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Mobile Payment: Neues Patent heizt Gerüchteküche über Apple-eigene Lösung an

Mobile Payment: Neues Patent heizt Gerüchteküche über Apple-eigene Lösung an

hat im vergangenen Jahr 1.903 Patente angemeldet – jedes davon heizt die Gerüchteküche aufs Neue an. So auch das Patent mit der Nummer 61671677. Dabei geht es um nichts anderes als um die Möglichkeit, mit dem zu bezahlen. Kommt Apple also doch mit einem eigenen Mobile Payment?

Mobile Payment: Neues Patent heizt Gerüchteküche über Apple-eigene Lösung an

Mobile Payment. (Foto: © Tyler Olson – Fotolia.com)

Hätten sich alle Gerüchte über Apple und Apple-Produkte bewahrheitet, hätten wir schon einen Apple-Fernseher, eine Smartwatch von Apple und ein durchsichtiges iPhone. So ziemlich alles traut man Apple zu und einige Themen halten sich entsprechend hartnäckig. So auch das Gerücht, Apple könne ein eigenes Bezahlverfahren lancieren. Ein jüngst veröffentlichtes Patent mit dem Titel „Methode, um Zahlungsinformationen über verschiedene drahtlose Übertragungswege zu senden, ohne die Nutzerdaten zu kompromittieren“ heizt diese Diskussion weiter an.

Mobile Payment von Apple? (Screenshot: United States Patent and Trademark Office)
Das Patent Nummer 61671677: ein Hinweis auf Mobile Payment? (Screenshot: United States Patent and Trademark Office)

Mobile Payment von Apple? Einiges spricht dafür

Ganz so abwegig erscheint das auf den ersten Blick auch gar nicht zu sein – verschiedene Argumente können dafür angeführt werden, angefangen mit der Veröffentlichung von Passbook im Jahr 2012. Damals wurde Passbook als Apples Vorstoß für gewertet. Ein Jahr später wurde iBeacon vorgestellt, ein Feature, mit dem über Bluetooth-Low-Energy die Verbindung zu sogenannten Beacons hergestellt werden kann. Mit dieser Technik lässt sich alles Mögliche anstellen – eben auch das Abwickeln von Bezahlvorgängen. Auch die Tatsache, dass jeder iPhone-Nutzer gleichzeitig einen iTunes-Account hat – weltweit immerhin fast 600 Millionen – wird als Argument genannt. Eine zu besetzende Stelle bei Apple zum Thema „Next Generation Payment“ und nun das jüngst veröffentlichte Patent geben den Gerüchten neuen Schwung. Das englische Marktforschungsunternehmen Ovum geht sogar von einem Marktstart noch in diesem Jahr aus.

Zweifelsohne mehren sich die Indizien und es spricht einiges für einen solchen Vorstoß. Sollte Apple tatsächlich mit einem eigenen Mobile-Payment-Verfahren kommen, wäre das ein herber Rückschlag für alle verfügbaren Lösungen im Markt. Egal ob nun Bezahl-Apps oder Lösungen, die auf NFC aufbauen – in jedem Fall wäre eine Apple-eigene Lösung schmerzhaft für die Kokurrenz und könnte das ein oder andere Unternehmen ins Straucheln bringen. Vor allem dann, wenn Apple keinerlei Schnittstellen zuließe.

Solle Apple also Mobile Payment bringen, ist davon auszugehen, dass ein solches System aus Kundensicht gut funktioniert. Wenn Apple etwas gut kann, dann Nutzer zentriert zu entwickeln. Es wäre für den Anwender wohl keine aufwändiger Registrierungsprozess notwendig und man würde einfach auf die in iTunes hinterlegten Daten zurückgreifen. Die User-Experience wäre vermutlich entsprechend gut und die notwendige Implementierung auf Seiten der Händler mit vertretbaren Aufwand verbunden. Durch die direkte Vernknpüfung zum iTunes-Account könnten die Nutzer genauso einfach Waren bezahlen wie sie heute Apps bei iTunes kaufen – mit der TouchID sogar bimetrisch. Keine aktuell verfügbare Lösung könnte da mithalten. Mobilfunkanbieter würden schäumen vor Wut, denn ein Apple-eigenes Mobile Payment würde die eigenen Bestrebungen in diesem Bereich torpedieren – und Apple ist nun mal nicht irgendein Unternehmen. Der Traum von der digitalen Geldbörse würde sich zum Alptraum jener entwickeln, die in diesem Markt Fuß fassen wollten.

mobile payment
Mobile Payment direkt von Apple? (Foto: © Tyler Olson – Fotolia.com)

Mobile Payment von Apple – Was dagegen spricht

Muss das so kommen? Nein. Apple ist kein Anbieter von Bezahlverfahren – im Moment zumindest nicht. Es darf auch die Frage gestellt werden, ob das überhaupt so schnell passieren wird. Mobile Payment ist nicht standardisiert, funktioniert in jedem Land anders und ist extrem komplex. Bezahlverfahren sind reguliert und bieten Apple nur wenige Kontrollmöglichkeiten.

Mobile Payment ist nicht nur die technische Abwicklung, es kommen auch Dinge wie Anti-Fraud-Management, also die Risikobewertung bei Zahlungen, dazu. Apple ist an Gesetze gebunden, denn was das Abwickeln von Zahlungen betrifft, hat jedes Land andere Regulierungen und Gesetzte. Mobile Payment würde eine Vielzahl von Baustellen aufmachen, die auch für ein Unternehmen wie Apple nicht ohne sind. Es ist daher offen, ob und vor allem wann ein Mobile-Payment-Verfahren von Apple kommt.

Vor dem Hintergrund der offensichtlichen Annäherung an PayPal könnte es zu einem ganz anderen Szenario kommen, das auf eine engere Zusammenarbeit zwischen Apple und PayPal hinauslaufen würde: PayPal regelt den Zahlungsverkehr, Apple kümmert sich um die Implementierung und Verbreitung beim Kunden. In Anbetracht der Tatsache, dass PayPal ebenfalls ein Bezahlverfahren basierend auf Bluetooth-Low-Energy anbietet, wäre ein solches Szenario nicht ungewöhnlich.

Nähern sich Apple und PayPal in Bezug auf Zahlverfahren? (Screenshot: PayPal.de)
Nähern sich Apple und PayPal in Bezug auf Zahlverfahren? (Screenshot: PayPal.de)

Apple hat in der Vergangenheit schon oft mit Partnern wie PayPal zusammengearbeitet – zum Beispiel mit Google als Kartenlieferant oder TomTom bei der Navigation.

Fazit

Es gibt gute Argumente für ein Mobile Payment von Apple, aber auch Gründe, die dagegen sprechen. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer — und ein Patent noch kein eigenes Bezahlverfahren.

Nächstes Jahr werden wir schlauer sein.

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3 Antworten
  1. von Josef am 18.01.2014 (17:06 Uhr)

    Ich denke wir dürfen gespannt sein: Apple könnte beispielsweise die Passbook-App um Kreditkarten erweitern und das mobile Bezahlen via iBeacon erlauben. Als Authentifizierungsmerkmal könnte dank iPhone 5s der Fingerabdruck genügen. Damit hätte Apple ein durchgängiges, einfach zu nutzendes Bezahlsystem, welches noch dazu sicherer als heutige Systeme ist (eine vierstellige PIN ist leicht geknackt...).

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  2. von Dekadenzverdikt am 19.01.2014 (14:44 Uhr)

    Ich glaube eher dass es fraglich ist, ob applespezifisches Bezahlsystem kommen wird. Im Bezug auf die Händler ist das dann der absolute Supergau wenn sie dann anfangen für Apple, Google und WindowsPhone entsprechende Hardware anzuschaffen.
    Geschlossenes Ökosystem hin oder her: Hier sollte Apple mal mit anderen Anbietern zusammenarbeiten um einen einheitlichen Standard zu schaffen. Das wird wahrscheinlich aber nie passieren...

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  3. von Peter Reihardt am 20.01.2014 (13:04 Uhr)

    Uuuuuuuuuuund Bitcoin tod in: 3...2...1..

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