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Nicht quatschen, selber machen! Wie kreative Mitarbeitermotivation im Silicon Valley funktioniert

Nicht quatschen, selber machen! Wie kreative Mitarbeitermotivation im Silicon Valley funktioniert

Um einen Innovationsstau zu verhindern, setzen Tech-Firmen gerne auf Maßnahmen zur Mitarbeitermotivation. Von trockenen Strategien aus BWL-Lehrbüchern hält man im aber wenig. Hier setzt man lieber auf kreative Lösungen – und verschenkt dafür auch mal volle Kreditkarten. Wir stellen im Rahmen der stellen wir euch die spannendsten Maßnahmen vor.

Nicht quatschen, selber machen! Wie kreative Mitarbeitermotivation im Silicon Valley funktioniert

Kreative Mitarbeitermotivation im Silicon Valley. (Foto: Adobe)

Mehr Innovation durch Do-It-Yourself-Kultur

Unternehmen tragen diesen einen Virus in sich: Je mehr Mitarbeiter sie einstellen, desto weniger innovativ werden sie. Ja, das ist ganz normal. Und anfangs tut das auch gar nicht weh. Schließlich sind alle motiviert, alle bewirken etwas mit ihrer Arbeit. Irgendwann aber wird es unbequem. Routinen stellen sich ein, Befugnisse schwinden und Entscheidungswege werden länger und länger und länger und länger. Reichen die Abwehrkräfte nicht aus, droht das wendige Schnellboot alsbald zu einem lethargischen Tanker ohne Kompass zu werden.

„Erzählt uns eure Ideen nicht, setzt sie einfach um!“

Eine permanente Gefahr, der sich vor allem Tech-Firmen im Silicon Valley bewusst sind. Denn sie wachsen oft besonders schnell und sind daher bemüht, vorzusorgen und ihren unternehmerischen Spirit so auch über mehrere Büroetagen hinweg zu erhalten, wie Simone Lis weiß. Die 37-Jährige arbeitet in San Francisco als Beraterin für Corporate Entrepreneurship und sagt: „Startups im Silicon Valley reagieren extrem schnell auf Veränderungen und lösen Probleme sehr kreativ und pragmatisch.“ Doch daran hapere es gerade bei großen Unternehmen. „Wenn man allerdings deren Ressourcen und Netzwerk mit der Innovationskultur der Startups kombiniert, entsteht Raum für neue, überraschende Ansätze.“

Wie die aussehen können, zeigt zum Beispiel Adobe, das in San José allein 5.000 seiner insgesamt 12.000 Mitarbeiter beschäftigt. Doch so viel vorweg: Von traditionellem Vorschlagswesen und öden Innovationszirkeln, wie sie gerne in BWL-Lehrbüchern empfohlen werden, hält man hier gar nichts: „Mitarbeitern sagen wir: Erzählt uns eure Ideen nicht, setzt sie einfach um!“, so Mark Randall, der als „Vice President of Creativity“ aufpasst, dass beim Photoshop-Konzern die Innovationslichter nicht ausgehen. Kreativ ist hier auch das richtige Stichwort, denn Randalls Methode zur Mitarbeitermotivation ist es in jedem Fall.

Mitarbeitermotivation: Die Magie einer roten Schachtel

Kreative Mitarbeitermotivation: Adobe setzt auf Freigeist und ermutigt Mitarbeiter dazu, eine eigene Geschäftsidee zu entwickeln. (Foto: Adobe)
Kreative Mitarbeitermotivation: Adobe setzt auf Freigeist und ermutigt Mitarbeiter dazu, eine eigene Geschäftsidee zu entwickeln. (Foto: Adobe)

Randall schwört auf eine rote Papierschachtel, die jeder Mitarbeiter kostenlos anfordern kann. Darin sind enthalten: eine Tafel Schokolade, ein Starbucks-Gutschein und eine Prepaid-Kreditkarte, die mit 1.000 US-Dollar aufgeladen ist.

„Mit Schokolade, Starbucks-Gutschein und 1.000 Dollar zu mehr Innovation.“

Was nach einer unerklärlichen Mischung klingt, ist laut Randall alles, was es bei Adobe für mehr Innovation in den eigenen vier Konzernwänden braucht. Mit der roten Schachtel als Teil des sogenannten KickStart-Programms sollen Mitarbeiter eine ganz eigene Geschäftsidee entwickeln. Quasi das Startup im Großkonzern. Kenntnisse in Raketenwissenschaft werden dafür nicht benötigt. Es zähle allein der Ehrgeiz, aus wenig Ressourcen viel zu machen, sagt Randall, der selbst schon erfolgreich mehrere Startups gegründet hat.

In der Praxis geht das dann so: Hat ein Mitarbeiter eine konkrete Idee, kann er sie mit dem auf der Kreditkarte hinterlegten Budget entwickeln und zunächst nach Gutdünken bei Kunden validieren. Die Betonung liegt auf kann, denn für was das Geld wirklich ausgegeben wird, interessiert Adobe nicht. Eine Google-AdWords-Kampagne? Eine Designvorlage? Ein iPad? Ganz egal. Weder müssen Mitarbeiter Quittungen vorlegen noch ihre Ausgaben anderweitig rechtfertigen.

„Wir haben uns gefragt, was passiert, wenn wir die Hindernisse, die Menschen davon abhalten, innovativ zu sein, beseitigen. Was passiert, wenn wir ihnen einfach die Ressourcen zur Verfügung stellen? Und zwar ganz ohne Regeln oder Beschränkungen“, sagt Randall. Es gehe darum, bei Mitarbeitern wieder Pioniergeist zu entfachen. Zwar würden viele Unternehmen ihre Mitarbeiter schon als Ideenlieferanten verstehen, oft aber verpuffen die Ideen, weil keine Zeit zur Validierung vorhanden ist. „Der Ansatz des KickStart-Programms, Innovationen zu fördern, ist es, Mitarbeitern die Erlaubnis zu geben, genau das zu tun.“

Ideen-Pitch in der Chefetage

Mit 1.000 US-Dollar auf einer Prepaid-Kreditkarte entwickeln und validieren Adobe-Mitarbeiter ihre eigene Geschäftsidee. (Foto: Adobe)
Mit 1.000 US-Dollar auf einer Prepaid-Kreditkarte entwickeln und validieren Adobe-Mitarbeiter ihre eigene Geschäftsidee. (Foto: Adobe)

„Mitarbeiter fördern Ideen zu Tage, auf die der Konzern wohl nie gekommen wäre.“

Ist das in den Augen eines Mitarbeiters der Fall, darf er seine Idee nach ihrer Validierung persönlich in Adobes Chefetage vorstellen. „Beliebig oft, bis einer der Verantwortlichen ja sagt“, verspricht Randall. Auf diese Weise haben Mitarbeiter beispielsweise schon Ideen zu Tage gefördert, auf die der Konzern wohl selbst gar nicht gekommen wäre. Etwa die Video-App einer Mitarbeiterin, die private Fotos und Musikstücke synchronisiert und sie je nach Stimmungslange passend aneinanderschneidet. Als Belohnung gewährt Adobe Zugriff auf Netzwerk- und Wissensressourcen zur Weiterentwicklung der Idee. So geht Innovation. Dass es mitunter auch Ideen gibt, die am Ende gar nicht weiter von Adobe gefördert werden, tut der Sache mit der roten Schachtel keinen Abbruch. Immerhin erhalten Mitarbeiter so oder so wertvolles Wissen, das dem Unternehmen wichtiges Innovationspotenzial verschafft.

Auch Facebook und Twilio mischen mit

Erkannt haben das neben Adobe auch viele weitere Tech-Firmen im Silicon Valley. Etwa Facebook, dessen propagierte „Hacker-Kultur“ das inzwischen auf 6.000 Mitarbeiter gewachsene Unternehmen zurück zu seinen Wurzeln führen soll. Mitarbeitern von Facebook ist es zum Beispiel erlaubt, einen festen Teil ihrer Arbeitszeit in eigene Projekte zu investieren. Dieser Ansatz ermögliche es Mitarbeitern, Grenzen zu überwinden und smarte Ideen schneller zu verwirklichen.

Auch bei Twilio weiß man seine Mitarbeiter kreativ zu fördern: Jeder Neuling muss eine eigene App entwickeln. (Foto: Twilio)
Auch bei Twilio weiß man seine Mitarbeiter kreativ zu fördern: Jeder Neuling muss eine eigene App entwickeln und sie vor der Belegschaft präsentieren. (Foto: Twilio)

Tech-Unternehmen können solche Kreativzeiten also nur gut tun. Zumal Mitarbeiter mit keinem Gehalt der Welt auf Innovationsgeist getrimmt werden können. Wohl auch deshalb gehört die Do-it-yourself-Kultur mancherorts sogar schon zum festen Ritual für neue Mitarbeiter. Das Startup Twilio, das innerhalb von sieben Jahren auf 300 Mitarbeiter gewachsen ist, lässt jeden Neuankömmling in der ersten Woche eine App entwickeln und sie vor der Belegschaft vorstellen. Angst? Gibt's nicht. Keine Kenntnisse? Egal, vermitteln wir dir. Idee? Prima. Do it.

t3n im Silicon Valley

daniel_huefner_t3nDaniel Hüfner berichtet für t3n aus San Francisco und dem Silicon Valley über neue Trends, spannende Startups und interessante Orte des Tech-Epizentrums. Auf Twitter bekommt ihr zudem weitere Eindrücke von der US-Westküste.

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