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MP3 ist jetzt offiziell abgeschrieben: Das Ende einer deutschen Erfolgsgeschichte

    MP3 ist jetzt offiziell abgeschrieben: Das Ende einer deutschen Erfolgsgeschichte
MP3 ist jetzt offiziell tot. (Foto: Shutterstock)

Das Fraunhofer Institut trägt MP3 zu Grabe, indem es das letzte Lizenzprogramm beendet. Der Erfolg der Technologie ist beispiellos in der deutschen Digitalszene.

MP3 ist eine deutsche Erfolgsgeschichte. So richtig wissen das wohl die wenigsten Musikhörer – und das, obwohl der wohl übergroße Teil der Deutschen mit dem Format regelmäßig Bekanntschaft gemacht haben dürfte beziehungsweise es noch immer tut. Entwickelt wurde die Technologie ab 1982 von Wissenschaftlern des Fraunhofer Instituts rund um Karlheinz Brandenburg. Vorweg ist die Idee der Audiokompression an der Universität Erlangen-Nürnberg erdacht worden. Rückblickend betrachtet war das jedoch mehr als nur die Geburtsstunde einer Technologie, sondern vielmehr sogar die eines kulturellen und wirtschaftlichen Phänomens.

Das Fraunhofer Institut lässt MP3-Lizenzen auslaufen

Karlheinz Brandenburg leitet das Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie und gilt als Vater der MP3. (Foto: Fraunhofer Institut)

Das Besondere an MP3 ist nicht nur, dass das Format große Musikdateien komprimiert, sondern sich dabei auch die Eigenschaften des menschlichen Gehörs zu Nutze macht. „Die Teile der Musik, die für den Menschen besonders gut hörbar sind, werden auch besonders genau dargestellt. Weniger gut hörbare Anteile werden weniger genau abgebildet, unhörbare Informationen können ignoriert werden“, erklärt Jürgen Herre, der seinerzeit Mitentwickler war. Musik besteht nämlich aus sehr vielen verschiedenen Komponenten, die aber nicht gleich gut aufnehmbar für den Menschen sind. So bleibt dem Zuhörer ein leises Flötenspiel möglicherweise verborgen, wenn gleichzeitig kräftig in die Trompete geblasen wird.

Mit MP3 hat das Fraunhofer Institut sich erneut weltweite Popularität gesichert. Doch auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland bedeutet die Entwicklung einiges. Die durch die Erfindung induzierten Steuereinnahmen summieren sich laut Fraunhofer IIS für Bund und Länder auf jährlich 300 Millionen Euro. Mindestens 9.000 Arbeitsplätze seien in Deutschland direkt bedingt durch MP3 – etwa im Handel oder bei Herstellern entsprechender Abspielgeräte. Deutschland gehöre bis heute zur weltweiten Spitze in der Entwicklung der Audiotechnologien. Fun Fact: Die Bundesregierung warb anlässlich der EU-Ratspräsidentschaft sogar mit einer eigenen Serie von MP3-Playern für den Innovationsstandort Deutschland.

Vor wenigen Wochen nun, am 23. April 2017, hat das Fraunhofer Institut das letzte Lizenzprogramm mit Technicolor beendet und somit mehr oder weniger offiziell den jahrelangen Standard der Audiocodierung – zumindest symbolisch – zu Grabe getragen. Das heißt nicht, dass MP3 nicht mehr funktioniert, aber dass die Prioritäten inzwischen woanders liegen. „Heutige Medien wie Streaming, Fernsehen oder Radio nutzen modernere ISO-MPEG-Verfahren der AAC-Familie oder in Zukunft auch MPEG-H Audio“, schreiben die Verantwortlichen. Diese böten erweiterte Einstellungsmöglichkeiten und eine bessere Audioqualität bei viel geringeren Bitraten. Apples iTunes-Store nutzt beispielsweise seit seiner Einführung im Jahr 2003 bereits das überlegene AAC-Format.

Update vom 17. Mai 2017: Nachdem immer mehr Leser die zugespitzte Überschrift „MP3 ist jetzt offiziell tot“ kritisiert haben, entschieden wir uns dazu, sie abzuschwächen, um einer möglichen Verwirrung entgegenzuwirken. Wie im Artikel beschrieben, funktioniert MP3 natürlich nach wie vor. Jedoch gilt das Format technisch gesehen als veraltet und zählt bei kommerzieller Software nicht unbedingt mehr zum erstgewählten Standard – wie wir auch versucht haben an iTunes zu verdeutlichen.

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Wenn du diese Technologien noch kennst, bist du offiziell alt
(Foto: Shutterstock-Myibean)

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via www.npr.org

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5 Reaktionen
Paul
Paul

Was für eine völlig falsche Überschrift. MP3 fängt jetzt erst richtig an zu leben!

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Max
Max

Hier wird wieder einmal sehr viel Quatsch geredet. Nur weil die Lizenzen jetzt wegfallen, werden die Chinesischen Firmwarehersteller doch nicht einfach MP3 aus dem Reportoir streichen. Im Gegenteil, jetzt ist es wenigstens komplett legal. Bis MP3 ansatzweise verschwindet, werden noch Jahrzehnte vergehen. Auch wenn es bessere (und sogar von Anfang an freie) Alternativen gibt, wird MP3 immer noch weltweit stark benutzt.

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Beinemann
Beinemann

Danke, genau das wollte ich auch sagen.
Es erschüttert mich, dass der Autor ein Mann mittleren Alters ist.

Und dann noch das: „Mit MP3 hat das Fraunhofer Institut sich weltweite Bekanntschaft gesichert.“

Vorher war das ja eine völlig, unbekannte Kaschemme o.O … dort wo heute so Namenlose wie das Max-Planck-Institut oder Helmholtz rumdümpeln.

So ein Quatsch. Außerdem wurde MP3 in Deutschland kaum monetarisiert. Die meisten Player kamen aus den USA und China. Die Meldung über das Lizenzende hätte gereicht. Hätte er geschwiegen, wäre er Philosoph geblieben.

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Sebastian
Sebastian

Ääh, das hat doch nichts mit dem Tod zu tun, sondern die letzten Patente sind einfach Mitte April abgelaufen und somit muss man keine Lizenzgebühren zahlen.

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Philipp Blum
Philipp Blum

In einigen Laendern schon deutlich frueher. Aber ja, das letzte ist jetzt in den USA ausgelaufen. Also: Patentfrei.

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