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Kolumne

Mehr Fintech bitte: Was passierte, als ich Geld aufs falsche Konto überwies

(Foto: Shutterstock)

Was haben Standardbriefe und Geldüberweisungen gemeinsam? Als Absender hat man weder Kontrolle noch Informationen darüber, was mit der Sendung passiert. Unser Kolumnist Martin Weigert überwies versehentlich 1.300 Euro an eine falsche Kontonummer. Das Geld war dann erst einmal weg – berichtet er in seiner Weigerts-World-Kolumne.

Wer noch gelegentlich einen Brief verschicken muss, kennt vielleicht das ungute Gefühl, nach dem Einwurf in den Briefkasten nicht sicher sein zu können, ob das Schreiben jemals beim Empfänger ankommt. Für den Absender existiert beim herkömmlichen Brief keinerlei Möglichkeit, den Versandprozess zu verfolgen. Eine falsche Frankierung, eine unleserliche Adresse oder eine nicht existierende Hausnummer können zur Folge haben, dass der Brief nie beim Empfänger eintrifft – ohne dass der Absender darüber eine offizielle Information erhält. Wichtige Dokumente oder Wertsachen verschickt man deshalb lieber per mit Tracking-Code versehenem Einschreiben. Wie schön wäre es, wenn diese Option für Online-Geldüberweisungen existieren würde.

Doch wer Geld an ein Konto bei einer anderen Bank überweist, der verliert ab dem Moment der Bestätigung jede Kontrolle über den Vorgang. Wie beim Briefversand könnte schon ein Vertipper bei der Kontonummer (in Zeiten von IBAN nicht unwahrscheinlich) zu einem Problem werden. Als Absender des Geldes merkt man erst einmal überhaupt nichts.

Einmal kurz nicht aufgepasst …

(Foto: Shutterstock)
Einmal kurz nicht aufgepasst und schon waren 1.300 Euro erstmal verschwunden. (Foto: Shutterstock)

„Erst Tage später bemerkte ich den Fehler. Weg war das Geld.“

Am 9. Mai wollte ich rund 1.300 Euro per SEPA auf ein anderes Konto überweisen. Versehentlich gab ich die Daten eines Kontos an, das ich einige Wochen zuvor geschlossen hatte. Erst Tage später bemerkte ich den Fehler. Da war es schon zu spät, um durch eine Intervention bei der Bank den Zahlungsauftrag noch zu verhindern. Weg war das Geld.

In Telefonaten mit beiden Banken (Absender- und Empfängerbank) hieß es, dass an eine nicht existierende IBAN-Nummer überwiesene Beträge nach ein paar Tagen automatisch zurückkämen. Auch nach zwei Wochen war dies jedoch nicht geschehen. Die Empfängerbank wollte mir keine Information dazu geben, ob mein früheres Konto dort womöglich technisch doch noch existierte und jetzt den Geldbetrag im System zugeordnet erhalten hatte. Also beauftragte ich die Absenderbank mit einem Nachforschungsauftrag, Kostenpunkt: 15 Euro. Dieser Vorgang dauerte dann fast vier Wochen. Auf meine ungeduldigen Anfragen hieß es, dass man auf die Antwort der Empfängerbank warte. Schließlich, am vergangenen Freitag, tauchten die 1.300 Euro wieder auf meinem Konto auf; mit einem Vermerk, dass der Empfänger (ich) kein Konto mehr bei der Bank habe. Fast 40 Tage nach der initialen Überweisung. Angesichts der Tatsache, dass es sich bei elektronischem Geld nur um Einträge in Datenbanken handelt, im Jahr 2016 ein Witz.

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Ein völlig unzeitgemäßes Verfahren

Auslöser für diese Odyssee war ein Fehler meinerseits, keine Frage. Dass es aber sein kann, dass Geldbeträge einfach mal für mehr als einen Monat in den Untiefen des Finanzsystems verschwinden und man als Bankkunde auf manuelle Nachforschungsprozesse der Finanzinstitute angewiesen ist, frustriert mich. Denn man ist sonst im Alltag einfach anderes gewohnt: Wenn ich eine E-Mail an eine nicht existierende Adresse versende, erhalte ich in der Regel umgehend eine Fehlermeldung vom E-Mail-Server. In Messaging-Apps wird mir sofort angezeigt, ob eine Person in der Datenbank überhaupt existiert. Wen es nicht gibt, dem kann ich auch nicht mailen. Selbst beim Telefonieren erfahre ich sofort, ob am anderen Ende überhaupt ein Anschluss existiert.

Wer aber Geld auf ein Konto bei einem anderen Finanzinstitut überweisen möchte, der erhält erst einmal überhaupt kein Feedback zum Vorhandensein des Empfängerkontos. Im besten Fall wird der Betrag nach einigen Tagen fehlgeschlagener Überweisungsversuche dem Absenderkonto wieder gutgeschrieben. Im ungünstigeren Fall geschieht das, was in meinem Fall passierte: Das Geld ist weg und die Bürokratie beginnt. Wer ganz großes Pech hat, der vertippt sich bei der Kontonummer und schickt Geld an eine wildfremde Person. Zeigt diese sich nicht kooperativ, kann nur noch der Gang zum Anwalt die Euros zurückbringen.

Ansprüche wachsen mit digitalem Fortschritt

(Foto: Shutterstock)
Auch die Einführung von SEPA hat nichts an der Problematik geändert, die unser Kolumnist schildert. (Foto: Shutterstock)

Auch die Einführung des Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums (SEPA) ändert nichts an der Tatsache, dass die für Finanztransaktionen zum Einsatz kommende Infrastruktur auf veralteten Prinzipien fußt und zumindest bislang nicht die Art von Echtzeit-Verifizierung und Tracking zu ermöglichen scheint, die man von anderen digitalen Transaktionen gewohnt ist (ich habe die Presseabteilung meiner Bank um Details dazu gebeten, allerdings keine Rückmeldung erhalten). Derzeit ähneln Überweisungen auf Konten anderer Banken tatsächlich dem Versenden von Briefen, also einem tausend Jahre alten Verfahren: Ab dem Moment, an man sie abschickt, weiß man als Kunde nicht mehr, was danach geschieht und ob sie jemals ankommen.

Als Bankkunde wachsen meine Ansprüche an Finanzdienstleistungen in dem Maße, in dem mir andere digitale Services zeigen, was in Sachen Komfort, Effizienz und automatischer Nachverfolgung möglich ist. Schon ein dem Überweisenden zur Verfügung stehender Tracking-Code für eine Überweisung analog zu Einschreiben oder versicherten Paketen wäre eine enorme Verbesserung. Wenn ich Geld überweise, dann wünsche ich mir volle Kontrolle und Transparenz über diesen Prozess. Deshalb applaudiere ich jedem noch so abgefahrenen Fintech-Versuch, die anachronistischen Verfahren im verkrusteten Finanzwesen aufzubrechen.

Weitere Kolumnen-Artikel aus „Weigerts World“ findet ihr hier. Ihr könnt dem Autor auf Twitter folgen, seine kuratierten News zur Netzwirtschaft abonnieren oder seinen wöchentlichen E-Mail-Newsletter mit Leseempfehlungen beziehen.

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14 Reaktionen
Irrelephant
Irrelephant

Das einzig negative was die IBAN / BIC Einführung gebracht hat ist, dass Kontonummer und Empfänger nicht mehr gematcht werden müssen ... aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann hat es mindestens eine Bank von mir vorher auch nicht gemacht.

Es gibt übrigens Ansätze in der Fintech Branche die Tracking etc pp beinhalten, aber dann kommt der Datenschutz auch wieder einen anderen Stellenwert und wir können dann hier einen neuen Bericht lesen :-)

MarcHe
MarcHe

die Abstimmung gibt es doch schon seit Jahren nicht mehr, siehe ua. hier bereits von 2010 - http://www.juraforum.de/forum/t/konto-und-empfaenger-stimmen-nicht-ueberein.306975/

du meinst ein SEPA-tracking? hast du mal URL

SWIFT soll wie oe. modernisiert/ausgebaut werden - (Cloud) - https://youtu.be/ZY4dvok7CnA

Stefan
Stefan

Bei paypal hat eine Rückzahlung auch vier Wochen gedauert. Dabei ging es anders als bei Martin um ein Geschäftskonto, jedoch der Empfänger war auch eine Privatperson. Über die Bearbeitungszeit/Sperrfrist informierte paypal.

Ich denke Verbraucherschutzfristen, Geldwäschepräventionen und die erwähnte manuelle Bearbeitung führten bei den Banken von Martin und paypal zu diesem langen Zeitraum. Bleibt die Frage an Martin, ob er sich zufriedener gefühlt hätte, wenn er eine Info über den Verbleib bekäme aber trotzdem über diesen großen Betrag erst in vier Wochen verfügen kann.

Nobbe
Nobbe

Ich kann die Reaktionen der Vorredner nicht ganz nachvollziehen. Wie der Redakteur ja schrieb, der Ausgangsfehler war seiner, offensichtlich konnte die Prüfsumme der IBAN diese Situation nicht verhindern und vermutlich besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, auch hier zufällig eine Nummer versehentlich einzutippen, die plausibel erscheint, das auch im Poszwesen trotz Tracking-Nummern nicht immer alles reibungslos funktioniert, ändert ja nix an dem herrschenden Anachronismus im Finanzwesen - d.h. schlimmer geht offensichtlich immer!
Aber vor allen Dingen geht/ging es ja darum, darauf hinzuweisen, dass es technisch mit Sicheheit möglich sein sollte, einen gewissen Service zu bieten, der anderswo existiert. Auch oder gerade im internationalen Geldverkehr würde eine Nachverfolgbarkeit sehr hilfreich sein...derzeit haben wir bei uns in der Firma schwierigkeiten, nach zu vollziehen, wo das überwiesene Geld eines Kunden ist (Nachweislich beim Kunden weg, bei uns aber seit zwei Wochen noch nicht eingetrudelt).
Naja, man hat ja oft das Gefühl, das Banken nur dann Service bieten, wenn sie Geld/Personal einsparen oder sie Extragebühren verlangen können. Also ich, stehe voll hinter der Kernaussage des Artikels, das die Banken hier dem Kunden bestimmt ein Mehr an Service biten könnten!

MarcHe
MarcHe

also genau in die Falle getappt, die der Autor bewusst provoziert hat, nämlich dass die IBAN ins rennen geschickt wurde, obwohl diese nicht falsch war/sein kann.
Gerade da die IBAN korrekt war und nur das Konto inaktiv, hat die Retoure halt gedauert.
ein tracking ist nicht so einfach möglich, da dies nicht innerhalb einer Bank/System läuft, sondern viele - da dazwischen ja auch div. Clearing-Stellen wie die Bundesbank (vereinfacht) sich befinden.

In dem von Ihnen geschilderten Fall, müsste man sich die Details ansehen, denn bspw. innerhalb des SEPA-Raums, gibt es gewisse Zeiträume (Zustellpflicht).
Hab es selbst aber schon erlebt, dass die Firmen-Mitarbeiter in der Buchhaltung (leider) keinerlei Ahnung haben und sodann eine Auslandsüberweisung statt SEPA durchgeführt haben, was natürlich neben Mehrkosten auf beiden Seite zu unnötigen Verzögerungen geführt hat.

Nobbe
Nobbe

Sie scheinen da deutlich mehr Ahnung zu haben als ich (meine ich Ernst). Ich halte zwar unser Gespann Logistiker/Buchhaltung für sehr kompetent, aber ich kann natürlich nicht ausschliessen, dass der Grundfegler bei uns liegt. Aber genau da kommt ja meine Kritik her, es passiert (womöglich) ein Fehler und man kann eben nicht kontrollieren, wo das Geld grad steckt.
Wenn man ein Trackingsystem einführen wollte, scheint es nicht so ganz einfach zu sein, das haben sie ja gut beschrieben. ABER, die einführung von SEPA hat ja auch geklappt d.h. mit, zugegeben hohem Abstimmungsbedarf wäre doch eine Einführung z.B. in der EU möglich...wäre ja mal ein Anfang ;-)
Oder was denken sie?

MarcHe
MarcHe

was bringt einem tracking, wenn innerhalb des SEPA-Raums die Zahlung zukünftig an 1 Tag beim Empfänger ist?
Der Wunsch ist evtl. nachvollziehbar, nur das kostet ja auch viel Geld und hat kaum ein Nutzen.

In o.g. geschilderten Fall ist das Geld ja nicht verloren/ verschwunden gewesen, sondern der Vorgang bei der Empfänger-Bank hat zu lange gedauert, denn die Zeit für den Geldtransfer ist doch gesetzlich vorgegeben. Was ist bei der Bank nun passiert? wenn das Konto noch aktiv gewesen wäre, dann wäre dieses am nächsten Werktag gutgeschrieben wurden und alles wäre gut. Da das Konto jedoch inaktiv war, wurde das Geld auf einem Sammelkonto (vereinfacht: Problemfälle) geparkt und hier liegt sodann das Problem, nämlich dass dieser Prozess beschleunigt gehört.

Auch außerhalb des SEPA-Raums ist einiges an Fluss, dass der Staffellauf(!) der Banken von dem einen Land, zu einer Bank im anderen Land schneller geht. Die Banken wurden hier wachgerüttelt durch Bitcoin, Western Unionen, Paypal &Co., die halt innerhalb "ihres Ecosystem" sehr schnell weltweit transportieren können, da es ja im Prinzip keine Ländergrenzen gibt. SWIFT soll hier modernisiert werden siehe ua.: http://realworldchange.swift.com/GPI.cfm?rdct=t bzw. hier als Artikel aufbereitet http://www.it-finanzmagazin.de/swift-grenzueberschreitende-zahlungen-sollen-deutlich-schneller-transparenter-und-berechenbarer-werden-23939/
... weil X Bank Deutschland nach X Bank Mexico (also gleiche Bank in unterschiedlichen Ländern), ist auf Grund der historischen Struktur, nämlich Länder und nicht Konzernweit nicht in wenigen Sekunden durchgeführt.

abschließend: Jeder schimpft wegen SEPA (IBAN/BIC) wobei es im Prinzip sicherer und schneller ist. :-)
also irgendwie muss jeder sich mal an die eigene Nase greifen.

Dh. viele neue Sachen kommen, nur müssen auch die Mitarbeiter/Nutzer/User sich fortbilden, wenn dieser Komfort gewünscht wird.

Nobbe
Nobbe

Danke für die links...muss ich heute abend mal anschauen :-)

Ich hoffe schwer, dass zukünftig, Überweisungen im SEPA-Raum nur noch einen tag dauern. Derzeit dauert bspws. eine Überweisung innerhalb der Sparkasse 2 Tage (von meinem Konto auf das Konto eines Kollegen)...womöglich "nur" ein Ausreisser, aber auch hier scheinen die Banken nicht wirklich interessiert zu sein, das zu Beschleunigen. Ich muss zugeben, das ich von den ganzen internen Abläufen und Regularien von Banken keine Ahnung habe, aber als Kunde sieht man halt...es dauert und dauert und dauert...
Ivh sehe das Trackingsystem nicht als überflüssig an, auch die Kosten können aus meiner Sicht nicht astronomisch sein. Ich gehe davon aus, dass die Banken und Regierungen als ganzes durchaus wissen, wo das Geld grad geparkt ist...ich denke, du kannst das sicher bestätigen oder auch dementieren ;-)

MarcHe
MarcHe

ich hab diesbzgl. nur Basis-Wissen (bin kein Banker o.ä.) und somit muss ich bei deiner letzten Frage passen.

Nobbe
Nobbe

Ah, OK. Trotzdem Danke für die ganzen Infos :-)

Jochen
Jochen

Muss mich leider den anderen anschließen. IBAN hat wie gesagt Prüfziffer + Fintechs sind kein Garant dafür, schlechten Service zu eliminieren. Wahrscheinlich muss man bei sowas einfach nur jemand manuell jemand forschen und den Betrag dann entsprechend auch manuell zurückbuchen. Je nachdem was für ein Bearbeitungsstau es gibt, braucht das halt seine Zeit.

Ich musste mal bei Number26 etwas zurückbuchen lassen und das hat auch paar Wochen gedauert.

MarcHe
MarcHe

Märchen-Stunde bei t3n - yeah!
wenn ein unbedarfter der Beitrag liest, glaubt er div Punkte auch noch.
IBAN ist durch die Prüfziffer sicherer als die alte Konto-Nr.+BLZ

warum wurde die Bank nicht genannt, denn diese ist die Ursache des Problems und auch ohne Nachforschung kam das Geld zurück.
der Artikel könnte auch einfach nur lauten:
"ich hab ein Fehler gemacht und musste 4 Wochen auf meine Geld-Retoure warten" .. und das kann in Sachen Paket trotz tracking auch passieren.

jonas
jonas

Kontonummern werden auch nicht einfach fortlaufend vergeben. Jede Bank vergibt nur bestimmte Nummern, jeweils nach einem eigenen Algorithmus. So können Kontonummern nicht einfach geraten werden, einige Vertipper fallen auch noch auf. Es gibt für Onlineshops da sogar entsprechende Dienste welche Bankverbindungen prüfen. Hilft natürlich bei der Nutzung alter Bankverbindungen nicht :)

skeptiker
skeptiker

In Zeiten von IBAN sind Schreibfehler nicht unwahrscheinlich? In der IBAN ist genau deshalb eine Prüfsumme enthalten damit sowas NICHT passiert... Im gegensatz zum alten Verfahren...

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