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Warum ein Mentor weniger wichtig ist, als alle glauben [Kommentar]

Warum ein Mentor weniger wichtig ist, als alle glauben [Kommentar]

Immer wieder hört man davon, dass Gründer einen Mentor haben, einen, der sie berät, ihnen den Weg weist, den Erfolg ebnet. Doch was, wenn man einen solchen Mentor nicht findet? Ein Kommentar von Ryan Holmes.

Warum ein Mentor weniger wichtig ist, als alle glauben [Kommentar]

(Foto: Shutterstock)

Ohne Mentor: Der Alleingang des Markus Frind

In diesem Sommer verwandelte der Internet-Gründer Markus Frind „Plenty of Fish“ in „Plenty of Dollars“ – einen Haufen Geld. Im Juli verkaufte Frind seine Firma – eine der größten Dating-Websites weltweit – für 575 Millionen US-Dollar an die Match-Gruppe (Inhaber von Match.com und Tinder).

Markus Frind. (Foto: Plenty of Fish)
Markus Frind. (Foto: Plenty of Fish)

Frinds Erfolg ist umso spannender, weil er ihn fast im Alleingang gestemmt hat. Er hatte keine Investoren, wenige enge Freunde in der Branche und – soweit ich weiß – keinen einzigen Mentor.

Den ganzen heldenhaften Prozess der Erschaffung des eine halbe Milliarde Dollar schweren Dating-Empires hindurch hatte er keine offiziellen Berater und kein „Board of Directors“.

All das hat mich ins Grübeln gebracht über das Konzept des Karriere-Mentorings. Wie konnte ein Gründer wie Frind mehr oder weniger allein so ein Erfolgs-Level erreichen? Ist er etwas Besonderes? Oder steckt hinter dieser Geschichte etwas, was wir über den Nutzen – oder die Nutzlosigkeit – von Mentoren lernen können?

„Wir müssen unsere eigenen Yodas oder Miyagis sein“

Ähnlich wie Frind hatte ich nie auch nur einen einzigen Mr.-Myagi-artigen Mentor, um mich zu führen. Damals, als ich am College Wirtschaft im Hauptfach studierte, erzählte mir jeder, wie entscheidend es sei, einen guten Mentor zu haben. Aber so sehr ich es auch versuchte, ich konnte einfach nicht den richtigen finden. Ich weiß noch, wie ich mich fragte: „Heißt das, dass ich meine Business-Ideen nie werden umsetzen können?“

„Meine Mutter war meine erste und wichtigste Beraterin in geschäftlichen Dingen.“

Wenn ich heute zurückschaue, wird mir klar, dass Mentoren einfach nicht für jeden das Richtige sind. In Wahrheit denke ich, dass es ein großer Teil unser Aufgabe als Gründer ist, auf unsere innere Stimme zu hören – die unterschiedlichen Ideen, Meinungen und Erfahrungen, über die wir stolpern, aufzunehmen und daraus unsere eigene Wahrheit zu machen. Wir müssen sozusagen unsere eigenen Yodas oder Miyagis sein. Die unterschiedlichen, widersprüchlichen Informationen zu filtern und sie in einer Vision zusammenzuführen, ist Teil dessen, was uns als Gründer ausmacht.

Versteh mich nicht falsch: Das heißt nicht, dass ich in meiner Karriere nicht von einer Menge an Unterstützung und Beratung profitiert habe. Meine Mutter zum Beispiel war meine erste und wichtigste Beraterin in geschäftlichen Dingen. Ihre ersten Lektionen, die sie mir über das Gründen erteilt hat, sind für mich immer noch wegweisend. Ich hatte auch das Glück, auf einige echt inspirierende High-School-Lehrer und einen außergewöhnlichen Schulbibliothekar zu treffen, die mir dabei geholfen haben, etwas aus meiner Liebe zu Computern zu machen.

Kein Mentor? Dann bist du noch lange nicht auf dem falschen Weg

Einen Mentor zu finden, kann helfen – es muss aber nicht der zwingende Weg sein. (Foto: Shutterstock)
Einen Mentor zu finden, kann helfen – es muss aber nicht der zwingende Weg sein. (Foto: Shutterstock)

Gleichzeitig kenne ich eine Menge Gründer, die von einem starken Mentoring profitiert haben. Und ich will nicht behaupten, dass es schlecht ist, einen Mentor zu haben. Manche Leute blühen unter der strengen Führung eines vertrauten Beraters auf, einem, der sich eingearbeitet hat und sagen kann, wo es langgeht. Andere bevorzugen es, die Dinge selbst rauszufinden.

Durch meine Stiftung TMBT, die junge Gründer bei der Arbeit an großen Ideen fördert, war ich Mentor für Leute, die viel Input gebraucht und andere, die fast gar keinen benötigt haben. Ihre unterschiedlichen Bedürfnisse für Unterstützung und Anleitung lassen in keiner Weise Rückschlüsse auf ihr tatsächliches Potenzial oder Talent zu.

Mein eigentlicher Punkt ist der, dass die Vorstellung, dass wir alle den einen und einzigen Karriere-Guru brauchen, auf den wir uns einschießen und der all unsere größten Probleme löst, ein Universal-Ansatz ist. Wenn du diesen perfekten Mentor nicht gefunden hast, ist das nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass du auf dem falschen Weg bist oder dass deine Vision zum Scheitern verurteilt ist. Es könnte einfach sein, dass du letztendlich gar keinen brauchst.

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Eine Antwort
  1. von Wirtschafts-Kunde am 23.02.2016 (12:03 Uhr)

    Der Artikel wirkt, als ob man überall liest "mach Dich von einem Mentor/BusinessAngel abhängig" oder "Kauf Windows um Deine Firma groß zu machen" und jetzt unbedingt einen Gegenmeinungs-Artikel veröffentlichen muss.
    Je nach Markt sind Angels o.ä. wichtig. Schreib doch mal besser was in der Startup-Bericht-Erstattung zu 99,999% täglich fehlt. Z.b. das man mal die echten wahren Investoren-Gründe outen sollte durch Steuerberater o.ä. Oder die ständige Bejubelung von Cashburnertum und das am besten noch in Hochpreis-Mietgebieten damit den Mitarbeitern nichts zum Essen bleibt(1) obwohl jetzt viele Firmen Unterschlupf vor der Rezession suchen indem hier inzwischen seit kurzem fast täglich Berichte über Startups stehen welche teilweise schon SEIT JAHREN Profite machen. Oder gestern die Meldung über DIVIDENDEN-AUSSCHÜTTUNGEN bei Xing. Dinge welche viele hier noch nie gesehen haben dürften...

    Zuckerberg hat 54% seiner Stimmrechte und Firmen-Anteile.
    Widenius der MySQL-Gründer hat grade mal EINS komma SECHS Prozent von der Milliarde Verkaufserlös seiner Firma bekommen.
    http://www.gruenderszene.de/allgemein/hacking-business-model ( man suche " utopischen Summen " und sehe wer das Geld bekommt und was für ein Studium wirklich lohnt. )
    Bei Höhle der Löwen sieht man wieso Wirtchaftskunde wicht währe. Inclusive Wahrheit über die Cashburner, Insolvenzen, wahre Lohnverteilung, verbleibt der Investoren-Zillionen(3) usw.
    http://t3n.de/news/deutsche-startup-boerse-hoechste-500567/ ( man suche " 20 Prozent " ). Erinnert an die Goldgräber-Existenzen und die Zillionengewinne der Schaufel/Jeans/...-Verkäufer.

    Interessant wäre also welche Aspekte zu beachten sind und das man überall erfolgreich sein muss wie ein Formel-1-Auto, U-Boot oder Fußballteam oder Volleyball wo eine Fehlbesetzung oder Lücke das Boot sinken lässt bzw. das Spiel verliert. Auch Sparkassen als Klein-Investoren usw. sollten das mehr beachten. Die Steuerberater haben alle Zahlen und sehen was Indikatoren für baldige Insolvenz sind bzw. wo die anderen vergleichbaren Firmen stehen. Gute Finanzämter oder DATEV würden das anonymisiert zB. als Punktwolke wie Prüfung-Ergebnisse oder Formel1-Zeiten oder Punkt-Summe bei Fußball outen und dann erkennt man das profitablere Döner-Shops vielleicht nur halb so viel Fahrtkosten oder 20% weniger Strom-Kosten haben. Gute Finanzämter minimieren die Kosten wie das Gewicht bei Supersportwagen damit die Gewinne also Steuern sprudeln.

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