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Digitales Leben

Bei Webbies nachgefragt: Was war dein Netz-Highlight 2013?

    Bei Webbies nachgefragt: Was war dein Netz-Highlight 2013?

(Foto: © nito - Fotolia.com)

„Welches Ereignis oder Erlebnis war dein Netz-Highlight 2013?“ Eine Frage, die wir sieben Menschen stellten und auf die wir sieben unterschiedliche Antworten erhielten.

Alles ist im Fluss: Das #Neuland ist im Mainstream angekommen

von Richard Gutjahr „@gutjahr“

„Alles ist im Fluss: Das #Neuland ist im Mainstream angekommen“ von Richard Gutjahr.
„Alles ist im Fluss: Das #Neuland ist im Mainstream angekommen“ von Richard Gutjahr.

Mein persönliches Netz-Highlight, ernsthaft, da fragt Ihr noch? Anfang November hat die US-Luftfahrtbehörde beschlossen, dass man elektronische Geräte künftig auch beim Start und bei der Landung benutzen darf! Keine Woche später zog die Europäische Agentur für Flugsicherheit nach und kündigte ebenfalls eine entsprechende Regelung an. Was blieb ihr auch anderes übrig?

Erst neulich bin ich von New York nach München geflogen: Beim Start war mein iPad harmlos. Beim Landeanflug über dem europäischen Luftraum war es dann auf einmal gefährlich. Selber Flug. Selbes iPad. Mir war natürlich klar: wenn ich der Aufforderung nicht nachkomme und mein Tablet augenblicklich ausschalte, würden wir alle sterben.

Was ich mit dieser kleinen Geschichte zum Ausdruck bringen möchte: Wir befinden uns in einer der spannendsten Zeiten überhaupt. Vorschriften, von denen wir dachten, sie seien in Stein gemeißelt, können sich schon morgen in Luft auflösen. Dinge, die heute noch bekämpft werden, sind morgen vielleicht schon der neue Mainstream. Alles ist im Fluss.

2013 war für mich das Jahr, in dem das #Neuland endgültig im letzten Winkel unserer Gesellschaft angekommen ist. Im Flugzeug, im Bundestag, in den konservativsten Medienhäusern. Selbst die letzten gedanklichen Hinterbänkler lesen heute Blogs, lachen über Memes, teilen Status-Updates via Facebook oder Twitter. Bleibt zu sagen: „Boarding completed!“ Das Anschnallzeichen ist aktiviert. Klappen Sie nun bitte die Tische hoch und stellen Sie Ihren Sitz in eine aufrechte Position. Und ja, Ihre elektronischen Geräte dürfen angeschaltet bleiben. Wir starten ins neue Jahr 2014!

Über Richard Gutjahr: Richard Gutjahr arbeitet als freier Mitarbeiter für die ARD, moderiert die Spätausgabe der BR-Rundschau, schreibt regelmäßig als Kolumnist für die Münchner Abendzeitung und den Berliner Tagesspiegel und bloggt auf gutjahr.biz. Zudem ist er Mitbegründer der Open-Data-Plattform LobbyPlag, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Lobby-Einflüsse in Gesetzgebungsverfahren sichtbar zu machen.

Ironblogger: Und viele weitere Netz-Highlights aus 2013

Von Inken Meyer „@meyola“

„Ironblogger: Und viele weitere Netz-Highlights aus 2013“ von Inken Meyer.
„Ironblogger: Und viele weitere Netz-Highlights aus 2013“ von Inken Meyer.

Kennt ihr das, wenn man Dinge explizit nicht mehr tun will, weil sie Trend sind oder weil Justin Bieber sie tut? Was früher der „Harry Potter“ war, ist für mich nun der „Selfie“! Manchmal hebe ich mich eben gern ab, in dem ich bestimmte Dinge NICHT tue. Und ich hoffe, dieser Trend hört bald wieder auf, damit ich dann endlich wieder Bilder von mir posten kann…

Ansonsten kann ich sagen, dass mein Web-Highlight – zumindest in Deutschland – die „Ironblogger“ waren, die sich dazu verpflichten mindestens einmal wöchentlich zu bloggen. Tun sie dies nicht, zahlen sie 5 Euro in eine gemeinsame Kasse. Die Kasse wird dann regelmäßig geleert für gemeinsame Aktionen oder Spenden. Nach dem Vorbild von Berlin, startete Hamburg die „Ironblogger Hamburg“ und auf der republica 13 riefen sie zum Bloggen auf. Inzwischen gibt es sie in vielen Städten und auch international sowie themengebunden. Ich habe das Ironblogger-Logo als CC-Lizenz für die meisten Städte designt und angepasst. Mir persönlich hat es viele Blogartikel plus der Entstehung eines regelmäßigen Video-Podcasts gebracht. Die Motivation hat wirklich einiges aus mir herausgeholt.

Und übrigens: In der Zeit, in der alles kürzer und schneller wird, mal eben ein 24-Stunden-Video zu veröffentlichen, finde ich auch eine großartige Idee – danke Pharrell! 

Über Inken Meyer: Inken ist freiberufliche Artdirektorin und Projektmanagerin. Sie ist Mitgründerin der Digital-Media-Women, einem Netzwerk, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen aus den Bereichen Web und Medien im Netz sichtbarer zu machen. Zudem ist sie Organisatorin des Lunch-Beat-Hamburg und der Social-Media-Week-Hamburg.

2013 – mein Jahr des Kontrollverlustes und sozial-medialer Wirbelstürme

von Tobias Gillen „@tobiasgillen“

„2013 – mein Jahr des Kontrollverlustes und sozial-medialer Wirbelstürme“ von Tobias Gillen.
„2013 – mein Jahr des Kontrollverlustes und sozial-medialer Wirbelstürme“ von Tobias Gillen.

Als ich gefragt wurde, was mein persönlicher Web-Moment 2013 war, sprang mir ein Ereignis direkt in den Sinn: Mein Ferrari-Grünen-Bild vom 18. November, welches mir die zerstörerische Kraft des Social Webs in Erinnerung rief. Was war passiert?

Vor der Geschäftsstelle der Grünen in Köln standen ein Ferrari und ein Porsche auf Behindertenparkplätzen. Mein Foto dieser Szenerie ist ein wunderbar absurder Mix aus zwei Komponenten, die wohl für den anschließenden viralen „Erfolg“ entscheidend waren: Fehltritt einer Reizpartei und gesellschaftliches No-Go.

Die Kombination aus beidem machte die sozial-mediale Sprengladung anschließend besonders heiß, bevor es knallte: Einige große europäische Medien griffen das Bild und den Shitstorm – den Grüne und ich gleichermaßen durchmachten – auf. Von Diffamierung, Grünen-Hass, Behinderten-Diskriminierung und Aufmerksamkeitssucht warf man mir alles vor. Das spitzte sich zu: Als das Forum für „Hater“ und „Trolle“ nach Tausenden von Retweets und Shares zu groß wurde, löschte ich das Bild mit einer passenden Begründung auf meinem Blog.

Merkwürdig daran: Plötzlich schlug die Stimmung wieder um und mein Verhalten galt als „vorbildlich“ - ein Kompliment, das mir nicht selten von eben jenen entgegengebracht wurde, die mich zuvor als politisch-motivierten Super-Arsch hingestellt hatten. Alles in allem, ist mein witziges und vielleicht doch zu naiv gedachtes Posting, für mich zum Paradebeispiel für sozial-mediale Wirbelstürme und Kontrollverlust geworden - und daher mein einschneidendes Social-Media-Ereignis in diesem Jahr. In diesem Sinne: Auf ein gutes Jahr 2014.

Über Tobias Gillen: Tobias ist freiberuflicher Medienjournalist aus Köln und schreibt unter anderem für die Netzpiloten, Basic Thinking und dem Kölner Stadt-Anzeiger. Zu seinen Themen gehören alte und neue Journalismus-Formen, der Medienwandel, sowie Web 2.0 und Social Media. Zudem ist er Autor des eBooks „Verschlüsselt! - Wie ich sichere Kommunikation im Netz lernte“

Chromecast sei Dank: Wie ich zum YouTuber geworden bin

von Philipp Steuer „@philippsteuer“

„Chromecast sei Dank: Wie ich zum YouTuber geworden bin“ von Phillip Steuer.
„Chromecast sei Dank: Wie ich zum YouTuber geworden bin“ von Phillip Steuer.

2013 gab es zahlreiche technische Neuerscheinungen, die sich mit immer „besseren“ Funktionen übertreffen wollten. Über neue Smartphones hin zu Fitness-Armbändern oder intelligenten Uhren. Was mich richtig geflashed hat, war aber eindeutig ein ganz kleines, günstiges Gerät, das in meinen Augen nächstes Jahr hierzulande für eine kleine Revolution sorgen wird: Die Rede ist vom Chromecast!

Für läppische 35 Euro verwandelt der kleine HDMI­Stick jeden Flatscreen zum SmartTV. Die Einrichtung ist extrem simpel, so dass ihn auch meine Eltern nutzen können. Seit ich den kleinen Freund mein Eigen nenne, haben meine Freundin und ich schon so manchen Fernsehabend gegen eine große Runde YouTube eingetauscht, weil man die Webvideos ganz bequem auf einem großen Bildschirm verfolgen kann. Das Ganze funktioniert auch super via Smartphone oder Tablet. Während ich zu Beginn des Jahres noch sehr sporadisch den ein oder anderen YouTube-Kanal verfolgt habe, schaue ich nun – dank Chromecast – fast täglich die neusten Videos der großen YouTube-Stars.

Nicht ohne Grund hat das TIME Magazine den Chromecast zum Gadget des Jahres gewählt. In Amerika schon ein Renner, müssen wir uns in Deutschland offiziell noch bis März gedulden. Dann kommt der Chromecast auch bei uns in die Läden. Ich bin dann mal weiter YouTube-­Videos gucken.

Über Philipp Steuer: Philipp Steuer hat an der FH Köln Online-Redakteur studiert. Nach seinem Google+-Buch, einem +1-Tattoo und einem Jahr bei Google widmet er sich nun voll und ganz seiner YouTube-Karriere. Inklusive Social-Media-Revolution!

Aufregend: Ein Tweet, der um die Welt ging

von Andreas Weck „@andreasweck“

„Aufregend: Ein Tweet, der um die Welt ging“ von Andreas Weck.
„Aufregend: Ein Tweet, der um die Welt ging“ von Andreas Weck.

Blicke ich auf das Jahr 2013 zurück, hat mich zweifelsohne die NSA-Causa und Edward Snowden am meisten beschäftigt – ein Skandal, der mich zum einen nachdenklich gestimmt und zum anderen total empört zurückgelassen hat. Doch das Internet-Jahr 2013 bot noch mehr als nur die Gewissheit, dass wir in den Augen unserer selbst gewählten Politiker allesamt Terroristen sind.

Hier will ich lieber eine positive und ganz eigene Erfahrung schildern: Etwas völlig anderes, das mich zum Jahresende fasziniert hat, war ein Tweet, den ich absetzte und der überraschenderweise einmal um die Welt ging. Hinter dem einleitenden Satz „Online-Journalismus: Then vs. now“, twitterte ich ein Bild, das den Status-Quo des Online-Journalismus in diesem Jahr besser aufzeigte, als es jeder Kommentar eines Stefan Niggemeier hätte tun können. Abgebildet waren zwei skizzierte Artikelseiten, die zum einen die Inhalte von damals und heute verglichen, aber auch das Aufkommen von Anzeigen gegenüberstellte. Der Tweet war perfekt: Kurz und prägnant formuliert, visuell unterfüttert und kontrovers genug, dass sich über 1.000 Retweets und unzählige „Favs“ binnen weniger Tage gesammelt haben. Viralität galore!

Als ich anschließend den Tweet mittels Twitonomy analysierte, sah ich, dass Menschen von San Francisco über Berlin bis Hong Kong hinter den Interkationen steckten. Am aufregendsten aber war vor allem, dass sich eben dieselben Nutzer von überall her mit der Abbildung beschäftigten und mich auch anschrieben, um über den aktuellen Stand des Online-Journalismus zu diskutieren. In dem Moment wurde mir wieder klar, dass das Internet immer noch – trotz aller Missbrauchsvorfälle in diesem Jahr – das ist, was mich von Anfang an faszinierte: Eine technologische Innovation, die die ganze Welt zu einem Dorf macht und Menschen verbindet, die sich sonst nie begegnet wären.

Über Andreas Weck: Andreas ist Redakteur bei t3n.de und dem t3n Magazin mit Blick auf die Themen der Social Media und Netzpolitik. Zuvor war er Projektleiter des Online-Magazins Netzpiloten.de.

Gesicht zeigen: Ein Plädoyer für das #Selfie

von Florian Krakau „@dotdean“

„Gesicht zeigen: Ein Plädoyer für das #Selfie“ von Florian Krakau.
„Gesicht zeigen: Ein Plädoyer für das #Selfie“ von Florian Krakau.

„#Selfie“, wurde spätestens 2013 zum geflügelten Wort für „notorische Exhibitionisten“, die sich an Selbstdarstellung und Eigenmarketing zu ergötzen wissen. Könnte man sagen, wenn man sich eine kritische Zunge trotz aller Begeisterung für unser geliebtes Internet aufrechterhält. Für mich ist „Selfie“ auch deshalb das selbst gewählte Thema 2013, da es mir (Achtung: Überspitzung!) „Hoffnung“ schenkt. So wichtig beispielsweise Snowden und die NSA-Affäre sind, so sehr haben sie zu dem geführt, was wir seit Anfang an vermutet haben: Dezente Paranoia und Rückzug in eine vermeintliche und naive Anonymität. „Don’t get me wrong“, ihr macht das schon alles richtig.

ABER: Gerade aus diesem Grund finde ich Selfies so erfrischend menschlich, direkt und wichtig. Meine Frau erzählte mir eben von #memyselfandi aus dem Jahre 2008. Ja, auch schon damals gab es schöne Entwicklungen zum Thema „Gesicht zeigen“ und greifbarer werden durch Selbstausdruck. Ich könnte tolle prominente Beispiele, wie den amtierenden Präsidenten Obama, Justin „Retirement“ Bieber und andere Menschen mit effektiver „Öffentlichkeitsarbeit“ aufführen und als bequemes Beispiel verwenden – mach ich aber nicht. Das, was ich den geschätzten t3n-Lesern zu diesem Thema mitgebracht habe, ist etwas tatsächlich persönliches und – wie ich finde – außergewöhnliches von der folgenswerten @audiophista. Dieses Foto erhielt ich via iMessage und war sprachlos. Aufgrund der Kraft des Bildes und der Situation. In diesem Sinne: Öfter mal Gesicht zeigen, ihr lieben Menschen!

Über Florian Krakau: Florian ist Co-founder von pl0g.de, techbros.de, badnerlie.be, dailycoffeebreak.de und berlinblase.de Zudem Co-Host von pl0gbar.de and Team- und Projectlead Social Media bei Hubert-Burda-Media. Der Autor lebt und arbeitet in Offenburg im Badnerland.

Malala Yousafzai: Das Internet als Transportmittel von wichtigen Botschaften

Von Sina Gritzuhn „@SinaGritzuhn“

„Malala Yousafzai: Das Internet als Transportmittel von wichtigen Botschaften“ von Sina Gritzuhn.
„Malala Yousafzai: Das Internet als Transportmittel von wichtigen Botschaften“ von Sina Gritzuhn.

Ein Jahresrückblick der Web-Highlights ist, als halte man eine Hand voll Sand: Jedes Körnchen hat seine eigene Geschichte, doch zu schnell rinnen sie einem durch die Finger und nur zu oft verliert man sie wieder aus den Augen.

Besonders beeindruckt, hat mich 2013 die Geschichte des Pakistanischen Mädchens Malala Yousafzai, die sich gegen die Taliban auflehnte. Das Internet erwies sich dabei erneut als hilfreiches Transportmittel von wichtigen Botschaften. Erreicht hat mich Malalas Botschaft beispielsweise über das Interview in der „The Daily Show“ mit Jon Steward. „Nichts fühlt sich besser an, als dich Lachen zu hören“,  sagt der tief beeindruckte Gastgeber zu dem Mädchen, das mit 17 Jahren für den Friedensnobelpreis nominiert wurde. So. Very. True.

Malalas mutiger Kampf nahm seinen Anfang in ihrem Geburtstort im Pakistanischen Swat-Tal. Nachdem die Taliban ihr Dorf besetzten und sukzessive die Rechte von Frauen und Mädchen einschränkten, widersetze sich Malala gegen das Verbot, dass Mädchen eine öffentliche Schule besuchen dürfen. Sie sprach sich zudem öffentlich für die Bildung aller Kinder aus. „Wer ist Malala?“ Mit dieser Frage stieg eines Tages ein Taliban in ihren Schulbus und eröffnete das Feuer auf das 15-jährige Mädchen. Malala überlebte. Und machte sich unbeirrt und ohne Hass gegen ihre Aggressoren weiter auf den Weg, für die Rechte von Kindern zu kämpfen.

Doch damit nicht genug: Nach ihrer Genesung übergab sie UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon eine Petition, die rund vier Millionen Unterschriften für die Bildung aller Kinder auf der Welt sammelte. Malala gründete den „Malala Fund“  und schrieb ein Buch. Und obwohl sie von Talkshow zu Talkshow wanderte, wurde sie nie müde ihre friedliche Botschaft immer weiter in die Welt zu tragen: „Kinder in die Schule zu schicken, ist der beste Weg Terrorismus zu stoppen und viele weitere Probleme in der Welt zu lösen.“ Was für ein tolles Mädchen!

Über Sina Gritzuhn: Sina ist Bloggerin auf ihrem privaten Blog sinaswelt.com, freie Redakteurin, PR-Beraterin und seit dem Dezember 2013 Mitgründerin der Plattform „Hamburg Startups“. Als Mutter von zwei kleinen Mädchen liegt ihr das Thema Bildung besonders am Herzen.

Die aufkeimende Revolution in der vierten Gewalt

von Tilo Jung „@TiloJung“

Die aufkeimende Revolution in der vierten Gewalt.
Die aufkeimende Revolution in der vierten Gewalt.

Edward Snowden hat nicht nur den Datenhunger der Geheimdienste enthüllt. Seine Enthüllungen haben auch eine Debatte über den Journalismus in Gang gebracht. Sind Journalisten als Vierte Gewalt nicht immer auch Aktivisten? Oder ist Aktivismus mit Journalismus nicht miteinander vereinbar? Was hat das Handwerk des Journalisten mit einer politischen Haltung zu tun?

Die alte Schule grummelt: „Macht Euch doch nicht gemein mit einer Sache! Das dürft Ihr nicht! Meinung und Fakten müssen getrennt bleiben!“ Inzwischen haben aber haben selbst die Journalistenschulen Abstand davon genommen, die Idee der reinen Objektivität als handwerkliche Leitidee zu vermitteln. Warum bloß? Weil ihre Schüler nicht mehr daran glauben? Oder weil diese Idee blind gegenüber der tatsächlichen Praxis des Meinungsmarkt scheint?

Journalismus ohne Haltung, das wäre meine These, unterscheidet sich kaum von interessengeleiteter Öffentlichkeitsarbeit. Warum ist das so? Hinter der Idee der Objektivität verschwindet die Idee der Kritik. Wenn Kritik aber ausgeblendet bleibt oder nur zu ein paar Sorgenfalten im Bratenanzug eines Leitartiklers führt, dann macht sie sich selbst überflüssig. Oder auch nur lächerlich.

Das Gegenmodell dazu klärt auf, scheut nicht davor zurück, politisch und wirtschaftlich Mächtige scharf zu kritisieren, kann Fehlverhalten und Verantwortlichkeit bei Skandalen durch gute Recherchen dokumentieren. Mir gefällt, was Glenn Greenwald macht. Ich habe Respekt vor Jeremy Scahill und Laura Poitras. Sie gehen erstaunliche Risiken ein. Und der Ertrag ihrer Recherchen rechtfertigt ihre Methoden und ihr Engagement. Sie sind meine Vorbilder. Und die journalistischen Helden von 2013.

Über Tilo Jung: Tilo Jung ist seit 1985 Freier Chefredakteur. Ausgebildet beim Nordkurier, arbeitet er heute unter anderem für das radioeins-Medienmagazin (RBB). In den neuen Medien ist er als Mikroblogger auf den führenden sozialen Kanälen vertreten, die er mit unterschiedlichen Inhalten und Links bespielt. In Sachen WebTV ist er zudem mit Kollege Daniel Bröckerhoff ein Teil der "Penisdialoge". Ende Februar 2013 startete er den Videoblog "Jung & Naiv - Politik für Desinteressierte". Mittlerweile läuft die Sendung auch im deutschen TV. Im Januar beginnt die zweite Staffel.

 

Es wird Zeit, einen vagen Blick in die Zukunft zu werfen. Lies jetzt unseren Artikel „Mega-Trends 2014: 14 Experten und ihre Prognosen fürs kommende Jahr“. 

2 Reaktionen
Florian Krakau

freut mich das ich mitspielen durfte. gerne ergänze ich noch (social publishing und so) durch folgendes:

https://soundcloud.com/dotdean/selfiet3n (eingesprochen und durch fancy effekte angereichert!)

(bezogen auf das bild) hoffentlich gibt es im kommenden jahr wieder ganz andere anlässe, auch positive #selfie s zu fabrizieren. doch gerade in zeiten der besinnlichkeit finde ich dieses bewusst kommentarlose "exemplar" (#selfie) sehr gut und eben beispielhaft.

ebenfalls möchte ich die menschen (aus meinem umfeld und mit mehr kann und will ich nicht glänzen) zu wort kommen lassen, die für mich für diese bewegung im kleinen individuellen rahmen darstellen:

https://twitter.com/lana74/statuses/416232996413636608
https://twitter.com/audiophista/statuses/416292448626028545

in diesem sinne öfter mal gesicht zeigen ihr lieben menschen. guten rutsch und auf ein geiles 2014.
be awesome and smile =)

cheers, der florian
http://dotdean.de

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