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Marketing

MyWays: Deutsche Post macht jeden zum Postboten mit Crowdsourcing

    MyWays: Deutsche Post macht jeden zum Postboten mit Crowdsourcing
Jonglieren mit Paketen kann Shipcloud zwar nicht, aber den Online-Händler-Alltag soll die Cloud-Lösung trotzdem erleichtern. (Foto: © drubig-photo - Fotolia.com)

Unterwegs zur Uni oder ins Geschäft? Nimm doch ein Paket unterwegs mit und verdien dir etwas dazu: Über eine App gesteuert stellen Privatpersonen auf ihren täglichen Wegen Pakete in der Großstadt zu. Wir stellen euch den neuen Dienst vor.

Eine neue Plattform des deutschen Logistikgiganten DHL namens „MyWays“ testet im Moment das Prinzip Crowdsourcing bei Paketzustellungen. Die Grundidee ist recht simpel: Nahezu die gesamte Einwohnerschaft einer Großstadt ist täglich immer wieder zu verschiedenen Orten unterwegs, sei es zur Arbeit, zu Freitzeitbeschäftigungen oder beim täglichen Einkauf. Was spricht also dagegen, diesen Menschen unterwegs ein Paket in die Hand zu drücken und zu sagen: „Gib das bitte mal ab“ – und als Anreiz bekommt der „zweckentfremdete Paketbote“ einen kleinen Obulus ausbezahlt. Oh, gut, okay: In Deutschland würden uns wahrscheinlich 1.000 Gründe einfallen, warum das unter keinen Umständen geht. Die Pakete könnten geklaut werden oder der Datenschutz ist gefährdet, wenn irgendwer statt zuzustellen mein Paket aufmacht und meine Liebesbrief-Sammlung der letzen zehn Jahre liest und überhaupt: Ist der Paketbote gegen Unfälle versichert? Und ... und ... und. Aaaah! Vielleicht ist DHL deshalb mit dem Startup erst mal nach Stockholm ausgewandert, man weiß es nicht. Spaß beiseite: Das Startup läuft in Stockholm schon auf Hochtouren, wir stellen euch deshalb vor, wie das funktioniert mit der Paketzustellung bei MyWays. Und vielleicht kommt das Ganze ja auch bald zu uns „rübergeschwappt“.

myways
Die Startseite von MyWays.com – Momentan nur auf schwedisch. (Screenshot: MyWays.com)

  MyWays: So funktioniert die Paketzustellung

Innenansicht der MyWays-App. (Screenshot: MyWays.com)
(Screenshot: MyWays.com)

Bei beliebigen Onlineshops einfach bei der Bestellung DHL als Zusteller auswählen, der Kunde erhält dann eine Paketverfolgungsnummer von DHL zugeschickt. Mit dieser Nummer meldet sich der Paket-Empfänger bei MyWays an, die dazugehörige App gibt es für Android und iOS. Dann kann er sich völlig frei aussuchen, wann und wo das Paket zugestellt werden soll und wie viele Credits der Zusteller für die Lieferung bekommen soll. Credits sind die interne Währung bei MyWays, die jederzeit in „echtes“ Geld getauscht werden kann. Jetzt taucht der Zustellungsauftrag bei MyWays im Marktplatz auf und Nutzer können ihn annehmen. Der nächste Weg führt dann in eine DHL-Filiale, dort nimmt der Zusteller gegen Vorlage seines Personalausweises das Paket zur Zustellung in Empfang. Während der Zustellung können sich Zusteller und Empfänger über einen bei MyWays integrierten Messenger austauschen. Ist das Paket samt Zusteller am Zustellungsort angelangt, bestätigt der Empfänger in der MyWays-App, dass seine Sendung wohlbehalten angekommen ist. Diese Aktion schreibt gleichzeitig dem Zusteller die vereinbarte Summe an Credits gut, damit ist die Transaktion beendet.

Fazit MyWays: Interessante Idee, die flexible Zustellungen ermöglicht

Die Idee aus der DHL-Zukunftsküche ist eine sinnvolle Fortführung des Crowdsourcing-Gedankens. Sicher mag für den einen oder anderen etwas Überwindung dazu gehören, einer fremden Privatperson ein Paket anzuvertrauen, letztlich profitiert der Kunde aber von dem Dienst. Zustellung zu jedem gewünschten Zeitfenster, auch an jedem gewünschten Ort, das ist ein Service, der bisher schlichtweg fehlt – und doch theoretisch ein Stück Lebensqualität bedeuten könnte. Zumindest für mich wäre das so, wenn ich meine Pakete nicht mehr nahezu unplanbar zu irgendwelchen starren Zeiten abholen oder entgegennehmen müsste. Umsetzbar erscheint das Ganze zudem, in Stockholm soll es laut „Der Handel“ bisher ganz gut geklappt haben, wobei die meisten Zustellungen wohl von Studenten übernommen wurden. Und die Logistik-Branche wird durch diesen Dienst auf der letzten Meile kaum Personalabbau befürchten müssen, die Pakete müssen ja nach wie vor an den örtlichen Service-Point gelangen. Die euphorischen Nebenwirkungen, die DHL verkündet: dass man beim Zustellen so viele interessante Leute kennenlernen würde und auch die Umwelt so enorm geschont würde, lasse ich dabei mal außer Acht. Das klingt mir stellenweise dann doch ein wenig übertrieben.

Finde einen Job, den du liebst zum Thema iOS, Android

10 Reaktionen
Peter H
Peter H

Kritische Betrachtungen, die der Schreiber hier so Flapsig mit "1.000 Gründe" schon mal abwertet, sind für mich sehr wohl angebracht. Warum sollte ein Weltweit agierender Logistikkonzern mit Croudsourcing experimentieren? Doch nicht um seinen Service zu verbessern. Es geht doch ausschließlich um Kostenreduzierung. Und natürlich kann man im Erfolgsfall das Filialnetz (Deutsche Post) verkleinern und Zusteller einsparen.

Ich halte davon nichts. Ich möchte, wie viele andere sicher auch, wissen wer meine Pot und meine Pakete bei mir Zuhause zustellt. Ich möchte nicht das der Student aus der Nachbarschaft mir meine Sendungen von Beate Uhse bringt und die Mutter des Freundes aus der Nachbarschaft mir meine Medikamenten Lieferungen zustellt. Die Probleme, die ich hier mit Art 10 GG sehe, wären für mich aber erledigt wenn ich als Empfänger immer die Wahl habe ob ich diesen Dienst nutzen will. Hermes Paketshops, die ich frei wählen kann oder Paketstationen an denen ich mir persönlich meine Sendungen abholen kann,nutze ich gerne. Aber dieser Service käme für mich genauso wenig infrage wie irgend welche Billigpostdienste. Hier wird nur Lohndumping voran getrieben.

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Rene

Das wird nix. Warum soll sich eine Privatperson die Verantwortung für ein fremdes Paket aufbürden? Nicht für ein paar Credits ... .

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Hoffentlich setzt es sich durch
Hoffentlich setzt es sich durch

Sowas wollte ich vor Jahren schon programmieren. Leider habe ich kein Land gefunden wo man sowas stressfrei und profitabel etablieren kann.

QR-Codes und Handies und Datentarife machens möglich. In Afrika z.B. gibts wohl mehr Handies als Festnetz.

Wenn die Pakete zerdellt ankommen, dürften Bewertungs-Funktionen das schnell regeln. In Indien müssen laut TV-Bericht Pakete in Stofftücher (ähnlich wie Kopfkissen-Bezüge) eingenäht werden. Da guckt man also nicht mal so eben rein.

Die meisten Leute sind ehrlich. Bei 1-2% Versicherung sollten die meisten Sachen geregelt sein. Wer mehr als 20 Euro versichert haben will, kann ja mehr bezahlen.
Und bei mir würde man den Paket-Annehmer mit dem Paket in der Hand fotografieren. Paket-Diebe und Bestell-Diebe (die kommen immer wieder im TV) gibts dann nicht mehr.

Im Unterschied zur Post wären bei mir eher DVDs und ähnlicher Kleinkrams und bundesweit transportiert worden weil es viele (Studenten-)Pendler gibt und wo beide Seiten Angst haben, beim Online-Kauf betuppt (betrogen) zu werden und die Versandkosten recht hohe Anteile haben. Hermes-Shops u.ä. bieten sich als Abhol-Punkte an wo man eh täglich vorbeikommt.
Wenn man 50 Cent pro Hop (Netzwerk-Slang) nimmt, und ein Student 10 Pakete mitnimmt und am Abholpunkt/Zwischen-Stützpunkt abgibt, macht das 5 Euro.
"Die Menge machts."
"Kleinvieh macht auch Mist."
"Jeder kennt Jeden anderen Menschen über 6 Zwischen-Personen"(oder so ähnlich). 6 Hops wären 6*50 Cent also 3 Euro für den Versand.
...
Schaut mal wie viel Boten von Hermes, DPD, GLS,... pro Paket kriegen. Die entsprechenden Zeitschriften-Artikel stehen oft genug noch online verfügbar.

Die Konkurrenz sind versicherte Hermes-Pakete (3,90 Euro) bzw. DHL-Pakete (6,90 Euro) so das man durchaus jeden in der Kette profitabel versorgen kann.

Die hier schon verfügbare Post-Idee mit den Personen-IDs und dynamischer Zustellung hatte ich übrigens auch. Aber die Karten haben ja nicht mal QR-Codes... sondern man muss die Nummer immer abtippen und kann auch keine Hotels o.ä. als Empfänger angeben sondern nur Postämter die oft recht früh schliessen :-(((
Schon schade schöne Chancen zu vertun...

Andere Länder sind viel dünner besiedelt oder haben mehrere Zustell-Dienste (England möglicherweise) die dann auch noch unterschiedliche Abhol-Stellen haben, so das hier vermeintlich uninteressante Ideen woanders durchaus einschlagen könnten.

Auch Personen wollen von A nach B "geroutet" werden und andere Personen fahren ständig durch die Gegend. Bewertungs-Systeme ("Raucher" "Auto klein" "Quaselt viel"...) und man hätte Alternativen zur Eisenbahn oder Auto-Vermietungen.
Da gibts weltweit viel, was man mal so eben programmieren könnte. Leider verhindern zu viele Regularien solche simplen Verbesserungen fürs Volk und auch Piraten oder Linke erkennen das Potential gegenseitiger Verbesserung und Hilfe dank (oft trivialster) Apps leider nicht.

In Ländern wie Türkei benutzen 30% der Online-Bürger wohl z.b. Twitter. Da könnte man viel hilfreiches trivial programmieren. Leider kenne ich keine Plattformen dafür. Und wenn das Freihandels-Abkommen gilt, gelten hier vielleicht auch US-Patente auf Geschäfts-Ideen... .
Halb-Off-Topic aber durchaus passend: Firmen wie die von Warren Buffet, Whatsapp (wohl die häufigst-installierte App in Deutschland) und Craigslist (führend bei US-Online-Kleinanzeigen) wären für den deutschen neuen Markt vielleicht zu klein weil sie deutlich weniger als 100 Mitarbeiter haben.

Schade das ich kein Land kenne wo schlanke Software-Startups unterstützt werden und nicht nur Firmen wo tausende ungelernte Arbeiter arbeiten.
"Tagelöhner"-Dienste für Kleinst-Arbeiten oder auch um Produkte (Leuchtstoffröhre oder USB-Netzteil und Kabel weil mans zu Hause hat liegen lassen) von A nach B zu bringen fehlen schon lange.

Bald würden Google-Robo-Cars die Produkte annehmen und an die Empfänger verteilen und die letzte Meile per Copter. An 3D-Drucker und Videobrillen glaubte vor 10 Jahren auch niemand. An Oculus Rift sieht man, wie jemand (John Carmack glaube ich) seine Idee durchsetzt nur weil er mit den vorhandenen Videobrillen unzufrieden war. Oder Sergey Brim der die Google-Glasses wohl pusht und selber benutzt so das sie nicht untergehen wie Dodgeball, Wave, Base, DMOZ,... und viele andere Google-Käufe bzw. Google-Projekte.

In Tibet gibts übrigens Post-Man die mit Klatsch und Tratsch und halt Briefen von Dorf zu Dorf wandern. In vielen Ländern gibts wenig befestigtes Straßen-Netz und viele kleine Dörfer. Oder siehe Australien wo Schüler per CB-Funk in die Schule gehen also per Radio am Unterricht teilnehmen.

Wenn man per Handy (QR-Code-Aufkleber auf den Paketen) die Übergabe tracken kann, ermöglichen sich gigantische Optionen und die Krankenschwester die in Afrika von Dorf zu Dorf fährt, bekäme über die Paket-Gebühren das Benzin quer-finanziert.
In vielen Ländern dürfte es mangels Infrastruktur sowieso üblich sein, das man Bekannten Pakete für Verwandte o.ä. mitgibt.

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Petra
Petra

Lustig, dass sich die Kommentare hier genau so entwickeln, wie der Autor es im ersten Absatz vorhergesagt hat. Typisch deutsch. ;-)

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Dirk
Dirk

Da das ganze in Schweden läuft und ich lange in Schweden gelebt habe - kann ich nur sagen das ist eine super Lösung!
Wir in D sind verwöhnt, da der Postbote immer an die Tür kommt. In Schweden ist das nicht so! Für mich wäre das interessant gewesen, aber ich denke für Leute, die kein Auto haben, krank sind oder gehandikapt ist das perfekt.
In Schweden werden dadurch auch definitiv keine Arbeitsplätze wegfallen. In D kann es ggf. auch einen Mehrwert bringen, vor allem wenn ich keine Lust habe meinem Nachbarn zu begegnen um bei ihm das Paket abzuholen ;-)

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Konrad
Konrad

Das ist der größte Mist, der mir jemals untergekommen ist. Das wird sich in Deutschland niemals durchsetzen. Meine Pakete sollen keine Fremden durch die Gegend tragen.

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Roland
Roland

Stell ich mir echt spaßig vor, wenn ich von A nach B unterwegs bin, die Zustellung einplane und der Empfänger doch keine Zeit hat. Entweder ich schmeiße für ein paar Cent meine Pläne über den Haufen oder muss später nochmal los.
Da nutze ich lieber die Packstation oder lasse das Paket bei einem Nachbarn abgeben.

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Christian
Christian

Würde mich mal interessieren wer denn bei Verlust, Beschädigung usw. der Pakete haftet? Wahrscheinlich der Student oder der Kunde selber. Dann spart DHL an der Stelle auch noch.

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Christian
Christian

"Und die Logistik-Branche wird durch diesen Dienst auf der letzten Meile kaum Personalabbau befürchten müssen, die Pakete müssen ja nach wie vor an den örtlichen Service-Point gelangen."

Na, das bezweifel ich aber mal stark. So hat man weniger lästige Angestellte die mehr Geld kosten, Arbeitsverträge wollen, Urlaub nehmen usw. und gibt stattdessen Studenten ein paar Cent pro Paket.
Bin jetzt schon unzufrieden mit der DHL und solche Ideen machen es nicht besser.

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Mandrenke
Mandrenke

Das Management so: "Lass uns mal alle Filialen schließen." -"Super idee!"
"Und nun entlassen wir mal fast alle Angestellten, denn die Trottel können sich ihre verdammte Dreckspost ja auch selbst für ein paar Badges und Achievements liefern." -"Noch bessere Idee!"

Nein, das ist Mist! Ganz grober Mist!

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