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Kolumne

Mehr Frauen in die Digitalbranche: So könnte es klappen

    Mehr Frauen in die Digitalbranche: So könnte es klappen

(Foto: Shutterstock-Monkey Business Images)

Frauen sind in der Digitalbranche in der Minderheit. Es ist Zeit, dass wir das ändern. Und mit „wir“ meint Alain Veuve in seiner Transformiert-Kolumne leider primär Männer.

Fadenscheinige, kleinliche Rechtfertigungen vs. Selbstverständnis

Ich könnte jetzt in diesem Artikel lang und breit erklären, warum Frauen in der Digitalbranche gebraucht werden. Zum Beispiel, dass Frauen genau so gute Programmierinnern, Projektleiterinnen und Testerinnen sind. Oder dass es biologisch keine Unterschiede gibt, die Frauen von der Digitalbranche abhalten.

Oder, dass wir dafür sorgen müssen, dass Ausbildungen im technischen Bereich Frauen schmackhafter gemacht werden. Oder, dass wir in Unternehmen Nebenangebote für Frauen schaffen sollten, die Kinder haben. Oder, dass es einfach viel angenehmer wird, wenn Frauen im Team mit dabei sind. Oder, dass Frauen in Unternehmen in der Regel die ausgewogeneren Entscheidungen fällen.

Das alles könnte ich tun – tue es aber nicht. Weil dieses Detail-Gedöns total am Ziel vorbeischiesst. Und vor allem, weil es nur eine halbwegs richtige Antwort auf diese Frage gibt: Das gehört sich in unserer Gesellschaft im Jahr 2016 einfach. Punkt.

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Mehr Frauen im Technologie-Sektor

(Foto: Shutterstock)
Frauen im Team sind viel wert. (Foto: Shutterstock)

Wie erreichen wir also mehr weibliche Mitarbeiter in unserer Branche? Zuerst einmal könnten wir uns ansehen, was alles getan wird. Beispielsweise die verschiedenen Initiativen der Politik: Eine Forderung nach fixen Quoten ist seit Jahren im Gespräch und wohl auch der Alptraum fast jeden Unternehmers.

Wer will schon eine Frau anstellen, nur, weil sie eine Frau ist, wenn es im spezifischen Fall bessere männliche Kandidaten gibt? Gleichstellung sieht anders aus – wir wollen ja nicht vom einen ins andere Übel pendeln. Und, wäre ich eine Frau, würde ich nicht wegen meines Geschlechts eingestellt werden wollen. Die Motive für solche Initiativen sind wohl hehr – allein die Auswirkungen eher kontraproduktiv.

Bottom-Up

„Heute gibt es viele Frauen im Tech-Sektor – fast 100% an der Empfangstheke der Digital-Unternehmen.“

Wenn wir an diesem Missstand etwas ändern wollen dann müssen wir, die Entscheidungsträger der Branche, etwas dagegen tun. Grundsätzlich bedeutet das, naja, mehr Frauen einzustellen. Damit genug Frauen sich auch in Richtung Tech ausbilden lassen, sollten wir damit beginnen, die Stereotypen aufzubrechen.

Wir könnten also beispielsweise beginnen, vermeintliche Frauen-Jobs wie zum Beispiel Sekretariats–oder Administrationsstellen konsequent mit Männern zu besetzen. Das führt, wie du sicher treffend erkannt hast, erstmal nicht zu einer höheren Frauenquote. Aber es hilft dabei, das Bild der typischen Geschlechterverteilung aufzubrechen. Und das ist mittelfristig das Wichtigste.

In der Schweiz hat sich unter dem Namen „We Shape Tech“ ein Netzwerk von Frauen für Frauen im Tech-Sektor gebildet. Eine großartige und zukunftsgerichtete Initiative, die ruhig auch nach Deutschland und Österreich kommen kann. Bedarf gibt es allemal genug.

Etwas anderes, von dem ich denke, dass es auch Beachtung verdient, ist die Auswahl von Panel-Teilnehmerinnen auf Events. Veranstalter haben die Pflicht, mehr Frauen mit einzubeziehen. Patrick Combeuf (@comboeuf), ein Pionier und Leader in Sachen Digital Transformation in der Schweiz, twittert jeweils unablässig für mehr Frauen-Beteiligung, wenn Veranstaltungen nur mit Männern besetzt werden. Es sind genau diese Botschaften der Thought-Leader, die das Selbstverständnis der Geschlechtergleichheit beim Nachwuchs formen. Wir sollten es ihm alle im Kleinen gleichtun, nicht nur auf Twitter.

Jobs „väterkompatibel“ machen

Eine andere Maßnahme ist jene, dass wir unseren männlichen Mitarbeitern mehr Zeit und Flexibilität einräumen, um ihre Vaterrolle wahrzunehmen. Zum Beispiel, indem wir Teilzeit forcieren. Jeder Vater, der eine aktive Rolle in der Kindererziehung einnehmen kann, „überlässt“ sozusagen einer Mutter mehr Zeit für die Arbeit. Und heutzutage wollen immer mehr Väter diese aktive Rolle wahrnehmen.

Setze auf Mütter

Persönlich sind mir Mütter als Angestellte viel wert. Ganz einfach darum, weil sie schon mal etwas im Leben durchgestanden haben, meist schon an ihre Grenzen gegangen sind und wissen, wo diese Grenzen liegen. Und die allermeisten sind recht gut im Bewahren eines kühlen Kopfs.

Die Oxford University führt das Ranking an. (Foto: David Iliff / CC BY 2.5)
Gerade den Uni-Abschluss in der Tasche und ins Unternehmen? Direkte Abgänger sind nicht immer die beste Wahl. (Foto: David Iliff / CC BY 2.5)

Im Gegensatz zum Studienabgänger, der erst gerade lernt, was im Leben für ihn oder sie wichtig ist, sind Mütter sehr verlässlich. Ich habe wirklich unglaublich gute Erfahrungen gemacht. Klar, der Vorgesetzte muss flexibel sein: Kinder werden krank und bringen eine Vielzahl an Terminen mit sich, an denen die Mutter nicht fehlen darf. Doch im Gegenzug erhält man Mitarbeiterinnen, die voll motiviert, erfahren und eine Bereicherung für jede Firma sind.

Wer, wenn nicht wir

Ich bin überzeugt, dass sich das Problem früher oder später von alleine löst. Um diese Lösung aber zu beschleunigen, so glaube ich, sind wir Unternehmer und Entscheidungsträger in der Digitalbranche die einzigen, die wirklich einen Hebel in der Hand haben. Jeder für sich zwar wohl einen kleinen – aber wie immer macht es die Masse. Lasst uns also heute beginnen. Damit unsere Großkinder in einer (Arbeits-)welt tätig sein können, in dem das Geschlecht keine Rolle mehr spielt.

Finde einen Job, den du liebst

5 Reaktionen
Patrick

Ich denke der Autor hat, obwohl er es gar nicht tun wollte, genug Gründe für Frauen in (Digital-)Unternehmen geliefert. Wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, liegen die Gründe irgendwann auf der Hand. Dennoch sollte man nicht Müde werden sie zu benennen, da nur so verhärtete Denkmuster aufgebrochen werden können.

Es braucht meiner Meinung nach in einem modernen Unternehmen Vielfalt und diese nicht nur bezogen auf das Geschlecht. Das erfordert ein Mikroklima, welches keine Angst vor Veränderung und neuen Impulsen hat. Ich schiele hier ganz gern zu ein paar Tech-Firmen in den Staaten, die Vielfalt zu ihrem obersten Dogma erklärt haben.

Nur weil sich vor den Türen vieler Branchen keine Schlangen aus weiblichen Bewerbern bilden, heißt es nicht, dass man sich im eigenen Unternehmen nicht darum bemühen kann, das nötige Klima zu erzeugen - Angebot und Nachfrage eben.

Ich denke wenn dieses Umdenken stattgefunden hat, kann man die Brechstange in Form einer Frauenquote gern beiseite legen.

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Ribert
Ribert

Die Gründe liegen eben nicht auf der Hand. Entweder bringen Frauen den gleichen Wert wie Männer, oder eben nicht.
Das schöne an der freien Marktwirtschaft, die wir ja im Moment noch haben, ist, dass jeder nach seinen Leistungen bewertet wird. Wenn man diese Leistung nicht bringt, wird man eben nicht eingestellt oder man bekommt weniger Geld.
Wenn man damit unzufrieden ist, muss man sich eben mehr Anstrengen. Wer sich nicht Anstrengt bekommt auch nix. Man kann die Allgemeinheit der Leistungserbringer in einer Gesellschaft nicht für die Missstände der weniger Leistungsfähigen in Verantwortung ziehen.

Benachteiligt wird aufgrund des Geschlechts niemand, dafür gibt es das Diskriminierungsverbot. Gegen die Benachteiligung aufgrund von mangelnder Leistung spricht aber nichts und das ist auch gut so.

Anscheinend sind die Menschen, die sich weiterhin dafür einsetzen dass nicht-Leistung zwangsweise bezahlt werden muss, einfach nur Faul und Innovationsscheu, denn eine Innovation muss vom Menschen ausgehen und die fängt bei den eigenen Überzeugungen und den Handlungen an.

Festgefahren sind die, die kommunistische Interessen im Deckmantel der angeblichen Frauenbenachteiligung in den freien Markt bringen wollen, weil sie anscheinend keine Lust haben RICHTIG zu arbeiten.

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Patrick

Wenn ich in meinen eigenen Reihen für Vielfalt sorge, ergeben sich Vorteile gegenüber denen, die es nicht tun und das auch in der freien Marktwirtschaft.

Das aber erfordert ein Umdenken bei den Entscheidern. Ein Gesetz allein macht Dinge erstmal justiziabel. Als ob Verbote allein Menschen daran hindern Dinge zu tun ...

Leuten, die für Gleichberechtigung und Vielfalt einstehen, Faulheit vorzuwerfen, halte ich argumentativ für ziemlich faul.

HamuSumo
HamuSumo

Warum denn immer dieser Blick auf die Beschäftigungsverteilung? Man bekommt immer das Gefühl, dass Horden von Damen vor der Tür stehen und an dieser klopfen und kratzen, aber keiner macht auf.

Aktuell bin ich der Meinung, man sollte sich da weniger verkrampfen und versuchen mit aller Gewalt Frauen in Branchen und Berufe zu pressen, in denen viele wohl vorrangig nicht wollen und die Energie in Punkte stecken, die allen zugute kommen, wie z. B. die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Antworten
Ribert
Ribert

Interessant, dass jetzt nicht mehr einmal Argumente gebracht werden, warum Frauen angeblich mehr "gebraucht" werden. Es soll einfach so sein, wer das nicht tut ist Rückschrittlich oder ein Mann. Dafür, und für seine geschlechterübergreifende Überdurchschnittlichkeit sollte man sich gefälligst schämen. Warum das so ist braucht keine Diskussion.

Wow, das ist also die "Moderne" in der wir leben.

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