Neuer Apple Store: Glaspalast quetscht sich in Häuserzeile
Palo Alto heißt das erste Ziel meines Silicon Valley-Trips, auf der Agenda stehen der neue Apple Store, der Campus der Stanford Universität und Treffen mit einigen Unternehmern im Valley. Und natürlich meine WG-Unterkunft für zwei Nächte: Die Herausforderung, ein bezahlbares Zimmer zu finden, übersteigt die Wohnungsnot in San Francisco noch bei Weitem. Es sind die Nerds und Google-Mitarbeiter dieser Welt, die Palo Alto für sich beanspruchen und mir nur eine Wohnzimmer-Couch übrig lassen, die ich aber immerhin nicht teilen muss (nur das Wohnzimmer). Das Quartier kostet 55 Euro pro Nacht und beschert immerhin neue, nette Kontakte. AirBnB funktioniert!
Apples neuester Store befindet sich in der einzigen belebten Straße von Palo Alto und fügt sich in eine langgezogene Häuserfassade ein. Vermutlich würde der Glaspalast noch mehr wirken, würde er frei stehen und sich nicht zwischen eine Apotheke, einen Asia-Laden und Walgreens quetschen. Aber vielleicht macht auch genau dies das Besondere am Silicon Valley aus, wo vieles zusammenkommt, was ansonsten nicht zusammen passt. Mein Problem, dass ich bei Starbucks nicht ins WiFi-Netz komme, können die unzähligen blau gekleideten Mitarbeiter zwar nicht lösen. Schön ist es in dem für Apple typischen Store mit seinem schlichten aber hochwertigen Design trotzdem.
Deutsche Gründer beim German Silicon Valley Accelerator
Nur zwei Orte weiter, in Sunnyvale, sitzt der German Silicon Valley Accelerator. Das Programm ist die erste Anlaufstelle für deutsche Gründer, die im Valley Fuß fassen wollen, und bietet tolle Unterstützung an. Es ist aus einer Privatinitiative von drei deutschen Unternehmern entstanden, die seit Jahren im Valley leben. Als sich die Anfragen aus Deutschland häuften, Kontakte in die US-amerikanische Startup- und Investorenszene herzustellen, wurde das Trio aktiv und gründete das Programm, das vom BMWI unterstützt wird. Ausgewählte deutsche Startups erhalten die Möglichkeit, für mehrere Monate nach Kalifornien zu kommen und die dortige Startup-Luft zu schnuppern und wertvolle Kontakte aufzubauen.
Als ich hereinschneie, ist das Team gerade voll in Action und bereitet die letzten Dinge für die Abendveranstaltung „My Success. Our Vision“ vor, bei der fünf deutsche Startups ihre Geschäftsidee präsentieren und Redner die deutsche und amerikanische Startup-Szene analysieren. Eine Aussage begegnet mir immer wieder: Das größte Problem der Deutschen ist, dass sie zu klein denken. Vielleicht ist dies der Hauptgrund dafür, warum das Silicon Valley ein wunderbar inspirierender Ort für deutsche Startups ist – ganz egal, ob sie hier Fuß fassen wollen oder sich allein auf den deutschen Markt fokussieren.
Oase im Silicon Valley: blackbox
Auch Fadi Bishara, der mich auf dem kleinen Campus seines privaten Startup-Accelerator blackbox empfängt, stellt diesen Punkt heraus. Blackbox hilft Nicht-US-amerikanischen Startups im Silicon Valley Fuß zu fassen, den Hauptanteil machen Startups aus Europa aus. Als begehrter Redner auf Konferenzen wie der Advance kennt Bishara die europäische Gründerszene vertieft und liefert spannende Analysen: „In Deutschland hat man extreme Angst vor dem Scheitern, in Skandinavien ist es eher die Angst vor Erfolg“, lautet eine seiner Thesen. Auch er versucht, Deutschen das „groß denken“ beizubringen und sie damit vertraut zu machen, wie man „im Valley Business macht“. Denn dabei gebe es doch starke kulturelle Unterschiede.
Für mich ist der kleine Blackbox-Campus nicht nur persönliche Inspiration, sondern gleichzeitig eine Auszeit aus der Hektik San Franciscos: Atherton ist, obwohl inmitten des Silicon Valleys gelegen, ein abgeschnittenes Dorf, in dem der lokale Zug nur am Wochenende hält. Nachts ist es stockdunkel, Straßenlaternen gibt es kaum; Die Reichen wollen die tolle Beleuchtung ihrer pompösen Häuser genießen, verrät mir jemand, der hier eine zeitlang gelebt hat. Blackbox selbst ist ein tolles Startup-Haus mit im Haus verteilten Arbeitsplätzen, einem Swimming-Pool samt Poolhaus im Garten und einer Veranda, auf der sich die anwesenden Gründer zum Schwatzen und Programmieren treffen. Hier hätte ich übernachten sollen, denke ich im Nachhinein. Tatsächlich werden die Mehrbettzimmer kostengünstig über AirBnB vermietet und wer mit dem Mietwagen unterwegs ist und nicht auf den Lokalzug angewiesen ist, sollte hier unbedingt eine Übernachtung einschieben. Es gibt auch garantiert Einzelbetten.
Weiterführende Links
- Glaspalast: Neuer Apple Store in Palo Alto [Bildergalerie] - t3n.de
- German Accelerator: Wie deutsche Startups im Silicon Valley andocken - t3n.de
- Zanox-Gründer kreieren „Kickstarter für Startups” - t3n.de
![Nächtlicher Nerd-Alarm und Poolparty [Silicon Valley Tagebuch]](http://t3n.de/news/wp-content/uploads/2012/11/2012-11-13-14.44.19-205x115.jpg)








von Beat 24.11.2012 (15:16Uhr) 1.
Wow! Super geschriebener Artikel. Wenn ich sowas lese, frag ich mich immer, was ich falsch mache und warum ich noch in meiner Einzimmerwohnung rumgammle. :-)
von Nächtlicher Nerd-Alarm und Poolparty [T… 24.11.2012 (17:29Uhr) 2.
[...] Nächtlicher Nerd-Alarm und Poolparty [Tagebuch] Diesen Artikel teilen: Am 24. November 2012 / Blog / Hinterlassen Sie einen Kommentar [...]
von Keyload 26.11.2012 (18:04Uhr) 3.
Zu klein denken. Das ist wohl wirklich ein sehr großes Problem in Deutschland, womit auch unser Startup-Unternehmen täglich zu kämpfen hat. Gleichzeitig die altbekannte Angst zu scheitern. Wirklich guter Artikel!
von Christian 26.11.2012 (18:35Uhr) 4.
Netter Artikel, danke.
Arbeite derzeit in Paris und möchte AirBnB nicht mehr missen. Jedes Wochenende ein anderes Viertel, meist interessante Persönlichkeiten und zu einem Preis der absolut klar geht.
55€ für ne Couch ist allerdings happig ;)
Grüße in die Heimat,
Christian
von Das zeichnet erfolgreiche Gründer aus … 03.12.2012 (15:22Uhr) 5.
[...] fünfwöchigen Reihe stelle ich einige Themen vor, die ich bei meinem Aufenthalt im Silicon Valley mit Fadi Bishara von Blackbox besprochen habe. In der nächsten Woche geht es um das „Geheimnis des Silicon Valleys“: [...]
von Das zeichnet erf#OLGreiche Gründer aus… 03.12.2012 (15:45Uhr) 6.
[...] fünfwöchigen Reihe stelle ich einige Themen vor, die ich bei meinem Aufenthalt im Silicon Valley mit Fadi Bishara von Blackbox besprochen habe. In der nächsten Woche geht es um das „Geheimnis des Silicon Valleys“: [...]