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Digitales Leben

Wie mir diese 3 Regeln dabei halfen, meinen Frieden mit Facebook zu schließen

    Wie mir diese 3 Regeln dabei halfen, meinen Frieden mit Facebook zu schließen

Wie ich lernte, Facebook wieder zu mögen (Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/mkhmarketing/8468995025/">Flickr-mkhmarketing</a> / <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de">CC-BY-2.0</a>)

Geliebt, gehasst, genervt, gemocht, genutzt, wieder gehasst, wieder gemocht, wieder genervt: Facebook – es gibt keine App, die ich auf meinem Smartphone öfter gelöscht und wieder installiert habe. Jetzt endlich habe ich meinen Frieden mit Facebook geschlossen. Die Luca-Analytics-Kolumne von Luca Caracciolo.

„Das größte Forum der Welt“

Als ich meinen Account bei Facebook erstellte, betrieb ich noch ein kleines Gaming-Forum. Es muss 2007 oder 2008 gewesen sein. Kommunikation im Netz hieß für mich damals hauptsächlich Diskussionen in Foren zu bestimmten Themen. Und plötzlich bot Facebook die Möglichkeit, ein Art Forum mit coolen Features für die ganze Welt zu sein. In dieser Zeit war die Debatte um Datenschutz und Privatsphäre im Netz quasi nicht existent. Ich war froh, alte Schulfreunde zu finden, kurz mit ihnen zu sprechen und sich dann und wann ein gegenseitiges „Gefällt mir“ zu geben.

Im Laufe der Zeit stellte ich allerdings fest, dass es schon einen Grund dafür gab, dass ich mit den meisten Leute aus der Schule keinen Kontakt mehr habe. Muss ich jetzt vom Streber des Jahrgangs wirklich jede neue Anschaffung sehen und mich womöglich gezwungen fühlen, sie zu kommentieren oder sie wenigstens mit einem „Gefällt mir“ zu versehen? Nö. Und so flog Facebook das erste Mal aus meinem Alltag. Als digitalen Kontakt-Hub nutzte ich das Netzwerk aber unregelmäßig weiter.

Das blaue Ungetüm als digitaler Kontakt- und Content-Hub

Als sich Facebook dann zunehmend die Krone im Social Web aufsetzte, wurde so ein wenig klar, dass man als digital-affiner Mensch nicht um das größte soziale Netzwerk herum kam. Zunehmend begannen auch Verlagshäuser ihre Inhalte auf Facebook zu teilen, aus dem Freunde-Forum wurde ein digitaler Kontakt- und Content-Hub, der vieles auf seiner Plattform vereinigte. Facebook entwickelte sich neben Twitter zur wichtigsten App auf meinem Smartphone.

(Bild: Yeamake / Shutterstock.com)
Facebook war neben Twitter die wichtigste App auf meinem Smartphone – bis ich sie mal wieder löschte. (Bild: Yeamake / Shutterstock.com)

Doch jeden Tag Facebook, jeden Tag dieses Blau, jeden Tag das nicht gerade hübsche Frontend – das bunte Web aus den 90ern und Anfang der 2000er Jahre mutierte zum blauen Ungetüm. Der heute vielleicht berühmteste Walled-Garden des Internets steckte in dieser Zeit sein Revier ab uns ließ der Konkurrenz keine Chance. Erste Ermüdungserscheinungen stellten sich bei mir ein – und dann kam Snowden.

Mit Snowden änderte sich schlagartig nicht nur meine Sicht auf Facebook erneut, es änderte sich so ziemlich alles im Netz. Es verlor seine Unschuld und Facebook, Google und Co. waren die neuen Echauffierungszielscheiben für die digitale Bohème, der Rest der Bevölkerung interessierte sich ohnehin nur wenig für die Massenüberwachung durch Geheimdienste. Aber für mich war es zu dem Zeitpunkt mal wieder soweit: „Facebook over and out!“ – wobei ich niemals meinen Account löschte.

Die Post-Snowden-Ära

Im Jahr drei nach Snowden leben wir in einer Welt, in der große Technologie-Unternehmen für die elementaren Netzbedürfnisse wie Suchen, Social und Einkaufen quasi-Monopole einnehmen. Die sich dort anhäufenden Datenberge werden von Geheimdiensten angezapft, ausgewertet und so eine groteske Überwachung der Welt realisiert. Wir fröhnen diese Überwachung, indem wir in einer Art fröhlicher Freiwilligkeit alles von uns kund tun, was uns im Alltag so passiert. Bäm! Aus, Schluss, Feierabend – wäre doch die Schlussfolgerung, oder? Also ich meine, wie kann man sich angesichts dieses Zustands des Netzes nicht im Sand einbuddeln wollen und aufs Netz ein für allemal scheißen?

Apologetischer Schwachsinn oder Realitätssinn?

Und dann geschah folgendes: ich war mit Freunden auf einem Konzert in Berlin. Die Sonne schien, das Bier schmeckte, wir waren einfach gut drauf. Wir machten ein Selfie und ich hatte in diesem Moment das große Mitteilungsbedürfnis, der Welt und der fucking NSA zu sagen: „Mir geht es gut, es ist geil hier!“ Es fühlte sich für eine Sekunde an wie zur Anfangszeit des Social Webs: Klar, ein wenig naiv, aber gut und einfach verdammt cool, mit der Welt in dieser einfachen Art und Weise zu kommunizieren. Übrigens: Da ich Facebook mal wieder von meinem Smartphone geschmissen hatte, musste ich das Bild nervigerweise über die Web-App teilen – aber selbst das ging erstaunlich einfach und flott.

Mit Freunden auf einem Konzert und es der „Welt“ mitteilen (Foto: Luca Caracciolo)
Mit Freunden auf einem Konzert und es der „Welt“ mitteilen (Foto: Luca Caracciolo)

Apologetischer Schwachsinn? Nun, ich würde es eher als Realitätssinn bezeichnen. Facebook ist für Social im Netz ungefähr das, was Google für die Web-Suche ist – ein Dienstleister, an dem man kaum vorbeikommt. Natürlich muss man all diese Dienste nicht nutzen, aber sie bieten die beste Nutzererfahrung für ihre speziellen Zwecke und sind nicht ohne Grund so groß geworden. Und wenn ich mit dem Auto eine längere Strecke zurücklegen muss und es eilig habe, verzichte ich ja auch nicht auf die Autobahn.

Johnny Häusler hat in seiner jüngsten Kolumne auf Wired.de über seine Beobachtung geschrieben, dass die Menschen im Netz angesichts der Geheimdienst-Überwachung längst mit angezogener Handbremse kommunizieren. Das glaube ich auch. Aber was hilft es, die Kommunikation komplett einzustellen? Angesichts der digitalen Transformation unserer gesamten Gesellschaft wäre das ohnehin nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Meine 3 Regeln für den Umgang mit Facebook

Dieses Stück Naivität aus der Anfangszeit hilft mir, Facebook als das zu sehen, was es ist: Ein Ort im Netz, der es mir erlaubt, mit Menschen auf der ganzen Welt zu kommunizieren. Mit gewissen Regeln:

- Nur Dinge teilen, die ich auch meinem Friseur erzählen würde. Das ist so ziemlich genau die Art von sozialer Beziehung, die ich auch zu Facebook pflege: Ich war am Wochenende auf einem Konzert, im Kino, im Zoo, ich mag dieses und jenes, freue mich auf den Urlaub, gebe Empfehlungen ab.

- Notifications aus! Ich entscheide, wann ich Facebook aufsuche, und keine komischen Nachrichten oder Einladungen zu Events, die ich sowieso nicht besuche.

- Meine Kinder bleiben außen vor – sie sollen, wenn sie eines Tages verstehen, was Facebook ist, selbst entscheiden, ob sie im Netz mit Fotos präsent sein wollen oder nicht.

Mit diesen Regeln im Hinterkopf kann ich sagen: Ich mag Facebook wieder – zumindest bis zur nächsten Krise.

 

 

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2 Reaktionen
Jürgen Schulze
Jürgen Schulze

Ach, das war jetzt die bahnbrechende Erkenntnis?
Nur erzählen, was er auch dem Frisuer erzählt?
Was hat er denn vorher, "vor Snowden" groß zu erzählen gehabt? Firmengeheimnisse? Landespionage? Atombombenpläne? Weltverschwörungen? Familienpornos?

Antworten

Gertrud
Gertrud

Diese Einstellung kann ich langsam nachvollziehen da ich viele Leute beobachtet habe die von irgendwelchen Unterhaltungsmedien oder Spielen kaum loskommen, oder von ihrem Smartphone.

Was ich daran ein bisschen kindisch finde, ist dass man sich dann doch mit der eigenen Ohnmacht abfindet und eh nix ändern will/kann und weil alles es machen ist es so am praktischsten und ewswegen sollenes auch alle machen und irgendwie wäre das dann ja auch wieder total vernünftig und google nehemn sie ja auch alle...

Das halte ich für eine einfache Beruhigungspille die umso angenehmer wirkt je mehr Leute im bekanntenkreis genauso tun. Man freut sich darüber, endlich wieder bequem sein zu dürfen trotz aller Gefahren. Die wurden nicht gelöst aber egal.

So funktionieren auch Merkel-Wähler. Merkt Ihr was? ihr sed Merkel-Wähler! Neuland...

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