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Interview

Microsoft-Deutschland-Chefin Bendiek: „Im Grunde meines Herzens bin ich Nerd“

    Microsoft-Deutschland-Chefin Bendiek: „Im Grunde meines Herzens bin ich Nerd“
Microsoft-Chefin Sabine Bendiek. (Foto: Microsoft)

Im Interview spricht  Sabine Bendiek über die neue Liebe von Microsoft zu Linux, den teils verschlafenen Mittelstand bei der digitalen Transformation und ihre eigenen Programmierfähigkeiten.

 t3n.de: Mit Satya Nadella als CEO hat es einen Wandel gegeben – Microsoft-Produkte werden nun häufig auch auf iOS und Android veröffentlicht. Sind das jetzt vielleicht sogar die wichtigsten Plattformen für Microsoft?

„Linux macht übrigens ein Drittel unserer Workloads bei unserer Cloud-Plattform Azure aus“

Sabine Bendiek: Nein, also ganz ehrlich – Windows 10 ist mit Sicherheit unsere wichtigste Plattform. Auf die sind wir stolz, in die haben wir richtig viel investiert und sie ist die erste Plattform, die über die gesamte Breite unserer Hardware funktioniert. Und unserer Meinung nach ist es auch das sicherste Betriebssystem, und wir empfehlen jedem Kunden, auf Windows 10 zu setzen. Aber – und das ist die Vision von Satya Nadella – wenn wir jede Organisation und jeden Menschen befähigen wollen, mehr zu tun, dann sollten wir im Nachsatz nicht sagen: „... solange er Windows 10 im Einsatz hat.“ Wer unsere Tools einsetzen will, sollte dazu in der Lage sein – auch auf den anderen großen Betriebssystemen im Markt. Und das gilt nicht nur für iOS und Android, sondern auch für Linux. Linux macht übrigens ein Drittel unserer Workloads bei unserer Cloud-Plattform Azure aus – das ist ganz schön viel. Auch diese Öffnung war wichtig für uns. Wir bekennen uns dazu, dass jeder Mensch seine eigene Entscheidung treffen kann, auf welches Ökosystem er setzen will.

t3n.de: Und die mobile Windows-Plattform? Versucht Microsoft, die noch am Leben zu erhalten?

Die lebt ja. Also man muss da einen Unterschied machen. Das eine ist die Hardware, das andere Windows 10 Mobile ...

t3n.de: Mit den Surface-Geräten und so weiter ...

Genau. Und in diesem Bereich sind jetzt auch eine ganze Reihe von Hardware-Partnern unterwegs – inzwischen auch gut unterwegs. Mobil ist ein ganz wichtigstes Thema für uns und wird es auch bleiben – immer aus dem Gedanken heraus, dass Nutzer von überall aus auf ihre Anwendungen zugreifen wollen. Die Stärke der Windows-10-Plattform liegt in der Breite über alle Geräte.

t3n.de: Liegt die Stärke von Microsoft nicht eher im Bereich Desktop und vielleicht noch Tablets und Notebooks, aber bei Smartphones sieht es schlecht aus?

Da sind wir wieder bei der Hardware. Bei der Hardware hast du natürlich recht – da haben wir eine Erfolgsgeschichte mit den Surface-Geräten geschrieben. Wir nehmen ja auch Apple gerade Marktanteile im Premiumbereich ab. Im Hardware-Bereich ist unser Fokus ganz klar die Two-in-One-Kategorie, um zu zeigen, was mit einem modernen Betriebssystem möglich ist. Zu den wichtigsten Funktionen, die die Surface-Geräte so erfolgreich machen, gehört ja, dass man damit sowohl die Tastatur als auch einen Stift und den Touchscreen zur Eingabe nutzen kann. Mit den Two-in-Ones wollen wir sicherstellen, dass es Premium-Hardware gibt, die demonstrieren kann, was alles geht. An den Marktzahlen zu Windows 10 sehen wir, dass sich der Markt hier zum ersten Mal seit langem ins Positive gedreht hat. Und was die Smartphones angeht – das ist kein Geheimnis, die sind erst mal ausverkauft. Unser Ziel ist es, da mit Hardware-Partnern wie HP in den Business-Bereich zu gehen. Im geschäftlichen Umfeld funktioniert das sehr gut.

t3n.de: Als Konsument kann ich heute kein Windows-Smartphone mehr kaufen?

Doch, wir entwickeln Windows 10 Mobile weiter und unterstützen aktuelle Windows-Smartphones. So auch zum Beispiel Geräte unserer OEM-Partner wie Acer oder HP. Das, was wir im Business-Umfeld machen, das wird im Marktanteil nicht abgebildet. Deswegen sieht Windows auf dem Smartphone nischiger aus, als es ist, aber wir wollen es nicht schön reden.

„Manche Mittelständler glauben, digitale Transformation heißt Papier durch Computer ersetzen“

t3n.de: Aber wer programmiert jetzt noch Apps für die Smartphone-Windows-Plattform?

Das braucht niemand, weil das ja Windows 10 ist. Die Universal-Apps von Windows 10 laufen plattformübergreifend – das ist ja der Witz an der Sache. Das Problem ist nur: Es gibt halt noch relativ wenig Universal-Apps. Aber wer auf Windows 10 eine Universal-App schreibt, kann die sehr einfach auf unterschiedliche Plattformen schieben. Das ist auch fürs Gaming sehr spannend.

t3n.de: Satya Nadella hat ja noch in anderer Hinsicht Akzente gesetzt und sich deutlich zum neuen US-Präsidenten Donald Trump geäußert – wie wirkt sich Trump auf Microsoft Deutschland aus?

Im Moment tatsächlich eher im positiven Sinne, weil die Aufmerksamkeit für die deutsche Microsoft-Cloud noch größer geworden ist. Unser Treuhand-Modell mit deutschen Cloud-Servern bei T-Systems, Tochter der Deutschen Telekom, ist eine Möglichkeit, in Zeiten einiger Unbekannten sicherzugehen, dass man das Richtige tut. Und beim Thema Reisebeschränkung ist es ja zum Glück im Moment so, dass Trump auf eine sehr wehrhafte Demokratie und entsprechende Jurisdiktion trifft. Der „Travel Ban“ ist ja immer wieder kassiert worden. Sowohl von unserem Justiziar Brad Smith als auch von Satya Nadella selbst gibt es die Aussage, dass das aus ihrer Sicht nicht das Richtige für die USA ist. Und wir haben uns ja auch an der Klage des Staates Washington beteiligt.

t3n.de: Viele Mittelständler haben sich ja schon vor Trump vor der Cloud gefürchtet – zum Beispiel, weil sie Angst vor Wirtschaftsspionage haben. Gibt es Zahlen dazu, wie gut sich das Cloud-Geschäft entwickelt hat, seit es bei Microsoft das Angebot der deutschen Server bei der Telekom gibt?

Kundenzahlen veröffentlichen wir nicht. Aber es gibt ein sehr großes Interesse für dieses Modell, interessanterweise nicht nur in Deutschland, sondern auch außerhalb davon.

t3n.de: Auch im Ausland gibt es Interesse für die Server in Deutschland?

Ja, wir haben aus vielen anderen Ländern auch sehr großes Interesse. Es ist aber eine souveräne deutsche Cloud, das heißt, die Daten verlassen die beiden Rechenzentren in Deutschland nicht. Insgesamt hilft uns das Angebot sehr, den Kunden die Cloud überhaupt näherzubringen und Ängste zu nehmen. Die fühlen sich besser, weil sie nachvollziehen können, wo die Daten sind. Und wer Zugriff auf die Daten haben will, muss über die deutsche Rechtsprechung gehen – das ist für viele sehr relevant, weil es um Kundendaten und natürlich Geschäftsgeheimnisse rund um geistiges Eigentum geht.

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Eine Reaktion
Sergar uenal
Sergar uenal

....dieses sinnfreie Cloud Geblubbere ...letztlich geht es allen anbietern von entsprechenden Services um das generieren von wiederkehrenden Miet- vs. einmaligen Lizenz Einnahmen. Um die deutschen Unternehmen, die sich bislang klug verhalten, nun in den Vendor-Lock-in zu bekommen, wird der Eindruck vermittelt: wer nicht auf die cloud setzt verpasst die digitale Transformation. Zu allem Überfluss ist die Microsoftlösung sehr unzuverlässig, zahlreiche Ausfälle alleine in den letzten drei Wochen zeichnen hier ein klares Bild. Die Informationspolitik bei ausfallsituationen lautet schlicht und ergreifend: schweigen. Die von Microsoft angebotenen Tools zur Überwachung der Services melden durchweg online.

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