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Entwicklung & Design

Microsoft als Rebell: Hat das Schwarz/Weiß-Dogma im Logo-Design ausgedient?

Wie würde hier die Schwarz/Weiß-Variante aussehen? (Foto: © cmnaumann - Fotolia.com)

Es ist nicht immer alles schwarz oder weiß – ganz besonders nicht bei Logos. Ist die Aussage: „Ein Logo muss auch in schwarz/weiß funktionieren“ noch zeitgemäß oder wird es Zeit, dieses Dogma zu überdenken? Ein Kommentar über Logo-Design von Mario Janschitz.

2000 war das Jahr, in dem Microsoft sein eigenes Webportal vorstellte – mit einem Logo, das in der Design-Szene für Aufruhr sorgte. Die horizontale Wort-Bild-Kombination zeigte „msn“ in dunkelblauen Kleinbuchstaben sowie einen stilisierten Schmetterling mit mehrfahrbigen und leicht transparenten Flügeln. Gerade der Schmetterling sorgte für Verwirrung, denn durch die Verläufe und Farbmischungen der transparenten Flügel war das stilisierte Tier nicht wirklich in schwarz und weiß darzustellen – ein absolutes No-Go. Jedenfalls damals.

Microsoft als Logo-Rebell

Microsoft zeigte sich damals aber völlig unbeirrt und behielt das fragliche Logo bis 2011 bei. Selbst nach dem ersten Logo-Update nach elf Jahren blieben die Farben des Schmetterlings gleich – lediglich die Perspektive wurde geändert und der Schmetterling weiter reduziert. Die aktuelle und dritte Version aus dem Jahr 2014 zeigt einen schwarzen Schmetterling – zur Linken der Abkürzung. Traurig dabei ist,  dass sich MSN mit einem ansprechendem Logo, das noch vor dem Web2.0-Hype entstanden ist, zu einer verkümmerten Version seiner selbst zurück entwickelt hat. Zu welchem Vorteil? Damit das Logo auf Displays ohne Farben besser wiedererkannt werden kann? Spaß beiseite: Das ursprüngliche Logo ist in einer Web-Umgebung einprägsamer als die aktuelle Version, nicht nur weil die Farben zum Wiedererkennungswert beitragen, sondern der Schmetterling einfacher zu erkennen ist.

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Bis 2011: Am Beispiel MSN zeigt Microsoft, dass alte und dogmatische Design-Regeln nicht mehr universal zutreffen müssen. (Grafik: Microsoft)

Die Frage, die sich aber stellt, ist: Muss ein Logo heute schwarz/weiß-fähig sein, wenn es hauptsächlich am Bildschirm zum Einsatz kommt? Und vor allem: Muss das Logo in schwarz/weiß exakt das selbe sein wie in Farbe? Ich sage Nein.

Aber wie verhält es sich, wenn eine Darstellung in schwarz/weiß unbedingt von Nöten ist? Natürlich muss, dann auf eine optimale Darstellung geachtetet werden. Allerdings sehe ich das so, dass ein Logo Veränderungen unterzogen werden darf, solange sie das Erlebnis im jeweiligen Farbraum verbessern.

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Ein Logo für jeden Anwendungsfall?

Ich sehe hier Parallelen zum Adaptive- beziehungsweise Responsive-Design: Es ergibt keinen Sinn, zwanghaft eine identische (Content-)Basis für zwei Welten zu schaffen. Und so verhält es sich auch im Logo-Design. Ein Logo kann durch Farbe Mehrwert gewinnen, muss es aber nicht. Wichtiger ist, dass die Marken-Botschaft so neutral wie möglich kommuniziert werden kann, und da kann ein Logo, das – etwas überspitzt ausgedrückt – überall und unter allen (Farb-)Bedinungen funktionieren soll, hinderlich sein. Eine Logo-Version für alles, beziehungsweise einen Mittelweg zu finden, ist höchstens eine durschnittliche Lösung.

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Ich spreche nicht davon, dass zwei verschiedene Versionen eines Logos die Lösung für das Problem sind, sondern davon, dass es durchaus zwei unterschiedliche Varianten geben kann. So wie es zum Beispiel Apple praktiziert. Apple griff jahrelang auf das Logo von 1998 zurück – obwohl es eigentlich auf ein Blaues beziehungsweise ein „graues“ Logo samt Metall-Effekt setzte. Und heute? Die minimalistische Version des Logos hat ein Revival – als „neue“ Ikone der Marke Apple.

Kurzum: Es kommt nicht darauf an, ob ein Piktogram oder eine Wort-Marke zu 100 Prozent in Farbe und in Schwarz/Weiß dargestellt werden kann, sondern was es kommunizieren soll. Bestes Beispiel ist hier wohl BurgerKing, das in Australien nur als „Hungry Jack“ auftritt – um anti-monarchistische Reflexe zu vermeiden. Schlussendlich ist das Logo nur das Transportmittel eines Versprechens an den Kunden, und das sollte optimal kommuniziert werden können – kleinere Änderungen für den jeweiligen Farbraum können hier förderlich sein, egal ob Web oder Print.

Muss ein Logo noch mit dem Gedanken an eine eventuelle „schwarz/weiße“ Umgebungen entwickelt werden – was meint ihr?

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9 Reaktionen
Tobias

Apple, BurgerKing und andere in dieser Größenordnung haben in anderen Dimensionen die Möglichkeit ein Logo nach außen zu tragen. Darum sind Unschärfen (mehrere Logovarianten) nicht so schlimm. Der Elektriker von nebenan sollte die wenigen visuellen Kontaktmöglichkeiten möglichst konsistent nutzen. Und für mich gilt die Schwarz/Weiß-Regel nicht nur, weil der Elektriker vielleicht einen Stempel mit seinem Logo braucht, sondern weil ein Logo das in s/w funktioniert auch prägnanter ist.

Mario Janschitz
Mario Janschitz

Ich denke am Beispiel MSN habe ich gezeigt, dass ein Logo (Bild-Marke bzw. Ikone) nicht prägnanter sein muss, nur weil es S/W ist. Sonst wären auch in Farbräumen die Logos S/W.

Menschen reagieren auf Farben, das ist unser großes Feature im Vergleich zur restlichen Tierwelt.

Tobias_Zachl
Tobias_Zachl

Das msn-Logo ist weder in der alten noch in der neuen Form ein großer Wurf – prägnanter ist auf jeden Fall die neue s/w-Version.

Es gibt für Logos Gestaltungskriterien, die weniger mit Geschmack zu tun haben als viel mehr mit Wahrnehmungspsychologie. Punktuell ändern sich diese Kriterien natürlich mit dem Aufkommen neuer Darstellungsmöglichkeiten. Aber nur weil man Verläufe am Screen sauber darstellen kann, muss man sie nicht im Logodesign verwenden.

Den Satz „Sonst wären auch in Farbräumen die Logos S/W.“ hab ich nicht verstanden.

LG, Tobias

getimo
getimo

Ich kann mich Klaus nicht anschließen. Konsistenz ja. Aber zentimeterdicke CI-Bücher, die alles vorschreiben, haben ausgedient. Ein CI darf durchaus flexibel sein. Und an dem beispiel von Apple kann man das gut erkennen. Oder Jägermeister.

Nata
Nata

Hallo Getimo,
aber genau das Apple-Logo-Beispiel zeigt dass die Form immer gleich ist (ab 1977). Da hat sich nichts großartig geändert. Die Vektorform kann also wirklich universell auf Print, Web, geplotteter Folie, poliert/matt auf der Rückseite des iPhones oder ausgestanzt im Metallgehäuse des MacBooks angewendet werden. Ob da jetzt ein Farbverlauf dabei ist oder nicht macht keinen erheblichen Unterschied. Mario Janschitz zeigt eher in seinem Kommentar was ein Logo vermeintlich ist: "Schlussendlich ist das Logo nur das Transportmittel eines Versprechens an den Kunden". Und das stimmt so nicht, bzw beschreibt nicht annährend was ein Logo ist.

Das tolle an einem Logo sollte doch sein: Identitätsstiftend, die Wiedererkennbarkeit, und die Anwendung auf möglichst verschiedenen Medien ohne sich immer wieder neu erfinden zu müssen.

Mario Janschitz
Mario Janschitz

Leider denkst du viel zu kurz in Bezug auf Logos. Was ist denn Identität? Identität ist die Übereinstimmung mit dem, was sie ist oder als was sie bezeichnet wird. Ein Logo transportiert ein Versprechen; sei es Qualität, Preis, Story etc. oder ganz schlicht: Was man dort kaufen kann. Jedenfalls etwas, das in uns Emotionen weckt oder damit assoziiert werden kann.

Beispiel Apple: Es ist erwiesen, dass Bilder von Marken, bzw. die auslösenden Emotionen, Kaufentscheidungen auch dann noch beeinflussen, wenn man das Logo nicht mehr vor Augen hat. So werden Dinge mit „innovativ“ assoziert, nachdem die Testerpersonen dem Apple-Logo ausgesetzt wurden.

Klaus
Klaus

Die vergleiche mit responsive Design und BurgerKing wirken auch irgendwie deplatziert.
Ich bin zwar kein Logo-Experte, aber für mich als Konsument/Kunde ist ein Logo schon ein wichtiges Instrument/Erkennungsmerkmal/Statussymbol etc.
Eine renommierte Firma kann es sich einfach nicht erlauben, da inkonsequent/-sistent zu sein.
Man kann es auch andersrum formulieren:
Nur damit ein Logo auf einem Fax (oder wo sonst brauchst man es in s/w?) auch perfekt zur Geltung kommt, mit Sämtlichen Traditionen oder firmenphiöosophien zu brechen und verschiedene Logos zu vermarkten, halte ich für höchst verwerflich.

Mario Janschitz
Mario Janschitz

„Nur damit ein Logo auf einem Fax (oder wo sonst brauchst man es in s/w?) auch perfekt zur Geltung kommt, mit Sämtlichen Traditionen oder firmenphiöosophien zu brechen und verschiedene Logos zu vermarkten, halte ich für höchst verwerflich.“

Das hat auch keiner geschrieben.

lrrm

"Schlussendlich ist das Logo nur das Transportmittel eines Versprechens an den Kunden"

Komisch, und ich dachte da geht es um identität und haltung.

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