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Mogelpackung Breitbandanschluss: Provider erreichen beworbene Datenrate oft nicht

Mogelpackung Breitbandanschluss: Provider erreichen beworbene Datenrate oft nicht

Mit nur 75 Prozent der versprochenen Downloadgeschwindigkeit können Breitbandkunden in Europa im Durchschnitt rechnen. Besonders stark gehen Werbung und Wirklichkeit bei DSL-Anschüssen auseinander. Das zeigt eine Studie im Auftrag der EU-Kommision. 

Mogelpackung Breitbandanschluss: Provider erreichen beworbene Datenrate oft nicht

(Foto: Shutterstock)

Die Provider werben für ihre Breitbandanschlüsse mit Geschwindigkeiten „von bis zu XY Mbits/s“. Dass diese versprochenen Spitzengeschwindigkeiten jedoch so gut wie nie erreicht werden, wurde nun in einer Studie gezeigt, die am Donnerstag von der EU-Kommission veröffentlich wurde. Untersucht wurden alle EU-Mitgliedsländer plus Norwegen und Island.

Breitbandanschluss DSL Geschwindigkeit
Am schlimmsten gehen Werbung und Wirklichkeit bei DSL-Anschüssen auseinander (Foto: Europäische Kommission)

Nur 75 Prozent der Downloadgeschwindigkeit werden im Durchschnitt erreicht. Das ist der gleiche Wert den eine Studie in 2013 festgestellt hat. Die tatsächliche Geschwindigkeit ist zwar von durchschnittlichen 30 Mbits/s in 2013 auf 38 Mbits/s in 2014 gestiegen. Der Unterschied zwischen der versprochenen und tatsächlich erreichten Leistung jedoch gleich geblieben.

DSL am stärksten betroffen

Am stärksten gehen die Zahlen zwischen angebotener und tatsächlicher Geschwindigkeit bei DSL-Anschlüssen auseinander:

  • Im Durchschnitt werden nur 63,3 Prozent der beworbenen Bandbreite geliefert. Da sieben von zehn Breitbandanschlüssen in der EU auf DSL-Varianten basieren, dürfte dies auf die große Mehrheit der europäischen Verbraucher zutreffen. In einigen der untersuchten Länder bekommen die Verbraucher sogar nur die Hälfte der beworbenen Geschwindigkeit.
  • Bei Anschlüssen über Kabel- und Glasfasernetzwerke wird nicht ganz so stark gemogelt. Durchschnittlich werden 86.5 Prozent (Kabel) beziehungsweise 83 Prozent (Glasfaser) der beworbenen Geschwindigkeit erreicht.

Die beworbene Datenrate der Provider lag durchschnittlich bei bei 47,9 Mbits/s, diese steht einer tatsächlichen Datenrate von von durchschnittlich 38,19 Mbits/s gegenüber.

EU ergreift Maßnahmen

Die EU-Kommission verweist auf eine Studie in den USA, die der eigenen methodisch ähnelt. Dort seien zwar die tatsächlichen Downloadgeschwindigkeiten geringer, die Verbraucher erhielten im Durchschnitt jedoch sogar 101 Prozent der vom Provider in Aussicht gestellten Datenrate.

Mit dem geplanten Gesetzespaket für einen „elektronischen Binnenmarkt“ sollen die Provider hierzulande zu mehr Transparenz verpflichtet werden. Werbung und Wirklichkeit sollen näher beieinander liegen. Provider müssen ihre Kunden dann über die minimale, die durchschnittliche und die maximal erreichbare Datenrate, die sie zu erwarten haben, aufklären. Zudem soll es Verbrauchern ermöglicht werden, leichter zu kündigen, wenn die vereinbarte Geschwindigkeit nicht erreicht wird.

via www.heise.de

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Eine Antwort
  1. von Statistiken sinnvoll aufarbeiten am 23.10.2015 (13:04 Uhr)

    3Monats-Verträge als Laufzeit-Begrenzung wären wirksamer.
    Netflix hat es vorgemacht und sogar monatliche Kündbarkeit...
    Gegen Abzocke muss man Fakten schaffen. Wenn man nach 3 Monaten zum Monatsende kündigen kann wäre das fair für alle. Bei PayTV-Sport-Paketen und Garantiezahlungen an Fifa und Bundesliga ist es was anderes. Auch Vorkasse wäre gegen Abzocke wie Abo-Fallen das übliche und sehr gut funktionierende Modell. Siehe Zigaretten-Automaten. Geld rein => Zigaretten raus.


    "Die beworbene Datenrate der Provider lag durchschnittlich bei bei 47,9 Mbits/s"
    Beworbene oder "durchschnittliche den Testkunden verkaufte Datenrate" ?
    So lange es keinen Ausbau gibt, sollten Mengenrabatte verboten sein.
    D.h. der 50MBit-Kunde muss 2*25Mbit bezahlen bis 99% der Anschlüsse 25 MBit garantiert haben können. Das würde den Ausbau ratz-fatz finanzieren. Stattdessen kriegen Familien Großrabatte und Flatrates dank 29-Cent-pro-Minute-und-29-Cent-pro-SMS-Kunden.
    Piraten würden vom Bürger aus Dank gewählt wenn sie Testsets (RasPi oder Android-Handy mit OTG-USB-Ethernet) haben und die echte Datenrate messen oder freie WiFis aufbauen.

    Man könnte solche Zahlen ja selber veröffentlichen. Aber Abmahnungen sind teuer...

    Wie gerne würde ich beispielsweise per Amazon eine echte Inflations-Statistik für die Lebenshaltung des Volkes verkünden...

    Oder wie viel Megabyte man pro Land per UMTS/EDGE/LTE/5G/... pro Euro bekommt. In Ägypten soll es laut Kommentaren hier für 5 oder 10 Euro etwa 5-7 Gigabyte pro Monat geben. Hier ist man froh um 500 MByte für 5 Euro.


    Interessant wären also auch Statistiken wie viel Megabit man pro Euro wo bekommt. Bei der Autobahn fährt man dank Staus und LKWs auch keine 130 sondern vielleicht 80-100 im Schnitt. Der Schnitt sinkt auch krass wenn man einen Parkplatz sucht oder an einer Ampel steht. Alte Rad-Tachometer hatten kein Auto-Start-Stop so das man an der Ampel schnell sah das der Schnitt sank und dann nachträglich auf Stop gedrückt hat.

    D.h. statt sich einfach nur über die Versprechen aufzuregen sollte man auch mal schauen wo man die meisten Megabit pro Euro bekommt und dafür sorgen das Politiker das Problem wirklich mal wirksam bereinigen. Der Euro und Griechenland wurden gefühlt 10-20 mal gerettet... Jedes Mal auf Steuerkosten... Und die Autofirmen müssen immer wieder gerettet werden wie bei Southpark die Airlines.

    Wegen Abmahnungen spare ich mir das Ausrechnen einer Map wo man die MegaBit-pro-Euro und natürlich die Anbieter-Namen sieht. Das wäre für viele Kunden ja auch viel relevanter als ob man mit dem Superduper-Sportwagen nur 400 statt der versprochenen 500 fahren kann. Firmen müssen merken das die Fachkräfte nicht in Traffic-Losen Gebieten wohnen wollen. Man ist ja kein Hilli-Billi der sich an einen Baum bindet und den Fluss herunter-treibt um in die Großstadt (500-zweitausend Einwohner) zu kommen und seine gefangenen Biber-Felle zu verkaufen.
    EU-Investitionen in rückständigen Gebieten sollten verboten sein.

    Wettbewerb kommt dank Transparenz und echter Auswahl.

    Die Presse hat bisher vermutlich auch wenig mitbekommen das Google Fiber oder "Deutsche Glasfaser" recht aktiv sind. Diesen Anbietern würde so eine Karte helfen. Aber wie hier auch nicht mehr nur von mir ständig kritisiert wird, ist die Fokusssierung der Mainstream-Medien natürlich überwiegend auf T-DSL bzw. Cashburner-Startups anstatt den kleinen guten Firmen. Bei Handies hingegen ist das Preis-Interesse von Redaktionen wohl viel größer (weil sie selber Handies haben) so das auch über die 199-Euro-Preisbrecher von Chinesischen Firmen berichtet wird.

    In USA wird DSL oft verachtet und oft darüber gelästert. Als Kleinverdiener kann man sich entscheiden ob man KabelTV-Paket oder Internet (per Kabel) nimmt. Beides zusammen ist vielen Kleinverdienern zu teuer.
    Traffic ist in USA und ich glaube auch offen bei Amazon/Google-Cloud-Preisen wohl oft teurer als hier.

    Das Thema Mogel-HD wurde bisher auch nur von mir angesprochen...
    Aber wer seine Brille nicht benutzt und andere seine Emails für sich lesen lässt (oder Doktor-Titel schreiben lässt) ist vielleicht auch mit Mpeg-1 (Eins!) Auflösungen von Video-CD (asiatisches Standard-Format, zwei CDs pro Film) zufrieden und erkennt den FullHD-Unterschied eh oft wohl nicht.

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