionen.

Der Wunsch nach Augenhöhe – die vollständige Demokratisierung der Gesellschaft

Jeder, der sich ein wenig mit Führung und menschlicher Interaktion auseinandersetzt, wird bemerkt haben, dass sich Ansprüche an Beziehungen jeder Form massiv verändert haben. Oft wurde das Phänomen als Motiv der Generation Y beschrieben, aber tatsächlich lässt sich das Bedürfnis als gleichberechtigter, mündiger Partner behandelt zu werden, quer durch alle Generationen beobachten: in der Arbeitswelt, in den Ansprüchen gegenüber Politikern und anderen öffentlichen Personen, gegenüber der Industrie. Der Ruf nach Gleichberechtigung und partnerschaftlicher, fairer Behandlung zieht überall ein und wird immer lauter. Er verändert Führungsbeziehungen und vor allem auch das Konzept privater Beziehungen und legt damit den Grundstein für eine massive gesellschaftliche Strukturveränderung. Dabei geht es vor allem um Macht beziehungsweie eine paritätische Machtverteilung in Beziehungen. Zu große Egos, Statusverhalten und Arroganz, aber auch fehlende Ehrlichkeit stoßen auf immer stärkere Ablehnung – die Medien sind voll davon: Debatten um schädliche und bisher verheimlichte Zusatzmittel in Produkten der Konsumgüterindustrie und das Aufdecken von Staatsgeheimnissen durch Edward Snowden sind nur zwei Beispiele, die 2014 deutlich erstarkte Frauenbewegung ein weiterer Beleg. Kernkompetenz im Zeitalter der Demokratisierung des Einzelnen wird es, dieses Bedürfnis zu erfassen und vor allem die Kommunikation darauf anzupassen. Das bedeutet vollständige Transparenz zu schaffen, rechtzeitig und vollständig zu informieren und sich öfter als bisher abzusprechen und die Meinung des Anderen einzuholen – denn jede Meinung zählt.

Thilo Specht

(Foto: Thilo Specht)
(Foto: Thilo Specht)

Thilo Specht entwickelt unter der Marke „cluetrain pr“ Strategien, Konzepte und Geschichten für die digitale Kommunikation. Er berät Unternehmen mit Fokus aufs Social Web. Den Grundstein hierfür legte 1999 der erste eigene Telefonanschluss mittels 56k-Modem.

Die Rückkehr der SoLoMo-Mantras

Aus Akquise-Gründen müsste ich jetzt schreiben, dass es im Online Marketing 2015 natürlich (!) vor allem (!!) um Inhalte (!!!) geht. Die Richtigen, versteht sich. Aber ganz ehrlich: Das sollte mittlerweile überall angekommen sein.

Was uns 2015 indessen sicher das ein oder andere Mal überraschen wird, ist ein alter Bekannter – das Mobile Marketing.

Rund 80 Prozent der 14- bis 29-Jährigen Social-Media-Nutzer greifen mobil auf ihre Netzwerke zu. Vier von fünf Millenials shoppen über Smartphone und Tablet. Rund 80 Mal schauen wir täglich auf das Display unseres Smartphones.

Dazu kommen neue Technologien wie Apple Pay und iBeacons, die das Smartphone noch stärker in unseren Alltag einbinden werden. Ich behaupte: Interaktive Aktionen am Point-of-Sale treffen auf größere Akzeptanz, sobald das Smartphone ein hilfreiches Werkzeug beim Einkauf wird.

Für das Online-Marketing heißt es nun, das angestaubte SoLoMo-Mantra wieder rauszuholen.

Und bitte achtet auf eure Inhalte.

Jan Christe

Jan Christe, t3n-Chefredakteur.
(Foto: t3n)

Jan Christe ist Mitgründer und Chefredakteur von t3n. Ihn fasziniert  Technik in allen Facetten, sowohl Altes (VW T3 Atlantik), Neues (iPhone 6), Digitales (Spotify) als auch Analoges (Kopfhörer). Mehr von ihm gibt es unter anderem bei Twitter und Google+  .

Der große Bitcoin-Boom

Die Kryptowährung wird im nächsten Jahr salonfähig und einen großen Schritt in Richtung Mainstream machen. Nicht nur immer mehr Onlineshops akzeptieren die digitale Währung, vor allem im stationären Handel wird Bitcoin deutlich präsenter werden. Auf Händlerseite ist der Treiber dieser Entwicklung die hohe Transaktionsgebühr, die der Händler bei jeder herkömmlichen Kartenzahlung an das Karteninstitut abführen muss. Mit Bitcoin lassen sich diese hohen Gebühren umgehen. Auf Kundenseite sorgen Initiativen wie die von Ric Ferrer in Hannover für mehr Präsenz und Aufmerksamkeit. Und letztlich werden Tech-Giganten und Startups mit neuen Produkten und Angeboten dafür sorgen, dass Bitcoin der Weg in den Massenmarkt geebnet wird.

Andreas Lenz

(Foto: t3n)
(Foto: t3n)

Andreas Lenz ist Mitgründer und Geschäftsführer der yeebase media GmbH, dem Verlag hinter dem t3n Magazin sowie Co-Gründer der Hardwrk GmbH, einem Hersteller für Apple-Zubehör. Er ist bei t3n für die Bereiche Marketing und Kommunikation verantwortlich und beschäftigt sich tagtäglich mit Zukunftstrends im digitalen Business. Außerdem ist er auf Twitter aktiv.

 

Unternehmen brauchen Produktivitätszentralen

Das Rauschen und der kommunikative Druck in Unternehmen nimmt exponentiell zu. Verantwortlich sind Mails, Xing- und LinkedIn-Nachrichten, Chat-Dienste wie Hipchat und Slack, Social Intranets, Meetings sowie private Netzwerke wie Facebook und WhatsApp. Die Vielzahl der Kommunikationswege hält Mitarbeiter von ihren eigentlichen Zielen und Aufgaben ab oder lässt diese im Nebel von Pings untergehen.

In 2015 werden wir eine Vielzahl neuer Produktivitäts- und Konzentrations-Tools und -Strategien erleben, die darauf abzielen, die Prioritäten der Mitarbeiter konzentriert im Auge zu behalten. Es werden Produktivitätszentralen als neuartige Arbeitsumgebungen entstehen, die dem Management dabei helfen, Mitarbeiter vor dem „Rauschen“ zu schützen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihren Prioritäten klar und fokussiert nachzugehen.

Martin Brüggemann

(Foto: t3n)
(Foto: t3n)

Martin Brüggemann ist Mitgründer und CTO der yeebase media GmbH, dem Herausgeber des t3n Magazins. Er leitet das sechsköpfige Technik-Team und verantwortet die Entwicklung neuer Projekte. Du erreichst ihn unter anderem auf Twitter und Google+.

Content-Commerce, Cloud-Hosting und „DevOps“

Ich sehe drei Trends, die parallel laufen.

Inhalte und Shops rücken näher zusammen, was zu extremen Verbesserungen bei der Shop-Qualität und Kundenzufriedenheit führt, aber auch viele Anbieter vor große Herausforderungen stellt. Stichwort: „Content Commerce“.

Cloudhosting-Lösungen und -Services werden auch in Deutschland zum Standard. Davon profitieren beispielsweise Amazon AWS Deutschland, Profitbricks und jiffybox, aber auch viele ähnlich gelagerte Anbieter. Probleme bekommen klassische Managed-Hosting und Webspace-Anbieter.

Die Rolle des „DevOps“-Mitarbeiters wird die HR-Szene aufmischen. Die bislang ungewöhnliche Mischung aus Entwickler und Administrator gewinnt an Bedeutung, kümmert sich im Unternehmen um die Automatisierung der Server-Konfiguration und optimiert dadurch den Live-Betrieb.

Was ist dein Mega-Trend 2015?

Hier findet ihr noch einmal die Ausgaben der letzten Jahre:

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6 Antworten
  1. von durchgesetzt am 03.01.2015 (11:26 Uhr)

    Man sollte bei solchen Vorhersagen auch immer die Vorhersagen der letzten Jahre noch mal auflisten und durchchechken was sich davon wirklich durchgesetzt hat.

    An den Startups hat sich leider nichts geändert. Warum sollen also plotzlich bessere Startups auftauchen. Ich glaube der Mindestlohn gilt nicht für Praktikanten. Und Gebiete mit höheren Mieten sollten erst mal bezahlbare Wohnraum bauen.

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    • von Lars Budde am 05.01.2015 (14:00 Uhr)

      Da hast du recht, ich habe die Artikel der letzten Jahre noch einmal unter dem Artikel verlinkt.

      Der Mindestlohn gilt im Übrigen auch für Praktikanten. Einzige Ausnahme bilden Praktika, die Teil der eigentlichen Ausbildung sind (bspw. des Studiums) und maximal drei Monate dauern.

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  2. von Heiner am 03.01.2015 (14:05 Uhr)

    Statt "Mega-Trends" nur Allgemeinplätze (2015 Jahr der Startups) und Detailänderungen (Angular.js gewinnt die Javascript-Framework-Wars).
    Da hätte ich von t3n mehr erwartet - oder eigentlich doch nicht...

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    • von Lars Budde am 05.01.2015 (13:58 Uhr)

      Hallo Heiner,

      ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die wirklich großen Veränderungen immer über einige Jahre ziehen, weshalb konservative Schätzungen häufig eine deutlich höhere Trefferquote aufweisen. Die von dir angesprochenen Trends haben sich schon im letzten Jahr gezeigt und deshalb gute Chancen, sich in diesem Jahr durchzusetzen. In meinen Augen handelt es sich dadurch (in der entsprechenden Branche) tatsächlich um einen „Mega-Trend“.

      Viele Grüße,
      Lars

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  3. von Paul am 08.01.2015 (09:47 Uhr)

    Gunter Dueck ist klasse. Ich bin schon ganz gespannt wie sein neues Buch wird. Bisher waren alle seine Bücher sehr professionell und lesenswert.

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  4. von florian.adamczak am 09.01.2015 (10:16 Uhr)

    Ich vermisse hier Drohnen, die mehr und mehr auch für sinnvolle Zwecke eingesetzt werden. Damit lassen sich ganz sicher tolle Videos drehen, die uns Nutzer im Netz für etwas begeistern können.

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