von , 25.03.2009

Netzpolitik: Bundeskabinett beschließt Eckpunktepapier zu Internetfiltern

Das Bundeskabinett hat heute (25. März) einen Schritt in Richtung Internetfilter in Deutschland unternommen. Es wurde ein „Eckpunktepapier“ verabschiedet, das die entsprechende Gesetzgebung vorbereitet. Der Zugang zu kinderpornographischem Material solle „erschwert“ werden, heißt es in der Begründung. Deshalb solle künftig eine Liste von Websites geführt werden, deren Aufruf die deutschen Internetanbieter verhindern. Eine staatliche Stelle würde demnach künftig bestimmen, welche Inhalte für deutsche Internetnutzer gesperrt werden.

„Eine Ausweitung auf andere Zwecke ist nicht beabsichtigt“, heißt es in dem Papier. Beabsichtigt nicht, aber natürlich möglich und nach Ansicht von Kritikern sogar sehr wahrscheinlich. Schließlich gibt es keinen logischen Grund, warum nur eine Art illegaler Netzinhalte gesperrt werden sollte und nicht z.B. auch Filesharing-Portale. „Sobald die Filter bei der Kinderpornographie da sind, werden ganz viele andere auch vor der Tür stehen. Da gibt es heute schon viele, die etwas wünschen: Die einen wollen die Nazis aus dem Netz raushaben, andere wollen alle Urheberrechtsprobleme aus dem Netz raus haben“, hatte Markus Beckedahl von netzpolitk.org im Interview mit t3n erklärt.

Kritiker verweisen darauf, dass solche Sperren nutzlos sind und ihren behaupteten Zweck nicht erfüllen können. Auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages war kürzlich zu diesem Schluss gekommen. Man trifft demnach nicht die Verbrecher. Man trifft aber sehr wohl die Freiheitsrechte der Bundesbürger.

Sehr irritierend ist außerdem, dass zu sperrende Inhalte offenbar oft auch auf deutschen Servern zu finden sind. Das legt zum Beispiel eine finnische Sperrliste von Seiten mit illegalen Inhalten nahe. Im internationalen Vergleich belegt Deutschland dort Platz 3 hinter den USA und Australien. Da fragt man sich als Beobachter, warum hier nicht direkt eingegriffen wird.

Unterdessen gab es eine Wohnungsdurchsuchung beim Inhaber der Domain wikileaks.de. Auf WikiLeaks waren Sperrlisten aus verschiedenen Ländern aufgetaucht, die bereits entsprechende Filter eingerichtet haben. WikiLeaks beschreibt sich selbst als „ein gemeinnütziges Projekt, gefördert von Transparenzorganisationen und Recherchejournalisten aus der ganzen Welt.“ Dass der Inhaber der deutschen Domain eben nur der Inhaber der deutschen Domain ist, war den Behörden möglicherweise nicht bewusst. Die Seite selbst liegt auf einem Server in Schweden und an weiteren, unbekannten Orten. Mehr dazu bei netzpolitik.org.

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3 Antworten

  1. von Heinkas News » Blog Archive »… 25.03.2009 (16:00Uhr) 1.

    [...] Siehe auch: t3n.yeebase.com [...]

  2. von IchFragMichDoch 25.03.2009 (16:57Uhr) 2.

    Sehr gut, treibt die Perversen nur noch weiter in den Untergrund und damit raus aus dem Netz. Dann wirds erst richtig schwer solche Schweine zu finden!
    Aber ich sehe schon, hier läuft es auch wieder nach dem Moto was ich nicht weiß macht mich nicht heiss.
    Applaus!!!

    Unkraut vernichtet man an der Wurzel!

  3. von Vorschau: Die Highlights der Web-2.0-Kon… 26.03.2009 (12:08Uhr) 3.

    [...] Jetzt registrieren!Passwort vergessen? « vorheriger Beitrag [...]

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