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Kolumne

Was eine Milliarde iPhones für die Welt bedeuten [Kolume]

(Foto: t3n)

Die Welt hat sich verändert – und Apple hat eine Milliarde iPhones verkauft. Martin Weigert erklärt in seiner Kolumne Weigerts World, was das miteinander zu tun hat.

Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen – dieses bekannte Sprichwort passt gut zur allgemeinen Wahrnehmungslage der heutigen Welt. Wer bewusst das Geschehen um sich herum beobachtet, der merkt, dass sich Dinge grundlegend ändern. Die altbekannte Ordnung und für selbstverständlich gehaltene Strukturen geraten ins Wanken. Manche identifizieren die aktuelle Entwicklung als irgendwie geartete Folgen des Internets – meiner Meinung nach zurecht.

Es erscheint aber deutlich schwerer, konkret zu erfassen, was genau eigentlich gerade passiert. Die Feststellung, dass es sich um die Konsequenzen des vernetzen, digitalen Zeitalters handelt, wirkt vage und klischeebeladen. Sie würde als Erklärungsversuch nur diejenigen überzeugen, die ohnehin bereits überzeugt sind.

Eine Milliarde verkaufte iPhones in neun Jahren

Doch dank Apple gibt es eine viel prägnantere Erklärung. Genauer gesagt dank des jüngsten Meilensteins von einer Milliarde verkauften iPhones seit dem Launch der ersten Variante 2007. Das iPhone ist damit das beliebteste Produkt aller Zeiten, schreibt der Aysmco-Blog. Auch wenn es sicherlich andere Güter gibt, die über ihren gesamten Lebenszyklus betrachtet mehr als eine Milliarde Mal über den Ladentisch gingen. Keinem Produkt mit Signifikanz aber gelang ein solches Kunststück in gerade einmal neun Jahren. Neun Jahre! Diese kurze Zeitspanne allein dient als klares Indiz dafür, dass das 21. Jahrhundert anders tickt.

Wäre LeEco-CEO an der Spitze von Apple, hätte das iPhone SE nicht vorgestellt. (Foto: t3n)
Das iPhone ist nicht einfach irgendein Gadget, es ist ein extrem leistungsfähiger Mini-Computer. (Foto: t3n)

Das eigentlich Überwältigende ist allerdings, um was für ein Produkt es sich handelt: Das iPhone ist nicht einfach irgendein Gadget, das bei Anwendern sporadisch für spezifische Zwecke zum Einsatz kommt. Das iPhone ist ein extrem leistungsfähiger, multifunktioneller Mini-Computer, der unentwegt – in nahezu jeden wachen Augenblick – aktiv oder passiv Verwendung findet. Ein Mini-Computer für die Hosen- oder Handtasche, der rund um die Uhr mit dem Internet und dadurch mit jedem anderen Smartphone-Nutzer auf diesem Planeten verbunden ist. Gemäß aktueller Hochrechnungen sind wir nur noch einige Jahre von einem Zustand entfernt, bei dem jeder Erdenbürger und jede Erdenbürgerin ein Smartphone besitzen wird.

Ein kurzer Einschub an dieser Stelle: Das iPhone ist bekanntlich nicht das einzige Smartphone. Global betrachtet besitzen weitaus mehr Menschen ein Android-Gerät. Jede Aussage aus diesem Text trifft auf jedes aktuelle Smartphone zu. Das iPhone und der symbolisch schwergewichtige Meilenstein illustrieren den einzigartigen Aufstieg dieses Produkttyps lediglich auf eine besonders starke Art und Weise. Zudem handelt es sich bei dem Apple-Smartphone um das erste marktreife Smartphone, das die Bezeichnung „smart“ verdiente. 2006 besaß niemand ein derartiges Gerät. Zehn Jahre später befinden sich mehr als zwei Milliarden Menschen im Besitz eines Smartphones. Ohne das iPhone wäre dies nicht passiert – auch wenn früher oder später mit Sicherheit ein anderer Anbieter diese Art Gadget „erfunden“ und zu einem globalen Verkaufshit gemacht hätte.

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Smartphones erschaffen den vernetzten Menschen

Das zeitgemäße Smartphone – ob nun mit iOS, Android oder einem anderen System – verwandelt den Besitzer in ein vernetztes Individuum. Es stellt eine regelrechte Verbindung eines Gehirns mit allen anderen Gehirnen von Smartphone-Nutzern auf der Erde her. 24 Stunden am Tag, abzüglich Schlaf- und Ruhezeiten. Bevor das Smartphone Einzug in unseren Alltag hielt, waren die Kommunikationsfähigkeiten von Menschen abseits ihrer Festnetzanschlüsse auf Personen in der physischen Umgebung sowie – seit der Markteinführung des Handys – auf SMS und Anrufe begrenzt. Der Zugang zu Informationen war ebenfalls begrenzt, besonders wenn es um Tagesaktuelles ging.

Mit dem konstant vernetzten Smartphone begann eine neue Zeitrechnung. Es ermöglichte jeder Person, jederzeit und an fast jedem Ort an einer One-to-Many-Kommunikation teilzunehmen. Es gab Besitzern die Fähigkeit, jede Art von Information (Text, Bild, Audio) mit allen anderen Menschen auszutauschen, mit ihnen zu interagieren, zu diskutieren, sich zu organisieren, zu formieren sowie Ideen und Weltanschauungen anzupreisen. Immer, von überall aus. Das internetfähige Smartphone führte zu einer massiven Schwächung der alten Gatekeeper aus dem Bereich der Medien und Informationsvermittlung. Smartphone-User konnten plötzlich zu erlebnisreichen, kritischen und nachrichtenrelevanten Ereignissen direkt miteinander in Kontakt treten. Sie waren dafür nicht mehr auf die bisherigen Institutionen und die Rahmenbedingungen der bisher existierenden Technologien angewiesen. An die Stelle der alten Gatekeeper traten freilich neue. Aber jede(r) konnte nun selbst zum Gatekeeper werden. Entweder als Anbieter einer technischen Plattform, um Smartphone-Anwender miteinander in Kontakt treten zu lassen, oder als Meinungsführer, Influencer, Social-Media-Star oder Initiator von Bewegungen und ideologischen Gruppierungen.

„Das Smartphone ist der Durchbruch für das vernetzte Zeitalter.“

Viele dieser beschriebenen Eigenheiten und Aktivitäten waren zwar schon seit der Erfindung des kommerziellen Internets realisierbar. Dennoch spricht einiges dafür, das Smartphone als Katalysator und echten Durchbruch für das vernetzte Zeitalter anzusehen. Gerade in Entwicklungsländern stellt das Smartphone für viele Menschen das erste Gadget überhaupt dar, mit dem sie Internetzugriff haben. PCs kamen dort nie über den Status von Luxusgütern und Arbeitswerkzeugen von Firmen hinaus. Zudem erforderte das stationäre Internet, dass Menschen sich an einem festen Punkt aufhalten mussten, anstatt ihr Leben frei zu leben. Und nicht zuletzt lassen sich einige der prominentesten und revolutionärsten Einsatzfelder des Smartphones kaum oder gar nicht am Notebook oder Desktop-PC abbilden. Das Aufnehmen von Videos und Fotos an Ort und Stelle, Livestreaming, die Verwendung ortsbasierter Dienste, Kartenanwendungen, spontane Gruppenkonversationen: Für all diese Dinge musste erst das Smartphone auf den Markt kommen, um ihr Potenzial zu heben. Im stillen Kämmerlein vor dem Bildschirm zu sitzen und E-Mails abzurufen, zu spielen oder die Sportnachrichten zu lesen, hat mit den Use-Cases von Smartphones wenig gemein.

Kollektives Bewusstsein, kollektive Erlebnisse

Apple iMac Retina 5k
Mit dem „Desktop-Internet“ wurde die Distinktion zwischen Online- und Offline-Welt eingeführt. (Bild: Apple)

Mit dem Aufkommen des „Desktop-Internets“ wurde die Distinktion zwischen Online- und Offline-Welt eingeführt – die Unterscheidung zwischen „Cyberspace“ und „realem Leben“. Das Smartphone vereint diese beiden Sphären. Jetzt gibt es nur noch einen Zustand: Milliarden Menschen, deren Gehirne, kognitive Kapazitäten, Gedanken, Emotionen und Erlebnisse über Smartphones miteinander verbunden sind.

Eine solche Konstitution hat es noch nie gegeben. Selbst die Erfindung des Buchdrucks erscheint da verhältnismäßig moderat. Es vergingen Jahrhunderte, bis dessen Wirkung sich voll entfaltet hatte. Im Smartphone-Zeitalter, das durch stetig zunehmende Exponentialität geprägt ist, wird weitaus weniger Zeit vergehen. Mit eben jenem Gerät hat die Menschheit sich ein wegweisendes „Upgrade“ spendiert, das zu einem einzigartigen Zustand der vernetzten Existenz, des vernetzten Bewusstseins und der vernetzten Interaktion führt. Wir stehen am Anfang einer Phase, in der sich die Wirkungen dieses wahrlich revolutionären Ereignisses entfalten. Eine Phase des wilden, unstrukturierten Herumexperimentierens und der unerwarteten Implikationen. Dass es da zu Spannungen und unerwünschten Nebenwirkungen kommen muss, liegt auf der Hand.

Insofern: Die Bäume, das sind die vielen Ereignisse und Trends, die zumindest indirekt miteinander in Verbindung zu stehen scheinen. Der Wald, das ist das Smartphone, das jeden Menschen zeitgleich mit jedem anderen Menschen vernetzt.

Weitere Kolumnen-Artikel aus „Weigerts World“ findet ihr hier. Ihr könnt dem Autor auf Twitter folgen, seine kuratierten News zur Netzwirtschaft abonnieren oder seinen wöchentlichen E-Mail-Newsletter mit Leseempfehlungen beziehen.

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3 Reaktionen
Crap
Crap

Eine Milliarde verkaufte iPhones bedeutet lediglich, dass im Idealfall eine Milliarde Deppen existieren könnten, die eins gekauft haben.

Die Realität ist bitter:
es gibt weit weniger Deppen, weil die meisten davon unverbesserlich und unbelehrbar ein iPhone nach dem nächsten kaufen.

Dieses Phänomen ist unter der Bezeichnung Applestarrsinn bekannt.

Hans
Hans

Noch in 500 Jahren wird man sich an sie erinnern:
1941 - Konrad Zuse - Computer
1989 - Sir Tim Berners-Lee - WorldWideWeb
2007 - Steve Jobs - iPhone

David

Man sollte jetzt groß ins Orthopädie und Chiropraktiker Geschäft einsteigen..1 Milliarde Kunden nenne ich ein gutes Potential für Halswirbelsäulen Gymnastik ;-)

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