Twitter bringt sich heute wieder ins Gespräch: Über eine neue API kann man einen Ort und einen Tweet zusammenbringen, Twitter-Gründer Biz Stone spricht (erneut) über die nun kommenden Business-Accounts und erklärt, man habe ebenfalls FriendFeed kaufen wollen. Auch wenn man noch ein sehr junges Unternehmen sei, seien Übernahmen eine realistische Perspektive, sagte er gegenüber VentureBeat. Die Frage ist nur: Haben sie gegen Konkurrenten wie Facebook auf Dauer überhaupt eine Chance?
Die letzten Wochen waren für Twitter hart. Erst entwendet ihnen ein Hacker über 300 interne Dokumente und TechCrunch zitiert genüsslich die interessantesten Passagen daraus. Dann gibt es eine Denial of Service Attacke, die andere betroffene Seiten gut überstehen, nur Twitter legt sie komplett lahm. Schon wurden Rufe laut, ein so wichtiges Thema wie Microblogging dürfe man nicht allein Twitter überlassen.
Vielleicht ist es Zufall, dass Twitter im Gegenzug heute gleich mit drei News unterwegs ist - vielleicht aber auch nicht. Die Gründer Biz Stone und Evan Wiliams spüren sicher den heißen Atem von Facebook im Nacken. Das Social Network legt in Sachen Innovation ein enormes Tempo vor, während Twitter offenbar noch nicht einmal seine Sicherheit und seine Server zuverlässig im Griff hat.
Twitters Erfolg hat selbst die Gründer überrascht. Sie werden wissen, dass dieser Erfolg genau so überraschend wieder weg sein kann. Was jetzt zählt, ist eine solide Grundlage für weiteres Wachstum zu schaffen. Nur: In dem Punkt hat man das Feld bislang den vielen Diensten überlassen, die sich an Twitter angedockt haben. Ironischerweise verdienen die teilweise bereits mit Twitter Geld, nur Twitter selbst noch immer nicht.
Business-Features noch in diesem Jahr
Twitter sei in der ersten Phase, seine Business-Accounts einzuführen, heißt es nun bei VentureBeat. Sie kämen noch dieses Jahr. Biz Stone betont wie bereits früher, dass Twitter insgesamt kostenlos bleibe. Es werde auch keine kostenpflichtigen Zugänge für Firmen geben. Stattdessen will man Features beispielsweise rund um Statistiken gegen Geld anbieten. Darüber hinaus werde es APIs geben, die auf die Interessen und Bedürfnisse von Unternehmen abzielen.
Erst vor Kurzem hatte Twitter eine eigene Seite gestartet, auf der Firmen erklärt wird, wie sie Twitter für sich nutzen können.
„Wir wollten auch FriendFeed kaufen“
Facebooks Kauf von FriendFeed hat für einige Aufmerksamkeit gesorgt. Nun erklärt Biz Stone, man habe ebenfalls über eine Übernahme verhandelt. 50 Millionen US-Dollar hätten sie dafür durchaus auf den Tisch gelegt. Die FriendFeed-Gründer und Gmail-Erfinder Paul Buchheit und Bret Taylor haben sich allerdings offensichtlich anders entschieden. Stone schaut nicht zurück, wie er gegenüber VentureBeat betont, sondern lenkt den Blick auf die Zukunft: „Aufkäufe sind definitiv möglich.“
Mit der Summize-Suche hat Twitter bereits einmal eine Firma aufgekauft - was immerhin zur neuen Twitter-Startseite führte, die nun die Suchfunktion besonders betont.
Neue Location-API verbindet Tweets und Orte
In einer Developer Preview hat Twitter heute zudem eine Location-API angekündigt. Künftig können also Tweets mit einem Ort verknüpft werden - sofern der Nutzer das zulässt. Zunächst wird es dieses Feature nur in Dritthersteller-Programmen geben. Erst danach wird es auch auf Twitters regulärer und mobiler Website eingeführt.
Ortsbezogene Dienste sind definitiv ein heißes Thema. Insofern ist es gut für Twitter, hier mitzumischen. Aber natürlich sehen sie sich auch auf diesem Feld mächtiger Konkurrenz gegenüber. Beispiele sind Google Latitude oder Foursquare.
Fazit
Klar, Twitter bewegt sich. Aber im Vergleich zu Facebook oder Google haben sie selbstverständlich viel weniger Ressourcen. Biz Stone betont gern, dass Google einst auch viel kleiner war als seine damaligen Konkurrenten. Das stimmt, allerdings hatte Google mit seinem neuen Suchalgorithmus ein Pfund, das andere nicht hatten und die Nutzer in Strömen zu der neuen, deutlich besseren Suchmaschine brachte. Ein solches Pfund kann man bei Twitter nur schwerlich erkennen. Twitter bekommt viel Aufmerksamkeit und hat eine wachsende Nutzerbasis. Das aber allein wird nicht ausreichen. Zeit wird's, dass solche grundlegenden Funktionen wie die neue Retweet-API kommen. Nur über die Features kann Twitter seine Konkurrenten auf Distanz halten.
Bildnachweis: Biz Stone von Joi Ito, Lizenz: CC BY
















