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Mobile Web-Apps: Was wünschen sich Webentwickler von iOS 5?

Schaut man als Webentwickler auf ein iOS-Device, dann interessiert man sich nicht in erster Linie für die Megapixel-Power der oder den Speicherplatz für , Musik und sonstigen Kram. Auch die Frage, ob man mit oder ohne Bumper telefonieren kann, ist eher nachrangig. Als Webentwickler will man im Grunde nur eines wissen: Wie kann ich meine Webprojekte so bauen, dass sie möglichst optimal auf dem laufen? Oder sogar: Wie kann ich optimale Web-Apps für das iPhone erstellen?

Mobile Web-Apps: Was wünschen sich Webentwickler von iOS 5?

WWDC 2011: Welcher Developer ist gemeint?

In Anbetracht der unmittelbar bevorstehenden Worldwide Developer Conference lässt sich trefflich fragen, was Apple der versammelten Entwicklergemeinde denn in diesem Jahr anbieten will. Wobei man zunächst einmal klären sollte, von welchen Entwicklern überhaupt die Rede ist, wenn Apple von Entwicklern spricht. Die letzten Jahre haben eindrücklich gezeigt, dass Apple nicht den Terminus Web-Entwickler im Kopf hat, wenn der Developer erreicht werden soll. Der Erfolg des App Store, dieser Lizenz zum Gelddrucken, lässt einzig den Schluss zu, dass Apple auch künftig den App Store App-Entwickler meinen wird, wenn der Begriff Entwickler fällt.

WWDC 2011: Megaevent für Entwickler, bloß für welche?

Es ist eben dieser App-Entwickler, der sich für Features wie drahtlose Synchronisation, verbesserte Kamerafähigkeiten, eventuell NFC, die iCloud etc. interessieren und begeistern lassen wird. Es sind diejenigen, die mit XCode und Objective-C umgehen, wie andere nicht mit ihrem Hosenschlitz, auf die Apple sich fokussieren wird und die sich wiederum nur allzu gern auf Apple fokussieren werden. Immerhin gibt es nirgends eine so gut durchorganisierte Monetarisierungsstrategie wie in Cupertino. Außerdem ist die Technologie Core Animation in der Tat dermaßen spektakulär, dass auch auf absehbare Zeit kein anderes mobiles OS eine ähnlich elegante Optik innerhalb und außerhalb von Apps zu Wege zu bringen im Stande sein wird.

Der Zustand des iOS mit Blick auf Webentwicklung

So freut sich der App-Entwickler wie ein kleines Kind auf die WWDC 2011, die wieder einmal innerhalb weniger Stunden ausverkauft war. Aber worauf kann sich der Webentwickler freuen, der keine nativen Apps für das iOS programmieren will, sondern im Grunde nur seine Projekte optimal auf´s iPhone portieren will oder den Ehrgeiz hat, mobile Apps zu programmieren, die auf unterschiedlichen Devices, Internetverbindung vorausgesetzt, laufen sollen.

Der Gerechtigkeit halber sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass Apple mitnichten die Fähigkeiten seines iOS-Browsers Mobile Safari hat brach liegen lassen. Erst in jüngerer Zeit, mit Einführung des iOS 4.3, verbesserte man die Javascript-Performance ganz enorm und schaffte damit die wichtigste Voraussetzung für die ernsthafter Web-Applikationen. Sicherlich spielt der Trend hin zur Web-App, der insbesondere von Google und dort insbesondere mit dem Chrome OS forciert wird, eine nicht unbedeutende Rolle in der Motivationslage des Unternehmens mit dem Apfel. Man will zu allen Seiten offen sein.

iOS 5: Wünschenswerte Verbesserungen aus der Sicht von Webentwicklern

Den Webentwickler freut´s zwar, jedoch würde der sich noch mehr freuen, wenn zur guten HTML5-Unterstützung im Mobile Safari eine bessere Kontrolle über die Features der iOS- Devices käme. Die Diskussion, wie eine Wunschliste an Apple aussehen müsste, wurde dieser Tage durch den Sencha-Entwickler James Pearce initiiert und entwickelte einige Dynamik. Ich fasse die wichtigsten Punkte zusammen:

Zugriff auf die Kamera und andere Geräte-APIs

Bislang kann aus Web-Apps heraus schon auf das Accelerometer zugegriffen werden, auf die Kamera jedoch nicht. Auch ein Dateimanagement steht nicht zur Verfügung. So ist es kein Wunder, dass die aktuelle Twitter-Web-App auf mobilen Geräten zwar super aussieht, jedoch bereits beim Hinzufügen von Fotos zu einem Tweet scheitert und schon von daher keine Konkurrenz zu einem nativen Twitterclient werden kann. Die Bereitstellung von APIs zu den verbauten Komponenten, sowie ins Dateisystem hinein würde die Funktionalität webbasierter Anwendungen drastisch erhöhen können. Wäre doch auch schön, wenn man aus seinem iOS-WordPress-Backend heraus tatsächlich Bilder hochladen könnte, die man ohnehin mit dem iPhone geschossen hat. Das würde den Begriff des Mobile Blogging erst mit Leben füllen.

Mobile Web-App: Twitters App ist schick, hat bloß keinen Zugriff auf´s Gerät

Zugriff auf den Viewport

Hast du ein Browsergame auf den Viewport des iPhone optimiert, dann hast du das aller Wahrscheinlichkeit nach für das Querformat getan. Oder, wie bei einem Spiel á la Doodlejump, eben für das Hochformat. Unwahrscheinlich ist, dass dein Spiel auf beiden Formaten gleich gut funktioniert. Sinnvoll wäre daher der Zugriff auf den Viewport des Browsers, um die automatische Rotation verhindern zu können. Problematisch kann das nicht sein, bei nativen Apps ist diese Funktion eine Selbstverständlichkeit.

Nativer Support für Hybrid Apps

Hybrid Apps sind Apps, die auf der Basis von Webtechnologien erstellt wurden, dann mit einem Wrapper versehen wurden, um so als quasi-native App Zugang zum App Store zu finden. Die direkte Unterstützung dieses Konzeptes durch Apple würde dafür sorgen können, dass auch Hybrid Apps von den Verbesserungen der neuen Javascript-Engine profitieren.

Verbesserungen in CSS und Einführung von WebGL

Das Fehlen einiger CSS-Eigenschaften im Mobile Safari macht kreative Hacks mit Javascript erforderlich. Hier wäre Apple in der Pflicht, den Standard so zu unterstützen, dass er erstens so vollständig wie üblich ist und zweitens zu gerätegerechtem Anzeigeverhalten, besonders mit Blick auf die Rotation des Viewports führt. Die Einführung von WebGL, eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Entwicklung aktueller grafiklastiger Anwendungen, in erster Linie von Spielen, scheint sich bereits abzuzeichnen und wird für iOS 5 erwartet. Die Verwendung des Canvas-Elements ist ohnehin bereits möglich.

iOS 5: Was User und App Store App-Entwickler erwarten…

Ihr seht, all diese Dinge haben mit Gewicht, Größe, Akkulaufzeit nichts zu tun. Zum Vergleich schauen wir nochmal kurz darauf, was sich der eine und der andere iOS-App-Entwickler von iOS 5 wünscht. Ihr werdet sehen. Das hat mit dem eben genannten nicht viel zu tun.

Der Entwickler von nativen Apps legt vielmehr Wert auf ein neues Notificationsystem, die drahtlose Synchronisation, die Einführung von Testversionen in den App Store, verbessertes Multitaskiung und NFC. Gemeinsam mit dem Webentwickler wünscht er sich auch einen entsprechend gut ausgestatteten grafischen Unterbau und den Zugriff auf das Dateisystem.

Der User wiederum wünscht sich einen oder mehrere dicke Prozessoren, schnelle Grafik, ein großes leuchtstarkes Display, eine richtig fette Kamera, ach was, zwei und Speicherplatz ohne Ende. Wir berichteten mehrfach zum Stand der Gerüchte, zuletzt hier.

Zu erwarten steht, dass sich die Wünsche des App-Entwicklers, eventuell auch die des Users, zum größeren Teil erfüllen werden, während der Webentwickler weiterhin in die berühmte Röhre schauen darf. Im Grunde verständlich, wer will schon freiwillig den App Store mit frei verfügbaren und dabei leistungsstarken Web-Apps destabilisieren? Apple mit Gewissheit nicht…

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