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Mindestlohn: Keine Katastrophe für die deutsche Startup-Szene [Kommentar]

Mindestlohn: Keine Katastrophe für die deutsche Startup-Szene [Kommentar]

Seit knapp einem Monat gibt es in Deutschland den Mindestlohn, und noch immer reißen die negativen Stimmen – auch aus der Startup-Szene – nicht ab. Aber ist der Mindestlohn für unsere Gründer wirklich untragbar?

Mindestlohn: Keine Katastrophe für die deutsche Startup-Szene [Kommentar]

Der Mindestlohn trifft auch deutsche Startups. (Foto: Shutterstock)

Die Startup-Szene und der Mindestlohn: Ein unbequemes Verhältnis

Seit dem ersten Januar ist der Mindestlohn in Deutschland Realität. Besonders umstritten blieb bis zuletzt die Regelung für Praktika, die auch viele Vertreter der Digitalbranche unmittelbar betrifft und die insbesondere vor große Probleme stellt. Nach dem nun geltenden Gesetz sind Praktika, die nicht länger als drei Monate dauern, vom Mindestlohn ausgenommen – alles, was darüber hinausgeht, muss mit mindestens 8,50 Euro pro Stunde entlohnt werden.

Nicht nur vor, auch nach der Einführung des Gesetzes haben sich wiederholt kritische Stimmen aus der Startup-Szene zu Wort gemeldet. Unter dem Titel „Generation kein Praktikum“ hat Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverband Deutsche Startups e.V., erst gestern einen Artikel veröffentlicht, der sich mit den negativen Auswirkungen des Mindestlohns beschäftigt.

Viele Argumente Nölls kann ich nachvollziehen. Der Bundesverband Deutsche Startups vertritt eine differenzierte Meinung zum Thema Mindestlohn, steht keinesfalls für Hungerlöhne, sondern für angemessene Gehälter ein. Auch die bürokratischen Probleme, die sich aus der Abgrenzung von im Rahmen eines Studiums absolvierten Pflichtpraktika (kein Mindestlohn) und allen anderen Praktikumsstellen (Mindestlohn) ergeben, kritisiert Nöll zu Recht.

Führt der Mindestlohn zur Abschaffung von Startup-Praktika?

Der Mindestlohn – eine zu hohe Bürde für deutsche Startups? (Foto: Shutterstock
Der Mindestlohn – eine zu hohe Bürde für deutsche Startups? (Foto: Shutterstock)

Anderer Meinung bin ich aber eindeutig dort, wo es um die vermeintlichen Folgen der Mindestlohn-Regelung geht: Praktika in der Startup-Branche würden abgeschafft, befürchtet Nöll, junge Talente hätten damit de facto letztlich keine Wahl mehr, ob sie ins digitale Unternehmertum hineinschnuppern wollten oder nicht. Der „Karriereweg Praktikum“ sei angehenden Digitalunternehmern „verbaut“. Die erfolgreichen deutschen Gründer Lukasz Gadowski, Christian Vollmann und Dirk Graber hätten ihre Karriere ebenfalls mit einem Startup-Praktikum begonnen, schreibt er, doch bezweifle er, dass sie diese Wahlfreiheit auch 2015 noch gehabt hätten: In der Folge wäre vielleicht sogar „der Impuls zur eigenen Gründung verloren gegangen. Einige großartige Unternehmen wären (…) nicht gegründet worden, tausende sozialversicherungspflichtige Jobs wären nie entstanden.“

Das erinnert mich doch sehr an Schwarzmalerei. Vor allem klingt es verdächtig stark nach dem Lamento, das auch die traditionellen Arbeitgeber aus Großunternehmen und Mittelstand in puncto Mindestlohn anstimmen. Und auch Arbeitgeber aus dem Medien- und Kulturbereich. Also eigentlich alle: alle, die vorher unter der Mindestlohngrenze liegende Gehälter zahlen konnten und die nun zum Umdenken gezwungen sind. Sie alle finden den Mindestlohn „eigentlich“ und „grundsätzlich“ gut. Aber jeder braucht für sich persönlich eine – gut begründete! – Ausnahme. Wirklich!

Jeder Arbeitgeber „braucht“ seine Ausnahme

Zum einen wundert mich diese Negativität seitens der Gründer, die ich sonst eigentlich eher in anderen Ecken der deutschen Arbeitgeberlandschaft verorte. Zum anderen funktionieren Ausnahmen eben nicht, wenn es um das Konzept eines „flächendeckenden“ Mindestlohns geht. Wenn man es genau nimmt, ist hier jede Ausnahme eine Ausnahme zu viel – zumal sie oft genug nur ein Indikator dafür ist, dass die Interessenverbände bestimmter Branchen und ihrer Vertreter einflussreicher waren als andere.

Ja, der Mindestlohn ist hart für alle, die sich seit Jahresbeginn auf eine neue Gehaltspolitik umstellen müssen. Er sorgt für zusätzliche Belastungen und verursacht Anpassungsschwierigkeiten, die ich nicht klein reden will. Aber ich finde: Wer den Mindestlohn „grundsätzlich“ gutheißt, sollte nicht so schnell ein „nur für die anderen, nicht für mich“ anfügen. Ist es denn wirklich zu sozialromantisch, anzunehmen, dass prekäre Arbeitsverhältnisse durch eine gemeinsame Anstrengung in die Vergangenheit verbannt werden können?

Der Mindestlohn sorgt für Fairness. Auch für Startup-Praktikanten.

Denn der Mindestlohn sorgt – bei allen Geburtswehen – eben auch dafür, dass die Ausbeutung von qualifiziertem Personal schwieriger wird. Dass Praktika nicht dazu missbraucht werden, feste Arbeitsstellen zu ersetzen. Dass Absolventen oder berufserfahrene Quereinsteiger, die für eine längere Zeit in das Team eines Startups geholt werden, wirklich von ihrer Arbeit leben können. Das ist fair, denn gerade in jungen und kleinen Unternehmen werden sie in der Regel unglaublich schnell ins Team integriert, laufen nicht „nur mit“, sondern leisten wertvolle, eigenständige Arbeitsbeiträge. Auch der Betreuungsaufwand sollte sich damit in den meisten Fällen in einem Rahmen bewegen, der auch in normalen Beschäftigungsverhältnissen anfällt. Insofern hinkt die von Nöll vorgeschlagene Kategorisierung von Startup-Praktikanten als „Azubis der digitalen Wirtschaft“ (was sie wiederum vom Mindestlohn ausnehmen würde): Die enorm hohe Lernkurve bei Startup-Praktika allein darf nicht als Rechtfertigung für eine geringere Bezahlung dienen. Denn eine solche Lernkurve bieten viele Jobs in der Digitalbranche ein Leben lang.

Deutsche Startups, ihr könnt mehr!

Ich jedenfalls traue den deutschen Startups zu, dass sie es auch weiterhin schaffen werden, Praktikumsstellen anzubieten. Wenn jemand in der Lage ist, sich schwierigen Rahmenbedingungen zu stellen und neue Lösungen zu finden, dann sie. Mehrere Aussagen, die das Startup-Portal Gründerszene zusammen getragen hat, deuten darauf hin, dass ein Umdenken beim Thema Startups und Mindestlohn bereits stattfindet: eDarling-Gründer David Khalil etwa gibt dort an, „einige Plätze seien weggefallen, teilweise wurden die Praktikanten aber auch durch Festangestellte ersetzt“. Nicht gerade eine katastrophale Entwicklung. Zalando überlege nun genauer, ob die Ausschreibung einer Praktikantenstelle im Einzelfall sinnvoll sei – in der Unternehmenskommunikation etwa seien schnelllebige Praktikumsstellen durch eine langfristig angelegte Assistant-Stelle ersetzt worden. Auch das klingt nicht unbedingt verheerend.

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Für mich klingen diese Aussagen danach, dass bereits ein Wandel stattfindet. Ein Wandel, der nicht leicht ist und eine Übergangszeit braucht. Der aber das Gründerklima in Deutschland auch nicht im Keim ersticken wird. Erst recht nicht, wenn unsere Startups ihre Energie nicht in Schwarzmalerei stecken, sondern in das, was sie am besten können: Innovationen.

Jetzt seid ihr gefragt: Ist der Mindestlohn auch für Startups tragbar – oder ist mein Wunsch hoffnungslos unrealistisch? Schreibt mir eure Meinung in die Kommentare!

Weiterführende Infos zum Mindestlohn gibt es etwa auf einer eigenen Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, das Software-Unternehmen Lexware hat ein kostenloses E-Book zum Thema erstellt.

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14 Antworten
  1. von Melanie Petersen am 04.02.2015 (16:18 Uhr)

    Ich sehe das genauso wie du. Vor allem wenn man die Einstiegshürden für solche Praktika berücksichtigt. Oft sind die Ansprüche der Unternehmen ja so hoch angesetzt, dass es tatsächlich meist nur die bei denen der Betreuungsaufwand enorm gering ist schaffen, ein Praktikum zu ergattern.

    Zudem sprechen wir bei 8,50 Euro ja über einen Brutto-Stundenlohn, der immernoch auf dem Niveau einer Aushilfskraft liegt oder gar einem Stundenlohn in der Gastronomie für Ungelernte. Nur das man dafür Ausgelernte oder gar Akademiker beschäftigen kann. So schlecht ist der Deal also nicht.

    Für Startups sollten da meiner Meinung nach keine anderen Regeln gelten. Es wurde an der Stelle gespart, weil es die Möglichkeit gab. Gibt es sie nicht mehr, muss eben anders kalkuliert werden.

    Das Zalando da zetert, finde ich lächerlich. In der Aufbauphase und bisher vermutlich n guten Batzen Arbeit auch mit Praktikanten getragen und jetzt wo Geld da ist nichtmal n Mindestlohn zahlen wollen.

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  2. von Hafendieb am 04.02.2015 (16:40 Uhr)

    Ein derart geringer Lohn sollte auch für Startups machbar sein. Zumal sich rasch ein Gegenwert bei diesen sogenannten "Praktikanten" einstellt. 2014 noch umsonst, nun halt "nur" günstig! Wobei auch der gern angenommenen Ausbeutung endlich ein Riegel vorgeschoben wurde. Siehe auch Verlage!

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  3. von Ideen am 04.02.2015 (18:07 Uhr)

    Steuerberater informieren ihre Kunden gerne mit Zeitschriften. Gabs da noch keine Tipps und Tricks zur Kosten-Optimierung ? Crowd-Working usw. gibts ja beispielsweise auch noch.


    Für Pflichtpraktika gibts Praktikums-Ordnungen und ein Mitarbeiter der Uni überprüft die Berichte, das Zeugnis usw. und dann gibts ( ähnlich wie bei Laboren ) einen entsprechenden Leistungsnachweis bzw. Information ans Prüfungs-Amt oder eben nicht wenn man z.b. seine abgebrochene Mechatroniker-Ausbildung als Webdesigner-Praktikum bestätigt haben will.
    In der normalen Gesellen-Ausbildung muss man sich die Zeiten abstempeln lassen usw.
    Wirklich kompliziert ist das also nicht. Der kleine Handwerker macht das schon lange.

    Der Betreuer muss also u.U. nur unterschreiben das der Praktikant die Vorgaben der Praktikums-Ordnung erfüllt hat und nicht nur Kaffee gekocht hat.

    Durch die mehr Festanstellungen und weniger Durchgangs-Praktika fällt vermutlich auch bald auf das früher hoher Durchsatz aber wenig Gesamtbeschäftigung herrschte. "Generation Praktikum" war schon öfter Thema im (öffentlich rechtlichen) TV.

    In korrupten Diktaturen und im Manchester-Kapitalismus hat man viele Sub-Unternehmen und springt kurz vor Eintreffen der Mindestlöhne, Kündigungsschutz, Krankenversicherungs-Pflicht usw. von einer Firma zur nächsten um niemals eine vollwertige Stelle zu haben.

    Gibts Statistiken ab welchem Lohn die Gemeinschaft keine Ausgaben für Arbeitslosigkeit, Rente usw. einplanen muss ? Denn vermutlich kosten die gerade so eben sozialversicherungspflichtigen Jobs die Arbeiter-Gemeinschaft doch Geld und sind quasi Netto-Empfänger. Bei Berichten über EU wird ja auch gerne darauf hingewiesen welche Länder Netto-Zahler und welche Netto-Empfänger sind. Wie man an Silicon Valley sieht, führt der Wohnraum-Mangel zu exorbitanten Mieten und riesigem Berufs-Verkehr.
    Hier ist das auch nicht viel anders. Manche Gegenden mit zu wenig Wohnangebot stehen in der Schuldenstatistik und Stau-Statistik (CO2, Klimawandel, Feinstaub-Plaketten...) oft vermutlich oben und haben z.b. für ÖPNV usw. auch ziemlich hohe Kosten für die normalen Steuerzahler. Die von der BWL und Volkswirtschaft versprochenen Synergien der Großstädte existieren also möglicherweise nicht.

    Die Personalstatistiken und Investment-Summen aus den Bilanzen sollte man auch mal in Relation setzen. Vom neuen BMW des Top-Boni-Managers kann man evtl jedem Praktikanten ein Jahr lang 2 Euro mehr bezahlen.

    Viele gute Firmen haben unter hundert Mitarbeitern: Warren Buffet, Whatsapp, Craigslist, Dwolla, OnePlus und ich glaube auch MySQL (inzwischen MariaDB) und Oculus Rift und vielleicht auch PHP.

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  4. von Thomas Maier am 04.02.2015 (18:16 Uhr)

    Ich befürworte eine angemessene Entlohnung für ordentliche Arbeit. Sozialistische Mittel und ihre Heilsversprechen lehne ich hingegen ab. Aber nach wie vor hält sich der Irrglaube, damit langfristig erfolgreiche Wirtschaftspolitik betreiben zu können. Da mag es weltweit noch so viele Negativbeispiele geben, Politikergeschenke waren und bleiben beliebt.

    Egal ob Mindestlohn, Mietpreisbremse, etc. Man bekämpft Symptome eines immer sozialistischer werdenden Systems, welches seinen Ursprung im Geldsystem hat. Wenn man das Problem nicht an der Wurzel anpackt, bzw. verstärkt öffentliche Debatten über manche Vorgänge führt, wird sich langfristig das nicht zum Guten wenden. Spannend ist vor allem die Tatsache, dass gerade eine Frau Nahles, welche in ihrem Leben noch nie ein Unternehmen gegründet, geschweige denn geführt hat, hier die Stoßrichtung vor gibt (oder Home Office Arbeitsplatzverordnung, die angedacht ist). Politiker, die in der Gesellschaft teils zu Recht ein schlechtes Image wegen Inkompetenz usw. haben, wird aber zugetraut, solche Probleme mit Hilfen von strikten Vorgaben zu lösen.
    Warum eigentlich kein Mindestlohn von 6 Eur oder gar von 15 Eur, was ist denn für die vielen verschiedenen Unternehmen genau ein angemessener Wert? Ich finde es anmaßend, dass sich gerade die Politik hier einmischt und genau die Ausnahmen beschließt, die ihrem eigenen Treiben (Engagement bei Zeitungsverlagen) zu Gute kommen. Sprich, all diejenigen die eben nicht in das Mindestlohngesetz fallen und gute Arbeit leisten, haben pech gehabt... Das nenne ich sozial gerecht :)

    Dann hätten wir auch noch das Thema ausufernde Bürokratie, wegen Stundennachweis, etc. Mein Hausarzt, der seit 5 Jahren europaweit auf der Suche nach einem Nachfolger ist, schließt in ein paar Monaten seine Arztpraxis - für immer... Grund ist nicht die zu geringe Bezahlung, sondern der enorme Aufwand, den ein Arzt inzwischen der Bürokratie schuldet. 40% seiner Arbeitszeit geht dafür drauf, anstatt dass er sich um seine Kunden kümmern kann.

    Mir ist aber durchaus bewusst, dass man egal, wie viele Gründe man gegen sozialistische Maßnahmen anführt, sich genügend Leute davon nicht überzeugen lassen. Sie glauben schlichtweg, die Politk weiß genau, was für jeden der Millionen Unternehmen und Kleingewerbetreibenden das Beste ist.

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    • von Sascha am 05.02.2015 (07:50 Uhr)

      "Dann hätten wir auch noch das Thema ausufernde Bürokratie, wegen Stundennachweis, etc. ."

      Nach welchem System haben die nun über unerträgliche bürokratische Quälereien klagenden Unternehmen ihre Mitarbeiter bislang eigentlich bezahlt, wenn das genaue Dokumentieren der Arbeitszeiten eine solch unbewältigbare Aufgabe darstellt? Wurden die Arbeitsstunden durch Würfeln ermittelt? Und was ist an genauer Zeiterfassung (Uhrzeit Arbeitsbeginn & Uhrzeit Arbeitsende eintragen, Zeitaufwand pro Tag in etwa 1 Min.) denn eigentlich so aufwendig?

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    • von Sascha am 05.02.2015 (07:56 Uhr)

      "Ich befürworte eine angemessene Entlohnung für ordentliche Arbeit. Sozialistische Mittel und ihre Heilsversprechen lehne ich hingegen ab."
      - Befürworten Sie auch den Schutz des Eigentums und lehnen den Eingriff der Polizei bei einem Diebstahl ab?

      "Egal ob Mindestlohn, Mietpreisbremse, etc. Man bekämpft Symptome eines immer sozialistischer werdenden Systems, welches seinen Ursprung im Geldsystem hat." - Können Sie das genauer erläutern?

      "Da mag es weltweit noch so viele Negativbeispiele geben..."
      - Welche Mindestlohn-Negativbeispiele können Sie denn nennen?

      "Spannend ist vor allem die Tatsache, dass gerade eine Frau Nahles, welche in ihrem Leben noch nie ein Unternehmen gegründet, geschweige denn geführt hat, hier die Stoßrichtung vor gibt (oder Home Office Arbeitsplatzverordnung, die angedacht ist)."

      - Haben Sie schon mal versucht von 6,50EUR Gehalt pro Stunde eine Familie zu ernähren? Wenn nicht, wären Sie gemäß Ihrer eigenen Logik auch nicht für einen Kommentar zum Thema Mindestlohn qualifiziert.

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  5. von volkan am 04.02.2015 (20:29 Uhr)

    Wenn keine Firma mehr Praktikanten einstellt, weil die 8,50€ bekommen sollen, wo wollen die Firmen dann in ein paar Jahren ihre neuen Mitarbeiter her nehmen?

    Entweder kriegen dann mehr Absolventen ohne Praktikum sofort einen job, weil es gibt ja auch noch eine probezeit und befristete Arbeitsverträge um zu schauen ob ein Mensch für die Arbeit fähig ist, oder Studiengänge müssen noch mehr Praxis, praxisorientierte Inhalte vermitteln.

    Aber Firmen haben wohl eine Gratismentalität und staubten wohl gerne umsonst oder sehr billige, fleißige Mitarbeiter ab.

    Also mit ihrer Abwehrhaltung werden sie nicht weit kommen, im Endeffekt wollen sie ja eh uns / neue Mitarbeiter.

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  6. von reraiseace am 04.02.2015 (22:32 Uhr)

    Lea, ich kann mich dir da auch nur anschließen. Gut geschrieben und auch von beiden Seiten betrachtet. Entweder macht man den Mindestlohn oder eben nicht. Wir haben ihn nun und wir alle spüren ihn. Sei es beim Bäcker, dem Friseur oder auch bei den Startups. Aber wir alle müssen mitmachen. Ich finde es nur gerecht, denn jeder muss von seiner Arbeit leben können und nicht noch beim Jobcenter für den fehlenden Restbetrag anstehen müssen. Wenn ein Praktika drei Monate dauern kann und erst danach der Mindestlohn greift, ist das in meinen Augen vollkommen okay. Wie oft wurden Praktikanten von unseriösen Unternehmen ausgebeutet? Dem wird damit auch ein Riegel vorgeschoben. Zudem hat ein Praktika damit ein "festes" Ende. Innerhalb von drei Monaten kann man sich meist schon ein gutes Bild von der Person machen.

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  7. von Wer dies nicht bezahlt ist es nicht Wert… am 05.02.2015 (08:42 Uhr)

    Sorry aber Unternehmen die dies nicht bezahlen sind es nicht Wert Praktikanten einzusetzen...
    Das ganze ist einzig und alleine Ausbeute...

    Es gibt x studierende die bereits eine Ausbildung abgeschlossen und direkt drauf ein Studium absolvieren..

    Es wird überall von es fehlen Fachkräfte gesprochen/geschrieben, und dann sowas...

    Wer nicht bereit dafür zu sorgen das neue Fachkräfte aus den Praktikanten entstehen, soll auch keine Fachkräfte erhalten...
    (Geben und nehmen sage ich nur)...

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  8. von Robert Sommer am 05.02.2015 (18:43 Uhr)

    Wenn der 3 Sprachen spechende Hotelemfangschef mit höherer Schulbildung das gleiche verdient wie die Klofrau ist das zwar sozial gerecht, geht jedoch auf Dauer nicht gut. Denn der am Empfang wird keine Lust mehr haben zu arbeiten und die Kloofrau braucht sich nicht mehr sonderlich anstrengen denn man kann nicht weniger verdienen.
    Im Ergebniss wird zuerst die Qualität leiden und das Hotel wird irgendwann schliesen müssen.
    Den menschlichen Faktor hat man bei der Einführung des Mindestlohnes ohne Mindestleistung völlig vergessen!

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    • von volkan am 05.02.2015 (23:57 Uhr)

      Dann ist der empfangschef auch zu schlecht bezahlt und beide sollten mehr Lohn bekommen. Reinigungskraft 8,50 und der Empfangschef mehr, 10,50€? Aber für 8,50€ kann man dann auch einen glücklicheren angestellten erwarten, der gut putzt. Entweder muss der Hotelgast mehr bezahlen oder der Hotelbesitzer muss einfach mit ein bisschen Gewinneinbußen zugunsten einer sozialen Gerechtigkeit.

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  9. von Steffen am 06.02.2015 (08:03 Uhr)

    Knapp 20.000 US$ pro Jahr Einstiegsgehalt bei deutschen Start-ups? Kein Wunder wenn die gutausgebildeten ihr Glück im Ausland suchen. Schreibt doch mal bitte einen Artikel über die Einstiegsgehälter bei US Start-ups. Das man bei Google, Facebook und Co. 7000 US$ pro Monat als Praktikant bekommt wissen wir ja bereits. Wie schaut das bei einem Wald-und-Wiesen Start-up aus? Und wie ist die Visa Situation? Als Exportvizeweltmeister können wir sicherlich auch Arbeitskräfte im großen Stil exportieren.

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  10. von Dana am 06.02.2015 (12:01 Uhr)

    Bei dieser kompletten Diskussion werden gerade zwei wichtige Faktoren nicht beachtet:
    1. Praktikanten sind in den meisten Fällen noch keine vollwertigen Angestellten. Dementsprechend kann man vielen jungen Absolventen nicht direkt einen Assistentenstelle geben, schließlich wissen sie noch gar nicht was sie tun. Das Praktikum dient schließlich in erster Linie der Ausbildung.

    2. Auch wenn ihr hier einige nette Beispiel von Unternehmen nennt, die ihr Praktikamodell umstrukturieren, so stellen doch sehr, sehr viele Unternehmen gerade gar keine Praktikanten mehr ein oder wenn dann nur noch Pflichtpraktikanten. Die Leidtragenden sind damit alle Absolventen, die während ihres Studiums wenige oder gar keine Praktika gemacht haben um sich an die Regelstudienzeit zu halten, und die nun auf einen Arbeitsmarkt kommen, indem es keine Stellen für sie gibt. Sie stecken in einem Teufelskreis von Unternehmen, die Absolventen mit Berufserfahrungen (aka. mehreren absolvierten Praktika) suchen und Unternehmen, die keine Praktika vergeben.

    Ich frage mich einfach, obwohl ich generell für den Mindestlohn bin und dafür, dass Menschen von ihrer Arbeit leben können, ob das Gesetzt gerade bei den jungen Absolventen mehr Schaden anrichtet, als das es wirklich hilft. In meinem Bekanntenkreis gibt es nun einige Absolventen, die keinen Arbeitsplatz finden und nicht genau wissen, wie sie aus diesem Kreis ausbrechen sollen. Klar "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", aber grundsätzlich wird es dauern, bis allen Unternehmen klar wird, wie wichtig Praktikanten eigentlich für sie sind...

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    • von Carina am 07.02.2015 (09:42 Uhr)

      Dana, ein Absolvent hat nicht nur mehrere Jahre studiert und dabei fundiertes Fachwissen erworben, sondern in den allermeisten Fällen auch noch längere Zeit nebenher gearbeitet und bereits während seines Studiums mehrere Praktika absolviert.Sie wüssten also häufig schon recht genau, was sie tun, wenn man sie entsprechend ihrer Qualifikation und ihres Fachgebiets beschäftigen würde. Die meisten Assistentenstellen, die Absolventen angeboten werden, wären nach kurzer Einarbeitungsphase auch von einer deutlich geringer qualifizierten Arbeitskraft zu erledigen.
      Und eine gewisse Einarbeitungszeit - idR von mind. einem Monat, um sich an die Abläufe im jeweiligen Unternehmen zu gewöhnen, benötigen selbst Führungskräfte mit mehrjähriger Berufserfahrung. (Ich musste als Praktikantin mal teilweise meinen nach 2 Monaten gewechselten Chef einarbeiten...).
      ... also warum genau ist es notwendig, fertige Studienabsolventen, die ggü. fertigen Auszubildenden auch noch mehrere Gehaltsjahre nachzuholen haben, erst einmal für 6-12 Monate für ein absolut unangemessenes Gehalt (oder besser noch: Umsonst) zu beschäftigen?
      Die meisten Praktikantenstellen sind nicht einmal darauf ausgelegt, später übernommen zu werden. Ganz zu schweigen davon, dass viele Unternehmen Praktika nicht als vollwertige Berufserfahrung werten, und man dementsprechend auch mit 2 Jahren Praktikumserfahrung immer noch als zu unerfahren für eine 'richtige' Stelle gelten würde.

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