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Microsoft Ventures im Portrait: Der Accelerator, der keine Unternehmensanteile will [Interview]

Microsoft Ventures im Portrait: Der Accelerator, der keine Unternehmensanteile will [Interview]

kämpft immer noch mit einem eher konservativen Ruf innerhalb der IT-Szene. Der Konzern versucht dagegen anzukämpfen und investiert immer mehr in . Wir trafen den General Manager von Microsofts Accelerator-Programm.

Microsoft Ventures im Portrait: Der Accelerator, der keine Unternehmensanteile will [Interview]
(Quelle: Microsoft)
p Für Gründer mit guten Ideen und wenig Geld gibt es heutzutage zum Glück etliche Startup-Accelerator-Programme. Diese Einrichtungen helfen jungen Unternehmen dabei, möglichst schnell und effektiv zu wachsen. Egal, ob es dabei um die technische Weiterentwicklung eines Produktes, die Vermarktung oder den Kontakt mit neuen Kunden und Investoren geht. Die meisten und bekanntesten dieser Accelerator-Programme kommen natürlich aus den USA. Die Posterboys dieser Branche hören zum Beispiel auf die Namen „Y Combinator“ oder „TechStars“ und haben einen elitären Ruf, bedingt durch die harten Auswahlkriterien und die große Aufmerksamkeit, die den Mitglieder-Startups zuteil wird.

Seit Ende 2013 unterhält Microsoft Ventures auch einen Accelerator in Berlin. (Quelle: Microsoft)
Seit Ende 2013 unterhält Microsoft Ventures auch einen Accelerator in Berlin. (Quelle: Microsoft)

Accelerator-Programme wollen üblicherweise fünf bis zehn Prozent der Unternehmensanteile

Natürlich wollen die Accelerator-Programme dafür auch immer eine Gegenleistung haben. Üblicherweise nehmen sie den Unternehmen rund fünf Prozent der Anteile ab und hoffen diese innerhalb von wenigen Jahren gewinnbringend veräußern zu können. Meistens geben sie dafür Seed-Kapital im fünfstelligen Dollar-Bereich, Büroräume und Zugang zu ihrem Kontakt-Netzwerk. Dieser Netzwerk-Aspekt ist oft der wertvollste Teil des Deals.

Rahul Sood ist General Manager von Microsoft Ventures. (Foto: Moritz Stückler)
Rahul Sood ist General Manager von Microsoft Ventures. (Foto: Moritz Stückler)

Microsoft Ventures: Alle Risikokapital- und Startup-Programme unter einem Dach

Vor rund einem Jahr hat auch Microsoft ein solches Accelerator-Programm ins Leben gerufen. Unter dem Namen „Microsoft Ventures“ fasste der Redmonder Konzern seine bisherigen Anstrengungen in diesem Bereich unter einem Dach zusammen. Eines der Standbeine von Microsoft Ventures ist das erwähnte Accelerator-Programm, dass sich in vielen Punkten von der Konkurrenz unterscheidet. Wir haben uns vom General Manager von Microsoft Ventures, Rahul Sood, das Microsoft-Accelerator-Programm vorstellen lassen. Sood kennt sich selber bestens mit Startups aus – er gründete in den Neunzigern „VoodooPC“, einen beliebten Hersteller von Gaming-PCs, und verkaufte die Firma später erfolgreich an HP.

Microsoft will keine Gegenleistung

Das offensichtlichste Alleinstellungsmerkmal des Microsoft Ventures Accelerator ist, dass von den Unternehmen, die gefördert werden keine Gegenleistung eingefordert wird. Microsoft beansprucht keinerlei Unternehmensanteile für sich und will auch sonst keine Entlohnung für seine drei bis sechsmonatigen Accelerator-Klassen haben. Das Unternehmen aus Redmond bietet den Startups dafür allerdings auch nicht zwangsläufig eine Finanzierung an. Allerdings kommt es durchaus vor, dass nach dem Ende der Accelerator-Phase in manche der Zöglings-Unternehmen investiert, aber nur nach beiderseitigem Einverständnis und zu individuellen Konditionen. Nach eigener Aussage will Microsoft mit einem solchen Programm die Unternehmen der Zukunft entdecken und fördern, und verspricht sich langfristig dadurch wohl neue Kunden, auch wenn die Unternehmen und ihre Produkte über keinen Bezug zu Microsoft verfügen müssen.

Microsoft Ventures Accelerator: Sieben Standorte auf der ganzen Welt

Der zweite große Unterschied mit dem sich der Microsoft Ventures Accelerator von der Konkurrenz abhebt, ist sein internationaler Anspruch. Meistens ist es für kleine Firmen logistisch sehr schwer, bei einem Accelerator in einem anderen Land oder auf einem anderen Kontinent unterzukommen. Im Erfolgsfall nehmen Firmen oft einen Umzug für einen Accelerator-Kurs auf sich. Für andere Unternehmer aus dem Ausland gibt es aber oft überhaupt keine Möglichkeit, an einem Accelerator teilzunehmen. Außerdem ist das Angebot solcher Programme außerhalb von Nordamerika und Europa noch sehr dürftig.

Microsofts Accelerator ist inzwischen an sieben verschiedenen Standorten vertreten. (Screenshot: microsoft.com)
Microsofts Accelerator ist inzwischen an sieben verschiedenen Standorten vertreten. (Screenshot: microsoft.com)

„It's a lot of fun being in Berlin and see what's happening there.“

Deswegen hat sich Microsoft dazu entschieden, sein Accelerator-Programm weltweit auszurollen. In sechs Städten hat sich der Accelerator schon eingerichtet: Berlin, Bangalore, Peking, Tel Aviv, London, Paris und neuerdings auch in der Firmenzentrale von Microsoft, in Redmond. Damit besetzt Microsoft einige der spannendsten Startup-Zentren auf dem Planeten. Vor allem den Niederlassungen in Indien, China und dem mittleren Osten wird eine goldene Zukunft vorausgesagt. Dort gehört Microsofts Accelerator laut eigener Angabe bereits zu den beliebtesten Programmen innerhalb der jeweiligen Länder.

Aber auch für Berlin sieht Rahul Sood eine spannende Zukunft. Trotz Problemen mit der deutschen Mentalität wenn es um unternehmerisches Scheitern und das noch nicht erwachsene Ökosystem von Investoren geht, ist Berlin ein wichtiger Eckpfeiler des Programms, so Sood. Wir haben ihn nach seiner Meinung zum Startup-Standort Berlin befragt, und außerdem nachgehakt, wieso Microsoft eigentlich keine Niederlassung im Silicon Valley eröffnet.

Microsoft Ventures Accelerator: Besonders gut im Customer Development

Je nach Standort dauern die Accelerator-Kurse jeweils zwischen drei und sechs Monaten und den Jungunternehmern stehen zwischen 22 und 155 erfahrene Mentoren zur Seite. Besonders stolz ist Rahul Sood auf die Stärke seines Accelerators im Bezug auf „Customer Development“. Der Accelerator soll junge Unternehmen mit der etablierten Kundenbasis von Microsoft zusammenführen – ein Mehrwert den viele andere, jüngere Accelerator-Programme nicht bieten können. Zwei Mal im Jahr nimmt Microsoft Ventures neue Bewerbungen für die Sommer- und Winterklassen des Accelerators entgegen. Manche der Standorte fokussieren sich auf einen bestimmten Geschäftsbereich. Der neuste Accelerator in Redmond wird zum Beispiel nur Startups aus dem Bereich „Smart Home“ aufnehmen. Andere Standorte verfügen über keine solche Spezialisierung.

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