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Reportage

Wie steht es um die Gesundheit des Internets? Auf Spurensuche beim Mozilla-Festival

    Wie steht es um die Gesundheit des Internets? Auf Spurensuche beim Mozilla-Festival

(Foto: Mozilla)

Ist das Internet-Ökosystem krank? Und wenn ja, kann Mozilla etwas dagegen tun? Ein Bericht vom Mozilla-Festival 2016 in London.

Das Mozilla-Festival 2016: Wo das Web real wird

Wie würde das Web aussehen, wenn es nicht im Digitalen verortet wäre, wo Daten uns selbst und unsere Gedanken repräsentieren, sondern in der physischen Welt, manifestiert in atmenden, lebenden Menschen, ohne dem Umweg über Code und Content? Vielleicht würde es aussehen wie auf dem Mozilla-Festival, das jetzt zum vierten Mal im Ravensbourne College in London stattgefunden hat. Menschen aus aller Welt und aus beinahe allen Altersstufen – vom Kleinkind zum Rentner – erzeugen eine wuselige, chaotische Atmosphäre.

Auf beinahe jeder freien Fläche des Geländes sind aufwändig gestaltete Hinweise angebracht, die auf verschiedene Panels und Workshops hinweisen. Ein Informations-Overkill, der die Vorstellung des Mozilla-Festivals als physisches Ebenbild des Webs verfestigt. Doch es gibt einen großen Unterschied zwischen dem alljährlich stattfindenden Happening und dem echten Internet: Auf dem Mozilla-Festival dreht sich alles um Datenschutz, digitale Inklusion und vor allem das offene Web.

Das Mozilla Festival 2016 fand vom 28. bis zum 30. Oktober in London statt. (Foto: t3n)
Das Mozilla-Festival 2016 fand vom 28. bis zum 30. Oktober in London statt. (Foto: t3n)

Das Festival ist ein freundlicher Ort. Von den Freiwilligen, die Besucher durch das chaotische Event führen, bis zu dem Vater, der mir stolz erzählt, dass sein kleiner Sohn eine App entwickelt hat und hier vorstellt: Jeder scheint von einer spürbar positiven Energie umgeben zu sein. Auch wenn die Mozilla-Führung eine ähnlich fröhliche Stimmung verbreitet, lässt sich aus ihren Aussagen auch etwas ganz anderes lesen. Ist das Web krank? So drastisch mag es hier niemand ausdrücken, trotzdem wird „Internet Health“, die Gesundheit des Internets, zum zentralen Thema auf Mark Surmans Keynote. Der Gesundheitsvergleich, dem sich Mozillas Executive Director hier bedient, hat seinen Ursprung jedoch nicht im medizinischen Bereich, sondern soll auf die Gesundheit eines Ökosystems abzielen – dem Ökosystem Internet.

Der Begriff Ökosystem wird in den Naturwissenschaften in einem werturteilsfreien Sinne gebraucht.

In Politik und Alltagswelt wird dagegen oftmals so gesprochen, als seien Ökosysteme an sich schützenswert. Wenn dies geschieht, sind nicht Ökosysteme im Allgemeinen gemeint, sondern ganz bestimmte Ökosysteme, die man als nützlich oder in anderer Weise wertvoll ansieht.

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Für Surman ist die Gesundheit dieses Ökosystems untrennbar mit seiner Offenheit verbunden. Die Innovationen, die uns das Web gebracht hat, waren nur dadurch möglich, dass es eben keine große Zugangshürde gab oder gibt. In diesem Aspekt, so der Mozilla-Mann in einem persönlichen Gespräch, ist das Internet-Ökosystem nach wie vor gesund. Auf der anderen Seite betrachten er und die Mozilla Foundation mit Sorge, wie das Netz immer mehr zentralisiert wird. Facebook mit seinen Diensten wie dem Messenger, Instagram oder Whatsapp, aber auch Plattformen wie das vor allem in China populäre Wechat kontrollieren einen immer größeren Teil des Netzes, und können damit auch die Regeln bestimmen, nach denen die Nutzer, aber auch andere Marktteilnehmer Zugang zu diesen Plattformen bekommen.

Diese Zentralisierung verändert zwar nichts an der eigentlich offenen Natur des Netzes, de facto hat es aber trotzdem gewaltige Auswirkungen auf das Ökosystem als Ganzes. Das Problem lässt sich gut anhand eines Beispiels aus dem Verlagswesen erklären: Als Publisher sind Facebooks Instant-Articles kaum zu umgehen, denn ein nicht unerheblicher Teil der Leser nutzt das soziale Netzwerk als primäre Nachrichtenquelle. Bei so veröffentlichen Inhalten erhält Facebook allerdings einen noch größeren Einfluss auf die digitalen Vertriebswege von journalistischen Inhalten.

„Es wird nicht nur der Browser sein, der den Unterschied macht.“ – Mark Surman auf dem Mozilla-Festival 2016

Das ist nicht notwendigerweise schlecht, es verändert jedoch das Ökosystem. Ähnlich sieht es mit der Harmonisierung des europäischen Urheberrechts aus. Letztlich basiert jede noch so innovative Idee aus der Kombination bestehender Ideen und Konzepte. In der digitalen Welt lassen sich Dinge naturbedingt deutlich einfacher kombinieren, auseinandernehmen und wieder neu zusammensetzen, als es früher möglich war. Das müsste, so die Überzeugung Mozillas, eine zeitgemäße Copryright-Regelung auch entsprechend abbilden. Um mit ihren Forderungen in Brüssel Gehör zu finden, hat Mozilla dazu im August 2016 eine Petition ins Leben gerufen.

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